Kündigung: Regeln, Rechte, Muster für Arbeitnehmer

Mit der Kündigung endet das Arbeitsverhältnis final. Die meisten Betroffenen erleben das als schweren Einschnitt in ihrem Berufsleben – oder als Befreiung. Je nachdem, ob sie selbst gekündigt haben oder gekündigt wurden. Dabei ist die Kündigung eigentlich etwas ganz normales: So gut wie jeder Arbeitnehmer wird damit mindestens einmal in seiner beruflichen Laufbahn konfrontiert. Entweder mit der…

  • Eigenkündigung (Der Arbeitnehmer reicht seine Kündigung ein) oder der…
  • Fremdkündigung (Der Chef kündigt dem Arbeitnehmer).

Für jede dieser Kündigungsarten gibt es im Arbeitsrecht unterschiedliche Regeln, Voraussetzungen, Rechte und Pflichten, die es zu beachten gilt. Hier erfahren Sie, was Sie zur Kündigung wissen müssen, welche Schritte wesentlich sind (samt Beispielen und Mustervorlagen) – und wie Sie Ihren Arbeitsplatz eventuell behalten oder eine höhere Abfindung herausholen können…

Kündigung: Regeln, Rechte, Muster für Arbeitnehmer

Kündigung Vorschriften: Checkliste gegen Formfehler

Laut Definition ist eine Kündigung eine „einseitige empfangsbedürftige Willenserklärung“. Heißt: Damit die Kündigung wirksam ist, muss die andere Vertragsseite nicht zustimmen. Sie muss die Kündigung lediglich erhalten.

Allerdings bedarf es dabei einer fest vorgeschriebenen Form. Und genau hier passieren oft schon erste Fehler, die die Kündigung unwirksam machen können, mindestens aber anfechtbar. Deshalb sollten Sie – unabhängig davon, wer wem kündigt – beim Kündigungsschreiben alle wesentlichen Formvorschriften und Regeln beachten beziehungsweise einhalten und sogenannte Formfehler vermeiden:

  1. Form der Kündigung: Schriftlich und eigenhändig unterschrieben!

    Eine Kündigung muss immer schriftlich erfolgen. Eine mündliche Kündigung ist laut § 623 BGB nicht rechtskräftig. Dasselbe gilt für eine Kündigung per Mail, per Fax oder gar als Post-It. Denn die wirksame Kündigung benötigt ebenfalls eine eigenhändige Unterschrift (mit vollem Namen!) – nichts Gedrucktes, sondern Tinte auf Papier.

    Und: Wer auch immer kündigt, benötig dazu die Vollmacht. Wenn Sie als Arbeitnehmer kündigen, bedeutet das, dass natürlich nur Sie selber kündigen können. Umgekehrt: Kündigt Ihnen der Arbeitgeber, muss das Kündigungsschreiben von einem dazu Berechtigten unterzeichnet sein. Das ist in der Regel entweder der Personalchef oder der Chef. Stammt die Unterschrift indes von einem Nichtberechtigten, ist die Kündigung ebenfalls unwirksam.

  2. Kündigungsfristen: Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag beachten!

    Bei jeder ordentlichen Kündigung sind die Kündigungsfristen zu beachten. Sie stehen meist im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag, sind aber auch im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in § 622 geregelt und gelten grundsätzlich für alle Jobs und Arbeitgeber einheitlich. Die sogenannte Grundkündigungsfrist beträgt 4 Wochen zum 15. oder zum Monatsende. Achten Sie deshalb auf das Datum der Kündigung beziehungsweise wann Sie diese einreichen.

    Diese Kündigungsfrist ist besonders für Arbeitnehmer relevant, da sie immer gleich lang bleibt. Arbeitgeber und Unternehmen müssen sich stattdessen an anderen Fristen orientieren, die mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit länger werden. Diese gesetzlichen Kündigungsfristen betragen bei einem Arbeitsverhältnis von…

    • zwei Jahren: einen Monat zum Ende eines Kalendermonats.
    • fünf Jahren: zwei Monate zum Ende eines Kalendermonats.
    • acht Jahren: drei Monate zum Ende eines Kalendermonats.
    • zehn Jahren: vier Monate zum Ende eines Kalendermonats.
    • zwölf Jahren: fünf Monate zum Ende eines Kalendermonats.
    • 15 Jahren: sechs Monate zum Ende eines Kalendermonats.
    • 20 Jahre: sieben Monate zum Ende eines Kalendermonats.

