Arbeitnehmerrechte: Das steht Ihnen zu

Viele Mitarbeiter denken in erster Linie an ihre Pflichten. Was muss geleistet werden? Woran müssen Sie sich im Job halten? Was dürfen Sie auf keinen Fall und wie hinterlassen Sie beim Chef den Eindruck, alle Aufgaben und noch ein bisschen mehr zu erledigen? Was ihnen selbst zusteht, darüber machen sich die meisten erst im Streitfall Gedanken. Ein Fehler, denn Sie haben einige Arbeitnehmerrechte, die Sie nicht nur kennen, sondern durchaus auch einfordern und beherzigen sollten. Allerdings sind sich viele Arbeitnehmer gar nicht im Klaren darüber, welche Rechte Sie haben, was der Chef und der Arbeitgeber Ihnen möglicherweise schuldet oder worauf sie im Job bestehen können. Um das zu ändern, zeigen wir Ihnen, welche Arbeitnehmerrechte Sie haben und warum Sie diese auch tatsächlich wahrnehmen sollten…

Arbeitnehmerrechte: Das steht Ihnen zu

Darum sollten Sie Ihre Arbeitnehmerrechte kennen und nutzen

Nur wer seine Arbeitnehmerrechte kennt, kann diese auch wahrnehmen. Schon aus diesem Grund sollten Sie sich informieren und sich mit dem, was Ihnen am Arbeitsplatz zusteht, auseinandersetzen. Tun Sie das nicht, müssen Sie sich vollkommen darauf verlassen, dass Ihre Arbeitsrechte von anderen gewahrt werden, ohne dass Sie einen Einfluss darauf haben oder überhaupt mitbekommen würden, wenn jemand gegen Ihre Arbeitnehmerrechte verstößt.

Das ist reichlich naiv. Zwar wäre falsch und würde weit übers Ziel hinausschießen, Arbeitgeber und Unternehmen allgemein zu beschuldigen, doch wenn Ihnen selbst Ihre Rechte im Job nicht bewusst sind, sollten Sie sich auch nicht wundern, wenn es damit nicht so genau genommen wird. Dabei muss es sich nicht einmal um böswillige Absicht vom Chef handeln. Vielleicht weiß dieser es nicht besser oder ist sich seinerseits nicht bewusst, dass er gegen Ihre Arbeitnehmerrechte verstößt.

Indem Sie Ihre Arbeitnehmerrechte ignorieren, erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, ausgenutzt zu werden – absichtlich oder nicht. Sie müssen nicht gleich bei jedem Gespräch, das Sie mit Ihrem Chef führen, mit dem Gesetzbuch, dem Arbeitsvertrag oder der Betriebsvereinbarung wedeln, doch geht es darum, klare Grenzen zu ziehen und auf Ihre Arbeitnehmerrechte zu bestehen.

Wir zeigen, welche Arbeitnehmerrechte Sie haben und wahrnehmen sollten:

Arbeitnehmerrechte: Ihre Rechte am Arbeitsplatz

  • Arbeitnehmerrechte: Wann müssen Sie Überstunden machen?

    Überstunden gehören leider in vielen Branchen und Berufen fast schon zum Berufsalltag. Ein Projekt muss noch fertig gestellt werden, die Auftragslage erfordert zusätzliche Arbeit und Deadlines müssen eingehalten werden. Gründe kann es viele geben, aber müssen Sie überhaupt Überstunden leisten?

    Wie genau Ihre Arbeitnehmerrechte aussehen, hängt dabei von Ihrem Arbeitsvertrag oder auch einem für Sie gültigen Tarifvertrag ab. Nur wenn sich hier eine entsprechende Regelung zu Überstunden findet, sind Sie auch dazu verpflichtet, diese zu machen. Gibt es keine solche Regelung, können Sie die zusätzlichen Stunden ablehnen und.

    Eine Ausnahme gibt es jedoch bei Gefahren und Katastrophen. In einem solchen Fall müssen Sie auch Überstunden leisten, wenn im Vertrag keine Regelung festgehalten wurde. Beispielsweise wenn ein Feuer ausbricht, können Sie also nicht einfach pünktlich Feierabend machen, wenn Ihr Chef Ihre Unterstützung braucht.

