Steuererklärung: Das können Sie absetzen

Die Steuererklärung – für einige ist sie lästige Pflicht, andere sollten sie abgeben, wenn sie sparen wollen. In vielen Fällen lohnt sich der Aufwand. Laut Statistischem Bundesamt liegt die durchschnittliche Steuerrückerstattung bei 935 Euro. Und in diesem Jahr könnte die Erstattung noch üppiger ausfallen, immerhin haben sich die Rahmenbedingungen erneut geändert. Was Sie für die Steuererklärung 2019 wissen müssen…

Steuererklärung: Das können Sie absetzen

Steuererklärung 2019: Fristen, Tipps, Freibeträge

Sofern für das Finanzamt kein Anlass besteht, Ihre Steuererklärung einer individuellen Prüfung zu unterziehen, erfolgt die Prüfung vollständig automationsgestützt.

Hintergrund ist das Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens, das seit Januar 2017 schrittweise bis 2022 umgesetzt wird. So soll der Prozess digitaler, schlanker, schneller werden.

Sollten Sie allerdings darauf bestehen, dass ein Mitarbeiter aus Fleisch und Blut Ihre Steuererklärung prüft, können Sie das im Freitextfeld angeben. Wer 2019 eine Steuerklärung fürs vorherige Jahr macht, kann von einigen Gesetzesänderungen und höheren Freibeträgen profitieren.

Bisher hatten Sie bis zum 31. Mai eines Jahres Zeit für eine Steuererklärung. Und in Zukunft können Sie sich noch zwei Monate länger Zeit lassen, um die Anlagen auszufüllen. So muss die Steuererklärung für das Steuerjahr 2018 spätestens am 31. Juli 2019 beim zuständigen Finanzamt vorliegen.

Wer einen Steuerberater hinzuzieht, hat sogar bis zum 28. Februar 2020 Zeit, um die Steuererklärung für 2018 abzuliefern. Und eine Fristverlängerung ist ebenfalls relativ problemlos möglich.

Stellen Sie am am besten einen schriftlichen Antrag auf Fristverlängerung und begründen Sie ihn: Es könnte ja sein, dass Ihnen noch wichtige Unterlagen fehlen oder Sie längere Zeit wegen einer Krankheit außer Gefecht gesetzt waren. Oft genügt auch ein kurzer Anruf beim zuständigen Finanzamt.

Achtung: Falls Sie Ihre Steuererklärung zu spät abgeben, bittet Sie der Staat zur Kasse. Für jeden angefangenen Monat der Verspätung müssen Sie einen Zuschlag von 0,25 Prozent der Steuernachzahlung zahlen, mindestens aber 25 Euro pro Monat. Zahlen müssen Sie übrigens auch im Falle einer Steuerrückerstattung.

Lassen Sie die Frist verstreichen, kommen nicht nur Strafgebühren auf Sie zu: Das Finanzamt schätzt dann die Steuern. So eine Steuerschätzung ist in der Regel deutlich höher als Ihre tatsächliche Steuer. Für diesen Fall sollten Sie Einspruch einlegen und binnen eines Monats Ihre Steuererklärung nachreichen.

Welche Belege für die Steuererklärung?

Die Steuererklärung soll einfacher werden – für beide Seiten. Daher müssen Sie keine Papier-Belege mehr hinterhersenden, wenn Sie Ihre Steuererklärung auf elektronischem Weg übermittelt haben.

Nur wenn das Finanzamt einzelne Rechnungen oder Bescheinigungen sehen will, fordert es sie aktiv bei Ihnen an. Das ist insbesondere bei Spenden relevant. Spendenquittungen von gemeinnützigen oder anderen Organisationen werden oftmals automatisch ans Finanzamt übermittelt, ein papierner Beleg wird überflüssig.

Aus der Belegevorlagepflicht wird somit eine Belegvorhaltepflicht. Gleichzeitig steht es Ihnen weiterhin frei, Belege freiwillig mitzuliefern. Das könnte im Einzelfall Unklarheiten von vornherein ausräumen und das Verfahren beschleunigen.

Wenn das Finanzamt einzelne Belege einfordert, dann können Sie diese vermehrt digital hochladen und versenden. Das könnte vor allem bei Bankenbescheinigungen über die Kapitalertragssteuer der Fall sein. Diese Belege können Sie jetzt auch mailen oder im Elster-Portal hochladen.