    Ausnahmen hierzu sind zum einen die Probezeit: Sie dauert maximal sechs Monate, in dieser Zeit können beide Vertragsparteien mit einer Kündigungsfrist von zwei Wochen und ohne Grund kündigen. Ebenso muss bei einer außerordentlichen Kündigung (meist: fristlosen Kündigung) nach § 626 BGB keine Frist gewahrt werden. Dazu braucht es jedoch einen triftigen Kündigungsgrund.

  3. Zugang der Kündigung: Der Zeitpunkt entscheidet!

    Um alle Kündigungsfristen zu wahren, ist der Zugang der Kündigung entscheidend. Wird die Kündigung persönlich übergeben (idealerweise vor Zeugen), ist das unproblematisch. Kündigt der Arbeitnehmer, gilt dies, sobald die Kündigung etwa in der Personalabteilung abgegeben wird. Wird die Kündigung wiederum per Post verschickt, gilt sie bereits als „empfangen“, sobald sie im Machtbereich des zu Kündigenden ist. Dazu reicht der Briefkasten meist aus. Wenn Sie also beispielsweise gerade im Urlaub sind und die Kündigung daher erst nach der Rückkehr entdecken und lesen, hat die Widerspruchsfrist trotzdem schon begonnen. Diese beträgt für eine Kündigungsschutzklage nach § 4 KSchG drei Wochen nach dem Zugang der Kündigung.

  4. Kündigungsschreiben: Regeln für Aufbau und Inhalt!

    Für den Fall, dass Sie selbst kündigen, müssen Sie auch beim Kündigungsschreiben ein paar Formvorschriften und Grundregeln beachten. Auch wenn das Kündigungsschreiben nur wenig Text braucht – hier stecken die Tücken im Detail:
    Kündigungsschreiben-Aufbau-Mustervorlage

    • Persönliche Angaben

      Zur Kündigung gehören unbedingt der vollständige (Firmen-)Name und die Anschrift in den Briefkopf. Bei größeren Unternehmen ist es sinnvoll, zusätzlich die Personalnummer und ein Geburtsdatum zu nennen, um eine Verwechslungsgefahr mit etwaigen Namenszwillingen auszuschließen.

    • Datum

      Für die Kündigung sind zwei Datumsangaben wichtig: Vergessen Sie bitte erstens niemals, das aktuelle Datum auf der Kündigung. So können Sie im Zweifel die Einhaltung der Kündigungsfristen nachweisen. Zweitens sollten Sie im Kündigungsschreiben selbst das Datum des letzten offiziellen Arbeitstages nennen, also wann der Arbeitsvertrag endet („…kündige ich zum 31.12.2018“).

    • Betreff

      Die Betreffzeile sollte auf jeden Fall das Wort „Kündigung“ enthalten. Damit ist der Inhalt eindeutig und rechtlich bindend. Alternativ gehen auch: „Kündigung meines Arbeitsvertrags vom [DATUM]“ oder „Kündigung des Arbeitsverhältnisses zum [DATUM]“.

    • Anrede

      Selbst wenn Sie im Zorn gehen – die korrekte Anrede ist ein Akt der Höflichkeit und eine formale Vorschrift. Sie können dabei Ihrem Chef kündigen – der Personalchef kann in der Kündigung aber auch adressiert werden. Umgekehrt, bei der Kündigung durch den Arbeitgeber, ist der Arbeitnehmer unbedingt namentlich zu nennen.

    • Inhalt

      Die Aussage muss eindeutig sein. Lamentieren und labern sowie der Konjunktiv („hiermit würde ich ganz gerne mein Arbeitsverhältnis beenden…“) sind im Kündigungsschreiben tabu. Aus der Kündigung muss klar hervorgehen, dass gekündigt wird – und nichts anderes. Interpretationsspielraum ist in diesem Zusammenhang nicht angebracht.

