Unbefristeter Arbeitsvertrag: Inhalt, Muster, Probezeit & Kündigung

Ein unbefristeter Arbeitsvertrag ist gerade für junge Berufseinsteiger das große Ziel. Nicht einer befristeten Stelle zur nächsten springen, sondern langfristig planen. Entsprechend groß ist die Freude, wenn Arbeitnehmer einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten. Allerdings gibt es viele offene Fragen rund um die Anstellung ohne Befristung. Allen voran: Was genau bedeutet ein unbefristeter Arbeitsvertrag? Auch Regelungen zu möglichen Kündigungen sowie Anspruch auf die Entfristung des Vertrags müssen geklärt werden. Wir beantworten für Sie die häufigsten und wichtigsten Fragen zum unbefristeten Arbeitsvertrag herausgesucht und zeigen Ihnen, was Sie wissen müssen…

Unbefristeter Arbeitsvertrag: Inhalt, Muster, Probezeit & Kündigung

Anzeige

Definition: Was ist ein unbefristeter Arbeitsvertrag?

Als Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter ist eine schriftliche Abmachung notwendig. In diesem Arbeitsvertrag werden alle wichtigen Informationen, Einigungen, Regeln und gegenseitigen Verpflichtungen festgehalten und vereinbart. Dabei stehen zwei verschiedene Möglichkeiten zur Wahl:

Befristeter Arbeitsvertrag
➠ Unbefristeter Arbeitsvertrag

Der große und entscheidende Unterschied zwischen beiden Formen ist die Dauer, für die Sie geschlossen werden. Befristete Verträge haben eine begrenzte Laufzeit und enden automatisch zum vereinbarten Termin. Ein unbefristeter Arbeitsvertrag ist ein zeitlich unbegrenzter Vertrag, der auf unbestimmte Zeit geschlossen wird. So kann der Mitarbeiter im besten Fall bis zur Rente beim Unternehmen angestellt bleiben.

Aus rechtlicher Sicht ist handelt es sich um einen Austauschvertrag, in dem der Mitarbeiter sich zu bestimmten – dem Arbeitsplatz und Aufgaben entsprechenden – Leistungen verpflichtet. Das ist die Hauptleistungspflicht des Arbeitnehmers dem Arbeitgeber gegenüber. Zusätzlich hat der Arbeitnehmer einige Nebenpflichten, wie etwa die Rücksichtnahme- und Loyalitätspflicht. Auch der Arbeitgeber hat einige Haupt- und Nebenpflichten. Seine Hauptpflicht ist die Zahlung des vereinbarten Gehalts, eine Nebenpflicht ist etwa die Fürsorgepflicht.

Anzeige

Inhalt eines unbefristeten Arbeitsvertrages

Der unbefristete Arbeitsvertrag muss einigen inhaltlichen Anforderungen entsprechen. So sollen Missverständnisse, Fragen und spätere Streitigkeiten vermieden werden. Zudem wird sichergestellt, dass der Vertrag überhaupt rechtens ist. Fehler beim Inhalt können dazu führen, dass ein unbefristeter Arbeitsvertrag vor dem Arbeitsgericht nicht standhält. Der genaue Umfang und die jeweiligen Vertragspunkte können von Unternehmen zu Unternehmen verschieden sein. Manche Arbeitgeber halten sich bei Arbeitsverträgen nur an die wichtigsten Aspekte, andere fügen zusätzliche Klauseln und Abmachungen ein.

Einige Inhalte müssen aber in jedem Fall enthalten sein und Sie sollten jeden Arbeitsvertrag entsprechend prüfen, bevor Sie ihn unterschreiben.

