Outplacement-Beratung: Das müssen Sie wissen

Nach einem Jobverlust ist das Ziel klar: Schnell einen neuen Job, der zu den eigenen Vorstellungen und beruflichen Plänen passt. Eine Outplacement-Beratung kann auf diesem Weg begleiten. Große Unternehmen setzen häufig auf solch eine Outplacement-Beratung, wenn Stellenabbau nicht vermeidbar ist. Bei Arbeitnehmern herrscht hingegen Unsicherheit. Was kommt dabei auf mich zu? Was habe ich überhaupt davon? Worauf muss ich achten? Hier erfahren Sie, was Sie zur Outplacement-Beratung wissen müssen und wie diese hilft, nach einer Kündigung ins nächste Arbeitsverhältnis zu starten…

Outplacement-Beratung: Das müssen Sie wissen

Definition: Was ist eine Outplacement-Beratung?

Outplacement-Beratung Definition Erklärung Ablauf PhasenBereits seit rund 40 Jahren ist das Konzept der Outplacement-Beratung in Deutschland bekannt, dennoch fehlt oftmals eine klares Verständnis, was sich dahinter verbirgt. Grundsätzlich lautet die Definition:

Eine Outplacement-Beratung ist eine Dienstleistung, die Unternehmen für Mitarbeiter bezahlen, die das Unternehmen verlassen. Ziel ist es, den Übergang in einen neuen Job erfolgreich zu gestalten und mit einem Experten die berufliche Neuorientierung erfolgreich zu gestalten.

Fälschlicherweise wird eine Outplacement-Beratung oftmals mit einer Arbeitsvermittlung auf eine Stufe gestellt. Das stimmt jedoch nicht, denn Outplacement geht – wenn es richtig gemacht wird – weit über das reine Suchen und Vorschlagen von freien Stellen hinaus.

Einige der Inhalte, die zum Prozess der Outplacement-Beratung gehören, sind…

  • Begleitung während der Kündigung und in Kündigungsgesprächen
  • Beratung und Information zu Abfindungen oder Aufhebungsverträgen
  • Unterstützung bei Zielsetzung und beruflicher Orientierung
  • Analyse von Stärken, Schwächen und Potenzialen
  • Hilfe bei Fort- und Weiterbildungen
  • Erstellung einer Bewerbungsstrategie
  • Suche nach Arbeitgebern und Stellenanzeigen
  • Unterstützung und Optimierung bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen
  • Übung und Vorbereitung von Vorstellungsgesprächen
  • Feedback während des gesamten Prozesses

Im Mittelpunkt steht das gemeinsame Vorgehen und die Unterstützung von Arbeitnehmern, die ihre Anstellung verlieren. Ein Outplacement-Berater gibt nicht einfach einen Weg vor, sondern liefert Hilfe zur Selbsthilfe und begleitet auf dem Weg zu einer neuen Beschäftigung oder in die Selbstständigkeit.

Ablauf und Phasen: Das kommt beim Outplacement auf Sie zu

Für viele Arbeitnehmer ist der Ernstfall das erste Mal, dass sie von einer Outplacement-Beratung hören. Zum Schock über den Verlust des Arbeitsplatzes kommt die Unsicherheit, wie das Outplacement abläuft.

Im Idealfall ist der Prozess individuell abgestimmt und ausgerichtet. Trotzdem gibt es typische Phasen, die jede Outplacement-Beratung durchläuft:

  • Bestandsaufnahme im Status Quo

    Am Anfang der Outplacement-Beratung steht ein Erstgespräch, in dem der Status Quo, die aktuelle Ist-Situation, analysiert wird. Wichtige Fragen dabei sind zum Beispiel: Wo stehen Sie gerade – sowohl beruflich als auch privat? Welche Ziele haben Sie für die berufliche Neuorientierung? Hier werden auch erste realistische Möglichkeiten und Optionen besprochen, die einem Arbeitnehmer zur Verfügung stehen.

