Darf der Chef verlangen, Arbeitskleidung zu tragen? Gehen wir davon aus, dass es sich hierbei um Berufe wie Polizist, Feuerwehrmann, Arzt, Soldat, Pilot, Steward oder Koch handelt, ist die Antwort einfach: Ja. In den meisten dieser Berufe sind die Arbeitnehmer verpflichtet, Berufskleidung zu tragen, weil es dafür ein Gesetz, einen Tarifvertrag, eine Betriebsanweisung oder eben einen entsprechenden Passus im Arbeitsvertrag gibt. Aber auch darüber hinaus hat der Arbeitgeber, was die Dienstkleidung anbelangt, weitreichende Kompetenzen, wie bemerkenswerte Urteile aus dem Arbeitsrecht beweisen...

Arbeitskleidung: Arbeitgeber darf Erscheinungsbild bestimmen

Zunächst einmal hat jeder Arbeitnehmer das Recht, sich seinem persönlichen Geschmack entsprechend zu kleiden, zu schminken und sonst wie zu verzieren.

Der Arbeitgeber hat seinerseits das sogenannte Weisungsrecht. Damit kann er die Leistung des Arbeitnehmers hinsichtlich des Inhalts, Ortes und Zeit der Arbeit bestimmen.

Dazu gehört allerdings auch das Recht, über das Erscheinungsbild des Arbeitnehmers - insbesondere bei Kundenkontakt - bestimmen zu dürfen.

So hatte etwa schon vor einigen Jahren die Schweizer Bank UBS ihren bedauernswerten Mitarbeiterinnen per 44-seitiger Broschüre vorgeschrieben, dass sie bitteschön nur hautfarbene Unterwäsche und Seidenstrümpfe zu tragen haben.

Die männlichen Kollegen wiederum sollten ihre Füße nur in schwarze Socken ohne Muster sowie schwarze Schnürschuhe mit Ledersohle hüllen. Auch wurde den Kollegen insgesamt nahegelegt, alle vier Wochen zum Friseur zu gehen und das Parfüm bitte nur morgens aufzulegen – "direkt nach einer heißen Dusche, solange die Hautporen noch offen sind".

Das war selbst für hartgesottene Arbeitsrichter ein bisschen zu viel des Guten. Der strenge Dresscode der UBS war unzulässig. Das ist aber eine seltene Ausnahme.

Berufskleidung prägt Verhalten

Arbeitsrecht Arbeitskleidung vorschreiben KleiderordnungAus der Forschung ist inzwischen bekannt, dass einheitliche Arbeits- und Berufskleidung durchaus das Verhalten der Mitarbeiter tiefgreifend prägen und verändern kann – zum Beispiel, indem damit die spezifische Unternehmenskultur, die Wertvorstellungen und Verhaltensnormen noch einmal sichtbar verankert werden. Es sind visuelle Codes, die die ansonsten nur schwer fassbaren Aspekte einer Unternehmenskultur visualisieren und stabilisieren sollen.

Arbeitskleidung: Das darf der Chef bestimmen

Kurz gesagt: Das Recht des Arbeitnehmers auf einen eigenen Stil endet aber immer dort, wo der Arbeitgeber ein begründetes Interesse daran hat, auf diesen Einfluss zu nehmen.

  • Werden zum Beispiel durch eine schlecht sitzende (und sichtbare) Unterhose die Kollegen, das Arbeitsergebnis oder womöglich Außenstehende belästigt, darf der Arbeitgeber das Tragen von anderer Unterwäsche bestimmen. Die Farbe jedoch nicht.
  • Aus demselben Grund dürfen zum auch Kfz-Mechaniker am Arbeitsplatz keine Ketten oder Ringe oder Piercings tragen. Zu gefährlich – sie könnten irgendwo hängen bleiben.
  • Vor einiger Zeit wiederum bekam ein Lufthansa-Pilot buchstäblich eins auf die Mütze, weil der sich geweigert hatte im öffentlich zugänglichen Bereich des Flughafens ständig eine Schirmmütze zur Uniform zu tragen. Seine Kolleginnen mussten das nicht, er fühlte sich daher diskriminiert. Das Landesarbeitsgericht Köln sah die Sache aber anders: Die Richter verneinten eine Diskriminierung und wiesen seine Klage ab: Man könne die Mütze nicht isoliert sehen, sondern als Teil der gesamten Dienstbekleidung, die für Männer und Frauen nun einmal unterschiedlich sei. Frauen hätten die Wahl, ob sie Rock oder Hose tragen, Männer hingegen müssten zwingend eine Hose anhaben. Das wäre auch keine Benachteiligung der Männer, andernfalls wäre jede unterschiedliche Dienstkleidung für Männer und Frauen unzulässig. Immerhin: Im Cockpit dürfe er die Mütze ausziehen.

Für Arbeitnehmer heißt das im Umkehrschluss:

Solange die Arbeitskleidung die eigene Leistung und das Arbeitsumfeld nicht oder nur unerheblich beeinflusst, kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer auch nicht an die Wäsche gehen.

Oder etwas konkreter...

Arbeitsrecht: Regeln für die Berufskleidung

  • Frisur

    Sie können die Haare tragen wie Sie wollen – es sei denn, die Haarpracht ist ein Sicherheitsrisiko (weil der Zopf in irgendeine Maschine geraten könnte) oder Hygienebestimmungen verlangen etwas anderes. Je nachdem kann der Arbeitgeber aber auch eine branchenübliche Zurückhaltung in der Länge und Farbgebung verlangen, etwa bei Mitarbeitern im Kassenbereich einer Bank. Kündigen kann man die zwar nicht für "lila" Haare. Aber (straf-)versetzen.