  • Informationen zu Arbeitgeber und Arbeitnehmer
  • Beginn des Arbeitsverhältnisses
  • Dauer der Probezeit
  • Arbeitsort oder Hinweis auf Beschäftigung an verschiedenen Orten
  • Beschreibung der Tätigkeit und mögliche Nebenpflichten
  • Informationen zum Arbeitsentgelt und die Zusammensetzung durch Zuschläge, Prämien, Sonderzahlungen oder anderer Bestandteile
  • Vereinbarte Arbeitszeit
  • Jährlicher Urlaubsanspruch
  • Kündigungsfristen des Arbeitsverhältnisses
  • Hinweise auf gültige Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen
  • Mögliche Sonderregelungen

Einige Klauseln und Formulierungen im Arbeitsvertrag können allerdings ungültig sein. So dürfen Unternehmen beispielsweise nicht im Arbeitsvertrag festhalten, dass alle Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind. Im Zweifelsfall sollten Sie den unbefristeten Arbeitsvertrag von einem Anwalt für Arbeitsrecht prüfen lassen. Die einmaligen Kosten lohnen sich, um keinen Vertrag zu unterschreiben, wenn Sie Formulierungen nicht verstehen oder Klauseln unwirksam sind.

Anzeige

Muster: Wie sieht ein unbefristeter Arbeitsvertrag aus?

Den Mustervertrag für einen unbefristeten Arbeitsvertrag können Sie auch bequem online im Browser editieren. Einfach auf den Kasten klicken und den Mustertext umschreiben. Anschließend per copy&paste in ein Textverarbeitungsprogramm kopieren und ausdrucken. Einfach und kostenlos.

Unbefristeter Arbeitsvertrag

Zwischen

Fantasie GmbH
Gartenstraße 5
12345 Musterhausen

– nachfolgend „Arbeitgeber“ genannt –

und

Frau
Martina Muster
Seeweg 1
12345 Musterhausen

– nachfolgend „Arbeitnehmer“ genannt“ –

wird folgender Arbeitsvertrag geschlossen:

§ 1 Beginn des Arbeitsverhältnisses

Das Arbeitsverhältnis beginnt am TT.MM.JJJJ und wird auf unbestimmte Zeit geschlossen.

§ 2 Probezeit

Die ersten sechs Monate werden als Probezeit festgelegt. Während dieser Probezeit kann das Angestelltenverhältnis mit einer Frist von zwei Wochen von beiden Seiten ohne Angabe von Gründen gekündigt werden.

§ 3 Tätigkeit

Der Arbeitnehmer wird als __________ eingestellt und fortan unbefristet beschäftigt. Diese Tätigkeit beinhaltet vor allem, aber nicht ausschließlich folgende Aufgabenbereiche:

  • _____
  • _____
  • _____

Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, stets sorgfältig und gewissenhaft zu arbeiten. Darüber hinaus verpflichtet er sich, auch andere zumutbare Arbeiten auszuführen, die seinen Kenntnissen und Fähigkeiten entsprechen.

§ 4 Gehalt

Der Arbeitnehmer erhält für seine Tätigkeit ein monatliches Gehalt von _____ Euro brutto, das jeweils zum Ende des Monats gezahlt und direkt auf das Konto überwiesen wird. Die Daten dazu legt der Arbeitnehmer zu Beginn der Beschäftigung vor.

Bei weiteren Zahlungen handelt es sich um freiwillige Leistungen, die jederzeit widerrufen werden können. Es ergibt sich kein zukünftiger Rechtsanspruch.

Mit dem Gehalt sind zudem Überstunden und Mehrarbeiten von bis zu __ Stunden pro Monat abgegolten.

§ 5 Arbeitszeit

Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt 38 Stunden wöchentlich, die auf fünf Tage in der Kalenderwoche zu verteilen sind. Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit richten sich nach den betrieblichen Regelungen. Die Kernarbeitszeit liegt täglich zwischen __ und __ Uhr.

§ 6 Krankheit und Arbeitsverhinderung

Im Krankheitsfall muss der Arbeitnehmer den Arbeitgeber unverzüglich über die Arbeitsunfähigkeit zu informieren. Bei längerer Erkrankung muss dem Arbeitgeber spätestens am dritten Werktag ein ärztliches Attest über das Bestehen sowie die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit vorgelegt werden.

Ist der Arbeitnehmer infolge unverschuldeter Krankheit arbeitsunfähig, hat er Anspruch auf die Fortzahlung der Arbeitsvergütung bis zu einer Dauer von maximal sechs Wochen nach den gesetzlichen Bestimmungen.