    • Unterschrift

      Wie oben schon erwähnt, muss eine wirksame Kündigung immer persönlich und handschriftlich unterschrieben werden. Bei der Kündigung durch den Arbeitgeber muss dies der Chef oder ein zuständiger Personalverantwortlicher tun (zum Beispiel der Personalchef oder -direktor). Eine eingescannte Unterschrift ist ungültig.

Kündigung durch den Arbeitnehmer: Kündigungsschreiben Muster

Nach so vielen formalen Regeln, wird es jetzt praktisch: Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer das Recht, seinen Arbeitsvertrag jederzeit zu kündigen. Die genaue Formulierung dazu fällt aber vielen schwer.

Wie also schreibt man eine Kündigung?

Im Grunde ist das ganz einfach. Für eine Kündigung durch den Arbeitnehmer benötigen Sie nicht viele Worte, lange Ausführungen oder Zeilen. Ein schlichtes „Hiermit kündige ich meinen bestehenden Arbeitsvertrag zum nächstmöglichen Datum.“ bringt die Sache bereits auf den Punkt und reicht im Zweifelsfall völlig aus. Ein paar mehr Worte schaden aber auch nicht.

Falls Sie gerade eine Kündigung schreiben wollen, können Sie dazu gerne die folgenden Kündigungsschreiben Muster als Vorlage verwenden. Diese sollten Sie natürlich noch einmal individuell anpassen. Ob Sie die lange Version oder die kurze Version verwenden, ist Geschmackssache…

Kündingungschreiben Arbeitnehmer (Lang)


Susanne Muster
Beispielstr. 123
09876 Musterstadt
Fon 01234-567890
Mail [email protected]



Arbeitgeber GmbH
Personalervorname Nachname
Firmastr. 890
12345 Beispielstadt


TT.MM.JJJJ

KÜNDIGUNG

Sehr geehrter Herr CHEF,

hiermit kündige ich meinen Arbeitsvertrag, den ich mit Ihnen am TT.MM.JJJJ geschlossen habe, fristgerecht zum TT.MM.JJJJ. Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt der Kündigung sowie das Beendigungsdatum schriftlich.

Ich bedanke mich für die gute und kollegiale Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Ich konnte viel in diesem Unternehmen lernen und bin für die stets angenehme Unterstützung sehr dankbar. Ich bedauere, aus persönlichen Gründen diesen Schritt tun zu müssen und wünsche Ihnen und dem Unternehmen weiterhin von Herzen alles Gute.

Bitte erstellen Sie mir ein qualifiziertes Arbeitszeugnis und lassen Sie mir dies zusammen mit meinen Arbeitspapieren an die obige Adresse zukommen.

Mit freundlichen Grüßen

HANDSCHRIFTLICHE UNTERSCHRIFT

Kündingungschreiben Arbeitnehmer (kurz)


Susanne Muster
Beispielstr. 123
09876 Musterstadt
Fon 01234-567890
Mail [email protected]



Arbeitgeber GmbH
Personalervorname Nachname
Firmastr. 890
12345 Beispielstadt


TT.MM.JJJJ

Kündigung meines Arbeitsvertrages

Sehr geehrter Herr CHEF,

hiermit kündige ich Ihnen meinen bestehenden Arbeitsvertrag ordentlich und fristgerecht zum nächstmöglichen Datum.

Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt meiner Kündigung sowie das Datum wann der Arbeitsvertrag endet schriftlich.

Überdies bitte ich Sie, mir ein qualifiziertes Arbeitszeugnis auszustellen. Für die bisherige Zusammenarbeit bedanke ich mich herzlich.

Mit freundlichen Grüßen

HANDSCHRIFTLICHE UNTERSCHRIFT

Beide Kündigungsschreiben-Muster können Sie sich natürlich hier auch gleich als PDF oder WORD-Datei kostenlos herunterladen:


EXTRA-TIPP: Nicht vergessen, um ein Arbeitszeugnis zu bitten!