Neue Freibeträge und Einkommensgrenzen für 2019

Für 2019 gelten neue Einkommensgrenzen. Sie steigen 2019 für alle Steuersätze um 1,84 Prozent. Hintergrund ist der, dass die kalte Progression abgemildert werden soll. Die würde dazu führen, dass trotz einer Gehaltserhöhung durch eine Inflation das Mehrgeld aufgefressen würde.

Auch wurden die Freibeträge erhöht, für Steuerzahler verringert sich entsprechend die Abgabenlast:

  • Der Grundfreibetrag von 9.000 Euro (2018) erhöht sich um 168 Euro auf 9.168 Euro (2019). Für Ehepaare erhöht sich der Grundfreibetrag von 18.000 Euro (2018) auf 18.336 Euro (2019).
  • Der Kinderfreibetrag von 4.788 Euro (2018) erhöht sich um 192 Euro auf 4.980 Euro (2019), 2020 wird er auf 5.172 Euro ansteigen. Inklusive Betreuungsfreibetrag wird einem Elternpaar für 2019 7.620 Euro, für 2020 7.812 Euro Kinderfreibetrag gewährt.
  • Das monatliche Kindergeld steigt erneut um jeweils zehn Euro pro Kind und Monat. Für das erste und zweite Kind erhöht es sich 2019 von 194 Euro auf 204 Euro, für das dritte Kind von 200 Euro auf 210 Euro, für das vierte und jedes weitere Kind von 225 Euro auf 235 Euro. Achtung: Seit 1. Januar 2018 wird Kindergeld nur für höchstens sechs Monate rückwirkend zurückgezahlt.
  • Der Unterhaltshöchstbetrag von 9.000 Euro (2018) erhöht sich entsprechend der Anhebung des Grundfreibetrags um 168 Euro auf 9.168 Euro (2019). Den Unterhaltshöchstbetrag können Personen, die den Ex-Partner oder bedürftige Angehörige pflegen, als außergewöhnliche Belastung absetzen.

Steuer zurück: So holen Sie das meiste raus

Steuererklärung 2019Sie benötigen Hilfe bei der Steuererklärung? Hier gibt’s noch mehr Tipps:

Steuer sparen: Umzugskosten absetzen

Wer aus beruflichen Gründen umzieht, kann die Umzugskosten als Werbungskosten absetzen. Dazu zählen etwa die Kosten für Spedition, Makler und Renovierung, sogar für Trinkgelder und Verpflegung für die Helfer. Dazu sind jedoch Belege nötig, die aufwändig gesammelt werden müssen.

Eine Alternative ist die Umzugskostenpauschale, die ohne Zettelwirtschaft auskommt und nun angehoben wurde. So dürfen Verheiratete und Alleinerziehende für Umzüge, die nach dem 1. März 2018 enden, pauschal 1.573 Euro als sonstige Umzugskosten absetzen. Für jede weitere Person im Haushalt kommen 347 Euro hinzu.

Diese Beträge steigen für Umzüge, die nach dem 1. April 2019 stattfinden auf:

  • 1.622 Euro für Verheiratete und Alleinerziehende
  • 357 Euro für weitere Personen im Haushalt

Folgende Pauschbeträge sind bei Umzügen ab dem 1. März 2020 vorgesehen:

  • 1.639 Euro für Verheiratete und Alleinerziehende
  • 361 Euro für weitere Personen im Haushalt

Das ändert sich 2019 für Selbstständige und Arbeitnehmer

Für Selbstständige und Unternehmer gibt es einige Änderungen. Grobes Fazit: Wer bisher wenig in der Tasche hatte, wird etwas entlastet.

  • Mindestbeitrag sinkt

    Seit Jahren ist immer wieder der Mindestbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherungen in der Kritik. Das Problem: Nicht jeder Selbständige ist automatisch Großverdiener. Für Freiberufler, Freelancer, freie Mitarbeiter und Kleinunternehmer wurde dieselbe Bemessungsgrundlage von monatlich 2.283,75 Euro angesetzt. Somit mussten unterschiedslos mindestens 422,49 Euro aufgebracht werden – auch wenn die tatsächlichen Einnahmen deutlich geringer ausfielen. Dieser Beitrag wird nun deutlich gesenkt. Wer bis zu 1.142 Euro im Monat verdient, zahlt ab 2019 einen Beitrag von 171 Euro pro Monat.

