Erziehungsurlaub: Das sollten Eltern wissen

Kinder aufzuziehen verlangt Eltern viel ab – in erster Linie viel Zeit. Diese neben einer Vollzeittätigkeit zu finden, ist gerade bei kleinen Kindern ohne Hilfe unmöglich. Deshalb wollen viele Mütter und Väter Erziehungsurlaub nehmen, um sich ausreichend um ihren Nachwuchs kümmern zu können. Betreuungsmöglichkeiten wie Kita und Kindertagesstätte sind trotz Rechtsanspruch nicht immer verfügbar und kosten Geld. Daneben halten viele Eltern gerade die ersten Monate und Jahre vor der Schule für eine wichtige Zeit, die sie mit ihren Kindern verbringen wollen. Was Sie dazu wissen sollten…

Erziehungsurlaub: Das sollten Eltern wissen

Erziehungsurlaub: Was ist damit gemeint?

Erziehungszeit Dauer Vater Elternzeit Unterschied Geld bis zu welchem Alter gesetzliche Regelung 3 JahreUnter Erziehungsurlaub – der seit 2001 unter dem Begriff Elternzeit firmiert – wird die unbezahlte Freistellung von Müttern oder Vätern von der Erwerbsarbeit genannt.

Geregelt ist der Anspruch auf Freistellung in § 15 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) und gültig ist er für die Mutter, den Vater oder beide Eltern gleichzeitig.

Hier liegt auch seit dem 1. Januar 2007 der Unterschied zwischen Elternzeit und Erziehungsurlaub: Früher musste die zur Verfügung stehende Zeit entweder von einem der beiden Erziehungsberechtigten genommen werden oder sie wurde untereinander aufgeteilt.

Mit dem neuen Begriff Elternzeit stehen zum einen beide Erziehungsberechtigten im Fokus, zum anderen erkennt der Gesetzgeber an, dass es sich nicht wirklich um Urlaub handelt, sondern um eine gemeinsam mit dem Kind verbrachte Zeit. Dennoch ist der Begriff Erziehungsurlaub häufig zu finden und wird in anderen europäischen Ländern auch mit „Elternurlaub“ übersetzt.

Wie wird die Auszeit finanziert?

Der Erziehungsurlaub ist eine Form der unbezahlten Freistellung, das heißt, Sie erhalten während dieser Zeit kein Gehalt. Hier stellt sich natürlich die Frage nach dem Geld: Wovon leben? Hier greifen verschiedene gesetzliche Regelungen, aus denen Sie Geld erhalten.

Zum einen haben Sie ab sechs Wochen vor dem Geburtstermin bis acht Wochen danach Anspruch auf das Mutterschaftsgeld der Krankenkasse. Das beträgt derzeit 13 Euro pro Tag und wird vom Arbeitgeber bis zum bisherigen Nettogehalt bezuschusst, sofern Sie bisher über 390 Euro monatlich verdient haben.

Mit der Geburt des Kindes kommt außerdem das Kindergeld hinzu, in Höhe von:

  • 194 Euro monatlich für das erste und zweite Kind,
  • 200 Euro monatlich für das dritte Kind,
  • 225 Euro monatlich für das vierte und jedes weitere Kind.

Zusätzlich können Eltern das Elterngeld beziehungsweise das Elterngeld Plus beantragen, so sind zwischen 65 und 100 Prozent des früheren Nettoeinkommens möglich.

Daneben besteht für Arbeitnehmer immer noch die Möglichkeit, während des Erziehungsurlaubes bis zu 30 Stunden pro Woche in Teilzeitarbeit in ihrem Unternehmen zu arbeiten. Dieser Anspruch auf Teilzeit besteht bei Firmen mit mehr als 15 Beschäftigten und sofern das Arbeitsverhältnis zuvor mindestens sechs Monate ohne Unterbrechung bestand.

Erziehungsurlaub Dauer: Bis zu welchem Alter möglich?

Üblicherweise acht Wochen nach der Entbindung (bei Komplikationen oder Mehrlingsgeburten: 12 Wochen), das heißt mit Auslaufen der Mutterschutzfrist, beginnt der Erziehungsurlaub. Dieser gilt längstens für die ersten drei Jahre des Kindes. Danach muss Ihr Chef Ihnen die Rückkehr ins Unternehmen ermöglichen.

