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Bleibegespräch führen: Mitarbeiter umstimmen & halten

Was tun, wenn man möchte, dass gute Mitarbeiter bleiben? In dem Fall führen Arbeitgeber und der Chef ein sogenanntes Bleibegespräch. Es soll wechselwillige Arbeitnehmer umstimmen und vom Verbleib überzeugen. Das schmeichelt natürlich, wenn der Chef einen nicht gehen lassen will. Es hat aber ebenso Risiken: Wer nicht aufpasst, manövriert sich im Bleibegespräch in eine unvorteilhafte Position. Wir erklären, wie Sie ein Bleibegespräch führen, welche Ziele beide Seiten haben und worauf Sie unbedingt achten müssen…



Bleibegespräch führen: Mitarbeiter umstimmen & halten

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Was ist ein Bleibegespräch?

Das Bleibegespräch ist eine besondere Form des Mitarbeitergesprächs. Ziel ist, einen Mitarbeiter nach der Kündigung zu behalten – trotz Eigenkündigung soll das Arbeitsverhältnis weitergeführt werden.

Typischerweise ist das Bleibegespräch ein Dialog unter vier Augen zwischen Arbeitnehmer und Chef. Manchmal kommen noch Vertreter der Personalabteilung hinzu. Einen Standard-Ablauf oder feste Regeln dafür gibt es dennoch nicht. Auslöser können die angedeutete Kündigung und der Wechselwunsch des Mitarbeiters sein, ebenso ein Verdacht oder ein Gerücht dazu.

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Was sind Gründe für das Bleibegespräche?

Zuerst ist das Bleibegespräch ein Instrument der Personalbindung. Dem Arbeitgeber geht es dabei in erster Linie darum, wichtige Mitarbeiter, Talente und Leistungsträger im Unternehmen zu halten, langfristig zu binden und möglichst nicht an einen Marktbegleiter zu verlieren.

Studien zeigen immer wieder eine generell hohe Wechselbereitschaft unter Beschäftigten. Aktuell sucht rund jeder Dritte Angestellte in Deutschland einen neuen Job und strebt einen Jobwechsel noch innerhalb der kommenden 6 Monate an. Eine solche Fluktuationsrate ist für Unternehmen ein ernstes Problem.

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Viele Jobwechsel verursachen Unternehmen und Arbeitgebern hohe Kosten. Nicht nur für die Neubesetzung! Meist gehen dabei auch wertvolles Know-how, Erfahrungen und Kompetenzen verloren.

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Was sind die Ziele im Bleibegespräch?

Chef und Arbeitgeber verfolgen mit dem Bleibegespräch vor allem zwei Ziele:

1. Informieren

Das Gespräch soll klären, ob der Mitarbeiter tatsächlich kündigen und den Job wechseln möchte – und aus welchen Gründen. Geht es „nur“ um eine geplante beruflichen Veränderung – oder sind Missstände im Unternehmen der Auslöser. Zum Beispiel: schlechter Führungsstil, ein geringes Gehalt, fehlende Aufstiegsmöglichkeiten oder eine miese Arbeitsatmosphäre?

2. Überzeugen

Lassen sich die Wechselgründe beheben, will der Chef den Mitarbeiter umstimmen und zum Bleiben bewegen. Daher auch der Name: Bleibegespräch. Wenn man möchte, dass gute Mitarbeiter bleiben, braucht es natürlich überzeugende Argumente. Daher werden im Bleibegespräch häufig eine Gehaltserhöhung, Beförderung oder verschiedene Zusatzleistungen in Aussicht gestellt.

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Ablauf + Inhalt: Wie läuft ein Bleibegespräch ab?

Feste Regeln für den genauen Ablauf eines Bleibegesprächs gibt es nicht. Dafür sind die Anlässe und Auslöser zu verschieden. Wichtig ist nur, dass Chefs das Gespräch möglichst zeitnah führen – und nicht erst, wenn der begehrte Mitarbeiter schon den neuen Arbeitsvertrag unterschrieben hat.