§ 7 Urlaub

Der Arbeitnehmer hat innerhalb eines Kalenderjahres einen Anspruch auf __ Urlaubstagen. Der Urlaub ist bis zum 31. Dezember eines jeden Jahres zu nehmen.

§ 8 Nebentätigkeit

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, jede entgeltliche Nebenbeschäftigung beim Arbeitgeber anzumelden und eine schriftliche Zustimmung einzuholen. Gleichzeitig ist der Arbeitgeber verpflichtet, diese Zustimmung zu erteilen, wenn kein berechtigtes Interesse besteht, diese abzulehnen.

Eine einmal erteilte Zustimmung kann jederzeit widerrufen werden, wenn ein solch berechtigtes Interesse zukünftig entsteht.

§ 9 Kündigung

Mit Ablauf der Probezeit kann das Arbeitsverhältnis mit der gesetzlichen Kündigungsfrist von vier Wochen zum Monatsende oder zum 15. eines Monats von beiden Vertragsparteien gekündigt werden. Die Verlängerung der Kündigungsfrist nach § 622 BGB gilt in gleicher Weise für den Arbeitnehmer. Eine Kündigung aus wichtigem Grund ist auch ohne Einhaltung der Kündigungsfrist möglich.

Die Kündigung bedarf der Schriftform. Bei Ende des Arbeitsverhältnisses ist der Arbeitnehmer verpflichtet, alle ihm überlassenen Unterlagen, Dokumente und sonstige Materialien unverzüglich zurückzugeben.

Das Arbeitsverhältnis endet ohne Kündigung spätestens mit Ablauf des Monats, in dem der Arbeitnehmer das für ihn gesetzlich festgelegte Renteneintrittsalter erreicht hat.

§ 10 Zusätzliche Vereinbarungen

Vertragsänderungen, Nachträge und Ergänzungen dieses Arbeitsvertrages sind nur dann wirksam, wenn sie schriftlich erfolgen. Dies gilt auch für den Verzicht auf das Schriftformerfordernis.

Sollten eine oder mehrere Bestimmungen dieses Vertrages unwirksam sein oder werden, wird die Wirksamkeit des übrigen Vertrages und der übrigen Bestimmungen nicht berührt. In diesem Fall verpflichten sich die Vertragsparteien, umgehend rechtswirksame Ersatzregelungen zu treffen.

Musterhausen, TT.MM.JJJJ

____________________
Unterschrift Fantasie GmbH

____________________
Unterschrift Martina Muster

Dieses Muster für einen unbefristeten Arbeitsvertrag können Sie auch kostenlos herunterladen.

Download


Anzeige

Vorteile unbefristeter Arbeitsverträge

Unbefristete Arbeitsverträge sind allgemein besser als befristete Anstellungen. Der Hauptgrund ist die Planungssicherheit. Sie dürfen sich über eine theoretisch unbegrenzte Stelle freuen. So entgehen Sie dem Stress, nie länger als ein oder zwei Jahre im Voraus planen zu können. Auch müssen Sie sich nicht immer wieder arbeitssuchend melden und neue Bewerbungen einreichen, wenn eine Befristung endet.

Wohnungssuche, Familienplanung, finanzielle Fragen wie ein Autokredit: Mit einem unbefristeten Vertrag in der Tasche können Sie diese Fragen ganz anders angehen. Sie müssen nicht befürchten, in einigen Monaten erneut auf Jobsuche zu sein und möglicherweise finanzielle Engpässe zu haben oder für einen neuen Job in eine andere Stadt ziehen zu müssen.

Anzeige

Unbefristeter Arbeitsvertrag Probezeit

Zu Beginn eines unbefristeten Arbeitsvertrags wird in der Regel eine Probezeit vereinbart und vertraglich festgehalten. Es gibt keine gesetzliche Vorgabe für die Dauer der Probezeit, in den Vertragsverhandlungen kann diese frei bestimmt werden. Viele Unternehmen entscheiden sich für eine Probezeit von sechs Monaten.

