Karriereknick: Scheitern als Chance

Höher, schneller, weiter: Das ist wohl der Traum vieler Menschen, wenn es um berufliche Entwicklung geht. Bei einem Karriereknick bekommt diese Vorstellung dann erst einmal einen Dämpfer – was ist passiert? Manche erwischt es eiskalt und völlig unvorbereitet. Da kann ein beruflicher Rückschritt als elementare Niederlage empfunden werden. Aber das muss nicht sein. Wie Sie damit umgehen, kann entscheidend dazu beitragen, ob ein Karriereknick das berufliche Aus bedeutet oder nur eine Etappe auf dem Weg zu etwas Neuem ist…

Karriereknick: Scheitern als Chance

Karriereknick Definition: Rückschlag in der Laufbahn

Karriereknick Kind Karriereknick Definition Karriereknick ElternzeitMan spricht von einem Karriereknick (englisch = downturn, career break, career setback), wenn eine bisher erfolgreiche Karriere eine ungeplante, unfreiwillige Veränderung erfährt. Dieser Einbuch der beruflichen Laufbahn nimmt vorläufig eine Entwicklung zum Schlechteren.

Die Gründe für so einen beruflichen Rückschritt sind ganz unterschiedlich und können jeden betreffen: Erfolgreiche Manager, die ein Millionenprojekt vor die Wand fahren und gekündigt werden, ebenso wie Mitarbeiter, deren Unternehmen Insolvenz anmeldet oder es kommt zu Fusionen, bei denen Plätze wegfallen.

Manchmal gibt es auch einfach Anpassungsschwierigkeiten im neuen Job; was vielversprechend anfing, scheitert plötzlich an der Kommunikation, Meinungsverschiedenheiten oder Fehlern. Besonders unangenehm ist das bei Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen: Jeder beobachtet ihr Verhalten, oft gehen Häme und Unverständnis einher.

Ein bekanntes Beispiel dafür ist der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, der seinerzeit über steuerliche Ermittlungen gegen ihn und seinen Umgang mit den Medien stolperte. Und dennoch: Ein Rückschritt vom höchsten repräsentativen Amt in Deutschland muss kein Beinbruch sein – mittlerweile arbeitet er wieder als Wirtschaftsanwalt und ist ein gefragter Redner.

Genauso gut kann es auch ein Bündel von persönlichen Gründen und äußeren Umständen sein: Der Schicksalsschlag, der zum Studienabbruch führt und (vorläufig) in einer Karriere-Sackgasse mündet, oder das Ende der Ausbildungszeit fällt in eine Wirtschaftskrise.

Somit hängt eine Karriere im Sinne von beruflichem Aufstieg nicht nur von der eigenen Leistung ab, sondern auch vom Zufall. Dennoch haftet dem Thema ein Makel an; wer einen Karriereknick hat, fürchtet oft, als Versager dazustehen. Und natürlich sind auch konkrete Ängste wie die Furcht vor dem sozialen und/oder finanziellen Abstieg damit verbunden.

Die vier Phasen des Karriereknicks

Wie ein Karriereknick erlebt wird, hängt von etlichen Faktoren ab. Zum einen ist Deutschland eine Leistungsgesellschaft, das heißt, oftmals wird den Betroffenen der berufliche Rückschritt in irgendeiner Form angekreidet. Das Denken, dass berufliche Laufbahnen immer noch linear verlaufen müssten, ist nach wie vor verbreitet.

Zum anderen ist der Mensch ein Gewohnheitstier: eine unfreiwillige Veränderung der eigenen Pläne kann dann als Sinnkrise empfunden werden, zumal der Beruf für viele sinnstiftend ist. Für diejenigen, die einen beruflichen Misserfolg verdauen müssen, fühlt es sich oft ähnlich an wie der Verlust eines geliebten Menschen.

Folgende Phasen sind daher typisch:

  1. Schock

    Der Moment, in dem der Karriereknick offenbar wird. Der Betroffene fühlt sich wie gelähmt, kann keinen klaren Gedanken fassen. In dieser Situation ist es gut, wenn man echte Freunde und stützende Familie an seiner Seite hat. Zu diesem Zeitpunkt sollten keine überstürzten Entscheidungen getroffen werden, besser ist, wenn der Betroffene sich eine Auszeit zum Sammeln nimmt.