  • Hemd/Bluse

    Hier können Mitarbeiter frei entscheiden, welche Farben, Stoffe und Muster sie tragen, solange nichts Anstößiges dabei herauskommt (durchscheinend, zu viel Haut) oder der kunterbunte Mix aussieht, als hätten die Siebziger vergessen, die Klamotten mitzunehmen.

  • Anzug/Kostüm

    Auch hierbei haben Mitarbeiter alle Freiheiten in Sachen Farbe, Stoff und Muster. Es sei denn, es wird Dienstkleidung, wie etwa im Gastronomiebereich, vorgeschrieben – etwa das Dirndl im Hofbräuhaus oder die Uniform bei McDonalds.

  • Schmuck/Accessoires

    Solange diese den Mitarbeiter bei der Arbeit weder gefährden noch behindern, ist alles erlaubt.

  • Piercings

    Im Grunde gilt für Piercings dasselbe wie für Schmuck und Accessoires. Problematisch wird es dann, wenn damit übertrieben wird und der Mitarbeiter auch als Edelmetallbörse durchginge.

  • Strümpfe/Unterwäsche

    Farben oder Designs darf der Arbeitgeber nicht vorschreiben. Wohl aber, dass überhaupt Unterwäsche, beziehungsweise Slip und BH getragen werden - falls die Beschäftigten darüber Dienstkleidung oder eine Uniform anzuziehen haben (Denn dann dient die Unterwäsche dem Schutz der Dienstbekleidung. Bei einem selbst gekauften Anzug sieht das wieder anders aus. So oder so dürfen die Dessous aber nie anstößig sein: Reizwäsche, die hervorlugt ist ebenso tabu wie Strapse, die sich allzu deutlich abzeichnen. Das könnte Kollegen demoralisieren oder ablenken.

  • Schuhe

    Solange keine speziellen Arbeits- beziehungsweise Sicherheitsschuhe vorgeschrieben sind, ist alles erlaubt.

Wie muss Arbeitskleidung steuerlich angegeben werden?

Berufskleidung SteuerHier muss man zunächst unterscheiden: Handelt es sich um wichtige Schutzkleidung und typische Berufskleidung (etwa bei Feuerwehrleuten, Köchen, Mechanikern), die der Arbeitgeber dem Mitarbeiter vollständig oder teilweise überlässt, stellt das keinen geldwerten Vorteil dar - alles steuerfrei. Handelt es sich dagegen um "bürgerliche Kleidung" (zum Beispiel schwarze Hose, weißes Hemd bei Kellnern), die auch privat getragen werden kann, stellt die Überlassung einen lohnsteuerpflichtigen Vorteil dar.

Muss der Arbeitnehmer die Arbeitskleidung wiederum selbst anschaffen, kann er die Aufwendungen dafür gegebenenfalls als Werbungskosten absetzen. Aber auch nur dann, wenn es sich wieder um typische Berufskleidung handelt, die ausschließlich beruflich genutzt werden kann.

Als ein Kölner Busfahrer beispielsweise die Kosten für Kauf und Reinigung von weißen Oberhemden, grauen Arbeitshosen und zwei roten Dienstpullovern steuerlich absetzen wollte, sagte das Finanzamt "Nein": Es handele sich dabei um bürgerliche Kleidung. Auch das Anbringen von KVB-Logos ändere daran nichts.

Weitere Artikel hierzu:

Arbeitskleidung: Muss der Chef die Reinigung bezahlen?

Wer eine besonders gefährliche Tätigkeit ausübt und sich dabei leicht verletzen kann – ein Schweißer zum Beispiel –, muss regelmäßig eine sogenannte Schutzkleidung tragen (vgl. § 3 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)).

Müssen dagegen gewisse Hygienevorschriften eingehalten werden – etwa im Bereich der Lebensmittelverarbeitung oder im Krankenhaus –, müssen Arbeitgeber ihren Angestellten Hygienekleidung zur Verfügung stellen (vgl. § 5 der Lebensmittelhygiene-Verordnung in Verbindung mit der hierzu gehörenden Anlage 2).

Mit dem Tragen der Hygienekleidung im Lebensmittelbereich soll unter anderem verhindert werden, dass die zu verarbeitenden Lebensmittel kontaminiert werden, indem etwa Haare hineinfallen. Dabei ist zu beachten, dass die Kleidung geeignet, leicht waschbar und sauber ist sowie die Alltagsklamotten der Beschäftigten vollständig bedeckt.

In den Fällen hat der Arbeitgeber natürlich ein ureigenes Interesse daran, die gesetzlichen Vorgaben zum Tragen von Arbeitskleidung einzuhalten. Er könnte sonst Probleme bekommen - etwa, wenn sich ein Angestellter verletzt, weil er keine Schutzkleidung getragen hat, oder wenn Lebensmittel reklamiert werden, weil darin Haare oder Schuppen gefunden wurden.

Nicht nur, dass der Chef in dem Fall womöglich eine Geldbuße zahlen muss – im Extremfall könnte ihn das Gesundheitsamt besuchen und den Laden vorübergehend dicht machen.

Entsprechend wichtig ist daher nicht nur das Tragen der Arbeitskleidung, sondern auch deren regelmäßige Reinigung. Die erfolgt meist ebenfalls im Interesse des Arbeitgebers. "Daher ist es nur angemessen, dass der auch die Kosten hierfür tragen muss", sagt zum Beispiel Sandra Voigt, Anwältin und Redakteurin bei anwalt.de.

[Bildnachweis: Tatyana Prokofieva, sumkinn, CandyBox Images by Shutterstock.com]

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