Diese Phase dient dem gegenseitigen Kennenlernen und Abwägen. Beide Seiten können herausfinden, ob die Zusammenarbeit funktioniert und die Erwartungen erfüllt. In dieser Phase besteht für beide Seiten ein gesondertes Kündigungsrecht. Mit einer Frist von lediglich zwei Wochen kann der unbefristete Arbeitsvertrag ohne Angabe von Gründen innerhalb der Probezeit gekündigt werden.

Anzeige

Habe ich Anspruch auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag?

Die schlechte Nachricht: Wenn Sie sich auf eine freie Stelle bewerben, haben Sie kein Anrecht auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Arbeitgeber können entscheiden, ob eine Position befristet oder unbefristet ausgeschrieben und besetzt wird. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Befristung mit sachlichem Grund. Ein solch sachlicher Grund kann ein vorübergehender Personalbedarf sein. Dies ist etwa bei einer Vertretung während der Elternzeit der Fall. Auch Projektstellen sind ein sachlicher Grund.
  • Sachgrundlose Befristung. Unternehmen können eine Stelle ohne konkreten Grund befristen. Diese Möglichkeit ist jedoch begrenzt. So soll verhindert werden, dass Mitarbeiter über einen zu langen Zeitraum nur mit befristeten Verträgen eingestellt werden.

Wann muss der Vertrag entfristet werden?

Grundsätzlich dürfen befristete Arbeitsverträge ohne sachlichen Grund höchstens drei Mal innerhalb von zwei Jahren verlängert werden. Mit dieser Frist endet das Arbeitsverhältnis oder der Mitarbeiter erhält einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Für Mitarbeiter, die aktuell noch in einem befristeten Arbeitsvertrag stehen, bleibt somit die Hoffnung, dass sich dies spätestens nach einigen Jahren ändert und die Anstellung unbefristet wird. Gibt es keinen entsprechenden Grund und der Arbeitgeber setzt immer wieder nur befristete Verträge auf, können Sie eine Entfristungsklage einreichen.

Anzeige

Kann man mit unbefristetem Arbeitsvertrag gekündigt werden?

Ein unbefristeter Arbeitsvertrag verspricht Sicherheit und Zukunftsaussichten. Damit ist jedoch keine hundertprozentige Jobsicherheit verbunden. Betriebsbedingte-, personenbedingte-, verhaltensbedingte und fristlose Kündigungen sind weiterhin möglich. Unbefristet darf nicht mit unkündbar verwechselt werden.

Nach § 622 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) gilt für einen unbefristeten Arbeitsvertrag die gesetzliche Kündigungsfrist. Abhängig ist die Länge dieser Frist von der vorangegangenen Dauer der Beschäftigung.

Für eine Kündigung durch den Arbeitgeber beträgt die Kündigungsfrist, wenn das Arbeitsverhältnis in dem Betrieb oder Unternehmen…

  • zwei Jahre bestanden hat, einen Monat zum Ende eines Kalendermonats,
  • fünf Jahre bestanden hat, zwei Monate zum Ende eines Kalendermonats,
  • acht Jahre bestanden hat, drei Monate zum Ende eines Kalendermonats,
  • zehn Jahre bestanden hat, vier Monate zum Ende eines Kalendermonats,
  • zwölf Jahre bestanden hat, fünf Monate zum Ende eines Kalendermonats,
  • 15 Jahre bestanden hat, sechs Monate zum Ende eines Kalendermonats,
  • 20 Jahre bestanden hat, sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.

Wird ein Arbeitnehmer hingegen fristlos entlassen, haben die obigen Kündigungsfristen keine Bedeutung mehr. Eine solche fristlose Kündigung ist aber an einige Bedingungen gebunden, nur in Ausnahmefällen und mit konkretem Anlass möglich. Zudem kann eine vorherige Abmahnung erforderlich sein.

Für Sie als Mitarbeiter gelten in einem unbefristeten Arbeitsvertrag andere Fristen. Sie können den Vertrag mit einer Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende des Kalendermonats beenden – solange keine anderen Vereinbarungen getroffen wurden.

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: Branislav Nenin by Shutterstock.com]
30. September 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


Ebenfalls interessant:
Weiter zur Startseite