Key Facts
- Strategie: Unternehmen stellen proaktiv qualifizierte Fachkräfte ein, ohne dass im Unternehmen ein aktueller Bedarf vorliegt.
- Motivation: Talente und gut ausgebildete Mitarbeiter werden gesichert, bevor die Konkurrenz diese vom Arbeitsmarkt wegschnappen kann.
- Fokus: Besonders verbreitet ist Fridge Hiring in Sektoren mit großem Fachkräftemangel wie IT, Vertrieb (Sales) und im Personalwesen (HR) selbst.
- Zielgruppe: Rekrutiert werden vor allem Berufseinsteiger und Fachkräfte im mittleren Karrierelevel, die viel Entwicklungspotenzial und starke Soft Skills mitbringen.
- Risiko: Größte Gefahr des Trends sind die sofort anfallenden Personalkosten für Mitarbeiter, die zu Beginn noch keine direkte produktive Rolle ausfüllen.
Was ist Fridge Hiring genau?
Fridge Hiring ist eine Strategie in der Personalbeschaffung, bei der Unternehmen bereits neue Mitarbeiter einstellen, bevor sich ein Personalmangel abzeichnet. Recruiter handeln proaktiv – was zunächst nach Personal im Überfluss aussieht, ist eine Form der Bevorratung von gefragten Fachkräften. Der Begriff ist eine Zusammensetzung von „fridge“ = Kühlschrank und „hiring“ = Einstellen – es steht bildlich für das Aufstocken, bevor etwas wirklich benötigt wird.
Haben ist besser als Brauchen
Unternehmen haben Fachkräfte im Blick, die sie in näherer Zukunft voraussichtlich benötigen. Der Gedanke hinter der Strategie: Bevor die Konkurrenz die Mitarbeiter einstellt und im eigenen Betrieb eine schwer zu füllende Personallücke entsteht, werden qualifizierte Mitarbeiter vorzeitig eingestellt. Fridge Hiring ist das Resultat eines angespannten Arbeitsmarktes. Der Fachkräftemangel betrifft nicht nur Spezialisten aus der IT-Branche, dem Maschinen- und Fahrzeugbau sowie der Elektrotechnik, sondern zahlreiche Branchen: vom Handwerk über Gesundheit und Pflege bis zu Bildung und Verwaltung.
Wie läuft Fridge Hiring in der Praxis?
Unternehmen haben beim Fridge Hiring zwei Möglichkeiten, um zusätzliches Personal in die eigenen Reihen zu holen. Oft werden dabei beide Varianten kombiniert:
1. Active Sourcing
Personaler können durch Active Sourcing selbst auf die Suche nach geeigneten Kandidaten gehen. Über Lebenslauf-Datenbanken oder Business-Netzwerke werden passende Profile gefunden und kontaktiert. Dies ist besonders wichtig, wenn auf absehbare Zeit eine Stelle frei wird oder bestimmte Qualifikationen benötigt werden.
2. Umgang mit Bewerbungen
Passt ein Bewerber nicht auf eine ausgeschriebene Stelle, muss das nicht automatisch eine Jobabsage bedeuten. Fridge Hiring sorgt für mehr Flexibilität bei Unternehmen: Für die eine Stelle passt es nicht, und trotzdem kann ein Kandidat wichtige Kompetenzen haben und vorsorglich eingestellt werden. Das eröffnet Arbeitnehmern Chancen bei Initiativbewerbungen.
Welche Mitarbeiter werden gesucht?
Laut Studien nutzen bis zu 80 % der Personaler Fridge Hiring, um auch zukünftig bestens mit Personal ausgerüstet zu sein. Ein noch größerer Anteil hat bereits vorsorglich Mitarbeiter eingestellt, obwohl sie noch nicht dringend benötigt werden – 25 % machen das sogar häufig. Dabei sind einige Mitarbeiter für Unternehmen besonders interessant:
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Mittelbau
Besonders häufig suchen Personaler Mitarbeiter mit geringer bis mittelmäßiger Berufserfahrung, also Berufsanfänger (45 %) und Angestellte im mittleren Karrierelevel (55 %).
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Akademiker
Hier geht es um Qualifikationen und die künftige Entwicklung. Gefragt sind sogenannte High Potentials, also Hochschulabsolventen, die aufgrund besonderer Fähigkeiten für ein Unternehmen attraktiv sind. Meist gelten sie als Führungskräftenachwuchs. Sie machen 29,5 % im Fridge Hiring aus.
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Führungsebene
Auch Führungskräfte werden teilweise proaktiv eingestellt, sie machen aber einen geringeren Teil aus (13,4 %). Ein Grund dafür ist, dass Mitarbeiter mit Personalverantwortung deutlich höhere Kosten verursachen – und nur schwierig länger zu beschäftigen sind, wenn eigentlich noch keine freie Position vorhanden ist. Wen leitet eine Führungskraft, wenn alle Teams bereits einen Chef haben?
Branchen und Bereiche für Fridge Hiring
Neben den konkreten Mitarbeitern zeigt sich der Trend besonders in einigen Branchen. Interessant sind vor allem Mitarbeiter im IT-Bereich, Sales (Vertrieb) und Human Resources. Deutlich geringer fällt das Interesse von Personalern an Mitarbeitern im Bereich Finanzen und Marketing aus: Die Chancen liegen hier unter 12 %.