  • Arbeitnehmerrechte: Müssen Sie zur Arbeit, wenn Ihr Kind krank ist?

    Das Kind wird über Nacht krank, morgens steht jedoch auch für Sie der nächste Arbeitstag an und so stehen Sie vor dem Problem, sich um Ihr Kind kümmern zu wollen und gleichzeitig berufliche Pflichten erfüllen zu müssen. Das Recht kann in diesem Fall jedoch auf Ihrer Seite sein, denn Arbeitnehmern steht in dieser Situation unter Umständen eine bezahlte Freistellung zu.

    Um Ihr krankes Kind betreuen zu können, dürfen Sie grundsätzlich fünf Tage pro Jahr nicht zur Arbeit gehen (und zwar pro Kind). Wenn Sie gesetzlich versichert sind, können Sie sogar zehn Tage der Arbeit fernbleiben, Alleinstehenden stehen sogar 20 Tage zu.

    Dabei gibt es jedoch einige Regeln und Voraussetzungen: So muss das kranke Kind jünger als zwölf Jahre alt sein, es muss vom Arzt bescheinigt werden, dass die Betreuung erforderlich ist und es darf auch keine andere Person im Haushalt (beispielsweise die Großeltern) leben, die zur Pflege einspringen könnte.

  • Arbeitnehmerrechte: Wie lange dürfen Sie Pause machen?

    Leider ist es an vielen Arbeitsplätzen trauriger Alltag, dass fast keine Pausen gemacht werden. Es wird die volle Arbeitszeit durchgeschuftet und wenn überhaupt wird nur schnell am Schreibtisch ein kleiner Snack verdrückt.

    Ihnen stehen jedoch gesetzlich Pausen zu, auf die Sie auch bestehen sollten. Bei einer Arbeitszeit von sechs Stunden dürfen Sie 30 Minuten Pause machen, ab einer Arbeitszeit von neun Stunden erhöht sich dieser Anspruch auf 45 Minuten.

    Auch nach Feierabend steht Ihnen eine Ruhephase zu, damit Sie sich erholen und für den folgenden Arbeitstag Kraft tanken können. Gesetzlich sind zwischen zwei Arbeitstagen eine Ruhezeit von elf Stunden vorgesehen. In einigen Branchen und Arbeitsfeldern kann diese auf zehn Stunden verkürzt werden.

  • Arbeitnehmerrechte: Darf Ihr Chef über Sie im Internet recherchieren?

    Was posten Sie auf Facebook? Welche Bilder teilen Sie in sozialen Netzwerken? Diese Dinge gehen Ihren Arbeitgeber grundsätzlich nichts an und es ist ihm nicht gestattet, Ihnen nachzuschnüffeln und zu recherchieren, was Sie auf den sozialen Netzwerken treiben. Dahinter steht § 4 des Bundesdatenschutzgesetzes, der besagt, dass personenbezogene Daten nur direkt beim Betroffenen erhoben werden dürfen.

    Die Ausnahme von diesem Arbeitnehmerrecht betrifft berufliche Plattformen und Netzwerke wie Xing oder Linkedin. Hier darf der Arbeitgeber sich sehr wohl ein Bild von Ihnen machen, denn genau das ist der Zweck solcher Business-Netzwerke. Auch wenn es einen begründeten Verdacht gibt, dass Sie in sozialen Netzwerken den Ruf des Arbeitgebers schädigen, kann dieser sich Ihre Posts ansehen.

  • Arbeitnehmerrechte: Müssen Sie nach Feierabend erreichbar bleiben?

    Endlich Feierabend, Sie sind zuhause und wollen den restlichen Tag genießen – doch dann klingelt das Telefon und der Chef ruft an. Müssen Sie rangehen und auch nach Ende Ihrer Arbeitszeit erreichbar sein oder können Sie einfach klingeln lassen und sich anderen Dingen widmen?