  • Analyse von Qualifikationen

    Um vom Ist-Zustand zum anvisierten Ziel zu kommen, muss geklärt werden, über welche Qualifikationen Sie verfügen. Hierzu werden Ihre Stärken, Kompetenzen und Erfahrungen gesammelt und als persönliches Profil zusammengefasst. Demgegenüber stehen die Anforderungen und Erwartungen, die Sie mitbringen müssen, um im angestrebten job oder der gewünschten Branche arbeiten zu können. Gibt es hier Diskrepanzen, hilft der Outplacement-Berater bei Fortbildungen, um die benötigten Qualifikationen nachzuholen.

  • Beginn der Jobsuche

    Ausgerüstet mit dem Wissen, wohin die Neuorientierung Sie führen soll und den richtigen Kompetenzen, beginnt in der nächsten Phase die eigentliche Jobsuche. Die Outplacement-Beratung unterstützt Sie bei der Suche nach potenziellen Arbeitgebern, analysiert mit Ihnen gemeinsam Stellenanzeigen und hilft bei der Entwicklung einer Bewerbungsstrategie.

  • Optimierung der Unterlagen

    Um auf dem Arbeitsmarkt die größtmöglichen Chancen zu haben, können Sie gemeinsam mit Ihrem Outplacement-Berater Ihre Bewerbungsunterlagen optimieren. Dabei spielen das Layout, aber vor allem die Inhalte von Lebenslauf und Anschreiben eine große Rolle. Neben den Unterlagen konzentriert sich Outplacement auch darauf, Sie auf Vorstellungsgespräche oder mögliche Assessment Center vorzubereiten.

  • Auswahl von Angeboten

    Zu guter Letzt steht Ihnen die Outplacement-Beratung bei der Auswahl von Jobangeboten zur Seite. Es werden Vor- und Nachteile diskutiert, um die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Im Fokus steht dabei die Passgenauigkeit einer angebotenen Stelle zum anfangs gesetzten Ziel.

FAQ: Häufige Fragen und Antworten zur Outplacement-Beratung

Um Ihnen alle wichtigen Informationen zu geben, haben wir ein kleines FAQ erstellt, in dem wir die häufigsten Fragen beantworten, die immer wieder zur Outplacement-Beratung gestellt werden:

Sollte ich einer Outplacement-Beratung zustimmen?

Im Gespräch teilt Ihnen der Arbeitgeber mit, dass das Arbeitsverhältnis leidet beendet wird. Gleichzeitig macht er Ihnen das Angebot, eine Outplacement-Beratung in Anspruch zu nehmen. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Unternehmen Ihnen diese Möglichkeit bietet, sollten Sie sie annehmen.

Den bisherigen Job haben Sie bereits verloren. Konzentrieren Sie sich darauf, die berufliche Neuorientierung so erfolgreich wie möglich zu gestalten. Mit der Outplacement-Beratung kommen Sie im besten Fall schneller aus der Arbeitslosigkeit und starten mit neuer Motivation in den nächsten Job.

Wer kann Outplacement nutzen?

Ursprünglich lag der Fokus beim Outplacement vor allem auf Managern und Führungskräften. Diese sind weiterhin eine große Zielgruppe, allerdings bieten Unternehmen auch anderen Mitarbeitern immer häufiger diese Dienstleistung an. Einen Anspruch darauf, dass Ihr Chef das Outplacement bezahlt, haben Sie als Arbeitnehmer in der Regel jedoch nicht. Ausnahmen können hier lediglich durch einen Sozialplan oder gültige Tarifverträge entstehen.

Dies gilt vor allem, wenn ein Arbeitgeber Stellenabbau in großen Zahlen betreiben muss. Ist ein solcher Fall nicht gegeben, können Sie selbst beim Austritt aus dem Unternehmen über die Bezahlung einer Outplacement-Beratung verhandeln.

Auftraggeber einer Outplacement-Beratung ist fast immer das Unternehmen, es ist aber durchaus möglich, als Privatperson die Dienstleistung in Anspruch zu nehmen und selbst zu finanzieren. Problematisch sind die Kosten, die nur für Großverdiener mit einigen Rücklagen zu stemmen sind.

Mit welcher Outplacement-Beratung arbeite ich zusammen?