In der Gestaltung des Erziehungsurlaubs haben Sie einige Möglichkeiten. Beispielsweise ist seit 2015 eine Übertragung des Erziehungsurlaubs von bis zu zwei Jahren auf die Zeit zwischen dem dritten und achten Lebensjahrs des Kindes möglich. So können also ein Jahr unmittelbar im Anschluss an die Mutterschutzfrist genommen werden und das zweite und dritte in der Umbruchphase zwischen Kindergarten und Einschulung.

Hierfür bedarf es keiner Zustimmung des Arbeitgebers. Allerdings müssen Sie Ihrem Arbeitgeber mitteilen, wie lange Ihr Erziehungsurlaub dauern soll. Den Erziehungsurlaub zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr müssen Sie spätestens 13 Wochen vorher anmelden.

Mit dem sogenannten Kindertagesstättengesetz haben Eltern in Deutschland seit dem 1. August 2013 einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz, sofern das Kind das erste Lebensjahr vollendet hat. Dies gilt übrigens auch für Kinder aus Flüchtlingsfamilien. Es ist theoretisch also ohne Weiteres möglich, auch nach dem ersten Lebensjahr wieder arbeiten zu gehen.

Die Mutterschutzfrist wird bei Müttern auf den Erziehungsurlaub angerechnet, somit verlängert er sich nicht durch den Mutterschutz.

Anspruch: Wer kann ihn beantragen?

Jeder, der zu Beginn der Elternzeit in einem Arbeitsverhältnis steht und das Sorgerecht für ein Kind hat, kann Erziehungsurlaub beantragen. Dabei ist völlig unerheblich, ob jemand einer Teilzeitarbeit nachgeht, einen befristeten Arbeitsvertrag oder Studentenjob hat, sich noch in der Ausbildung befindet, in Heimarbeit arbeitet oder einer geringfügigen Beschäftigung nachgeht.

Hat allein die Mutter das Sorgerecht für das Kind, kann der Vater nur mit Zustimmung der Mutter Erziehungsurlaub nehmen. Ist Ein Elternteil arbeitslos, kann der andere dennoch Erziehungsurlaub beantragen.

Um den Erziehungsurlaub nehmen zu können, muss er spätestens sieben Wochen vor Antritt schriftlich beim Arbeitgeber angemeldet werden. Soll er direkt im Anschluss an die Mutterschutzfrist (die üblicherweise acht Wochen beträgt) beginnen, müssen Sie also spätestens eine Woche nach der Geburt Ihre Freistellung anmelden.

Im Sinne des vertrauensvollen und fairen Arbeitsverhältnisses ist es, wenn Sie natürlich nicht bis auf den letzten Drücker damit warten. Klären Sie zuvor mit Ihrem Partner die Rahmenbedingungen und geben Sie Ihrem Arbeitgeber frühzeitig Bescheid, damit der entsprechende Vorkehrungen für den Arbeitsausfall treffen kann.

Achten Sie beim Antrag darauf, dass Sie ihn eigenhändig unterschreiben und lassen Sie sich den Erziehungsurlaub unbedingt schriftlich bestätigen, denn eine Anmeldung per Mail oder Fax ist gemäß eines Urteils des Bundesarbeitsgerichts nicht gültig.

Außerdem müssen Sie sich für die ersten zwei Jahre Erziehungsurlaub festlegen, für welche Zeiten er gelten soll. Neben den leiblichen Eltern können aber auch andere Personen, die mit dem Kind im selben Haushalt leben, Erziehungsurlaub beantragen, also beispielsweise:

  • der Partner,
  • der Adoptivvater,
  • die Großeltern,
  • ältere Geschwister.

Keine Elternzeit: Was tun bei Krankheit?

Erziehungszeit Dauer Vater Elternzeit Unterschied Geld bis zu welchem Alter gesetzliche Regelung 3 JahreUm es direkt vorweg zu sagen: Wer sich gegen einen Erziehungsurlaub entscheidet, weil beispielsweise ein Partner Zuhause bleibt oder die Betreuung anderweitig geregelt ist, muss sich keine Sorgen im Krankheitsfalle des Kindes machen.

