Fristlose Kündigung: Gründe, Folgen und Ihre Rechte

Eine fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber beendet das Arbeitsverhältnis sofort – ohne Kündigungsfrist. Dafür braucht es nach § 626 BGB einen wichtigen Grund, etwa Diebstahl, Arbeitszeitbetrug oder eine schwere Pflichtverletzung. Aber nicht jeder Vorwurf rechtfertigt den sofortigen Rauswurf! Wir zeigen, welche Gründe zulässig sind, wann eine Abmahnung nötig ist und wie Sie sich gegen die Kündigung wehren…

Fristlose Kuendigung Arbeitsrecht Definition Gruende Was Tun

Was ist eine fristlose Kündigung?

Eine fristlose Kündigung beendet das Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung, sobald das Kündigungsschreiben beim Empfänger zugeht. Nach § 626 BGB ist sie nur aus wichtigem Grund erlaubt: Die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bis zum regulären Ende muss für den Kündigenden unzumutbar sein.

Die fristlose Kündigung ist eine Form der außerordentlichen Kündigung. Diese erfolgt meist fristlos, in besonderen Ausnahmefällen aber auch mit einer sogenannten sozialen Auslauffrist. Eine ordentliche Kündigung beendet das Arbeitsverhältnis dagegen erst nach Ablauf der geltenden Kündigungsfrist.

Anzeige

Was sind Gründe für eine fristlose Kündigung?

Eine fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber kommt vorrangig bei schweren Pflichtverletzungen, Straftaten im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis oder massiven Vertrauensbrüchen infrage. Typische Beispiele sind:

Kündigungsgrund

Beispiele

Arbeitsverweigerung Beharrliche Verweigerung geschuldeter Arbeit trotz Aufforderung
Arbeitszeitbetrug Manipulierte Zeiterfassung, falsche Arbeitszeiten, Buddy Punching
Diebstahl und Betrug Diebstahl im Büro, Unterschlagung, Bestechlichkeit
Beleidigung und Gewalt Schwere Beschimpfungen, Tätlichkeiten, ernsthafte Gewaltandrohungen
Sexuelle Belästigung Schwere Übergriffe gegenüber Kollegen oder Vorgesetzten
Vertrauensbruch Vortäuschen einer Krankheit (Krankfeiern), unerlaubte Konkurrenztätigkeit, Geheimnisverrat
Schwere Betriebsschädigung Sabotage, Brandstiftung, Betriebsspionage

Auch systematisches Mobbing, schwere üble Nachrede oder eine massive Störung des Betriebsfriedens kommen als wichtige Gründe infrage. Selbstbeurlaubung kann ebenfalls eine fristlose Kündigung rechtfertigen (BAG, 2 AZR 251/07). Gleiches gilt unter bestimmten Umständen für unerlaubte Konkurrenztätigkeit (LAG Hessen, 21 Sa 850/12).

Wichtig: Die Beispiele sind keine Liste von Verstößen, bei denen der Arbeitgeber sofort kündigen darf. Es müssen immer die Umstände des Einzelfalls geprüft werden! Ein einmaliger Fehler, schlechte Arbeitsleistung oder gelegentliches Zuspätkommen reichen nicht. Weitere Fälle erklären wir im Ratgeber zu den Kündigungsgründen.

Fristlose Kündigung bei Verdacht?

Eine fristlose Kündigung ist unter strengen Voraussetzungen sogar ohne nachgewiesene Tat möglich. Bei einer Verdachtskündigung muss der Verdacht einer schwerwiegenden Pflichtverletzung dringend sein und auf objektiven Tatsachen beruhen. Der Arbeitgeber muss den Sachverhalt sorgfältig aufklären und den betroffenen Arbeitnehmer vorher zu den Vorwürfen anhören.

Wann ist eine fristlose Kündigung erlaubt?

Selbst ein schwerer Pflichtverstoß berechtigt den Arbeitgeber nicht in jedem Fall zur sofortigen Entlassung. Die Kündigung muss verhältnismäßig sein. Dafür gelten insbesondere folgende Voraussetzungen:

  1. Wichtiger Grund

    Der Vorfall ist so schwerwiegend, dass eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar erscheint.

  2. Interessenabwägung

    Der Arbeitgeber berücksichtigt die Schwere des Vorfalls, die Betriebszugehörigkeit, das bisherige Verhalten und mögliche Folgen.

  3. Kein milderes Mittel

    Eine Abmahnung, Versetzung oder andere zumutbare Maßnahme reicht nicht aus.

  4. 2-Wochen-Frist

    Die Kündigung geht dem Arbeitnehmer innerhalb von 2 Wochen nach zuverlässiger Kenntnis der maßgeblichen Tatsachen zu.