Große Unternehmen, die schon vielen Mitarbeitern ein Outplacement angeboten haben, arbeiten meist mit einer festen Outplacement-Beratung zusammen. Hier können Sie bei der Auswahl meist keinen Einfluss nehmen. Bei solch einer Kooperation zwischen Arbeitgeber und Outplacement-Beratung müssen Sie den Anbieter nehmen, der vom Chef genannt wird.

Anders kann es aussehen, wenn Ihnen vom Arbeitgeber ein Budget für die Outplacement-Beratung zugesichert wird. Innerhalb dieses finanziellen Rahmens können Sie selbst nach einem Berater für Ihr Outplacement suchen. Der große Vorteil: Sie können Ihre eigenen Vorstellungen einfließen lassen, einen Berater suchen, der zu Ihnen passt und so die Chance auf eine erfolgreiche Outplacement-Beratung erhöhen.

Idealerweise lässt Ihr Arbeitgeber Ihnen bei der Wahl freie Hand, unterstützt Sie aber durch Informationen und Beratung bei der Auswahl eines Anbieters.

Woran erkenne ich einen guten Outplacement-Berater?

Ein Problem beim Outplacement: Der Begriff ist nicht geschützt. Es erfordert keine spezielle Ausbildung und auch keine nachgewiesenen Qualifikationen oder einschlägige Erfahrungen, um eine Outplacement-Beratung anzubieten. Leider gibt es deshalb einige schwarze Schafe, die kaum Kenntnisse mitbringen, wenig Nutzen und Hilfe bieten und dennoch hohe Preise aufrufen.

Bei der Suche wird es umso schwerer, wirklich gute Outplacement-Berater zu finden und von schlechten Anbietern zu unterscheiden. An den angebotenen Inhalten lässt sich diese Unterscheidung nicht treffen, da diese fast identisch sind.

Um eine qualifizierte Outplacement-Beratung zu finden, sollten Sie sich gründlich über verschiedene Anbieter informieren. Welche Kompetenzen bringt derjenige mit? In welchen Branchen und Bereichen hat er wichtige Erfahrung gesammelt? Was qualifiziert ihn zum Outplacement? Nutzen Sie das Erstgespräch, um sich ein umfangreiches Bild zu machen. Hier erkennen Sie auch, ob es menschlich passt.

10 weitere Merkmale, an denen Sie einen guten Outplacement-Berater erkennen, haben wir in diesem kostenlosen PDF für Sie aufgelistet.

Wie teuer ist eine Outplacement-Beratung?

Günstig ist eine Outplacement-Beratung nie. Welche Kosten genau entstehen, hängt von den unterschiedlichen Programmen und Angeboten ab. Ein Klassiker ist beispielsweise die unbefristete Outplacement-Beratung. Mitarbeiter werden solange unterstützt, bis die berufliche Neuorientierung erfolgreich war und ein neuer Arbeitsvertrag unterschrieben wurde. In einigen Fällen kann die Dienstleistung sogar andauern, bis die Probezeit erfolgreich absolviert wurde.

Die Kosten für einen so umfangreichen Service liegen bei bis zu 25 Prozent vom Jahresbruttoeinkommen. Bei Fach- oder Führungskräften ein enormer Betrag. Möglich ist auch, eine pauschale Bezahlung zu vereinbaren. Hier variieren die Preise je nach Anbieter sehr stark. Mal werden 15.000 bis 20.000 Euro verlangt, andere setzen einen Pauschalbetrag von 35.000 Euro oder höher an.

Neben unbefristeter Beratung kann der Service nach Monaten begrenzt sein. Je nach Budget sind Jahres- oder Halbjahresangebote häufige Lösungen. Für eine Outplacement-Beratung, die lediglich drei Monate dauert, können aber bereits 5.000 Euro oder mehr fällig werden.

Ein seltenes Modell ist ein vereinbartes Kontingent von Beratungsstunden oder -tagen, die Sie bei der Outplacement-Beratung nutzen können. Die Kosten pro Stunde liegen dabei zwischen 200 und 300 Euro, für den Tagessatz werden 1.500 Euro bis 2.000 Euro fällig.

