Robot Recruiting: Sind Roboter die Recruiter der Zukunft?

Robot Recruiting – dieser Begriff beschwört die Vorstellung von einer menschenähnlichen Maschine herauf, die vor einem Computer sitzt und mit ihren metallischen Fingern auf einer Tastatur tippt, um zum Beispiel Bewerber auszuwählen. Entwarnung: Diese Vision gehört ganz klar in den Bereich Science-Fiction. Nichtsdestotrotz ist Robot Recruiting in Personalabteilungen zur Realität geworden. Gemeint sind damit smarte Algorithmen, die bei der Personalauswahl helfen, Bewerbern automatisiert Informationen über offene Stellen zukommen lassen oder sie zu den Karrieremöglichkeiten im Unternehmen „beraten“. Richtig gelesen: Beraten. Robot Recruiter sind inzwischen so smart, dass sie Talenten bereits individuelle Fragen beantworten können. Nur eben nicht von Auge zu Auge…

Robot Recruiting: Sind Roboter die Recruiter der Zukunft?

Robot Recruiting: Dialog mit dem Roboter

Es kann durchaus sein, dass Sie längst die Bekanntschaft eines Robo Recruiters gemacht haben – ohne es zu wissen. Robot Recruiter verbreiten sich immer mehr.

Sie kennen das vielleicht: Sie sind auf Jobsuche und surfen im Netz. Ein Chatfenster ploppt auf und ein Mitarbeiter bietet entweder seine Hilfe oder zusätzliche Informationen an. Wenn Sie ein solches Angebot schon einmal angenommen haben, hatten Sie wahrscheinlich den Eindruck, dass Ihre Fragen ziemlich passgenau beantwortet wurden.

Zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Denn irgendwann schien der Mitarbeiter überfragt und bot Ihnen die direkte Kontaktaufnahme zu einem Recruiter an. Dann haben Sie sich mit ziemlicher Sicherheit mit einem Chatbot unterhalten. Diese stoßen nämlich naturgemäß irgendwann in ihre Wissensgrenzen. Dazu später mehr.

Chatbots: Roboter für Kommunikationsaufgaben

Chatbots, das sind Roboter für Kommunikationsaufgaben. Im Konsumentenbereich setzen Unternehmen die digitalen Assistenten schon längerer ein, um Usern zum Beispiel das lästige Durchscrollen von FAQ-Listen zu ersparen.

Das Prinzip: Frage eingeben und der Chatbot liefert in einem simulierten Dialog die Antwort. So geht die Informationssuche deutlich schneller als bisher. Der Chatbot ist somit ein echter Service am Kunden.

Inzwischen verrichten die Chatbots ihre Dienste auf Karrierehomepages auch gegenüber Kandidaten. Sie beantworten Fragen zu:

  • Karriereoptionen
  • Weiterbildungsmöglichkeiten
  • Work Life Balance Angeboten
  • Home-Office
  • Flexiblen Arbeitszeiten
  • Betriebsklima

Das Wissen eines Robo-Recruiters ist begrenzt

Wobei das Wissen eines Chatbots immer nur so ausgeprägt ist, wie es das anwendende Unternehmen zulässt. Denn bevor der Robo-Personaler Fragen überhaupt beantworten kann, müssen sämtliche Antwortmöglichkeiten erst einmal fein säuberlich in seinem Backend hinterlegt werden.

Das ist anfangs zugegebenermaßen ein gewisser Aufwand. Auf lange Sicht zahlt sich dieser aber aus, weil der Bot den Recruiter spürbar entlastet, sobald er einen gewissen Intelligenzgrad erreicht hat. So erspart er ihm das Beantworten vieler Telefonate und E-Mails und es bleibt mehr Zeit für andere Dinge.

Die digitalen Karriereberater verbreiten sich daher zusehends: In der IT-Branche bietet laut der Studie Recruiting Trends der Universität Bamberg bereits jedes zehnte Unternehmen seinen Kandidaten diesen Service an, was einem Anstieg um 5,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Tendenz vermutlich weiter steigend. Denn aus Sicht der Kandidaten sind die Robot Recruiter mehr als willkommen. Etwa die Hälfte der Bewerber würde die kleinen hilfreichen Dialogpartner gerne regelmäßig bei der Stellensuche nutzen.

Was ist Robot Recruiting? Eine Definition.

Robot Recruiting – dahinter steckt aber weit mehr als nur automatisierte Dialogsysteme. Auch in anderen Bereichen der Personalbeschaffung sind so genannte Robot Recruiter längst am Werk. Dahinter stecken smarte Programme und Algorithmen, die Personalsuchende von zeitaufwändigen Alltagsaufgaben entlasten und per Knopfdruck Ergebnisse liefern. Wofür ein Recruiter früher Wochen oder Monate gebraucht hätte, geschieht dank Robot Recruiting heute in Sekundenschnelle.

