Geringverdiener: Das sollten Sie wissen

Geringverdiener sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Minijobber dagegen nicht. Daneben gibt es die Arbeitnehmer, die wenig Einkommen beziehen, weil sie beispielsweise in einem Niedriglohnsektor arbeiten und nur den Mindestlohn beziehen. Auch diese Arbeitnehmer werden gerne als Geringverdiener bezeichnet, sind es sozialversicherungsrechtlich betrachtet aber nicht. Diese Unterscheidung ist allerdings wichtig, insbesondere wenn es um die spätere Rente geht…

Geringverdiener: Das sollten Sie wissen

Geringverdiener: Definition des Begriffs

Geringverdiener: Definition des BegriffsEs gibt einen Unterschied zwischen Geringverdienern im sozialversicherungsrechtlichen Sinne und Arbeitnehmern mit einem geringen Einkommen, die wir umgangssprachlich als Geringverdiener bezeichnen.

Geringverdiener im sozialversicherungsrechtlichen (und damit eigentlichen) Sinn sind Personen, die unter speziellen Umständen beschäftigt sind. Dazu zählen zum Beispiel Frauen und Männer, die

  • Bundesfreiwilligendienst oder
  • ein freiwilliges soziales, kulturelles oder ökologisches leisten.

Daneben zählen auch…

  • Auszubildende und
  • Praktikanten,

die weniger als 325 Euro verdienen, zu den Geringverdienern.

Es gibt noch eine weitere Berufsgruppe, die zu den Geringverdienern gezählt wird, allerdings entspricht die Zuordnung nicht dem Sozialversicherungsrecht, sondern beruht auf dem geringen Einkommen dieser Arbeitnehmer.

Umgangssprachlich werden auch

  • geringfügig Beschäftigte und
  • Niedriglohnbezieher

zu dieser Gruppe gezählt. Jedoch zeigt sich hier ein deutlicher Unterschied zu den oben erläuterten, (tatsächlichen) Geringverdienern. Bei den sozialversicherungsrechtlichen Geringverdienern trägt der Arbeitgeber gemäß Paragraph § 20 Abs. 3 Sozialgesetzbuch IV (SGB IV) die kompletten Sozialversicherungsbeiträge allein. Das bedeutet, Geringverdiener müssen keine eigenen Beiträge in die Renten-, Pflege-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung zahlen.

Bei Arbeitnehmern, die lediglich ein niedriges Einkommen haben, ist das nicht so. Auch Arbeitnehmer, die im Niedriglohnsektor arbeiten, müssen Beiträge zur Sozialversicherung abführen. Der Arbeitnehmer beteiligt sich natürlich daran – wie in jedem sozialversicherungsrechtlichen Arbeitsverhältnis auch.

Geringverdiener und die Krankenkasse: Änderungen ab 2019

Das Jahr 2019 startet mit einer Neuerung in Bezug auf die Krankenkassenbeiträge. Für alle Arbeitnehmer werden die Beiträge zur Krankenversicherung nun wieder zu gleichen Teilen vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Der Fachausdruck hierfür lautet paritätische Finanzierung. Bis zum 31. Dezember 2018 musste der Zusatzbeitrag, den die Krankenkassen individuell festlegen können, vom Arbeitnehmer allein getragen werden. Das entfällt nun.

Diese Änderung hat für die klassischen Geringverdiener nur unter bestimmten Umständen eine Auswirkung, da der gesamte Krankenkassenbeitrag – und damit auch der Zusatzbeitrag – ohnehin vom Arbeitgeber allein getragen wurde.

Allerdings müssen Geringverdiener etwas beachten: Wird durch die Zahlung des Zusatzbeitrages die Geringverdienergrenze (325 Euro) überschritten, teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber den Beitrag, der die Grenze überschreitet, zu gleichen Teilen.

Geringverdienergrenze 2019: Änderungen für Midijobber

Das Jahr 2019 hält noch eine weitere Gesetzesänderung für Beschäftigte mit geringem Einkommen bereit: Ab Juli 2019 wird die Verdienstgrenze für die sogenannten Midijobber angehoben.

Als Midijobber gelten aktuell noch Arbeitnehmer, die pro Jahr im Schnitt monatlich zwischen 450,01 Euro und 850 Euro verdienen. Diese Arbeitnehmer müssen nicht die vollen Beiträge in die Sozialversicherung einzahlen.

Was zunächst nach einer positiven Sache klingt, hat langfristig aber einen Nachteil bei der Rentenversicherung. Anders ausgedrückt: Wer jahrelang in einem Midijob arbeitet, bekommt im Alter signifikant weniger Rente.

Das ist umso schlimmer, als viele Arbeitnehmer in gering entlohnten Jobs ohnehin von Altersarmut betroffen sind.

Um der Alterarmut wenigstens zum Teil entgegen zu wirken, können Arbeitnehmer schon jetzt den vollen Beitrag in die Rentenversicherung abführen. Dazu müssen Sie spätestens 14 Tage, nachdem sie die Beschäftigung begonnen haben, einen entsprechenden – in der Regel formlosen – Antrag bei ihrem Arbeitgeber stellen.