Gleichzeitig haben wir ein paar bewährte Tipps und Empfehlungen für das Bleibegespräch und einen gelungenen Dialog zwischen Mitarbeiter und Chef:

  1. Auslöser
    Bleibegespräche folgen einem klaren Anlass: Ein Mitarbeiter macht seinem Unmut Luft, stellt seine Kündigung in Aussicht oder es gibt Gerüchte über einen möglichen Wechsel. Sobald Sie den Verdacht haben, einen guten Mitarbeiter verlieren zu können, sollten Sie das 4-Augen-Gespräch suchen. Reden hilft. Immer.
  2. Einladung
    Die Einladung zum Gespräch sollte stets persönlich dem Mitarbeiter gegenüber ausgesprochen und nicht als Termin per Mail verschickt werden. Das unterstreicht die Wertschätzung. Zudem können Sie – je nach Dringlichkeit – so auch kurzfristig ein Bleibegespräch führen, Motto: „Haben Sie kurz Zeit?“
  3. Beginn
    Reden Sie nach einer freundlichen Begrüßung nicht lange um den heißen Brei: Fragen Sie konkret nach, ob die Gerüchte stimmen und eine Wechselmotivation besteht. Sagen Sie aber auch direkt dazu, warum Sie darüber reden wollen: „Ich möchte mit Ihnen sprechen, weil ich hoffe, Sie halten zu können und Ihre Entscheidung zum Jobwechsel zu verhindern.“ Oder: „Ich möchte Sie gerne vom Verbleib im Unternehmen überzeugen.“
  4. Positionen
    Lassen Sie den Mitarbeiter seine Position erklären und hören Sie aktiv zu. Das ist nicht nur ein Zeichen für Respekt, sondern erleichtert Ihnen später, gemeinsam eine konstruktive und tragfähige Lösung zu erarbeiten.
  5. Überzeugung
    Unterstreichen Sie, dass Sie die Motive des Mitarbeiters verstehen und gehen Sie einzeln darauf ein. Dokumentieren Sie Ihr grundsätzliches Interesse, den Kollegen nicht gehen lassen zu wollen und umstimmen zu wollen. Machen Sie spätestens jetzt konkrete Angebote und verhandeln Sie die Bedingungen für einen Verbleib – stets auf Augenhöhe!
  6. Nachhaken
    Gibt es eine Einigung? Dann räumen Sie dem Mitarbeiter etwas Bedenkzeit ein und legen Sie einen kurzfristigen (!) Termin für ein Anschlussgespräch fest. Darin werden schließlich die verhandelten Konditionen und neuen Absprachen zur weiteren Zusammenarbeit schriftlich fixiert und von beiden unterschrieben. In einem Zweitgespräch sollte noch einmal kontrolliert werden, ob die gewünschten Änderungen auch zufriedenstellend umgesetzt wurden.

Damit unterscheidet sich das Bleibegespräch nicht nur im Inhalt, sondern auch beim Ablauf von einem klassischen Mitarbeitergespräch:

Mitarbeitergespräch Ablauf 3 Phasen Schema Grafik

Chef will mich nicht gehen lassen: Sollte ich bleiben?

Als Mitarbeiter stellt sich im Bleibegespräch eine Frage: Sollten Sie sich umstimmen lassen oder bei Ihrem Vorhaben bleiben und kündigen? Eine schwierige Entscheidung, da Sie zwischen den Stühlen stehen: Einerseits gab es gute Gründe für den Jobwechsel und die geplante Kündigung. Andererseits lassen sich diese womöglich beseitigen – und Sie kennen den Laden schließlich schon. Woanders wissen Sie schließlich nicht wirklich, was Sie erwartet. Außerdem schmeichelt es dem Ego, wenn der Chef sich so ins Zeug legt.

Grundsätzlich gilt: Lassen Sie sich weder einlullen noch unter Druck setzen! Nur weil Sie im Bleibegespräch umgarnt werden, müssen Sie nicht bleiben. Grundlage für Ihre Entscheidung sollte immer die Qualität des Bleibeangebots sein. Das häufigste Argument ist mehr Geld. Das klingt verlockend, ist aber nicht alles – und Ihre Loyalität ist nicht käuflich.

