Krank im Urlaub: Was tun? Meldepflicht + Nachholen

Ärgerlich, aber passiert: Sie werden krank im Urlaub. Statt Erholung am Strand müssen Sie das Bett hüten – mit Schnupfen und Fieber. Und jetzt? Zuerst: Gute Besserung! Entspannen Sie trotzdem etwas und versuchen Sie bald wieder zu genesen. Das zweite Trostpflaster: Wer im Urlaub krank wird, muss nicht fürchten, dass sein Urlaubsanspruch verfällt. Allerdings müssen Sie ein paar Dinge dafür tun und Fristen einhalten…

Krank im Urlaub: Was tun? Meldepflicht + Nachholen

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Krank im Urlaub: Keine Zeit für Erholung

Laut Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) hat jeder Arbeitnehmer in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Der gesetzliche Mindesturlaub ist in § 3 BUrlG geregelt. Danach stehen jedem Arbeitnehmer mit einer 6-Tage-Woche mindestens 24 Tage Urlaub im Jahr zu. Bei einer 5-Tage-Woche reduziert sich der Jahresurlaubsanspruch entsprechend auf 20 Tage im Jahr (siehe Grafik).

Urlaubsrecht Mindesturlaub Urlaubsanspruch

Weil der Hauptzweck des Jahresurlaubs die Erholung ist, verfällt der Urlaubsanspruch bei Krankheit nicht. Schließlich kann man sich nicht von der Arbeit erholen, während man krank im Bett liegt. In § 9 BUrlG heißt es dazu: „Erkrankt ein Arbeitnehmer während des Urlaubs, so werden die durch ärztliches Zeugnis nachgewiesenen Tage der Arbeitsunfähigkeit auf den Jahresurlaub nicht angerechnet.“ Krankheitstage sind also keine Urlaubstage.

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Krank im Urlaub? Das ist jetzt zu tun!

Wer im Urlaub krank wird, muss zwei Regeln unbedingt beachten, um erstens die Urlaubstage zu retten und zweitens die Fortzahlung seines Gehalts zu sichern (§ 5 Abs. 1 EntgFG):

  1. Krankschreiben lassen
    Suchen Sie umgehend einen Arzt auf (erst recht im Ausland) und lassen Sie sich die Arbeitsunfähigkeit diagnostizieren beziehungsweise per Attest (sog. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) bestätigen. Idealerweise noch am ersten Tag – auch wenn laut Arbeitsvertrag der dritte Tag genügt.
  2. Arbeitgeber benachrichtigen
    Melden Sie sich danach sofort beim Arbeitgeber und informieren Sie diesen über die Krankschreibung. Falls im Arbeitsvertrag vereinbart, muss er die Krankmeldung innerhalb von drei Werktagen erhalten.

Danach müssen Sie nicht sofort nach Hause zurückreisen, womöglich müssen Sie ja das Bett hüten. Beide Schritte – krankschreiben lassen und krankmelden – sind aber zwingend erforderlich, wenn Sie Ihren Urlaubsanspruch erhalten wollen. Nur wer im Urlaub „offiziell“ krank (geschrieben) wird, kann diese Urlaubstage später nachholen. Der Anspruch darauf verfällt dann nicht.

Krankenkasse informieren

Achtung: Werden gesetzlich Krankenversicherte im Ausland krank, müssen diese auch Ihre Krankenkasse umgehend darüber informieren. Wichtig ist, dass Sie zugleich klären, welche Behandlungskosten die Kasse übernimmt und welche nicht. Deshalb kann zum Beispiel eine zusätzliche Auslandsreisekrankenversicherung sinnvoll sein. Auch für den Fall, dass ein Rücktransport medizinisch notwendig wird.

Überdies müssen Sie im Falle einer Auslandserkrankung dem Arbeitgeber Ihre Kontaktdaten (im Krankenhaus) hinterlassen. Falls es Komplikationen gibt, muss der Sie erreichen können. Andernfalls könnte er Ihnen die Entgeltfortzahlung verweigern (§ 7 EntgFG).