    Die gute Nachricht: Nach Feierabend müssen Sie keine beruflichen Anrufe mehr beantworten oder entgegen nehmen. Es handelt sich um Ihre Freizeit, die der Erholung dienen soll. Wer sich weiterhin mit dem Job beschäftigen muss, leistet Arbeit und unterbricht seine Ruhezeiten. Deshalb müssen Sie auch keine beruflichen E-Mails lesen oder beantworten, wenn Ihre Arbeitszeit vorbei ist.

    Sogar wenn Sie ein Diensthandy haben, das dem Zweck dient, Sie erreichen zu können, ist es Ihr Arbeitnehmerrecht, dieses nach Feierabend abzuschalten, solange der Arbeitsvertrag oder andere gültige Regelungen nichts anderes festlegen. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn Ihr Job die Erreichbarkeit dringend erforderlich macht, etwa weil Sie Bereitschaftsdienst leisten.

  • Arbeitnehmerrechte: Welche Aufgaben müssen Sie erledigen?

    Eine Beschreibung der Arbeitsaufgaben findet sich im Arbeitsvertrag und gibt Ihnen einen erste Einblick, was Ihre tägliche Arbeit ausmacht, was von Ihnen erwartet wird und welche ToDos der Chef Ihnen aufträgt. In der täglichen Arbeit kommen jedoch meist noch weitere Aufgaben hinzu.

    Dies ist grundsätzlich auch erlaubt und folgt aus dem Weisungsrecht Ihres Arbeitgebers. Allerdings gibt es auch Grenzen: So müssen Sie natürlich keine Aufgaben erledigen, durch die Sie sich selbst in Gefahr bringen oder die illegal wären. Auch müssen Sie nichts erledigen, was überhaupt gar nichts mit Ihrer Tätigkeit zu tun hat oder einer Tätigkeit gleich mehrerer Gehaltsstufen niedriger entspricht. Hier empfiehlt es sich, mit dem Chef über die eigenen Qualifikationen zu sprechen.

  • Arbeitnehmerrechte: Haben Sie einen Arbeitsvertrag?

    Der Arbeitsvertrag liefert viele wichtige und grundlegende Informationen zum Arbeitsverhältnis und Ihren Arbeitnehmerrechten. Allerdings hat nicht jeder Arbeitnehmer einen entsprechenden Vertrag. Rechtlich ist das zunächst möglich, da Verträge nicht die Schriftform erfordern, um gültig zu sein und somit auf mündlichen Absprachen beruhen können – im Zweifelsfall können Sie dies jedoch nicht nachweisen.

    Aus diesem Grund gibt es eine festgesetzte Nachweispflicht für Arbeitgeber. Mitarbeiter müssen innerhalb eines Monats eine schriftliche und unterschriebene Version der Vertragsbedingungen bekommen. Neben den Daten zu Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen auch Gehalt, Arbeitszeiten, Arbeitsorte, die Aufgaben, Kündigungsfristen und eine mögliche Befristung des Vertrages enthalten sein.

  • Arbeitnehmerrechte: Müssen Sie eine Abmahnung einfach so hinnehmen?

    Wenn Sie sich im Job etwas zu schulden kommen lassen – oder Ihr Chef zumindest der Ansicht ist, Sie hätten dies getan – bekommen Sie dafür in der Regel eine Abmahnung. Damit werden Sie für Ihr Verhalten verwarnt und gleichzeitig dazu aufgefordert, es in Zukunft zu ändern.

    Sie müssen sich jedoch nicht einfach damit abfinden, sondern haben das Recht, eine Gegendarstellung zu machen. Diese erfolgt, wie die Abmahnung auch, schriftlich und wird dann ebenfalls zu Ihrer Personalakte hinzugefügt.

  • Arbeitnehmerrechte: Wie lange dürfen Sie höchstens arbeiten?

    Es gibt klare Arbeitnehmerrechte, wie lange Ihre Arbeitszeit höchstens betragen darf. Leider wird diese immer wieder überschritten – entweder weil der Arbeitgeber immer neue Aufgaben findet und fordert, dass diese erledigt werden, oder weil Sie sich selbst nicht an die Vorgaben halten.

    Grundsätzlich darf die tägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten. Kurzfristig darf diese jedoch auf bis zu zehn Stunden verlängert werden, im Durchschnitt von sechs Kalendermonaten dürfen die acht Stunden jedoch nicht überschritten werden. Es muss in diesem Fall also ein Ausgleich für die längere Zeit geschaffen werden.