Geld nicht als einziger Faktor im Gespräch

Wer wegen Geld bleibt, geht auch wegen Geld. Bietet ein anderes Unternehmen ein noch höheres Gehalt, lassen Sie sich vermutlich erneut davon locken. Zwar bleiben Sie dem aktuellen Arbeitgeber kurzfristig erhalten, jedoch mit einem faden Beigeschmack: Sie bleiben nicht aus Leidenschaft, sondern für Geld. Echte Verbundenheit ist das nicht, das weiß auch der Chef. Und sollte sich Ihre Position einmal verschlechtern oder Stellenabbau drohen, stehen Sie so weit oben auf der Abschussliste.

Mehr Bezahlung kann ein Pluspunkt sein, sollte aber nicht das einzige Kriterium sein. Verhandeln Sie mit Ihrem Arbeitgeber und Chef auch über neue Aufgabenbereiche, mehr Verantwortung, wichtigere Kunden, mehr Flexibilität oder mehr Freiheit bei der Umsetzung Ihrer Ideen… Nicht alle guten Anreize zum Verbleib sind monetär. Mit einer solchen Einigung zeigen Sie überdies, dass Sie sich im Unternehmen entwickeln wollen.

Achtung Falle im Bleibegespräch: Vergiftete Beförderung

Vielleicht bietet Ihnen der Chef im Bleibegespräch eine Beförderung an? Klingt nach einer guten Option. Vorschnell zusagen sollten Sie trotzdem nicht! Fragen Sie sich zunächst: Passt die angebotene Stelle überhaupt zu Ihnen, zu Ihren beruflichen Zielen und Qualifikationen? Der Aufstieg auf der Karriereleiter kann zum Bumerang werden, wenn Sie dort später überfordert sind und scheitern. Ganz perfide: Einige Chefs versuchen so dem undankbaren Mitarbeiter auf dem späteren Weg zur Konkurrenz zu schaden. Erst werden sie befördert, dann aufgrund fehlender Kompetenz rausgeschmissen. Jetzt wird die Bewerbung nach der Kündigung deutlich schwerer zu erklären…


Bleibegespräch führen: Tipps für Arbeitgeber

Für Arbeitgeber ist das Bleibegespräch eine echte Herausforderung. Eine gründliche Vorbereitung und feinfühlige Umsetzung sind dafür essenziell. Generell gilt: Gehen Sie niemals auf Konfrontationskurs! Ein aufgeregtes „Ich habe gehört, Sie wollen einen anderen Job. Das stimmt doch wohl nicht, oder?!“ auf dem Büroflur ist keine gute Idee und wirkt wenig souverän. Spätestens jetzt ist die Chance vertan, den Mitarbeiter zu halten.

Soll das Bleibegespräch Erfolg haben, müssen Sie diese Grundsätze berücksichtigen:

  • Richtige Atmosphäre
    Für das Bleibegespräch braucht es eine entspannte, ruhige und wertschätzende Atmosphäre. Das gelingt weder im Großraumbüro noch zwischen Tür und Angel. Schaffen Sie ein freundliches und offenes Gesprächsklima ohne Druck. Setzen Sie sich nebeneinander – nicht gegenüber. Und lassen Sie den Mitarbeiter reden und sich erklären. Frei von Vorwürfen!
  • Individuelle Angebote
    Der häufigste Fehler im Gespräch: Mehr Geld anbieten und erwarten, dass es reicht. Um Mitarbeiter zu überzeugen und zu halten, kann es kein Einheitsangebot für alle geben. Führungskräfte müssen die individuellen Gründe hinter der Unzufriedenheit erkennen und darauf individuell eingehen. Umso wichtiger, dass Sie sich vorab Spielräume für die Verhandlung schaffen und mit der Geschäftsführung abstimmen.
  • Keine Übertreibungen
    Egal, wie wichtig der oder die Mitarbeiterin ist und wie maßgeblich deren Leistungen: Im Bleibegespräch darf nur versprochen werden, was auch umsetzbar ist. Machen Sie bitte nie den Fehler, das Blaue vom Himmel zu versprechen, nur damit der Arbeitnehmer bleibt. Folgen den leeren Versprechungen keine Taten, folgt womöglich nicht nur eine Kündigung. Das Schwert ist nun stumpf und die Glaubwürdigkeit gegenüber der Belegschaft dahin.

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