Steuererklärung: Bis zu 1000 Euro sparen

Die Steuererklärung – für einige ist sie lästige Pflicht, andere sollten sie abgeben, wenn sie sparen wollen. In vielen Fällen lohnt sich der Aufwand. Laut Statistischem Bundesamt liegt die durchschnittliche Steuerrückerstattung bei 935 Euro. In diesem Jahr könnte die Erstattung sogar noch üppiger ausfallen, immerhin haben sich die Rahmenbedingungen erneut geändert. Was Sie für die Steuererklärung 2018 wissen müssen…

Steuererklärung: Bis zu 1000 Euro sparen

Steuererklärung 2018: Fristen, Tipps, Freibeträge

Sofern für das Finanzamt kein Anlass besteht, Ihre Steuererklärung einer individuellen Prüfung zu unterziehen, erfolgt die Prüfung vollständig automationsgestützt.

Hintergrund ist das Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens, das seit Januar 2017 schrittweise bis 2022 umgesetzt wird. So soll der Prozess digitaler, schlanker, schneller werden.

Sollten Sie allerdings darauf bestehen, dass ein Mitarbeiter aus Fleisch und Blut Ihre Steuererklärung prüft, können Sie das im Freitextfeld angeben. Wer 2019 eine Steuerklärung fürs vorherige Jahr macht, kann von einigen Gesetzesänderungen und höheren Freibeträgen profitieren.

Bisher hatten Sie bis zum 31. Mai eines Jahres Zeit für eine Steuererklärung. In Zukunft können Sie sich noch zwei Monate länger Zeit lassen, um die Anlagen auszufüllen – sofern Sie die Steuererklärung selber machen.

So muss die Steuererklärung für das Steuerjahr 2018 spätestens am 31. Juli 2019 beim zuständigen Finanzamt vorliegen.

Wer einen Steuerberater hinzuzieht, hat sogar bis zum 28. Februar 2020 Zeit, um die Steuererklärung für 2018 abzuliefern. Und eine Fristverlängerung ist ebenfalls relativ problemlos möglich.

Stellen Sie am am besten einen schriftlichen Antrag auf Fristverlängerung und begründen Sie ihn: Es könnte ja sein, dass Ihnen noch wichtige Unterlagen fehlen oder Sie längere Zeit wegen einer Krankheit außer Gefecht gesetzt waren. Oft genügt auch ein kurzer Anruf beim zuständigen Finanzamt.

Achtung: Falls Sie Ihre Steuererklärung zu spät abgeben, bittet Sie der Staat zur Kasse. Für jeden angefangenen Monat der Verspätung müssen Sie einen Zuschlag von 0,25 Prozent der Steuernachzahlung zahlen, mindestens aber 25 Euro pro Monat. Zahlen müssen Sie übrigens auch im Falle einer Steuerrückerstattung.

Lassen Sie die Frist verstreichen, kommen nicht nur Strafgebühren auf Sie zu: Das Finanzamt schätzt dann die Steuern. So eine Steuerschätzung ist in der Regel deutlich höher als Ihre tatsächliche Steuer. Für diesen Fall sollten Sie Einspruch einlegen und binnen eines Monats Ihre Steuererklärung nachreichen.

Wer sollte eine Steuererklärung abgeben?

Wie bereits angesprochen, kann es sich durchaus lohnen, eine Steuererklärung abzugeben. Die überwiegende Mehrzahl der Arbeitnehmer, die eine Steuererklärung macht, bekommt Geld zurück. Einige Gruppen von Arbeitnehmer profitieren sogar mehr als andere:

  • Leiharbeiter

    Leih- oder Zeitarbeiter können von einem Urteil profitieren, das der Lohnsteuerhilfeverein Steuerring für sie erstritt: Sie dürfen nicht nur die Entfernungspauschale geltend machen, sondern jeden gefahrenen Kilometer abrechnen. Damit sind die Fahrten zu den Einsätzen beim Entleiher einer Dienstreise gleichgestellt. Allerdings muss dazu der Einsatz im Entleiherbetrieb laut Arbeitsvertrag zeitlich begrenzt sein. Hier lohnt es sich, einmal genau nachzulesen.

  • Arbeitnehmer mit hohen Werbungskosten

    Die Pauschale, die das Finanzamt für berufliche Ausgaben ansetzt, liegt bei lediglich 1000 Euro. Einige Arbeitnehmer überschreiten diesen Betrag aber und verschenken bares Geld, wenn sie keine Steuererklärung machen. Die tatsächlichen Ausgaben können nur geltend gemacht werden, wenn Sie eine Steuererklärung machen.

  • Arbeitnehmer mit außergewöhnlichen Belastungen

    Die Reihe an außergewöhnlichen Belastungen, die vom Finanzamt akzeptiert werden, ist relativ lang: Arbeitnehmer, die krank waren, einen Unfall hatten, einen oder gar mehrere Angehörige pflegen oder eine Beerdigung bestreiten mussten, können diese höheren Kosten in der Steuererklärung geltend machen.