EXTRA-TIPP: Nicht vergessen, um ein Arbeitszeugnis zu bitten!In den obigen Musterkündigungen steht nicht zufällig am Ende noch die Bitte um ein Arbeitszeugnis. Erstens haben Sie als Arbeitnehmer bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisses einen gesetzlichen Anspruch auf das Ausstellen eines qualifizierten Arbeitszeugnisses. Zweitens spart Ihnen dieses Satz womöglich Zeit. Denn das Zeugnis benötigen Sie meist, wenn Sie sich auf eine andere Stelle bewerben wollen. Und da Sie ja nicht mit der Kündigung sofort das Unternehmen verlassen, sondern eben noch die Kündigungsfrist wahren müssen, ist das Zeugnis damit schon einmal auf den Weg gebracht.

Den Empfang des Kündigungsschreibens muss der Arbeitgeber übrigens NICHT bestätigen. Ein Recht darauf gibt es nicht. Dennoch ist die Bitte dazu ratsam: Falls der Chef dieser nachkommt, haben Sie einen Schriftlichen Beweis in der Hand.

Kündigung durch den Arbeitgeber: Wichtige Kündigungsgründe

Kündigung Kündigungsgründe Kündigungsformen Checkliste PDFAuch bei der Kündigung durch den Arbeitgeber sind einige formale Pflichten zu erfüllen. Werden diese Vorschriften nicht eingehalten, entscheiden Arbeitsrichter regelmäßig zugunsten der Beschäftigten. Das bedeutet: Schon ein einziger Fehler stärkt Ihre Verhandlungsposition – sei es für eine Kündigungsschutzklage oder für eine höhere Abfindung.

Will Ihr Chef Ihnen kündigen, muss er also auf einiges achten. Das fängt schon bei den Kündigungsgründen an. Haben Sie zum Beispiel die Probezeit überstanden, braucht es einen guten Grund, um Ihnen ordentlich zu kündigen. Dabei werden im Arbeitsrecht vor allem vier Kündigungsgründe unterschieden (Mehr dazu erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Ratgeber (samt Checklisten), den Sie sich hier kostenlos als PDF herunterladen können).

  • Die betriebsbedingte Kündigung

    Aufträge bleiben aus, eine Standort muss geschlossen werden oder der Arbeitgeber muss die Insolvenz anmelden. Diese und weitere Ursachen können der Grund für eine betriebsbedingte Kündigung sein.

    Man spricht hier auch davon, dass dringende betriebliche Erfordernisse vorliegen, die eine Weiterbeschäftigung unmöglich machen. Allerdings muss der Arbeitgeber diese Erfordernisse genau begründen, um damit eine Kündigung zu rechtfertigen. Einfach nur einen schlechten Umsatzmonat zu erklären, reicht nicht.

  • Die personenbedingte Kündigung

    Hierbei ist der Arbeitnehmer selbst der Grund für die Kündigung – wegen Gründen, die in seiner Person liegen und weil er die Aufgaben des Arbeitsvertrages nicht mehr erfüllen kann (meist wegen Krankheit oder eines schweren Unfalls). In dem Fall muss aber die Genesungs-Prognose durch den Arzt negativ sein. Heißt: Ist kurzfristige Besserung zu erwarten, kann keine personenbedingte Kündigung ausgesprochen werden.

  • Die verhaltensbedingte Kündigung

    Dauerhaftes Zuspätkommen, Blaumachen (ohne Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung), Beleidigung von Vorgesetzten, sexuelle Belästigung, Alkoholkonsum trotz Alkoholverbots, Rauchen trotz Rauchverbots, eine unzulässige Nebentätigkeit oder ein anderes vertragswidriges Verhalten können zu einer verhaltensbedingten Kündigung führen.

    Eine solche Kündigung muss aber verhältnismäßig sein. Das bedeutet: Es darf für den Arbeitgeber kein milderes Mittel geben, mit dem er die Störung des Arbeitsverhältnisses beseitigen kann – etwa eine Ermahnung, Abmahnung oder Versetzung. Eine verhaltensbedingte Kündigung ist also nur vertretbar, wenn das Interesse das Arbeitgebers an einer Kündigung das Interesse des Arbeitnehmers an einer Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses überwiegt.