Achtung, jetzt wird’s ein bisschen technisch! Zum Beispiel gibt es inzwischen Softwarelösungen auf dem Markt, die Bewerberdaten selbstständig analysieren:

Die Programme filtern aus den Dokumenten etwa die Soft Skills des Kandidaten heraus, Weiterbildungen, den Ausbildungsverlauf und die Fachkenntnisse und listen die gefundenen Informationen fein säuberlich im Bewerbermanagementsystem des Arbeitgebers auf. Der Vorteil: Der Recruiter muss diese nicht mehr manuell übertragen und kann sie gleich digital weiterbearbeiten.

Robot Recruiting: Roboter wählen Kandidaten aus

Der Roboter kann aber noch mehr: Er fällt sogar die Entscheidung, ob ein Kandidat zur Stelle passt oder nicht. Dazu gleicht er die Fähigkeiten des Bewerbers mit den Fähigkeiten ab, die für eine offene Stelle gesucht werden und erstellt ein Ranking der Kandidaten, die eher oder eher nicht infrage kommen.

Robot Recruiting findet immer mehr Anhänger. So gehen laut der Forschungsergebnisse aus Bamberg sieben von zehn der Top-1000-Unternehmen und etwa zwei Drittel der IT-Unternehmen davon aus, dass die Systeme in Zukunft häufiger zum Einsatz kommen. Im Moment greifen zwar nur 5,8 Prozent der Unternehmen auf eine automatisierte Vorauswahl von Bewerbungen zurück. 13 Prozent planen sie aber für die Zukunft.

Robot Recruiting: Das sagen die Kritiker

Der Trend hat aber auch viele Kritiker auf den Plan gerufen. Sie befürchten zum Beispiel, dass beim Robot Recruiting das Menschliche zu kurz kommt. Wie soll ein Roboter besser bewerten können als ein Mensch, ob ein Kandidat vom Typ her zum Unternehmen passt? Auch befürchten Personaler, dass Bewerbungen, die vielleicht sehr gut infrage kämen wegen eines möglichen Programmierfehlers vom Roboter vorschnell aussortiert und aus dem Rennen geworfen werden könnten.

Doch je weiter sich die Systeme entwickeln, steigt die Akzeptanz. Zumal die bislang gemachten Erfahrungen mit Robot Recruiting inzwischen das genaue Gegenteil zu belegen scheinen: Robot Recruiting ermöglicht in der Tendenz eine diskriminierungsfreiere Personalbeschaffung.

Der Grund: Eine Software lässt sich nicht durch Hautfarbe, Geschlecht oder Ethnie beeinflussen und so kommen hier und da Talente in die engere Auswahl, die ansonsten wegen unbewusster Vorbehalte möglicherweise auf „Ablagestapel P“ gelandet wären.

Direktansprache von Kandidaten

Robot Recruiting funktioniert aber auch bei der Direktansprache von Kandidaten. Weil Bewerbungen in Zeiten des Fachkräftemangels zunehmend ausbleiben, gehen Personalsuchende verstärkt selbst auf die Suche nach Talenten.

Sie recherchieren in Businessnetzwerken wie Xing und LinkedIn und sprechen potenzielle Kandidaten dort an, um sie auf eine Vakanz aufmerksam zu machen. Wer das allerdings manuell erledigt, hat viel zu tun.

Helfen kann wiederum Robot Recruiting. Das Prinzip: Algorithmen durchsuchen Lebenslauf-Datenbanken, soziale Medien und Businessnetzwerke nach passenden Talenten. Zeitgleich und nicht nacheinander. Auch spezielle Fachcommunities wie Github oder Stackoverflow bleiben nicht außen vor.

Das einzige, was der Recruiter tun muss, ist, vorab die Skills zu definieren, nach denen er sucht. Einen Klick später liegen ihm – vereinfacht gesagt – die passenden Kandidatenprofile vor. Nun braucht der Recruiter nur noch die geeigneten Kandidaten der Reihe nach anzusprechen. Und da es sich dabei um öffentlich verfügbare Daten handelt, ist das Ganze auch noch datenschutzkonform.

Aber was bedeutet Robot Recruiting nun eigentlich für Recruiter selbst? Müssen sie bald um ihre Jobs fürchten? Experten geben Entwarnung: Bis zur vollautomatischen Rekrutierung ist der Weg noch weit, sehr weit. Es wird weiterhin „menscheln“ im Recruiting. Und das ist auch ganz gut so.

[Bildnachweis: Phonlamai Photo by Shutterstock.com]
22. April 2018 Autor: Sonja Dietz

Sonja Dietz arbeitet als freiberufliche Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich HR-Management. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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