Gründe für Fridge Hiring
Der Fachkräftemangel ist der Hauptgrund, warum Unternehmen Mitarbeiter hamstern. Hinter der Personalstrategie steckt primär die Sorge, eine wirklich freie Stelle nicht kurzfristig mit einem passenden Kandidaten besetzen zu können. Allerdings gibt es zusätzlich verschiedene Ursachen, die je nach Betrieb, Branche und Region zur Personalknappheit führen:
Demographischer Wandel
In den kommenden Jahren gehen geburtenstarke Jahrgänge (sog. Babyboomer) in Rente. Das sind die zwischen 1950 und 1970 geborenen Generationen. Heißt: Es ist bereits jetzt absehbar, dass dadurch in Unternehmen zunehmend Lücken beim Personal entstehen. Da dies branchenübergreifend alle Arbeitgeber trifft, ist es umso wichtiger, sich qualifizierte Arbeitnehmer für die Zukunft zu sichern.
Stadt-Land-Gefälle
Junge Menschen zieht es vorrangig in die Städte, da hier die Auswahl an Jobs in der Regel größer ist. Auch verlassen viele Akademiker den Hochschulort ungerne, weil sie dort über Jahre persönliche Kontakte geknüpft haben. Das führt zum Stadt-Land-Gefälle. Damit steigt der Kampf in ländlichen Gebieten um die wenigen verbliebenen Fachkräfte.
Expansionspläne
Rund 20 % der befragten Personaler geben Expansionspläne als Grund für Fridge Hiring an. Fehlendes Personal kann dieses Wachstum ausbremsen oder verhindern. Will ein Unternehmen in den nächsten Jahren schnell wachsen, braucht es schnell mehr Mitarbeiter – nicht erst dann, wenn die Aufträge schon nicht mehr erfüllt werden können.
Anforderungen an Mitarbeiter
Personalmangel hin oder her – Personaler nehmen nicht jeden. Die Mitarbeiter müssen wichtige Hard Skills und Soft Skills mitbringen. Für die befragten Recruiter zählen hauptsächlich diese Dinge:
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Fachkompetenz
Neue Mitarbeiter müssen die benötigten Fertigkeiten für den relevanten Bereich mitbringen. Es braucht also die passende Ausbildung oder ein abgeschlossenes Studium. Schließlich geht es nicht darum, einfach nur viele Angestellte zu haben, sondern notwendiges Know-how auf Vorrat einzustellen.
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Teamfähigkeit
Teamfähigkeit steht weit vorn bei den Anforderungen an Mitarbeiter. Zumal Anpassungsfähigkeit gefordert ist: Schließlich gibt es für die Fridge Hires zunächst gar keine bestimmte Stelle, sondern verschiedene Tätigkeiten an unterschiedlichen Plätzen.
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Gehaltsvorstellungen
Fridge Hiring erhöht die Personalkosten ohne unmittelbaren Nutzen für das Unternehmen. Personaler achten deshalb genau auf die Gehaltsvorstellungen. Bewerber müssen sich deshalb zwar nicht unter Wert verkaufen, begehrt sind aber trotzdem Kandidaten, die zunächst einen bescheidenen und realistischen Gehaltswunsch äußern.
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Lebenslauf
10 % der Recruiter achten beim Fridge Hiring auf besondere berufliche Errungenschaften im Lebenslauf. Für Berufsanfänger ein schwieriger Aspekt, hier punkten sie vorrangig mit Erfahrungen aus einem Praktikum oder als Werkstudent.
Vorteile von Fridge Hiring
Unternehmen nutzen Fridge Hiring nicht grundlos. Das Hamstern neuer Mitarbeiter hat Vorteile für Betriebe:
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Entlastung
Fridge Hiring ist für Recruiter zeit- und ressourcenschonend: Die so gewonnenen Mitarbeiter können in aller Ruhe in Arbeitsbereiche hineinschnuppern und sind sofort verfügbar, wenn sich eine Lücke auftut. Das bedeutet zum Beispiel für dünn besetzte Personalabteilungen eine Entlastung. Das Onboarding erfolgt in einer Phase, in der das Tagesgeschäft eher ruhig ist.
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Unterstützung
Bevor die Fridge-Hires in ihrem eigentlichen Aufgabenbereich arbeiten, gehen sie den Kollegen zur Hand. Das ist eine wichtige Unterstützung im Arbeitsalltag – als Krankheits- oder Urlaubsvertretung gleichen sie zudem Personalengpässe aus.
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Marktvorteil
Im Kampf um Talente auf dem Arbeitsmarkt gilt: Es ist besser, qualifizierte Mitarbeiter im eigenen Team zu haben, als diese bei einem direkten Wettbewerber zu sehen. Durch Fridge Hiring entziehen Unternehmen begehrte Fachkräfte dem Zugriff der direkten Konkurrenz.
Auch für die Fridge-Hires selbst kann sich der Arbeitsbeginn deutlich stressfreier gestalten. Sie lernen das Unternehmen in Ruhe kennen, quasi als Training on the Job.
Ist Fridge Hiring noch aktuell?
Schwache Konjunktur, steigende Energiepreise, hohe Inflation und Gewinneinbrüche bei großen Konzernen: Viele Betriebe stehen vor wirtschaftlichen Problemen und die Zeiten des unbegrenzten Budget-Wachstums im Tech-Sektor sind vorbei. Stellt sich die Frage: Können sich Arbeitgeber das Hamstern von Personal heute überhaupt noch leisten? Die Antwort: Ja, aber die Spielregeln sind deutlich strenger geworden. Es braucht „Smart Fridge Hiring“, statt wahllos Arbeitskräfte aufzusaugen. Unternehmen sollten genau analysieren, welche Schlüsselkompetenzen in den kommenden 6 Monaten mit hoher Wahrscheinlichkeit gebraucht werden – das sind die Fachkräfte, die frühzeitig eingestellt werden.
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