Bewerbungskosten absetzen: Tipps für die Steuererklärung

Eine Jobsuche ist mit etlichen Ausgaben verbunden: Bewerbungskosten für Mappen, Bewerbungsfotos, Fahrtkosten, Fachliteratur, Telefongespräche und andere Aktivitäten. Das kann sich im Laufe der Zeit schnell zu einem stattlichen Betrag summieren.

Wer aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis heraus einen neuen Job sucht, den schmerzen diese Ausgaben oft kaum. Anders für Arbeitslose und Arbeitsuchende mit geringem Einkommen, welche die anfallenden Ausgaben von vornherein nur mühsam aufbringen.

Immerhin gibt es Möglichkeiten, sich Geld vom Staat wiederzuholen. Bis zu 1.000 Euro können Sie ohne jegliche Nachweise als Werbungskosten angeben. Wie und in welchem Umfang Sie Ihre Bewerbungskosten bei der Steuererklärung geltend machen können…

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Bewerbungskosten absetzen: Tipps für die Steuererklärung

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Bewerbungskosten sind Werbungskosten

Als Werbungskosten werden solche anerkannt, die aufgewandt werden, um einen Job zu bekommen und dadurch Geld zu verdienen. Somit fallen auch Bewerbungskosten exakt in diese Kategorie.

Völlig unerheblich, ob Ihre Bewerbungen erfolgreich waren oder nicht. Entscheidend ist, dass die Kosten im Rahmen der Jobsuche angefallen sind.

Als Unterkategorie der Werbungskosten mindern Bewerbungskosten Ihre Steuerlast, wenn Sie sie bei der Steuererklärung angeben. Insofern hat also jeder Arbeitnehmer ein berechtigtes Interesse daran, seinen finanziellen Aufwand entsprechend anzugeben.

Das Wichtigste: Seit letztem Jahr haben Sie mehr Zeit, wenn Sie Ihre Bewerbungskosten absetzen wollen. Statt wie bisher Ihre Steuererklärung bis Ende Mai vorzulegen, reicht es, wenn sie bis zum 31. Juli beim Finanzamt ankommt.

Sollten Sie Ihre Steuererklärung nicht selbst machen, sondern in die Hände eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfevereins legen, haben die für die Steuererklärung des Veranlagungsjahres sogar Zeit bis Ende Februar des übernächsten Jahres.

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Checkliste: Diese Bewerbungskosten können Sie absetzen

Zu den Bewerbungskosten zählen alle folgenden Ausgaben, deren Quittungen Sie unbedingt aufheben sollten (die folgende Bewerbungskosten Checkliste können Sie sich gerne auch hier kostenlos als PDF herunterladen):


Bewerbungsmaterialien

Ausgaben für…
  • Bewerbungsmappen
  • Klarsichthüllen
  • Briefpapier
  • Druckerpatronen
  • Kopien
  • Klebestift (für das Bewerbungsfoto)
  • Stifte, Füller (für Unterschrift)
  • Briefumschläge
  • Briefmarken

Tipp

Drucker, Scanner und Monitor gelten als Peripheriegeräte und müssen mit den Anschaffungskosten für Ihren Laptop beziehungsweise Computer zusammengerechnet werden. Da diese Geräte üblicherweise auch privat genutzt werden, akzeptiert das Finanzamt einen beruflichen Anteil von 50 Prozent.

Wer einen höheren Anteil absetzen will, sollte einen Nachweis erbringen können, wie viele Stunden täglich die Geräte beruflich genutzt werden.

Außerdem können Sie seit diesem Jahr Computer, Multifunktionsgeräte (Scanner, Fax und Drucker in einem) oder auch andere teure Geräte vollständig als Bewerbungskosten absetzen. Dies gilt, sofern die Geräte 952 Euro (beziehungsweise 800 Euro ohne Mehrwertsteuer) nicht überschreiten.

Falls die Geräte teurer sind, können Sie eine sogenannte Absetzung für Abnutzung (AfA) anwenden, das heißt, das Gerät wird über diverse Jahre abgeschrieben. Die genaue Nutzungsdauer, über welchen Zeitraum Sie Gegenstände abschreiben können, legt das Bundesministerium der Finanzen HIER fest.



Eigenmarketing

Ausgaben für…
  • Bewerbungsfotos
  • Lebenslaufdesign
  • Stelleninserate
  • Bewerbungsvideo
  • Bewerbungswebsite
  • Online-Anzeigen für eigene Seiten
  • Telefonkosten (anteilig)
  • Internetzugang* (anteilig)

Tipp

*Die anteilige Erstattung der Kosten für Internetzugang und Handyverträge wurde in den vergangenen Jahren immer häufiger abgelehnt. Dennoch gilt: Die Bandbreite absetzbarer Kosten ist groß und der Versuch schadet nicht.

