Bleibegespräch führen: Darauf sollten Sie achten

Wollen gute Mitarbeiter ein Unternehmen verlassen, liegt es im Interesse des Arbeitgebers, dies zu verhindern. Vorgesetzte können dann ein Bleibegespräch führen, um wechselwillige Arbeitnehmer vom Verbleib im Betrieb zu überzeugen. Das klingt nett und Mitarbeiter sind erst einmal geschmeichelt, wenn das Unternehmen um sie kämpft – allerdings ist ein Bleibegespräch immer auch mit Vorsicht zu genießen. Wer nicht aufpasst, manövriert sich im Bleibegespräch unbemerkt in eine ungewollte und vor allem unvorteilhafte Position. Hier erfahren Sie, was genau ein Bleibegespräch ist, welche Ziele dabei von beiden Seiten verfolgt werden und worauf Sie als Mitarbeiter achten müssen…

Bleibegespräch führen: Darauf sollten Sie achten

Definition: Was ist ein Bleibegespräch?

Bleibegespräch führen Definition Erklärung ZieleDas Bleibegespräch ist eine besondere Form des Mitarbeitergesprächs, bei dem alles darauf ausgerichtet ist, das Arbeitsverhältnis des Angestellten weiterzuführen. Oft handelt es sich dabei um ein Vier-Augen-Gespräch zwischen Mitarbeiter und Vorgesetzten, es ist aber auch möglich, dass weitere Vertreter des Arbeitgebers anwesend sind, beispielsweise jemand aus der Personalabteilung.

Geführt wird ein solches Bleibegespräch immer dann, wenn ein Unternehmen einen Mitarbeiter in den eigenen Reihen halten und verhindern möchte, dass dieser von sich aus zu einem anderen Arbeitgeber wechselt. Auslöser kann die konkrete Äußerung des Mitarbeiters über seinen Wechselwunsch, aber auch ein Verdacht oder ein Gerücht sein.

Wird ein Bleibegespräch geführt, gibt es dabei aus Sicht des Arbeitgebers zwei Ziele:

  • Informationsgewinnung

    Zunächst muss herausgefunden werden, ob der Mitarbeiter tatsächlich kündigen und wechseln möchte. Sollte eine grundsätzliche Bereitschaft bestehen, sollte außerdem versucht werden, sich ein Bild davon zu machen, wie groß und dringend der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung ist.

    Zudem versuchen Vorgesetzte und Unternehmensvertreter, sich ein Bild von den Gründen zu machen, die zur Entscheidung geführt haben. Nur mit diesem Wissen kann zum nächsten Schritt übergegangen werden.

  • Überzeugung

    Bleibegespräche werden nur geführt, wenn ein Arbeitgeber einen bestimmten Mitarbeiter unbedingt halten und die Kündigung verhindern möchte. Hauptziel ist es deshalb, den Arbeitnehmer umzustimmen und von seinem Vorhaben abzubringen.

    Dafür können verschiedene Wege gewählt werden, abhängig davon, was die Wechselbereitschaft des Mitarbeiters gefördert hat. Häufige Mittel sind das Angebot einer Gehaltserhöhung, das in Aussicht stellen einer Beförderung oder andere Vorzüge für den Mitarbeiter, wenn dieser bleibt.

Der Ablauf beim Bleibegespräch

Bleibegespräch führen Tipps Mitarbeiter Arbeitgeber Kündigung verhindern GesprächDie Voraussetzungen vor einem Bleibegespräch sind individuell und sehr verschieden. Mal bleibt einige Zeit, mal sollte zeitnah ein Bleibegespräch geführt werden, bevor es aus Sicht des Unternehmens bereits zu spät ist und ein begehrter Mitarbeiter einen Arbeitsvertrag bei der Konkurrenz unterschrieben hat.