  5. Schriftform

    Das Kündigungsschreiben liegt auf Papier vor und trägt eine eigenhändige Unterschrift.

Besteht ein Betriebsrat, muss der Arbeitgeber diesen vor der Kündigung nach § 102 BetrVG anhören. Bei einer fristlosen Kündigung hat der Betriebsrat höchstens 3 Tage Zeit, Bedenken mitzuteilen. Eine Kündigung ohne ordnungsgemäße Anhörung ist unwirksam.

Anzeige

Ist eine fristlose Kündigung ohne Abmahnung möglich?

Bei besonders schweren Pflichtverletzungen ist eine fristlose Kündigung auch ohne vorherige Abmahnung möglich. Das gilt insbesondere, wenn der Arbeitgeber das Fehlverhalten unter keinen Umständen hinnehmen muss oder eine Abmahnung keine Verhaltensänderung erwarten lässt. Bei weniger schweren Pflichtverstößen muss der Arbeitgeber Beschäftigte dagegen zuerst abmahnen. Dazu gehören wiederholtes Zuspätkommen, unerlaubte private Internetnutzung oder weniger gravierende Verstöße gegen Arbeitsanweisungen.

Warum zählt die Interessenabwägung?

Das Bundesarbeitsgericht erklärte im bekannten Fall „Emmely“ die fristlose Kündigung einer Kassiererin wegen zweier Pfandbons im Wert von 1,30 Euro für unwirksam. Zwar lag eine erhebliche Pflichtverletzung vor. Wegen der mehr als 30-jährigen beanstandungsfreien Beschäftigung hätte aber eine Abmahnung ausgereicht (BAG, 2 AZR 541/09). Selbst bei Diebstahl oder Betrug ist oft eine Prüfung des Einzelfalls erforderlich.

Anzeige

Welche Fristen gelten bei einer fristlosen Kündigung?

Bei einer fristlosen Kündigung sind zwei Fristen wichtig: Der Arbeitgeber hat grundsätzlich 2 Wochen Zeit, um zu kündigen. Arbeitnehmer haben in der Regel 3 Wochen Zeit, um dagegen zu klagen.

Frist

Bedeutung

2 Wochen Ausschlussfrist für die Kündigung durch den Arbeitgeber nach Kenntnis der maßgeblichen Tatsachen
3 Wochen Regelmäßige Frist für die Kündigungsschutzklage nach Zugang der schriftlichen Kündigung

Die 2-Wochen-Frist beginnt erst, wenn der Arbeitgeber die entscheidenden Tatsachen hinreichend zuverlässig kennt. Notwendige Ermittlungen sind vorher erlaubt, müssen aber zügig erfolgen. Die 3-Wochen-Klagefrist läuft dagegen grundsätzlich ab Zugang des schriftlichen Kündigungsschreibens. Wer sie versäumt, riskiert, dass auch eine rechtswidrige Kündigung als wirksam gilt.

Was sind die Folgen einer fristlosen Kündigung?

Bei einer wirksamen fristlosen Kündigung endet das Arbeitsverhältnis sofort. Damit entfällt der Anspruch auf weiteres Gehalt für die Zeit nach der Beendigung. Bereits entstandene Ansprüche bleiben jedoch bestehen:

Folge

Was bedeutet das?

Gehalt Vergütung für geleistete Arbeit bleibt geschuldet; danach entfällt bei wirksamer Kündigung der laufende Gehaltsanspruch.
Resturlaub Offene, nicht mehr gewährbare Urlaubstage sind grundsätzlich abzugelten.
Überstunden Ein bestehender Anspruch auf Vergütung oder Ausgleich bleibt erhalten.
Arbeitszeugnis Der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis besteht auch nach einer fristlosen Kündigung.
Arbeitslosengeld Bei vorwerfbarem Fehlverhalten droht eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen.
Schadenersatz Bei schuldhaft verursachten Schäden kommen weitere Ansprüche infrage.

Je nach Kündigungsgrund sind zusätzlich strafrechtliche Folgen möglich – etwa bei Betriebsspionage, Bilanzfälschung, Unterschlagung oder schwerem Betrug. Ob eine Geld- oder Freiheitsstrafe droht, hängt von der jeweiligen Straftat und dem gerichtlichen Verfahren ab.

Droht bei fristloser Kündigung eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld?

Eine fristlose Kündigung führt nicht zwangsläufig zu einer Sperrzeit. Die Agentur für Arbeit prüft, ob der Arbeitnehmer durch arbeitsvertragswidriges Verhalten Anlass für die Kündigung gegeben und die Arbeitslosigkeit vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt hat, ohne dafür einen wichtigen Grund zu haben. Ist das der Fall, droht eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld von regelmäßig 12 Wochen.