  • Mindestlohn steigt

    Wer Mitarbeiter in seinem Unternehmen beschäftigt, muss einen höheren Stundenlohn zahlen. 2019 steigt er von 8,84 Euro auf nunmehr 9,19 Euro. Die Erhöhung des Mindestlohns für 2020 ist ebenfalls beschlossene Sache. Arbeitgeber müssen dann mindestens 9,35 Euro pro Stunde zahlen. Ein Anstieg der Mindestlöhne ist auch in anderen Branchen vorgesehen, beispielsweise in der Zeitarbeit und in der Pflege.

Tipps für die Steuererklärung

Steuererklärung 2019 Geheimtipps Das deutsche Steuerrecht ist ein Labyrinth – mit vielen Geheimgängen. Hier sind drei Geheimtipps für Ihre Steuererklärung:

  • Installation: Wenn Sie sich einen neuen PC anschaffen und ihn lieber von einem Fachmann einrichten lassen wollen, können Sie die Kosten dafür als haushaltsnahe Dienstleistung absetzen – sofern die Installation im Haushalt erfolgt.
  • Reinigung: Handwerker, Ärzte oder andere Berufsgruppen, die ihre typische Berufskleidung reinigen (lassen), können die Kosten absetzen – zum Beispiel als Pauschale in Höhe von 110 Euro. Die tatsächlichen Kosten müssen Sie angeben, wenn die Reinigung in einer Wäscherei durchgeführt wird.
  • Au Pair: Die Ausgaben für ein Au Pair können teilweise beim Finanzamt geltend gemacht werden. Wenn etwa im Arbeitsvertrag geregelt ist, dass das Au Pair die Hälfte der Arbeitszeit mit Kinderbetreuung, die andere Hälfte mit leichten Hausarbeiten verbringt, kann die Hälfte des Monatslohns als haushaltsnahe Dienstleistung angegeben werden.

Änderungen bei Krankenversicherung, Rente und Pflegeversicherung

Zum 1. Januar 2019 sind Änderungen bei der Krankenversicherung in Kraft getreten. Zusatzbeiträge bei der gesetzlichen Krankenversicherungen werden nun paritätisch von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlt. Das bedeutet für die Beitragszahler eine Entlastung von rund acht Milliarden Euro.

Eine Beitragssteigung um 0,5 Prozent auf 3,05 Prozent des Bruttoeinkommens ist für die Pflegeversicherung vorgesehen. Begründet wird diese Steigerung mit dem hohen Bedarf an Pflegepersonal und dem derzeitigen Pflegenotstand.

Neuerungen gibt es auch für Rentner und Arbeitnehmer, denen der Renteneintritt bevorsteht. Zum einen sind auch sie von der Erhöhung der Pflegeversicherung betroffen, wenn sie krankenversicherungspflichtig sind.

Daneben müssen sie – wie versicherungspflichtige Kinderlose – einen Kinderlosenzuschlag von 0,25 Prozent zahlen. Das ergibt unterm Strich einen Beitragssatz von 3,3 Prozent ab 2019.

2019 bringt außerdem ein neues Rentengesetz. Dessen Finanzierung macht eine Senkung der bisherigen Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung unmöglich. Immerhin soll Rentnern zum Jahr 2025 das Rentenniveau von 48 Prozent erhalten bleiben. Der Beitragssatz soll bis dahin nicht über die 20 Prozentmarke gehen.

Software für Steuererklärung: Die besten Programme

Steuererklärung 2019 Software Steuersoftware führt im besten Fall mühelos durch die Unterlagen. Aber welches Programm kaufen?

Die Stiftung Warentest nahm 2017 insgesamt elf Programme unter die Lupe. Sechs davon müssen heruntergeladen und auf dem Rechner installiert werden. Die anderen fünf kann der User direkt im Browser – und damit auch auf einem Tablet oder gar Smartphone – nutzen.

Testsieger der Warentester wurde das Wiso Steuersparbuch 2017. Für die Steuererklärung 2019 liegt derzeit noch keine Auswertung der Stiftung Warentest vor. Die Seite „Steuersoftware Test und Vergleich“ kommt für dieses Jahr allerdings zu einem ähnlichen Ergebnis – Testsieger ist erneut das Wiso Steuersparbuch, dieses Mal in der Version für 2019.

Die Software „Steuereasy“ nimmt unter den sieben getesteten den letzten Platz ein, erfüllt aber immer noch 79 Prozent aller Kriterien und ist mit 14,99 Euro nur acht Euro günstiger als der Testsieger.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
4. Januar 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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