Trotz unterschiedlicher Situationen gibt es einige Schritte, die den typischen Ablauf vor und während eines Bleibegesprächs ausmachen:

  • Auslöser. Vor jedem Bleibegespräch steht ein Auslöser, der dazu geführt hat, dass der Arbeitgeber die Initiative ergreift. Möglicherweise hat ein Mitarbeiter selbst seinem Unmut über die aktuelle Situation Luft gemacht und seine Wechselbereitschaft ausgedrückt, vielleicht haben auch andere Kollegen etwas geäußert oder eventuell hat sich ein anderes Unternehmen nach einem Angestellten erkundigt.
  • Einladung. Wurde beschlossen, dass ein Bleibegespräch geführt und ein Mitarbeiter zum Verbleib motiviert werden soll, wird dieser zum Gespräch eingeladen. Dies sollte möglichst persönlich geschehen, nicht per Mail. Der Termin sollte dabei nicht zu lange aufgeschoben werden, da der Versuch ansonsten zu spät kommen könnte.
  • Beginn. Nach einer freundlichen Begrüßung geht es schnell um die eigentliche Sache. Vorgesetzte sollten dabei zum Punkt kommen, anstatt um den heißen Brei herumzureden. Besser sind klare Formulierungen, die zeigen, worum es geht: Ich wollte mit Ihnen sprechen, da ich hoffe, Ihre Entscheidung zum Jobwechsel verhindern zu können oder auch Ich möchte Sie gerne vom Verbleib in unserem Unternehmen überzeugen sind denkbare Möglichkeiten.
  • Offenheit. Für ein erfolgreiches Bleibegespräch ist OFfenheit von beiden Seiten wichtig. Von Seiten des Unternehmens sollte mit ernsthaftem Interesse nach den Gründen gefragt werden, auch wenn diese nicht immer angenehm sind – so kann durchaus schlechte Führungsarbeit ein Argument für den Weggang von Mitarbeitern sein, was nicht jeder Chef hören möchte. Auf der anderen Seite sollten auch Mitarbeiter mit offenen Karten spielen, wenn diese interessiert sind, möglicherweise zu bleiben und sich umstimmen zu lassen.
  • Gemeinsame Diskussion. Nachdem beide Seiten ihre Position dargelegt haben, wird versucht, gemeinsam eine Einigung zu finden. Soll heißen: Gibt es eine Möglichkeit, um den Mitarbeiter zu halten? Was muss dafür getan werden? Welche Änderungen können angeboten und umgesetzt werden? Welche Bedingungen müssen erfüllt werden, damit ein Angestellter seine Entscheidung noch einmal überdenkt?
  • Nachhaken. Konnte eine Einigung erzielt werden, sollte zum Abschluss des Bleibegesprächs direkt ein weiterer Termin festgelegt werden, an dem das Anschlussgespräch stattfindet. Der Zeitraum, der zwischen den Gespräch liegt, hängt von den vereinbarten Änderungen ab. Geht es um mehr Geld, sollte recht bald eine entsprechende Gehaltserhöhung unterschrieben werden, geht es um Veränderungen im Arbeitsalltag, sollte etwas mehr Zeit eingeplant werden, um die Wirkung der Veränderungen beurteilen zu können.

Bleibegespräch: Sollten Sie sich umstimmen lassen?

Wenn Sie als Mitarbeiter in ein Bleibegespräch gehen, stellt sich für Sie eine große Frage: Sollten Sie auf die Versuche Ihres Arbeitgebers eingehen und sich möglicherweise umstimmen lassen oder bleiben Sie bei Ihrem Vorhaben, sich nach einem neuen Arbeitsplatz umzusehen?

Eine schwierige Entscheidung, da Sie sich momentan zwischen den Stühlen befinden. Auf der einen Seite sind Sie zu dem Schluss gelangt, dass ein Jobwechsel momentan der richtige Schritt für Sie sein könnte, auf der andere Seite kämpft Ihr Arbeitgeber um Sie und bietet Ihnen mitunter attraktive Anreize, um doch noch zu bleiben. Nicht zu vergessen, dass es dem Ego ganz schön schmeichelt, wenn der Chef sich ins Zeug legt und persönlich Überzeugungsarbeit leistet, um Sie zu halten.