Im Juli 2019 soll sich das ändern. Ab diesem Zeitpunkt wird das volle Entgelt an die Rentenversicherung gemeldet. Midijobber erwerben so höhere Ansprüche auf die spätere Rente. Im Gegenzug entfällt allerdings die Möglichkeit, das Entgelt pauschal mit 2 Prozent zu versteuern.

Ab 1. Juli 2019 muss die Lohnsteuer entsprechend der individuellen Lohnsteuermerkmale des Arbeitnehmers abgeführt werden.

Ab Mitte des Jahres 2019 wird die sogenannte Gleitzone für die Sozialversicherungsbeiträge zum Übergangsbereich ausgeweitet. Arbeitnehmer, die nun zwischen 450,01 Euro und 1300 Euro verdienen, können von günstigeren Konditionen in der Sozialversicherung profitieren. Immerhin 3,5 Millionen Beschäftigte sollen von der neuen Regelung einen Nutzen haben.

Gleitzone bedeutet hier, dass der Arbeitgeber grundsätzlich den halben Betrag in die Sozialversicherung einzahlt, die Beiträge der Arbeitnehmer aber reduziert sind.

Die Beiträge erhöhen sich mit der Höhe des Einkommens. Arbeitnehmer, die nur knapp über der Midijobgrenze von 450,01 Euro verdienen, zahlen kaum eigene Beiträge in die Sozialversicherung, der Arbeitgeber aber den vollen Betrag. Die Beiträge werden nach einer festen Formel berechnet, die Mitte 2019 auf die neue Beitragsbemessungsgrenze angepasst wird.

Die Formel zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge für Midijobber

Die Formel zur Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge für MidijobberEs gibt eine festgeschriebene Formel, nach der sich die Sozialversicherungsbeiträge für Midijobber berechnet, die mit ihrem Einkommen in der Gleitzone liegen. Bei dieser Formel ist nicht das tatsächliche Entgelt, sondern ein sogenannter Fikitivverdienst die Grundlage der Berechnung. Auf der Grundlage dieses Verdientes werden die Abgaben an die verschiedenen Sozialversicherungsträger berechnet.

Von Januar bis 30. Juni 2019 ist folgende Formel gültig:

  • F x 450 + ((850/(850-450)) – (450/(850-450)) x F x (Arbeitsentgelt – 450)

Ab dem 1. Juli 2019 gilt folgende Formel:

  • F x 450 + ((1300/(1300-450)) – (450/(1300-450)) x F x (Arbeitsentgelt – 450)

Der Faktor F wird dabei mit F = 0,7566 angesetzt.

Allerdings gibt es auch Kritik an dem neuen Gesetz: Die Partei Die Linke moniert beispielsweise, dass mit der Neuregelung die Zahl der Arbeitnehmer weiter ansteigt, die nicht von ihrer Arbeit leben können. Prekäres Beschäftigungsverhältnis nennt das die Partei.

Die Kritik der deutschen Rentenversicherung dagegen kommt aus einer vollkommen anderen Richtung: Die Neuregelung bietet keine Möglichkeit zu überprüfen, welche Beschäftigten davon profitieren. Heißt, dass auch Arbeitnehmer, die zusätzlich zu ihrem gut bezahlten Vollzeitjob noch einen Teilzeitjob ausüben, ebenfalls von den erhöhten Beiträgen zur Rentenversicherung nutznießen.

Gleiches gilt für Verheiratete, die einen Nebenjob ausüben und über den Gatten bereits Ansprüche aus der Rentenversicherung erwerben. Kurzum, die Rentenversicherung schätzt, dass den Sozialversicherungen durch die Gesetzesänderung jährlich etwas 500 Millionen Euro verloren gehen – Geld, das später an anderer Stelle fehlt.

Geringverdiener und geringfügig Beschäftigte: Der Unterschied

Geringverdiener und geringfügig Beschäftigte: Der UnterschiedDie Bezeichnungen Geringverdiener und geringfügig Beschäftigte werden gerade im allgemeinen Sprachgebrauch häufig verwechselt. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen beiden Arbeitnehmergruppen:

  1. Der Sozialversicherungsbeitrag

    • Geringfügig Beschäftigte dürfen bis zu 450 Euro verdienen und sind von den Beiträgen zur Sozialversicherung freigestellt.
    • Geringverdiener verdienen bis zu 325 Euro und sind sozialversicherungspflichtig. (Die Beiträge übernimmt der Arbeitgeber).
    • Zu den Geringverdienern zählen laut Definition (auch oben ausführlich nachzulesen) nur diejenigen Personen, die eine Ausbildung oder ein freiwilliges soziales, kulturelles, ökologisches Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst absolvieren.
    • Eine Ausnahme für 450-Euro-Jobber gibt es aber: Arbeiten die Arbeitnehmer nur für einen kurzen Zeitraum (weniger als drei Monate) in einem derartigen Beschäftigungsverhältnis, ist es ebenfalls sozialversicherungsfrei.
  2. Die Steuerlast

    • Geringverdiener werden individuell nach den den Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) versteuert. Da das Einkommen von Geringverdienern unter dem jährlichen Grundfreibetrag von 9000 Euro liegt, müssen sie in der Regel keine Lohnsteuer zahlen.
    • Geringfügig Beschäftigte werden entweder pauschal mit zwei Prozent oder individuell nach der jeweils geltenden Lohnsteuerklasse versteuert.

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: diy13 by Shutterstock.com]
2. Februar 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!