Arbeitszeugnis Schlussformel: Und jetzt im Klartext

Endet ein Arbeitsverhältnis haben Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf die Ausstellung eines schriftlichen Zeugnisses. Wie positiv dieses ist, hängt zu großen Teilen von der Arbeitszeugnis Schlussformel ab. Die letzten Sätze können die gesamte Wirkung beeinflussen und prägen. Der Grund: Schlussformeln im Arbeitszeugnis bilden eine wichtige Ausnahme zu den zahlreichen Regelungen, die für dieses Schreiben gelten. Wir erklären Ihnen, warum die Arbeitszeugnis Schlussformel so wichtig ist, was die letzten Sätze des Zeugnisses enthalten sollten und welche Bedeutung tatsächlich hinter den verschiedenen Formulierungen für Schlussformeln im Arbeitszeugnis steckt…

Arbeitszeugnis Schlussformel: Und jetzt im Klartext

Arbeitszeugnis Schlussformel: Warum ist sie so wichtig?

Es sind meist nur zwei oder drei Sätze, die am Ende des Schreibens stehen, doch der Abschlussformel eines Arbeitszeugnisses kommt eine immer größere Bedeutung zu. Unabhängig davon, wie lang das Schreiben ist, lässt sich aus diesem kurzen Abschnitt meist mehr herauslesen, als in dem gesamten restlichen Text.

Dies liegt zum einen daran, dass es der letzte Eindruck ist, den das Zeugnis vermittelt. Es kann den positiven Eindruck verstärken, verfeinern und das gezeichnete Bild noch einmal abrunden. Oder wie ein riesengroßes ABER alles vorherige in den Schatten stellen und die Aussage ins komplette Gegenteil drehen.

Der zweite Grund ist rechtlicher Natur und wiegt noch schwerer als der erste:

Die Arbeitszeugnis Schlussformel ist freiwillig.

Dies entschied bereits das Bundesarbeitsgericht und legte dabei fest, dass der Arbeitgeber nicht verpflichtet ist, das Arbeitszeugnis mit einer Schlussformel zu beenden, die dem Arbeitnehmer für die Mitarbeit dankt und Erfolg für die Zukunft wünscht.

Ob eine Abschlussformel angefügt wird – und wie diese aussieht – obliegt damit dem Arbeitgeber.

Schon hier zeigt sich die Bedeutung eines solchen Abschlusses. Sie ist nicht zwingend erforderlich, und Arbeitnehmer können auch vor dem Arbeitsgericht nicht darauf pochen. Das Fehlen wird entsprechend in vielen Fällen schon als negatives Zeichen gedeutet und kann Personaler aufmerksam werden lassen.

Struktur und Inhalt: Wie ist die Schlussformel im Arbeitszeugnis aufgebaut?

Wie sind die Abschlussformeln aufgebautObwohl es keinen Anspruch auf eine Abschlussformel im Arbeitszeugnis gibt, hat sich ein klassischer Aufbau etabliert. Wenn sich eine solche Schlussformel im Zeugnis findet, lässt sich diese in bis zu vier Teile gliedern:

  1. Grund für die Trennung

    Wer hat die Kündigung oder das Ende des Arbeitsverhältnisses veranlasst? Beispielsweise bedeutet hier die Formulierung Auf eigenen Wunsch…, dass der Mitarbeiter selbst gekündigt hat. In gegenseitigem Einverständnis… lässt hingegen auf eine Kündigung des Arbeitgebers schließen.

    Weitere Beispiele für diesen Teil von Schlussformeln sind:

    • Herr Müller verlässt das Unternehmen aus betriebsbedingten Gründen. (Betriebsbedingte Kündigung)
    • Nach Ablauf einer befristeten Beschäftigungszeit verlässt Frau Schmidt das Unternehmen. (Befristeter Arbeitsvertrag)
    • Herr Konrad verlässt uns auf eigenen Wunsch. (Kündigung durch Mitarbeiter)
    • Wirksam zum TT.MM.JJJJ wurde das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einverständnis aufgelöst. (Aufhebungsvertrag)
    • Wir mussten uns am TT.MM.JJJJ von Herrn Mayer trennen. (Oft bei fristloser Kündigung)
  2. Bedauern über die Trennung

    Ähnliches gilt für das Bedauern über die Trennung vom Mitarbeiter. Einen guten Arbeitnehmer lassen Unternehmen nur ungern gehen und sagen dies auch in den Abschlussformel. Fehlt ein Ausdruck des Bedauerns, scheint der Mitarbeiter nicht sonderlich überzeugt zu haben.

    Beispiele für das Bedauern in Abschlussformeln sind:

    • Wir bedauern seine Entscheidung sehr…
    • Wir bedauern es sehr, diese motivierte und kompetente Mitarbeiterin zu verlieren.
    • Wir bedauern es, ihn zu verlieren…
    • Der Abschied von Frau Fischer fällt schwer, da wir eine stets sympathische und erfolgreiche Mitarbeiterin verlieren.
    • Leider hat sich Herr Mustermann dazu entschieden, unser Unternehmen zu verlassen.
  3. Dank für die Zusammenarbeit

    Normalerweise bedankt sich das Unternehmen für die Zusammenarbeit und die Leistungen des Mitarbeiters. Der Angestellte hat schließlich viel Zeit und Energie in die Arbeit gesteckt und am Erfolg des Unternehmens mitgewirkt. Je nach Formulierung kann dies besonders positiv sein. Fehlt der Dank hingegen komplett, wird dies als negatives Zeichen gedeutet.