Dennoch gilt: Sie sollten sich von einem Bleibegespräch weder einlullen noch unter Druck setzen lassen. Nur weil Sie zum Bleibegespräch eingeladen und umgarnt werden, müssen Sie sich nicht für einen Verbleib entscheiden. Ausschlaggebend sollte am Ende sein, ob es eine für Sie wirklich sinnvolle Einigung mit dem aktuellen Arbeitgeber gibt – und genau an dieser Stelle wird es knifflig.

Das häufigste Argument in Bleibegesprächen ist mehr Geld. Das ist verlockend, wer allerdings für ein paar Euro mehr von einer möglichen Kündigung Abstand nimmt und doch bleibt, sendet zwei Botschaften:

  • Er/Sie ist nicht loyal.
  • Er/Sie ist käuflich.

Das Problem daran ist: Wer wegen Geld bleibt, geht auch wegen Geld. Bietet ein anderes Unternehmen eine noch etwas bessere Bezahlung, lassen Sie sich vermutlich auch davon locken. Für Ihren aktuellen Arbeitgeber bleiben Sie zwar zunächst erhalten, allerdings mit fadem Beigeschmack. Sollte einmal Stellenabbau drohen, könnte es dann passieren, dass Sie aufgrund der zur Schau gestellten Illoyalität weit oben auf der Abschussliste stehen.

Nur aufgrund eines erhöhten Gehalts sollten Sie deshalb nicht unbedingt bleiben. Arbeitgeber können aber durchaus attraktive Angebote machen und bei wichtigen Leistungsträgern auch auf deren Wünsche und Erwartungen eingehen.

Ein veränderter Aufgabenbereich, größere Eigenverantwortung, wichtigere Kunden und Projekte, mehr Freiräume, neue Möglichkeiten zur Umsetzung von Ideen – es kann viele nicht monetäre Einigungen im Bleibegespräch geben, die gute Gründe für einen Verbleib im Unternehmen liefern. Gleichzeitig zeigen Sie durch solche Vereinbarungen, dass Sie nicht gleich jedem anderen Angebot mit besserem Gehalt hinterher rennen.

Falle im Bleibegespräch: Vorsicht bei Beförderungen

Bleibegespräch führen Tipps Kündigung GesprächZum Abschluss noch ein Tipp, um Sie vor einer bösen Falle zu schützen: Es klingt zunächst nach einem tollen Angebot. Ihr Chef bietet Ihnen im Bleibegespräch mehr Verantwortung, vielleicht sogar gleich eine Beförderung inklusive der zugehörigen Gehaltserhöhung. So bleiben Sie nicht nur wegen dem Geld, sondern erhalten tatsächlich eine bessere Position.

Bevor Sie voreilig zusagen, die Beförderung ohne zweiten Gedanken annehmen und beim Arbeitgeber bleiben, sollten Sie überlegen, ob die neue Stelle überhaupt zu Ihnen passt – und noch wichtiger: Ob Sie dafür überhaupt qualifiziert sind!

Der Aufstieg war schließlich nicht geplant, sondern entsteht nur aus dem Umstand Ihres drohenden Weggangs. Vielleicht wird Ihnen einfach eine Position angeboten, nur um Sie zu halten. Dann drohen noch größerer Frust und ein erneuter Wechselwunsch, wenn Sie feststellen, dass die Position nichts mit Ihren Erwartungen und Vorstellungen zu tun hat.

Noch schlimmer: Vielleicht versucht der Chef einem undankbaren Mitarbeiter auf dem Weg zur Konkurrenz noch einen mitzugeben. Erst wird befördert, nur um den Arbeitnehmer kurze Zeit später aufgrund fehlender Kompetenz rauszuschmeißen. Statt einer guten Ausgangssituation mit einem Wechsel aus eigenem Antrieb müssen sie dann plötzlich eine Kündigung erklären, was den nächsten beruflichen Schritt deutlich schwieriger macht.

[Bildnachweis: marvent by Shutterstock.com]
30. Oktober 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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