Tipps: So wird die Outplacement-Beratung erfolgreich

Eine gute Outplacement-Beratung bringt Sie auf den richtigen Weg, um in kurzer Zeit ein neues Arbeitsverhältnis beginnen zu können. Dabei gibt es keine hundertprozentige Garantie, dass es sofort klappt. Bevor die Schuld allein beim Outplacement gesucht wird, sollten Sie sich fragen: Haben Sie alles dafür getan, dass der Prozess erfolgreich wird?

Oft ist genau das ein Problem. Outplacement-Beratung ist Hilfe zur Selbsthilfe. Oder anders gesagt: Es liegt zum großen Teil auch an Ihnen, ob Sie einen neuen Arbeitsvertrag vorgelegt bekommen. Wenn Sie diese Tipps beherzigen, tragen Sie zum erfolgreichen Outplacement bei:

  • Zeigen Sie Eigeninitiative

    Der häufigste Fehler, der bei einer Outplacement-Beratung gemacht wird, ist Nichtstun. Wenn Sie glauben, dass Ihnen alles abgenommen wird, liegen Sie falsch. Ihr Berater ist dafür da, um Sie zu unterstützen – Sie tragen jedoch selbst die Verantwortung und müssen bereit sein, den nötigen Aufwand zu betreiben. Ohne Eigeninitiative ist Outplacement zum Scheitern verurteilt.

    Heißt konkret: Treiben Sie die Jobsuche voran, warten Sie nicht darauf, dass jemand Ihnen Aufgaben abnimmt oder Sie dazu auffordert, etwas zu tun. Je mehr Sie selbst aus eigenem Antrieb leisten, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie schon bald einen neuen Job haben.

  • Kennen Sie sich selbst

    Mit der Outplacement-Beratung sollen Sie Ihr berufliches Ziel erreichen und einen neuen Job finden, der zu Ihren Vorstellungen passt. Dazu müssen Sie zuerst selbst wissen, was Sie überhaupt wollen. Niemand anders kann Ihnen sagen, in welche Richtung Sie sich entwickeln wollen, wo Ihre Leidenschaft liegt und welche Tätigkeit Sie erfüllt und glücklich macht.

    Machen Sie sich bewusst, wie die Zukunft aussehen soll. Derselbe Job bei einem anderen Unternehmen? Ein Wechsel des Tätigkeitsprofils? Ein Neuanfang in einer anderen Branche? Oder vielleicht der Start in die Selbstständigkeit? Erst mit dieser Selbstreflexion legen Sie den Grundstein für erfolgreiche Outplacement-Beratung. Darauf aufbauend kann gemeinsam ein Plan erstellt werden, um das Ziel zu erreichen.

  • Bleiben Sie offen und ehrlich

    Es kann schwierig sein, mit einer fremdem Person offen über eine schwierige berufliche Situation und anstehende Veränderungen zu sprechen. Versuchen Sie es trotzdem. Nur wenn Sie ehrlich sind, Ihre Wünsche und Erwartungen ebenso wie Ihre Ängste ansprechen, kann eine bestmögliche Lösung gefunden werden.

    Einfacher wird es, wenn Sie einen guten Draht zu Ihrem Outplacement-Berater haben und eine Verbindung aufbauen, die auf gegenseitigem Respekt und Sympathie basiert.

  • Nutzen Sie die Angebote

    Ein Outplacement-Berater steht unterstützend zur Seite, macht Vorschläge und zeigt Ihnen Optionen auf. Nutzen Sie sein Know How und die verschiedenen Angebote, die Ihnen zur Verfügung stehen. So profitieren Sie von seiner Erfahrung und folgen den Maßnahmen, die große Wahrscheinlichkeit auf Erfolg haben.

    Gleichzeitig dürfen und sollten Sie individuelle Änderungen vornehmen. Wenn Sie merken, dass eine Strategie überhaupt nicht zu Ihnen passt, sprechen Sie darüber. Haben Sie einen Verbesserungsvorschlag, gehen Sie offen damit um. Durch diese offene Kommunikation kann das Vorgehen angepasst werden, um Ihre Persönlichkeit zu spiegeln.

[Bildnachweis: Jacob Lund by Shutterstock.com]
31. Mai 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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