Lohnsteuerklassen: Das müssen Sie dazu wissen

Beim Blick auf die monatliche Gehaltsabrechnung zeigt sich anschaulich, welcher Teil des Gehalts an den Staat abgeführt wird. Maßgeblich verantwortlich dafür sind die Lohnsteuerklassen. Je nach Ihrer individuellen Lohnsteuerklasse kann die tatsächliche Bezahlung, die auf Ihrem Konto ankommt, schnell um mehrere Tausend Euro im Jahr variieren. Entsprechend wichtig ist es, dass Sie wissen, was die unterschiedlichen Lohnsteuerklassen bedeuten, wann Sie in welcher eingeordnet werden und ob Sie die Lohnsteuerklassen wechseln können. Wir erklären, was Sie dazu wissen müssen…

Lohnsteuerklassen: Das müssen Sie dazu wissen

Lohnsteuerklassen: Darum sind sie so wichtig

Bei der Lohnsteuer handelt es sich um eine Vorauszahlung auf die Einkommenssteuer, deren Höhe bei der jährlichen Einkommensteuererklärung bestimmt wird. Jeden Monat wird von Ihren Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit – also Ihrem Gehalt oder Lohn vom Arbeitgeber – die Lohnsteuer abgezogen und an das Finanzamt weitergeleitet.

Wie hoch der Betrag dieser Vorauszahlung ausfällt, hängt von Ihrer Lohnsteuerklasse ab. Nur mithilfe der Lohnsteuerklassen können Arbeitgeber berechnen, welche Zahlungen sie an das Finanzamt tätigen müssen. Denn auch wenn es sich um Ihre Lohnsteuer handelt, liegt es in der Verantwortung des Arbeitgebers, für die korrekte und vollständige Übermittlung der Steuer zu sorgen. Dabei nutzen Unternehmen die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (besser bekannt als ELStAM oder elektronische Lohnsteuerkarte), statt der früher gebräuchlichen Lohnsteuerkarte aus Papier.

Wichtig sind die Lohnsteuerklassen vor allem, weil diese soziale Unterschiede berücksichtigen. Je nach Steuerklasse gibt es unterschiedliche Jahresfreibeträge, die bei der Berechnung der Einkommenssteuer angewendet werden. Oder einfach ausgedrückt: Bei einigen Lohnsteuerklassen zahlen Sie deutlich weniger Steuern als bei anderen. Ein großer Unterschied macht sich zudem bereits bei der monatlichen Vorauszahlung bemerkbar.

Zur Verdeutlichung ein kleines Beispiel: Bei einem Bruttogehalt von 5.000 Euro und Steuerklasse 1 bleibt ein Nettogehalt von rund 2.878 Euro. Bei gleichem Bruttogehalt in Steuerklasse 3 ergibt sich ein Nettogehalt von 3.325 Euro – fast 450 Euro Unterschied.

Die verschiedenen Lohnsteuerklassen

Leider können Sie sich Ihre Lohnsteuerklassen nicht ohne weiteres aussuchen. Entscheidend sind vielmehr Ihr Familienstand und persönliche Verhältnisse. So gibt es beispielsweise Lohnsteuerklassen, die speziell für ledige Arbeitnehmer sind, während andere verheirateten Angestellten vorbehalten sind. Unabhängig ob Sie eine Wahl bei Lohnsteuerklassen haben (dazu später mehr), sollten Sie jedoch in jedem Fall wissen, in welche Lohnsteuerklasse Sie fallen.

Für Ihre Orientierung haben wir daher eine Übersicht der sechs Lohnsteuerklassen erstellt:

  • Lohnsteuerklasse 1

    Die Lohnsteuerklasse 1 richtet sich vor allem an ledige, alleinstehende und geschiedene Arbeitnehmer. Allerdings gibt es darüberhinaus weitere Arbeitnehmer, die in Lohnsteuerklasse 1 fallen können. So gilt diese Lohnsteuerklasse für Verheiratete Arbeitnehmer, die (noch) nicht geschieden sind, aber dauerhaft getrennt voneinander wohnen.

    Für verwitwete Arbeitnehmer greift Lohnsteuerklasse 1 ab dem zweiten Kalenderjahr nach dem Tod des Partners. Zudem fallen Verheiratete, deren Partner in einem Nicht-EU Staat lebt oder deren Partner in Deutschland nur beschränkt einkommensteuerpflichtig ist, unter diese Lohnsteuerklasse.

  • Lohnsteuerklasse 2

    Kerngruppe der Lohnsteuerklasse 2 sind Alleinerziehende und getrennt lebende Arbeitnehmer, die im eigenen Haushalt ein Kind versorgen. Wer also die Voraussetzungen für Steuerklasse 1 erfüllt und darüberhinaus Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag hat, wird in Lohnsteuerklasse 2 eingruppiert.

    Mit der Lohnsteuerklasse 2 kommt für Alleinerziehende eine steuerliche Entlastung, die eine Grundversorgung des Kindes sicherstellen soll.

  • Lohnsteuerklasse 3

    Lohnsteuerklasse 3 gilt verpflichtend für Arbeitnehmer, deren Partner keiner Arbeit nachgeht. Für andere Verheiratete Arbeitnehmer, die beide ein Gehalt beziehen, kann diese Lohnsteuerklasse eine Möglichkeit sein. Vor allem bei großen Gehaltsunterschieden – einem Großverdiener und einem kleinen Gehalt – ist Lohnsteuerklasse 3 für den Ehepartner gedacht, der besser verdient.