Bestimmte Berufsgruppen haben in der Regel keine größeren Probleme, Ihre Ausgaben anerkennen zu lassen:



Recherchen & Dienstleistungen

Ausgaben für…
  • Bücher
  • Zeitschriften*
  • Magazine
  • Bewerbungsratgeber
  • Computersoftware zu Bewerbung
  • Vorbereitende Kurse/Seminare
  • Bewerbungsschreiber
  • Eventuelle Übersetzungskosten
  • Zeugnisbeglaubigungen

Tipp

*Zu den absetzbaren Bewerbungskosten zählen auch Wochenendausgaben überregionaler Tageszeitungen wie die der Süddeutschen Zeitung oder der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die einen großen Stellenmarkt haben.



Reisekosten

Ausgaben für…

Tipp

*Achten Sie besonders auf die Fahrtkosten- und Verpflegungspauschalen:

  • Fahrtkostenpauschale: Für Fahrtkosten zum Bewerbungsgespräch wird eine Pauschale von 0,30 Euro pro gefahrenem Kilometer angesetzt. Auch hier der Hinweis: Lassen Sie sich die Angabe der Kilometer vom Unternehmen schriftlich bestätigen, beispielsweise auf dem Einladungsschreiben oder in einem gesonderten Brief.

    Zu den absetzbaren Bewerbungskosten unter den Fahrtkosten zählen neben den Spritkosten Bus- und Zugtickets sowie Parkgebühren.
  • Verpflegungspauschale: Das Finanzamt erkennt an, dass die Verpflegung unterwegs teurer als am heimischen Herd ist. Seit einigen Jahren unterstützt es Bewerbungskosten mit einer Verpflegungspauschale, die dieses Jahr von 12 auf 14 Euro anstiegen ist. Sie gilt, wenn Sie zwischen acht und 24 Stunden von zu Hause fort sind.

    14 Euro gibt es jeweils auch für den An- und Abreisetag. Wer über 24 Stunden von zu Hause abwesend ist, wird mit einer Pauschale von 28 Euro unterstützt. Übernachtungen – beispielsweise zu entfernt gelegenen Vorstellungsgesprächen – können Sie mit 20 Euro angeben.


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Wo werden die Bewerbungskosten eingetragen?

Gerade Berufsanfängern ist häufig unklar, wo in einer Steuererklärung die Bewerbungskosten eingetragen werden. Da die Bewerbungskosten zu den Werbungskosten zählen, ist hier die „Anlage N“ erforderlich. Sie besteht aus drei Seiten, auf denen zunächst Ihre Einkünfte verzeichnet werden.

Auf der zweiten Seite tragen Sie Ihre Bewerbungs- beziehungsweise Werbungskosten ein und auf der letzten Seite können Sie gegebenenfalls Mehraufwendungen eintragen, wenn Sie für zwei Haushalte aufkommen müssen.

Wenn Sie mit dem Platz für Ihre Bewerbungskosten nicht auskommen, können Sie auch unter „Weitere Werbungskosten“ einen Vermerk mit „Siehe Anlage“ machen.

Nachweis der Ausgaben und Bewerbungen

Wenn Sie Bewerbungskosten absetzen wollen, sollten Sie Ihre Ausgaben durch Belege nachweisen können. Falls Sie arbeitslos sind, müssen Sie gegebenenfalls eigene Bewerbungsbemühungen nachweisen.

Legen Sie diese Auflistung am besten mit der entsprechenden Korrespondenz der Unternehmen – also Eingangsbestätigungen und Absagen – Ihrer Steuerklärung beim Finanzamt bei.

Bedenken Sie bei Ihren Angaben, dass diejenigen Fahrtkosten von Ihren Bewerbungskosten abgezogen werden müssen, die Sie vom Unternehmen erstattet bekommen haben.

Bleibt eine Reaktion des Finanzamts aus, sollten Sie eine Kopie des Anschreibens mit einem handschriftlichen Vermerk zum Versanddatum und eventuellen Nachfragen Ihrerseits beilegen.

Quittungen und Bons für Bewerbungs- und Büromaterialien sollten die genaue Bezeichnung der erworbenen Gegenstände aufführen, damit Sie pauschale Bewerbungskosten absetzen können.

Auch sollten Sie darauf achten, dass sie am besten an einem trockenen und dunklen Ort (Schuhkarton reicht) aufbewahrt werden, da manche Papiersorten (wie Thermopapier) dazu neigen, schnell zu verblassen. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie eine Kopie zuvor anfertigen.


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Bewerbungskosten einzeln oder pauschal absetzbar

Sie haben zwei Möglichkeiten, wie Sie Ihre Bewerbungskosten absetzen können:

  • Einzeln
    Sie reichen sämtliche Belege für Ihre Ausgaben ein.
  • Pauschal
    Sie geben für Ihre Bewerbungskosten Pauschalbeträge an.