    Auch ein Hochwasser oder eine vergleichbare Katastrophe wirkt sich mildernd auf die Steuerlast aus.

  • Weitere Steuerzahler

    Daneben gibt es noch weitere Steuerzahler, die sich überlegen sollten, eine Steuererklärung für das Steuerjahr 2018 abzugeben:

    • Berufseinsteiger, also ehemalige Azubis oder Studenten, die ihren Job nicht schon am 1.1. 2017 begonnen haben.
    • Zusammenveranlagte, mit einer schlechten Kombination der beiden Steuerklassen.
    • Steuerzahler, die eine zu hohe Abgeltungssteuer gezahlt haben. Das kann passieren, wenn Sie pauschal 25 Prozent versteuert, tatsächlich aber einen günstigeren Steuersatz haben.
    • Alleinerziehende, die nicht Steuerklasse II eingetragen haben.

Steuererklärung als Student: Lohnt sich das?

Steuererklärung als Student: Lohnt sich das?Gerade Studenten fragen sich häufig, ob sich eine Steuererklärung für sie lohnt. Wenn Sie nicht gerade BWL oder eine andere Wirtschaftswissenschaft studieren, kann Studenten der Gedanke an eine Steuererklärung sogar ein echter Graus sein. Trotzdem sollten Studenten genau überlegen, ob sie sich nicht überwinden und eine Steuererklärung abgeben. Es kann durchaus von Vorteil sein.

Bei dieser Gruppe von Personen sind die Ausgaben meist höher als die Einnahmen. Die Folge: Eine Steuerrückerstattung, die sich sehen lassen kann. Das liegt daran, dass sich in der Regel die Kosten für das Studium von der Steuer absetzen lassen und damit die Verluste höher sind als die Einkünfte. Das steuerliche Mittel, das Sie bei der Steuererklärung als Student nutzen können, heißt Verlustvortrag.

Studenten haben damit den Vorteil, eventuelle Verluste im Steuerjahr, die sie nicht direkt geltend machen konnten, für die Folgejahre anrechnen zu lassen. Sie können damit über die eigentliche Steuererklärung hinaus noch profitieren. Gerade für Studenten und Berufsanfänger ist das eine interessante Alternative, um Steuern zu sparen.

Übrigens: Der Verlustvortrag kann rückwirkend sogar für sieben Jahre beim Finanzamt geltend gemacht werden.

Welche Belege für die Steuererklärung?

Die Steuererklärung soll einfacher werden – für beide Seiten. Daher müssen Sie keine Papier-Belege mehr hinterhersenden, wenn Sie Ihre Steuererklärung auf elektronischem Weg übermittelt haben.

Nur wenn das Finanzamt einzelne Rechnungen oder Bescheinigungen sehen will, fordert es sie aktiv bei Ihnen an. Das ist insbesondere bei Spenden relevant. Spendenquittungen von gemeinnützigen oder anderen Organisationen werden oftmals automatisch ans Finanzamt übermittelt, ein papierner Beleg wird überflüssig.

Aus der Belegevorlagepflicht wird somit eine Belegvorhaltepflicht. Gleichzeitig steht es Ihnen weiterhin frei, Belege freiwillig mitzuliefern. Das könnte im Einzelfall Unklarheiten von vornherein ausräumen und das Verfahren beschleunigen.

Wenn das Finanzamt einzelne Belege einfordert, dann können Sie diese vermehrt digital hochladen und versenden. Das könnte vor allem bei Bankenbescheinigungen über die Kapitalertragssteuer der Fall sein. Diese Belege können Sie jetzt auch mailen oder im Elster-Portal hochladen.

Arbeitnehmer, die sich für eine vereinfachte Steuererklärung interessieren, müssen sogar nur zwei Seiten ausfüllen und die Steuererklärung ist fertig. Arbeitnehmer sollten unbedingt prüfen, ob die vereinfachte Steuererklärung bei ihnen ausreicht. In der Regel ist das der Fall, wenn Sie als Steuerzahler lediglich Ihren Lohn oder sogenannte Lohnersatzleistungen (also Arbeitslosengeld, Kurzarbeitergeld, Insolvenzgeld…) im vergangenen Steuerjahr bezogen haben.

Neue Freibeträge und Einkommensgrenzen für 2019

Für 2019 gelten neue Einkommensgrenzen. Sie steigen 2019 für alle Steuersätze um 1,84 Prozent. Hintergrund ist der, dass die kalte Progression abgemildert werden soll. Die würde dazu führen, dass trotz einer Gehaltserhöhung durch eine Inflation das Mehrgeld aufgefressen würde.