  • Die fristlose Kündigung

    Hierbei handelt es sich juristisch nicht mehr um eine „ordentliche“, sondern um eine „außerordentliche“ Kündigung. Die fristlose Entlassung ist zugleich die wohl drastischste Form der Kündigung. Sie kann daher nur in besonders schweren Fällen ausgesprochen werden. Zu einer fristlosen Kündigung gehören beispielsweise eine Straftat (Diebstahl, Bestechung, Betrug, Unterschlagung, …) oder ein erheblicher Pflichtverstoß (Betriebsspionage, Rufschädigung, …), der die weitere Zusammenarbeit für den Arbeitgeber unmöglich macht.

Kündigung in der Probezeit: Was sagt das Arbeitsrecht?

Kündigung Probezeit: Was sagt das ArbeitsrechtDer neue Job hat gerade erst begonnen, da flattert auch schon die Kündigung ins Haus. Das ist oft ein besonderer Schock für Arbeitnehmer, schließlich hatte man sich auf etwas Langfristiges eingestellt und vielleicht schon damit begonnen, Pläne zu schmieden. Nach dem Schock kommen dann zwei Fragen auf:

  • Ist eine solche Kündigung in der Probezeit laut Arbeitsrecht überhaupt erlaubt? und
  • Wie gehe ich damit um?

Die Antwort auf die erste Frage lautet leider: Ja, in der Probezeit kann ein Arbeitgeber Sie jederzeit mit einer Kündigungsfrist von zwei Wochen vor die Tür setzen und Ihren Arbeitsvertrag auflösen.

Das ist aber nicht automatisch ein schwerer Bruch im Lebenslauf. Wie Sie mit der Kündigung in der Probezeit umgehen, erfahren Sie in unserem Artikel zum Thema:

Arbeigeber-Kündigung mit Formfehlern: Leider unwirksam

KündigungsgründeFachanwälte für Arbeitsrecht wissen: Es gibt die kuriosesten Gründe, aus denen Arbeitgeber versuchen, ihren Mitarbeitern zu kündigen oder diese so schnell wie möglich loszuwerden: einmal nicht gegrüßt, die Gattin des Chefs nicht respektvoll genug behandelt, zu schön für die Arbeit… da schütteln selbst Arbeitsrichter den Kopf (siehe Gratis-PDF rechts – einfach anklicken).

Spricht der Arbeitgeber eine Kündigung aus, ist das zwar bitter. Trotzdem sollten Sie diese sofort auf formelle Fehler prüfen. So vorhanden, lässt sich die Kündigung umso anfechten oder im Zweifel daraus auch Kapital schlagen – zum Beispiel bei der Höhe der Abfindung.

Neben den schon angesprochenen Formfehlern, wie fehlende Schriftform oder fehlende Unterschrift (eines Berechtigten) gibt es noch weitere Gründe, woran die Arbeitgeber-Kündigung vor dem Arbeitsgericht immer wieder scheitert:

  • Die Kündigung stammt von einer anderen Firma. Kein Scherz. Falls es mal eine Umstrukturierung gab oder das Unternehmen seit einiger Zeit unter anderem Namen firmiert, muss das zuerst im (neuen) Arbeitsvertrag Eingang finden. Achten Sie daher auf den Briefkopf der Kündigung: Stimmt die Firma mit der im Arbeitsvertrag überein? – Nicht? Dann könnte die Kündigung schon unwirksam sein.
  • Falls vorhanden, muss das Unternehmen vorab den Betriebsrat einschalten und ihm die Gründe für die Kündigung mitteilen. Hat der Bedenken gegen den Rausschmiss, ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Arbeitnehmer bis zu einer Entscheidung des Arbeitsgerichts weiter zu beschäftigen. Das Gehalt wird dann natürlich auch weitergezahlt, da man Ihnen ja nicht kündigen konnte.
  • Auch muss der Arbeitgeber klären, ob beispielsweise ein Sonderkündigungsschutz besteht. So haben Schwangere, Schwerbehinderte und Betriebsräte ein deutlich erhöhtes Schutzrecht bei einer Kündigung.
  • Einer verhaltensbedingten Kündigung muss in der Regel eine Abmahnung vorausgehen. Das heißt, der Mitarbeiter muss dazu grob fahrlässig oder gar vorsätzlich gegen seine Vertragspflichten verstoßen haben. Indem der Chef dies abmahnt, sagt er dem Mitarbeiter, dass er dieses Verhalten missbilligt und sich eine Änderung wünscht. Das muss er aber zuerst tun, bevor er – und auch nur im Wiederholungsfall – kündigen kann. Fehlt eine solche Abmahnung, ist das Arbeitsrecht meist auf der Seite des Arbeitnehmers und erklärt die Kündigung für unwirksam, da zunächst andere Mittel hätten genutzt werden müssen.
  • Ob eine betriebsbedingte Kündigung gerechtfertigt ist, dürfen Gerichte zwar nur eingeschränkt prüfen. Dafür können sie aber begutachten, ob die Gründe stimmen, die zum geringeren Arbeitsbedarf geführt haben. Die schlechte wirtschaftliche Lage reicht übrigens nicht: Der Unternehmer muss konkret erläutern, wie sich der Auftragsrückgang auf die Arbeitsmenge auswirkt und wie viele Arbeitskräfte überflüssig werden – im gesamten Unternehmen. Deshalb ist eine betriebsbedingte Kündigung zum Beispiel unwirksam, wenn überzählige Arbeitnehmer an anderer Stelle weiterbeschäftigt werden könnten.
  • Mitunter versuchen Arbeitgeber die Formvorschriften und Voraussetzungen einer ordentlichen Kündigung zu umgehen, indem Sie dem Mitarbeiter eine sogenannte Änderungskündigung oder Teilkündigung anbieten. Bei der Änderungskündigung wird dem Arbeitnehmer praktisch ein in Teilen neuer Arbeitsvetrag vorgelegt – oft jedoch mit schlechteren Konditionen (höhere Arbeitszeit, weniger Urlaub, schlechteres Gehalt, …). Unterschreiben und sich darauf einlassen, müssen Sie allerdings nicht. Auch eine Teilkündigung, bei der nicht das komplette Arbeitsverhältnis, sondern nur ein Teil davon gekündigt wird, ist nur dann zulässig, wenn dies ausdrücklich im Arbeitsvertrag erlaubt wurde. Beide Kündigungsarten sollten Sie also genau prüfen – und sich gegenenfalls von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten lassen.

In all diesen Fällen haben Sie innerhalb von drei Wochen Zeit, beim Arbeitsgericht Widerspruch einzulegen.

Zugegeben, wer einen Arbeitsrechtsprozess gewinnt, wird nur selten auf seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren, das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber wird dadurch ja nicht wirklich besser. Doch der Jobverlust wird meist finanziell besser abgemildert, in Form einer höheren Abfindung – auch wenn es darauf keinen gesetzlichen Anspruch gibt.

Achtung beim Aufhebungsvertrag: Es droht eine Sperre beim Arbeitsamt

Kündigung Arbeitsvertrag mit AufhebungsvertragManchmal bieten Chefs – scheinbar großzügig – mit der Kündigung gleich einen sogenannten Aufhebungsvertrag an. Wer den unterschreibt, sollte wissen, dass er oder sie anschließend zwölf Wochen lang kein Arbeitslosengeld (Es beträgt in der Regel 60 Prozent des Durchschnittseinkommens der vergangenen zwölf Monate) bekommt. Juristisch hat derjenige die Arbeitslosigkeit damit selbst verursacht.

Einzige Ausnahme: Der Arbeitgeber droht mit einer (nicht ver­hal­tens­be­ding­ten) Kündi­gung, die auch erfolgreich wäre. In dem Fall ist laut Bun­des­so­zi­al­ge­richt dem Arbeitnehmer die Kündi­gung nicht zu­zu­mu­ten (Az. B 11a/11 AL 69/04 R) und die Arbeitsagentur darf keine Sperr­zeit we­gen des Auf­he­bungs­ver­trags verhängen.