Entscheiden Sie sich für die Pauschale, sollten Sie die vom Finanzamt veranschlagten Pauschalen Ihrer Berechnung zugrunde legen. Diese Pauschalen schwanken zwischen 10 bis 15 Euro pro schriftlicher Bewerbung – Fahrt- und Übernachtungskosten exklusive – und rund 2,50 Euro pro E-Mail-Bewerbung.

Einige Finanzämter orientieren sich auch an einem Urteil des Finanzgerichts Köln. Darin werden für schriftliche Bewerbungen Kosten in Höhe von 8,50 Euro angenommen (FG Köln, Az. 7 K 932/03).

Einen Anspruch auf eine Pauschale pro Bewerbung gibt es jedoch nicht. Es liegt stets im Ermessen des Sachbearbeiters, in welcher Höhe er die Bewerbungskosten in der Steuererklärung anerkennt.

Beachten Sie dabei zudem, dass das Finanzamt grundsätzlich nur eine Pauschale von bis zu 1.000 Euro für Werbungskosten vorsieht. Erst wenn Ihre Kosten diese Pauschale übersteigen, können Sie Ihre konkreten Ausgaben geltend machen.

Sammeln Sie also alle Belege und addieren Sie die Beträge während der Phase der Arbeitssuche zusammen. Bis 1.000 Euro machen Sie die Pauschale geltend, danach die Summe der Belege.

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Online-Bewerbungen ebenfalls absetzbar

Die Digitalisierung macht auch vor Bewerbungen keinen Halt – schon längst machen E-Mail-Bewerbungen den Großteil der Bewerbungsbemühungen aus. Ebenso wie bei Online-Bewerbungen fallen hierbei die Kosten für Porto und aufwendig gestaltete Bewerbungsmappen weg.

Stellt sich die Frage, ob sich dennoch Bewerbungskosten absetzen lassen? Die kurze Antwort: „Ja.“ Denn wie oben aufgeführt, bleiben Kosten für die Fahrt zum Eignungstest oder andere Aufwendungen bestehen.

Und solange die der Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses dienen, werden sie angerechnet. So könnten Sie beispielsweise ein Bewerbungsseminar besuchen oder sich mit einem Bewerbungscoaching fit für die Arbeitssuche machen.

Beides fiele unter Bewerbungskosten, die sich absetzen ließen.

Bewerbungskosten-Pauschalen beim Arbeitsamt

Die Bewerbungskosten von der Steuer abzusetzen, ist eine Möglichkeit, die finanzielle Belastung gering zu halten. Damit muss allerdings bis zum Jahresende gewartet werden und dann gehen für gewöhnlich einige Wochen oder Monate ins Land, bis das Finanzamt reagiert.

Für Arbeitslose oder Arbeitnehmer mit geringfügiger Beschäftigung kann das unter Umständen zu spät sein. Häufig übernimmt der Arbeitgeber die Kosten für Anreise und Übernachtung.

In Fällen, in denen er jedoch direkt im Telefonat oder Bestätigungsschreiben darauf hinweist, dass keine Kostenübernahme stattfindet, haben Arbeitnehmer noch eine weitere Möglichkeit. Bewerbungskosten können auch vom Arbeitsamt oder Jobcenter übernommen werden.

Das gilt insbesondere für Fahrtkostenerstattung oder angemessene Kleidung fürs Vorstellungsgespräch.


Achtung:

Es besteht keinerlei Rechtsanspruch, vielmehr liegt es im Ermessen des jeweiligen Sachbearbeiters.

Arbeitssuchende unterschreiben für gewöhnlich eine Eingliederungsvereinbarung, die in Absprache mit ihrem Sachbearbeiter festlegt, welche Bewerbungsbemühungen zu leisten sind. Darin kann ebenfalls ein Hinweis auf die Höhe der Bewerbungskosten und konkrete Modalitäten enthalten sein.



Oft wird pro Bewerbung pauschal mit fünf Euro vergütet. Zusätzlich wird meist ein Formular ausgegeben, in das die Bewerbungsbemühungen anhand von Datum, Adresse des Unternehmens und konkrete Position eingetragen werden. Dies sollte entsprechend ausgefüllt werden und dient als Nachweis der Ausgaben und Bemühungen.

Die für Sie zuständige Arbeitsagentur (oder Jobcenter) entscheidet anhand ihres Vermittlungsbudgets, ob und in welcher Höhe Ihnen Bewerbungskosten erstattet werden. Bis zu 260 Euro Erstattung sind pro Jahr möglich. Selbst wenn sich dieser Betrag nicht mit Ihren realen Ausgaben deckt, kann er helfen, die finanzielle Belastung in Grenzen zu halten.

Wichtig hierbei: Falls die Eingliederungsvereinbarung keine Angaben zu Bewerbungskosten macht, müssen Sie Übernahme der Kosten vor Entstehung beantragen. Klären Sie vorab im Gespräch, mit welcher Unterstützung Sie rechnen können, damit Sie nicht unnötig auf den Bewerbungskosten sitzen bleiben.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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24. Juni 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt mehr als 20 Jahre als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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