  • Arbeitnehmerrechte: Wann können Sie gekündigt werden?

    Wenn Sie bereits länger als sechs Monate bei Ihrem Arbeitgeber beschäftigt sind und der Betrieb mehr als zehn Mitarbeiter hat, unterstehen Sie dem allgemeinen gesetzlichen Kündigungsschutz. Ihr Arbeitgeber kann Sie also nicht ohne guten Grund feuern, sondern brauch betriebsbedingte, verhaltensbedingte oder personenbedingte Gründe.

    In der Probezeit sieht es ein wenig anders aus, hier braucht es noch keinen Grund, um das Arbeitsverhältnis zu beenden und auch die Kündigungsfrist ist kürzer. Doch auch hier gibt es Arbeitnehmerrechte, so muss die Kündigung im Einklang mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz geschehen. Auch in der Probezeit können Sie nicht aufgrund Ihres Geschlechts, Ihres Alters oder Ihrer Religion gekündigt werden – schwierig ist es allerdings, dies im Zweifelsfall nachzuweisen.

  • Arbeitnehmerrechte: Wird Ihr Urlaubsanspruch eingehalten?

    Jeder Arbeitnehmer hat in Deutschland einen gesetzlich geregelten Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Daran ist nicht zu rütteln, fraglich kann jedoch sein, wie groß dieser Anspruch ist und ob Sie wirklich so viele Urlaubstage bekommen, wie Ihnen zustehen.

    Der Mindestanspruch liegt bei vier Wochen im Jahr. Bei einer sechs Tage Woche dürfen Sie also 24 Tage Urlaub nehmen, arbeiten Sie fünf Tage pro Woche, haben Sie mindestens 20 Tage Erholungsurlaub. Arbeiten Sie in Teilzeit, beispielsweise nur drei Tage in der Woche, bleiben 12 Tage Jahresurlaub.

    Im Arbeitsvertrag kann jedoch durchaus ein längerer Urlaubsanspruch vereinbart werden, der dann auch einzuhalten ist. Mitarbeiter mit einer Behinderung können außerdem ein Recht auf fünf zusätzliche Urlaubstage geltend machen.

  • Arbeitnehmerrechte: Welche Daten müssen Sie dem Chef geben?

    Ein Arbeitgeber erhebt einige Daten über seine Mitarbeiter. Dazu zählt beispielsweise die Anschrift, die auch auf dem Arbeitsvertrag vermerkt wird und zu den personenbezogenen Daten des Mitarbeiters gehört. Es gibt allerdings Grenzen, die klar besagen, was Sie Ihrem Arbeitgeber nicht preisgeben müssen.

    Ihre private Telefonnummer – ob nun das Smartphone oder der Anschluss zuhause – gehört dazu. Dieselbe Regelung trifft auf Ihre private E-Mail-Adresse zu, die Sie nicht an den Chef weitergeben müssen. Ausnahmen können auch hier auftreten, wenn es beruflich erforderlich ist, dass Sie erreichbar sind, wie etwa bei der bereits angesprochenen Rufbereitschaft.

  • Arbeitnehmerrechte: Worüber wird im Personalgespräch gesprochen?

    Viele Mitarbeiter werden sehr nervös und unsicher, wenn der Chef zum Personalgespräch bittet. Die Arbeitnehmerrechte sehen jedoch klare Vorgaben zu einem solchen Gespräch, an die Ihr Vorgesetzter sich halten muss.

    Das beginnt bereits beim Inhalt: Das Thema des Personalgesprächs muss in irgendeiner Form das Arbeitsverhältnis betreffen. Es kann also um Ihre Aufgaben, Arbeitszeiten, Prozesse im Job, Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven oder auch Konflikte und Probleme im Job gehen. Fehlt ein solch sachlicher Grund, müssen Sie das Gespräch auch nicht wahrnehmen. Deshalb ist es auch Ihr Recht, bereits vorher zu erfahren, worum es im Gespräch gehen soll.

[Bildnachweis: Branislav Nenin by Shutterstock.com]
20. April 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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