In allen anderen Fällen aber (und das ist die Mehrheit) sollte sich das Sperrzeit-Minus in der Abfindungssumme im Aufhebungsvertrag widerspiegeln. Falls der Arbeitgeber darauf nicht eingeht, können Sie auch mit einer sogenannten Kündigungsschutzklage drohen. Sie endet in der Regel mit einem Vergleich beim Arbeitsgericht geschlossen – aber damit ist man gegenüber der Arbeitsagentur schon aus dem Schneider. Allein die glaubhafte Andeutung einer solchen Klage erhöht oft schon die Abfindungssumme.

Kündigung ist wirksam: Was ist jetzt zu tun?

Wer eine wirksame Kündigung erhalten hat, sollte sich umgehend um ein Arbeitszeugnis bemühen beziehungsweise dieses beantragen. Darüber hinaus kann es sinnvoll sein, sich von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten zu lassen – womöglich findet der doch noch ein paar Formfehler, die der Laie übersieht. Oder er gibt wichtige Hinweise, worauf Sie nach der Kündigung achten müssen, sei es die Vergütung noch offener Urlaubstage oder eine mögliche Einigung zur Freistellung während der Kündigungsfrist.

Ansonsten haben wir für diesen Fall der Kündigung durch den Arbeitgeber noch ein paar wichtige Regeln und Tipps für Sie:

  • Arbeitslos melden

    Melden Sie sich umgehend und innerhalb von drei Tagen beim Arbeitsamt als arbeitslos. Bringen Sie dazu die Kündigung und Ihren Arbeitsvertrag mit. Auch wenn Sie schon bald wieder einen neuen Job finden: Um den Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend zu machen, muss der gekündigte Arbeitnehmer drei Monate vor Ende der Kündigungsfrist (bei kürzeren Fristen drei Tage nach Erhalt der Kündigung) dies der Arbeitsagentur persönlich mitteilen. Sie sichern sich damit also finanziell ab.

  • Weiter arbeiten

    Wer gekündigt wurde, kann nicht einfach zuhause bleiben. Noch gilt ja der Arbeitsvertrag und dessen Fristen. Wer also nicht sofort nach der Kündigung freigestellt wird, muss weiterhin auf der Arbeit erscheinen. Ein Verstoß kann abgemahnt werden und sogar zur fristlosen Kündigung führen (auf die es manche Arbeitgeber anlegen). Das sieht dann nicht nur schlecht im Arbeitszeugnis aus, sondern führt mitunter auch zu einer Sperrfrist bei der Arbeitsagentur.

  • Profi bleiben

    Egal, wie schäbig man sich Ihnen gegenüber auch verhält – bleiben Sie stets professionell. Ab jetzt arbeiten Sie genau genommen nicht mehr für Ihren Chef, sondern für Ihren Ruf. Und der hängt Ihnen noch länger an und nimmt Einfluss auf spätere Bewerbungschancen. Weitere Infos hierzu finden Sie in den unten verlinkten Dossiers.

  • Jobs suchen

    Haben Sie alle wichtige Details zum auslaufenden Arbeitsvertrag geklärt und es geht nur noch darum, die Kündigungsfrist abzuarbeiten, sollten Sie sich umgehend an die Jobsuche machen. Je schneller Sie damit beginnen, desto kürzer ist die Zeit zwischen den beiden Positionen und die Kündigung fällt vielleicht gar nicht auf.

  • Motivation beachten

    Bei einer erneuten Bewerbung werden Sie sich auch nach den Gründen der Kündigung gefragt – unabhängig davon, ob Sie oder Ihr Arbeitgeber gekündigt hat. Achten dabei möglichst auf eine sogenannte „Hin-Zu-Motivation„. Was das ist, erklärt Ihnen der folgende Video-Tipp:

Den Ratgeber dazu können Sie sich hier auch gerne kostenlos als PDF herunterladen.

[Bildnachweis: Brian A Jackson by Shutterstock.com]
13. August 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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