    Typische Arbeitszeugnis Schlussformeln für Dank sind:

    • Wir bedanken uns für die stets hervorragenden Leistungen.
    • Für die gute Zusammenarbeit bedanken wir uns.
    • Wir danken Herrn Hofmann für seine guten Leistungen.
    • Für seine Mitarbeit bedanken wir uns.
    • Mit großem Dank…
  4. Wünsche für die Zukunft

    Zum Abschluss wird dem ausscheidenden Mitarbeiter noch alles Gute gewünscht. Eine nette Geste und ein freundlicher Gruß für den weiteren Weg. Auch hier ist jedoch Vorsicht bei der Formulierung geboten. Wo die Unterschiede liegen können, erfahren Sie am Ende des Artikels.

    Gern genutzte Formulierungen für Wünsche in Schlussformeln sind:

    • Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und alles Gute
    • Wir wünschen für die berufliche Zukunft weiterhin Erfolg.
    • Sowohl beruflich als auch privat wünschen wir Herrn Fischer weiterhin viel Erfolg und alles Gute.
    • Auf seinem weiteren Weg wünschen wir Erfolg und alles Gute.
    • Wir wünschen für die Zukunft viel Erfolg.

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Als vollständig wird eine Abschlussformel im Arbeitszeugnis betrachtet, wenn alle Bestandteile in der Formulierung enthalten sind. Fehlen einzelne Teile des Inhalts, entsteht ein negativer Eindruck. Wird beispielsweise kein Bedauern ausgesprochen, scheint es fast so, als wäre der Arbeitgeber froh über den Weggang des Mitarbeiters.

Ein klassisches Beispiel für eine Abschlussformulierung wäre also:

Auf eigenen Wunsch verlässt Herr Maier zum TT.MM.JJJJ unser Unternehmen. Wir bedauern diese Entscheidung sehr und danken ihm für die immer gute Zusammenarbeit. Für die Zukunft wünschen wir ihm weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.

Hierbei handelt es sich um eine gute und positive Formulierung, auf die der Mitarbeiter stolz sein kann. Wer sich mit dieser Abschlussformel im Arbeitszeugnis bewirbt, sammelt einige Pluspunkte beim Personaler.

Schlussformeln im Arbeitszeugnis: Was bedeuten sie wirklich?

Aber woran erkannt man die feinen Unterschiede?

Auf den ersten Blick wirken Formulierungen in Arbeitszeugnissen eigentlich immer positiv. Aus gutem Grund: Das Gesetz sieht vor, dass die Zeugnisse wohlwollend formuliert werden müssen. Direkte Kritik am Arbeitnehmer ist daher nicht erlaubt – was nicht bedeutet, dass sie nicht trotzdem geübt wird, nur eben versteckt.

Dies gilt nicht nur für den Haupttext eines Arbeitszeugnisses, sondern auch ganz konkret für die Abschlussformel. Zwar gibt es keinen Anspruch, wird aber eine Schlussformel im Arbeitszeugnis verwendet, muss diese den gleichen Bedingungen entsprechen und auch insgesamt wohlwollend formuliert sein.

Wirkung und Bedeutung von Abschlussformeln im Arbeitszeugnis entstehen somit nicht nur durch gänzliches Fehlen einer solchen Formulierung, sondern meist durch die kleinen Abstufungen, die große Unterschiede machen können.

Dabei können schon scheinbare Kleinigkeiten und kaum merkliche Veränderungen die Bedeutung komplett verändern:

  • Intensität

    Die wichtigste Schraube, an denen Unternehmen bei den Abschlussformeln drehen, ist die Intensität der Aussage. Oft sind es hier nur einzelne Worte, die den Ausschlag geben, ob es sich um ein sehr gutes Zeugnis oder um ein eher mittelmäßiges handelt. Entscheidend sind dabei Begriffe wie sehr, besonders, groß, stets oder immer. Auch andere positive Eigenschaften wie engagiert, motiviert oder erfolgreich werten das Zeugnis auf.

  • Wortwahl

    Positiv anmutende Sätze haben es manchmal faustdick zwischen den Zeilen. Wird einem Mitarbeiter etwa viel Glück gewünscht, wirkt dies nett und aufbauend, wird allgemein jedoch als Zeichen verstanden, dass er ohne das entsprechende Glück vermutlich nicht erfolgreich sein wird.

  • Satzstellung

    Es geht auch richtig kompliziert. Ein und dasselbe Wort kann an verschiedenen Stellen im Satz eine unterschiedliche Bedeutung haben: Wir wünschen weiterhin viel Erfolg… oder Weiterhin wünschen wir viel Erfolg… Sieht fast gleich aus – bedeutet aber Gegensätzliches. Der erste Satz legt nahe, dass der Mitarbeiter erfolgreich im Unternehmen war und dies wohl auch bei seinem neuen Job schaffen wird. Letzteres hingegen spielt darauf an, dass der Erfolg bisher ausblieb.

Zum Schluss noch zwei Beispiele, die verdeutlichen, welchen Unterschied die Abschlussformeln im Arbeitszeugnis machen können.

Herr Müller verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch hin. Sein Ausscheiden bedauern wir sehr und bedanken uns für seine stets guten und engagierten Leistungen. Sowohl beruflich als auch privat wünschen wir weiterhin viel Erfolg und alles Gute.

Herr Müller verlässt in beidseitigem Einverständnis das Unternehmen. Wir bedauern dies und danken gleichzeitig für seine Mitarbeit. Weiterhin wünschen wir beruflich und privat viel Erfolg.

Trotz der scheinbaren Ähnlichkeit werden die Unterschiede in den Schlussformeln deutlich. Während die erste Formulierung der Schulnote 1 entspricht und die Chancen bei folgenden Bewerbungen steigern kann, ist die zweite Variante eher eine 4 und kann für das Gegenteil sorgen.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

3. Dezember 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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