  2. Verdrängung

    Es folgt die Phase des Leugnens: „Das kann nur ein Irrtum sein, die meinen jemand anderen.“ Das Offensichtliche wird ignoriert, man redet sich ein, dass die Dinge bald wieder im Lot sind.

  3. Trauer

    Diese Phase ist sehr emotional und von Schmerz und Wut – beispielsweise gegen die Verursacher – begleitet. Rational hat der Betroffene verstanden, was passiert, aber die Gefühle überwiegen zu diesem Zeitpunkt noch. Das könnte im schlimmsten Fall zu unüberlegten Handlungen führen, beispielsweise üble Nachrede über den ehemaligen Arbeitgeber. Freunde und Familie haben hier auch die Funktion, den Betroffenen wieder zu beruhigen. Hier ist es wichtig, die aufkommenden Gefühle ernst zu nehmen und zuzulassen, nicht mit Alkohol zu betäuben. Absolut empfehlenswert hingegen ist Sport; joggen, schwimmen oder Rad fahren hilft dabei, den Stress und das Adrenalin abzubauen und mit den Gedanken nicht ständig um ein und dieselbe Sache zu kreisen.

  4. Akzeptanz

    Das Unausweichliche wird als Realität akzeptiert. Der Betroffene fängt langsam wieder an, nach Lösungen zu suchen, einen Plan B aufzustellen. Er erkennt neue Möglichkeiten, die ihm niemals aufgefallen wären, wenn er noch die alte Stelle hätte. Außerdem gelangt er zu der Erkenntnis, dass er eine Krise bewältigen kann und das (Berufs-)Leben danach weitergeht.

Elternzeit muss kein Risikofaktor sein

In Deutschland Kinder zu kriegen, ist nach wie vor eine Herausforderung, wenn es darum geht, Familie und berufliche Karriere zu vereinen. Sei es, dass junge Frauen bereits Schwierigkeiten haben, eine Stelle zu finden, weil der Arbeitgeber einen baldigen Ausfall befürchtet.

Oder sei es, dass sie kaum auf Führungspositionen befördert werden – denn hier wird oftmals erwartet, dass sie eine Vollzeitstelle bekleiden. Dabei ginge genauso gut ein Teilzeitmodell wie Topsharing. In der Realität steigen viele Frauen jedoch für längere Zeit aus Familiengründen aus; bis zu drei Jahre Elternzeit sind möglich.

Das kann zum Karriereknick führen, indem auf Tätigkeiten zurückgegriffen wird, die unter den eigentlichen Qualifikationen liegen oder es wird ein anderer Teilzeitjob gemacht, der das finanzielle Überleben nicht sichern kann. Das führt zu neuerlichen Problemen, denn wer eine bestimmte Zeit aus seinem Bereich raus ist, verpasst den Anschluss an neue Anforderungen.

Wer solche Rückschritte vermeiden möchte, sollte sich bereits vor der Elternzeit Gedanken machen, wie es danach weitergeht. Überlegen Sie, welche Bedeutung Ihr Job für Sie hat und ob Sie neben einer Familiengründung Karriere machen wollen. Ist das der Fall, sollten Sie keinesfalls die kompletten drei Jahre Elternzeit nehmen, sondern schnellstmöglich in den Beruf zurückkehren.

Eine andere Möglichkeit ist eine geschickte Abstimmung mit dem Partner oder die Möglichkeit, im Home Office die Arbeit zu erledigen. Um fachlich den Anschluss nicht zu verpassen, sollten Sie nach Möglichkeit in Teilzeit in Ihrem alten Job bleiben – während der Elternzeit dürfen Sie bis zu 30 Stunden in der Woche nebenher arbeiten.