Auch wurden die Freibeträge erhöht, für Steuerzahler verringert sich entsprechend die Abgabenlast:

  • Der Grundfreibetrag von 9.000 Euro (2018) erhöht sich um 168 Euro auf 9.168 Euro (2019). Für Ehepaare erhöht sich der Grundfreibetrag von 18.000 Euro (2018) auf 18.336 Euro (2019).
  • Der Kinderfreibetrag von 4.788 Euro (2018) erhöht sich um 192 Euro auf 4.980 Euro (2019), 2020 wird er auf 5.172 Euro ansteigen. Inklusive Betreuungsfreibetrag wird einem Elternpaar für 2019 7.620 Euro, für 2020 7.812 Euro Kinderfreibetrag gewährt.
  • Das monatliche Kindergeld steigt erneut um jeweils zehn Euro pro Kind und Monat. Für das erste und zweite Kind erhöht es sich 2019 von 194 Euro auf 204 Euro, für das dritte Kind von 200 Euro auf 210 Euro, für das vierte und jedes weitere Kind von 225 Euro auf 235 Euro. Achtung: Seit 1. Januar 2018 wird Kindergeld nur für höchstens sechs Monate rückwirkend zurückgezahlt.
  • Der Unterhaltshöchstbetrag von 9.000 Euro (2018) erhöht sich entsprechend der Anhebung des Grundfreibetrags um 168 Euro auf 9.168 Euro (2019). Den Unterhaltshöchstbetrag können Personen, die den Ex-Partner oder bedürftige Angehörige pflegen, als außergewöhnliche Belastung absetzen.

Tipps für die Steuererklärung

Steuererklärung 2019 Tipps Das deutsche Steuerrecht ist ein Labyrinth – mit vielen Geheimgängen. Hier sind drei Tipps für Ihre Steuererklärung:

  • Installation: Wenn Sie sich einen neuen PC anschaffen und ihn lieber von einem Fachmann einrichten lassen wollen, können Sie die Kosten dafür als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen – sofern die Installation im Haushalt erfolgt.
  • Reinigung: Handwerker, Ärzte oder andere Berufsgruppen, die ihre typische Berufskleidung reinigen (lassen), können die Kosten absetzen – zum Beispiel als Pauschale in Höhe von 110 Euro. Die tatsächlichen Kosten müssen Sie angeben, wenn die Reinigung in einer Wäscherei durchgeführt wird.
  • Au Pair: Die Ausgaben für ein Au Pair können teilweise beim Finanzamt geltend gemacht werden. Wenn etwa im Arbeitsvertrag geregelt ist, dass das Au Pair die Hälfte der Arbeitszeit mit Kinderbetreuung, die andere Hälfte mit leichten Hausarbeiten verbringt, kann die Hälfte des Monatslohns als haushaltsnahe Dienstleistung angegeben werden.

Änderungen bei Krankenversicherung, Rente und Pflegeversicherung

Zum 1. Januar 2019 sind Änderungen bei der Krankenversicherung in Kraft getreten. Zusatzbeiträge bei der gesetzlichen Krankenversicherungen werden nun paritätisch von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlt. Das bedeutet für die Beitragszahler eine Entlastung von rund acht Milliarden Euro.

Eine Beitragssteigung um 0,5 Prozent auf 3,05 Prozent des Bruttoeinkommens ist für die Pflegeversicherung vorgesehen. Begründet wird diese Steigerung mit dem hohen Bedarf an Pflegepersonal und dem derzeitigen Pflegenotstand.

Neuerungen gibt es auch für Rentner und Arbeitnehmer, denen der Renteneintritt bevorsteht. Zum einen sind auch sie von der Erhöhung der Pflegeversicherung betroffen, wenn sie krankenversicherungspflichtig sind.

Daneben müssen sie – wie versicherungspflichtige Kinderlose – einen Kinderlosenzuschlag von 0,25 Prozent zahlen. Das ergibt unterm Strich einen Beitragssatz von 3,3 Prozent ab 2019.

2019 bringt außerdem ein neues Rentengesetz. Dessen Finanzierung macht eine Senkung der bisherigen Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung unmöglich. Immerhin soll Rentnern zum Jahr 2025 das Rentenniveau von 48 Prozent erhalten bleiben. Der Beitragssatz soll bis dahin nicht über die 20 Prozentmarke gehen.

Software für Steuererklärung: Die besten Programme

Steuererklärung 2019 Software Steuersoftware führt im besten Fall mühelos durch die Unterlagen. Aber welches Programm kaufen?

Die Stiftung Warentest nahm 2017 insgesamt elf Programme unter die Lupe. Sechs davon müssen heruntergeladen und auf dem Rechner installiert werden. Die anderen fünf kann der User direkt im Browser – und damit auch auf einem Tablet oder gar Smartphone – nutzen.

Testsieger der Warentester wurde das Wiso Steuersparbuch 2017. Für die Steuererklärung 2019 liegt derzeit noch keine Auswertung der Stiftung Warentest vor. Die Seite „Steuersoftware Test und Vergleich“ kommt für dieses Jahr allerdings zu einem ähnlichen Ergebnis – Testsieger ist erneut das Wiso Steuersparbuch, dieses Mal in der Version für 2019.

Die Software „Steuereasy“ nimmt unter den sieben getesteten den letzten Platz ein, erfüllt aber immer noch 79 Prozent aller Kriterien und ist mit 14,99 Euro nur acht Euro günstiger als der Testsieger.

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
9. Februar 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!