    Der andere Ehepartner mit dem geringeren Einkommen wird dann automatisch in Lohnsteuerklasse 5 eingestuft. Dies bringt die größten steuerlichen Vorteile und somit den meisten Nettogewinn.

  • Lohnsteuerklasse 4

    Auch die Lohnsteuerklasse 4 gilt ausschließlich für verheiratete Arbeitnehmer. Sie gilt für Ehepartner, die beide uneingeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und nicht getrennt voneinander leben. Nach der Eheschließung erfolgt die Einstufung in die Lohnsteuerklasse 4 automatisch – anders als bei Lohnsteuerklasse 3 oder 5, in die gewechselt werden muss.

    Lohnenswert ist Lohnsteuerklasse 4 für Paare, deren Einkommen ungefähr gleich hoch ist. Bei größeren Verdienstunterschieden empfiehlt sich wie bereits angesprochen eine Kombination der Lohnsteuerklassen 3 und 5.

  • Lohnsteuerklasse 5

    Lohnsteuerklasse 5 kann als Gegenstück zur Lohnsteuerklasse 3 verstanden werden. Diese lohnt sich tatsächlich nur für einen Ehepartner, der deutlich geringer verdient. Die Abgaben in dieser Lohnsteuerklasse sind sehr hoch, die Freibeträge sehr gering. Andersherum werden diese dem deutlich besser verdienenden Partner zugerechnet, wodurch am Ende mehr Nettogehalt übrig bleibt.

    Wählt ein Ehepartner die Lohnsteuerklasse 3, wechselt sein Partner automatisch in Lohnsteuerklasse 5.

  • Lohnsteuerklasse 6

    In die letzte Lohnsteuerklasse 6 fallen Arbeitnehmer, die mehreren Beschäftigungen gleichzeitig nachgehen. Wer also einen Zweitjob oder Nebenbeschäftigungen hat, kommt in diese Lohnsteuerklasse. Unter allen Lohnsteuerklassen bringt diese die höchsten Abzüge auf das Gehalt.

    Zudem wird die Lohnsteuerklasse 6 zwanghaft vergeben, wenn ein Arbeitnehmer die Angaben zu seinen elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) verweigert. Bei fehlenden Angaben werden Sie somit zunächst in die Lohnsteuerklasse eingestuft, bei der Sie die höchsten Vorauszahlungen leisten.

Unterschiede der Lohnsteuerklassen berechnen

Lohnsteuerklassen berechnen Übersicht ändernNeugierig geworden, wie viel von Ihrem Gehalt übrig bleiben würde, wenn Sie zu anderen Lohnsteuerklassen wechseln könnten? In vielen Fällen ist dies zwar eine rein theoretische Berechnung, doch ist es dennoch spannend zu sehen, wie viel die Lohnsteuerklassen auf der Gehaltsabrechnung wirklich ausmachen.

In unserem kostenlosen Brutto-Netto-Rechner können Sie Ihre aktuelle Lohnsteuerklasse sowie weitere Informationen eingeben, um zu berechnen, wie viel netto von Ihrem Bruttogehalt übrig bleibt – und wie viel bei anderen Lohnsteuerklassen am Ende herauskommen würde.

Lohnsteuerklassen wechseln: Wann ist das möglich?

Bei den Vor- beziehungsweise Nachteilen, die einzelne Lohnsteuerklassen bieten, kommen Arbeitnehmer immer wieder auf den Gedanken, die eigene Lohnsteuerklasse wechseln zu wollen. Bei den teils hohen Beträgen, die jeden Monat vom Bruttogehalt abgezogen werden, durchaus nachvollziehbar. Jedoch ist eine freie Wahl der Lohnsteuerklassen nicht für alle Arbeitnehmer vorgesehen.

Diese Option haben grundsätzlich nur verheiratete Arbeitnehmer. Ledige und unverheiratete Angestellte werden automatisch in die für sie vorgesehene Lohnsteuerklasse eingeordnet. Auch verheiratete Paare werden nach der Hochzeit zunächst beide automatisch in Lohnsteuerklasse 4 eingestuft. Diese können dann aber entscheiden, ob sie dabei bleiben oder in andere Lohnsteuerklassen wechseln wollen.

Allzu frei ist die Wahl der Lohnsteuerklassen aber auch dann nicht. So stehen Ehepaaren eigentlich nur zwei Kombinationen zur Verfügung:

  • Gemeinsam in Lohnsteuerklasse 4

    Bei etwa gleichem Einkommen ist es für Ehepaare sinnvoll, wenn beide Partner in Lohnsteuerklasse 4 bleiben.

  • Kombination aus Lohnsteuerklassen 3 und 5

    Bei Verdienstunterschieden von 500 Euro oder mehr pro Monat kann es sinnvoll sein, wenn der Besserverdiener in Lohnsteuerklasse 3 wechselt, während der Geringverdiener Lohnsteuerklasse 5 wählt.

Ansonsten gilt: Ein Wechsel der Lohnsteuerklasse ist nur einmal jährlich möglich, Stichtag ist der 30. November, um beim zuständigen Finanzamt den nötigen Antrag einzureichen. Dabei kann es verschiedene Gründe geben, die zu einer Veränderung der persönlichen Umstände und damit einem Wechsel der Lohnsteuerklassen führen können:

  • Hochzeit
  • Verschiebung im Gehaltsgefüge
  • Scheidung
  • Geburt eines Kindes
  • Tod des Ehepartners
[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
7. Oktober 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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