Ist das Kind krank, dürfen Mutter und Vater jeweils zehn Arbeitstage im Jahr zuhause bleiben und sich der Pflege widmen. Bei mehreren Kindern haben Sie einen Anspruch von 25 Arbeitstagen je Elternteil, Alleinerziehende sogar 50 Tage.

Dafür muss das Kind in einer gesetzlichen Krankenversicherung versichert sein und darf das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Erziehungsurlaub: Politikum und Karrierebremse

Ganz gleich, wie Sie diese Freistellung nun bezeichnen: Immer wieder kommt es vor, dass Eltern sich für ihre Entscheidung, Erziehungsurlaub zu nehmen, rechtfertigen müssen. Gerade die Rolle der Frau ist in Deutschland nach wie vor heiß diskutiert. Manche Frauen müssen kurz nach der Geburt wieder arbeiten gehen, da das Geld anderenfalls nicht reicht.

Sie bekommen automatisch den Stempel „karrieregeil“ oder hören den Vorwurf, eine Rabenmutter zu sein – einen Ausdruck, den es in anderen Ländern gar nicht gibt. In Frankreich beispielsweise ist es ganz selbstverständlich, dass die Kinder kurz nach der Geburt in eine Kinderkrippe kommen und trotzdem werden Frauen nicht mit Vorwürfen konfrontiert.

Das umgekehrte Szenario ist hierzulande allerdings auch falsch: Wer als Mutter Erziehungsurlaub nimmt und sich um seine Kinder kümmern möchte, gilt als faul und wenig strebsam. Diese Titulierungen sind unter moralischen Gesichtspunkten zu verurteilen.

Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass der Erziehungsurlaub ein gewisses Risiko darstellt und in vielen Fällen zum Karriereknick führt. Das hängt allerdings von mehreren Faktoren ab:

  • Wie lang war die Dauer?
  • Haben Sie sich auf dem Stand der Dinge gehalten, Fortbildungen besucht?
  • Haben Sie im Betrieb in Teilzeit gearbeitet?

Etwas krasser ausgedrückt: Wer drei Jahre lang raus ist aus dem Betrieb und statt seiner alten, hochqualifizierten Arbeit einen Teilzeitjob als Regaleinräumerin im Supermarkt annimmt, um die Haushaltskasse aufzubessern, wird es vermutlich mit seinem Wiedereinstieg nach dem Erziehungsurlaub schwerer haben.

Das gilt erst recht, wenn Sie die alte Stelle gekündigt haben, um länger als die gesetzlich garantierten drei Jahre Erziehungsurlaub zu nehmen.

Arbeitsplatzgarantie und Kündigungsschutz

Wer Erziehungsurlaub beantragt, hat eine Arbeitsplatzgarantie, das heißt, spätestens nach drei Jahren kehren Sie ins Unternehmen zurück. Damit gilt auch wieder der alte Arbeitsvertrag, das heißt, wer zuvor in Vollzeit gearbeitet hat, wird nun ebenfalls in Vollzeit arbeiten, sofern nichts anderes beantragt wurde.

Wer lieber in Teilzeit arbeiten möchte, sollte sich daher frühstmöglich mit seinem Arbeitgeber zusammensetzen. Arbeitsplatzgarantie heißt allerdings nicht, dass Sie einen Anspruch auf Ihren alten Arbeitsplatz haben: Häufig existieren in Arbeitsverträgen sogenannte Versetzungsklauseln beziehungsweise Versetzungsvorbehalte.

Wer sich im Erziehungsurlaub befindet, genießt während dieser Zeit einen besonderen Kündigungsschutz. So gilt ab acht Wochen vor Beginn und während der Freistellung ein Kündigungsverbot für den Arbeitgeber.

Ausnahme: Die Kündigung wird durch die für Arbeitsschutz zuständige oberste Landesbehörde für zulässig erklärt. Beispiel hierfür wäre die vollständige Betriebsaufgabe oder wenn der Arbeitnehmer aufgrund gravierenden Fehlverhaltens (Diebstahl, sexuelle Belästigung) mit einer fristlosen Kündigung rechnen müsste.

[Bildnachweis: Flamingo Images by Shutterstock.com]
11. Juli 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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