Signalisieren Sie ihrem Arbeitgeber, dass Sie weiterhin über Abläufe am Arbeitsplatz Bescheid wissen wollen, dass Sie an Seminaren interessiert sind. Halten Sie auch Kontakt zu Kollegen, so fällt ein Wiedereinstieg leichter. Wichtig sind im Vorfeld auch Planungen bezüglich der Kinderbetreuung, kommen Kita oder Tagesmutter infrage? Für solche Fragen ist wenig Zeit, wenn Sie erst einmal wieder im Job sind.

Schöner Scheitern: Karriereknick als Anfang von etwas Neuem

Auch wenn das Gefühl des Scheiterns nicht angenehm ist: Es lassen sich wichtige Erkenntnisse daraus ableiten. Abgesehen davon, dass Sie wissen, welchen Fehler Sie vielleicht nicht mehr machen werden, zeigen sich in solchen Situationen auch immer die wahren Freunde.

Und ein Karriereknick ist eine Gelegenheit, sich mit den eigenen Werten und Bedürfnissen auseinanderzusetzen, die eigenen Ziele noch einmal zu überdenken. Das hätten Sie so unter den alten Bedingungen vermutlich nicht gemacht.

Aber egal, aus welchen Gründen es beruflich nicht weitergeht: Krisen gehören zum Leben dazu, dass sollten Sie sich immer bewusst machen. Wichtig ist daher eigentlich weniger, dass etwas passiert, sondern wie Sie damit umgehen. Vorbildlich ist hier der Umgang mit Fehlern in Amerika.

Ein Beispiel für eine gelebte Fehlerkultur, die Scheitern nicht als Ende, sondern als Anfang von etwas Neuem begreift, ist der Unternehmer Max Levchin. Von ihm stammt folgendes Zitat:

Das erste Unternehmen, das ich gegründet habe, ist mit einem großen Knall gescheitert. Das zweite ist ein bisschen weniger schlimm gescheitert, aber immer noch gescheitert. Und wissen Sie, das dritte ist auch anständig gescheitert, aber das war irgendwie okay. Ich habe mich rasch erholt, und das vierte Unternehmen überlebte bereits. Es war keine großartige Geschichte, aber es funktionierte. Nummer fünf war dann Paypal.

Was tun bei einem Karriereknick?

Nun gelingt nicht jedem der ganz große Wurf mit einem Unternehmen, was anschließend für 1,5 Milliarden Dollar an Ebay verkauft werden kann. Es sollte aber deutlich geworden sein, dass ein Karriereknick keine Katastrophe sein muss. Wie schnell sich jemand wieder berappelt, ist natürlich auch eine Frage der Resilienz.

Diese können Sie wiederum steigern, indem Sie Selbstreflexion betreiben und aktiv nach Lösungen suchen. Das Beste ist in diesem Zusammenhang, schon vor einem möglichen Karriereknick Dinge in die Wege zu leiten. Es ist immer gut, einen Plan B in der Tasche zu haben, damit man im Falle eines Falles vorbereitet ist. Dazu gehört:

  • Netzwerk

    Viele Menschen unterschätzen ein gut aufgebautes Netzwerk. Sie fangen an ihre Kontakte zu aktivieren, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen und die Kündigung ausgesprochen ist – dann ist es aber eigentlich schon zu spät, denn niemand mag das Gefühl benutzt zu werden. Halten Sie daher unbedingt vorher Kontakt, beispielsweise zu alten Schulkameraden oder Studienkollegen, ehemaligen Arbeitskollegen. Legen Sie sich ein Profil in Business-Netzwerken wie Xing oder Linkedin an – auch da gibt es die Möglichkeit des aktiven Austauschs mit anderen Mitgliedern.

  • Weiterbildung

    Halten Sie sich auf dem neusten Stand. Manche Menschen richten sich im Laufe der Jahre in ihrer Routine ein, verpassen neue Entwicklungen. Wichtig ist ebenso eine Stärken-Schwächen-Analyse, damit Sie wissen, welche Bereiche noch einer Weiterbildung bedürfen. So können Sie attraktiv für potenzielle Arbeitgeber bleiben.

[Bildnachweis: thatreec by Shutterstock.com]
22. Juni 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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