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Kann ich den Urlaub verlängern, wenn ich krank werde?

Auf keinen Fall! Auch im Krankheitsfall endet Ihr Urlaub zum ursprünglich vereinbarten Zeitpunkt. Wer ohne Zustimmung des Chefs seinen Urlaub verlängert (sogenannte „Selbstbeurlaubung“) riskiert mindestens eine Abmahnung, im Wiederholungsfall sogar die verhaltensbedingte beziehungsweise fristlose Kündigung. Lassen Sie sich jeden Urlaubsantrag immer schriftlich genehmigen (E-Mail reicht).

Die Zeit, in der Sie der Arbeit fernbleiben dürfen, ist allein die vorher vereinbarte Urlaubszeit. Auch wenn Sie anfangs, mittendrin oder am Ende krank werden. Beispiele:

  • Sie haben zwei Wochen Urlaub und werden in der ersten Woche krank. Dann können Sie in der zweiten Woche immer noch Urlaub machen, wegfahren oder zuhause bleiben. Nach der zweiten Woche müssen Sie aber wieder auf der Arbeit erscheinen.
  • Sie haben zwei Wochen Urlaub genommen und werden in der zweiten Woche krank. Auch hier müssen Sie am Ende der zweiten Woche wieder zurück in den Job – vorausgesetzt Sie sind bis dahin genesen.

In beiden Fällen wird Ihrem Urlaubskonto die Zeit der Krankheit gutgeschrieben. Wann Sie diesen Resturlaub nehmen können, entscheidet aber der Chef mit. Heißt: Sie können Ihn zwar zusammen mit der Krankmeldung fragen und bitten, ob Sie Ihren Urlaub verlängern dürfen. Der Chef darf das aber ablehnen – zum Beispiel, weil dann schon andere Kollegen im Urlaub sind.

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Warum bin ich immer im Urlaub krank?

Endlich Urlaub! Kein Stress mehr. Doch Sie werden pünktlich krank. Mal wieder. „Leisure Sickness“ heißt das Phänomen, dass manche ausgerechnet dann krank werden, wenn sie frei haben. Also ausgerechnet mit Beginn des Urlaubs oder wenn das Wochenende naht. Statt Entspannung oder südlicher Sonne erwarten uns Erkältungssymptome, Arzt und Apotheker (siehe auch: Gummiband-Effekt).

Hauptursache für das Leisure Sickness Syndrom ist die zu schnelle Umstellung von Arbeit auf Freizeit. Wenn wir bis kurz vor den Urlaub reinklotzen und Hochleistung abliefern, schafft der Körper das nur mit einem Hormoncocktail aus verschiedenen Stresshormonen (vornehmlich Kortisol). Bei schlagartiger Umstellung auf freie Zeit, kommen Körper und Immunsystem nicht mehr mit. Beide sind ausgepowert und ausgelaugt. Effekt: Wir sind enorm anfällig für Infekte. Und da immer irgendwelche Bakterien und Viren durch die Luft schwirren, erwischt es uns prompt.

Was kann ich tun, um nicht krank zu werden?

Mit dem Urlaub hat das also nicht zu tun. Vielmehr damit, dass wir viel zu rapide runterfahren. Vermeiden lässt sich das, indem wir den Urlaub schrittweise einläuten. Fliegen Sie beispielsweise nicht sofort am ersten Urlaubstag in die Karibik, sondern bleiben noch zwei, drei Tage zuhause. Tage, in denen Sie das Betriebsystem langsam herunterfahren. Oder indem Sie es in der letzten Woche vor dem Urlaub ein wenig ruhiger angehen lassen. Reduzieren Sie das Arbeitspensum schrittweise. So ist der Wechsel von Stress zu Ruhephase weniger abrupt. Und Sie bleiben gesund.

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[Bildnachweis: ClaireBek by Shutterstock.com]

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