Wird die Kündigung erfolgreich angefochten oder erweisen sich die Vorwürfe als unbegründet, ist das für die Prüfung der Sperrzeit wichtig. Eine gerichtliche Einigung beseitigt die Sperrzeit allerdings nicht in jedem Fall. Lassen Sie die Entscheidung der Arbeitsagentur daher gesondert prüfen.

Was tun nach einer fristlosen Kündigung?

Eine fristlose Kündigung ist zunächst ein Schock. Trotzdem sollten Sie sofort handeln. Sie müssen die Vorwürfe nicht ungeprüft akzeptieren – und haben nur wenig Zeit, um Ihre Rechte zu sichern.

Checkliste: 6 wichtige Schritte

  • Zugang festhalten
    Notieren Sie das Datum und bewahren Sie das Kündigungsschreiben samt Umschlag auf.
  • Form prüfen
    Eine Kündigung per E-Mail, WhatsApp oder als mündliche Kündigung genügt nicht der gesetzlichen Schriftform.
  • Vorwürfe klären
    Verlangen Sie bei Bedarf eine schriftliche Begründung und sichern Sie entlastende Unterlagen.
  • Rechtsberatung einholen
    Lassen Sie Kündigungsgrund, Abmahnung und Verfahrensfehler prüfen.
  • Kündigungsschutzklage prüfen
    Wollen Sie gegen die Kündigung vorgehen, müssen Sie grundsätzlich innerhalb von 3 Wochen nach Zugang Klage erheben.
  • Arbeitsagentur informieren
    Melden Sie sich bei kurzfristiger Kündigung innerhalb von 3 Tagen arbeitsuchend und spätestens am ersten Tag ohne Beschäftigung arbeitslos.

Besonders wichtig ist die Klagefrist: Nach § 4 KSchG in Verbindung mit § 13 KSchG muss die Kündigungsschutzklage grundsätzlich innerhalb von 3 Wochen beim Arbeitsgericht eingehen. Wird diese Frist versäumt, gilt die Kündigung regelmäßig als wirksam. Eine spätere Klage ist nur unter engen gesetzlichen Voraussetzungen möglich.

Wie stehen die Chancen einer Kündigungsschutzklage?

Eine Kündigungsschutzklage lohnt sich dann, wenn der Kündigungsgrund zweifelhaft ist, eine erforderliche Abmahnung fehlt oder der Arbeitgeber gesetzliche Fristen und Verfahren missachtet hat. Im Streitfall muss der Arbeitgeber die Tatsachen beweisen, die die fristlose Kündigung rechtfertigen sollen. Vor Gericht endet der Streit häufig mit einem Vergleich. Dabei wird manchmal vereinbart, dass das Arbeitsverhältnis erst zu einem späteren Zeitpunkt endet. Dadurch entstehen unter Umständen weitere Gehaltsansprüche. Auch eine Abfindung ist möglich – einen allgemeinen Anspruch darauf gibt es bei einer fristlosen Kündigung jedoch nicht.

FAQ – Häufige Fragen zur fristlosen Kündigung

Ist eine fristlose Kündigung in der Probezeit möglich?

Auch während der Probezeit benötigt der Arbeitgeber für eine fristlose Kündigung einen wichtigen Grund. Für eine ordentliche Kündigung während einer vereinbarten Probezeit gilt dagegen meist eine verkürzte Frist von 2 Wochen – hierbei muss kein Grund genannt werden.

Ist eine fristlose Kündigung wegen Krankheit erlaubt?

Eine Erkrankung allein rechtfertigt keine fristlose Kündigung. Nur in seltenen Ausnahmefällen kommt eine außerordentliche Kündigung aus krankheitsbedingten Gründen in Betracht, insbesondere bei Ausschluss der ordentlichen Kündigung. Mehr dazu im Ratgeber zur krankheitsbedingten Kündigung.

Kann auch der Arbeitnehmer fristlos kündigen?

Auch Arbeitnehmer dürfen bei schweren Vertragsverletzungen des Arbeitgebers fristlos kündigen, etwa bei erheblichen Lohnrückständen oder schwerer Gesundheitsgefährdung. Welche Voraussetzungen gelten und wie Sie ein Musterschreiben formulieren, erklären wir im Ratgeber Fristlose Kündigung durch Arbeitnehmer.

Kann der Arbeitgeber die fristlose Kündigung zurücknehmen?

Eine bereits zugegangene Kündigung lässt sich nicht einseitig zurücknehmen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können jedoch vereinbaren, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen. Weitere Einzelheiten finden Sie im Ratgeber Kündigung widerrufen.


Was andere dazu gelesen haben

99e03fbeb7e249b49141e35eefb29155