Welche Formen der Umschulung gibt es?
Geregelt ist die Umschulung in § 1 Abs. 5 Berufsbildungsgesetz (BBiG). Sie soll Arbeitnehmern ermöglichen, flexibel auf Veränderungen des Arbeitsmarktes zu reagieren. Finanziert werden die meisten Umschulungen in Deutschland von der Rentenversicherung oder vom Jobcenter der Arbeitsagentur. Der Prozess kann bis zu 2 Jahre dauern – je nach beruflicher Vorbildung des Arbeitnehmers. Unterschieden werden generell drei Formen der Umschulung:
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Schulische Umschulung
Hierbei findet die Fort- oder Weiterbildung ausschließlich in einer Berufsschule oder Berufsfachschule statt. Für Praxisnähe sorgen Praktika.
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Duale Umschulung (betrieblich)
Wie bei einer Ausbildung gibt es bei dieser Umschulungsform einen praktischen und einen theoretischen Teil: Der praktische Teil findet im Ausbildungsbetrieb statt, der theoretische in der Berufsschule. Vorteil: Umschüler beziehen hierbei ein festes Ausbildungsgehalt.
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Überbetriebliche Umschulung
Hierbei übernehmen private Bildungsträger den praktischen Unterricht, oft auch den theoretischen Teil der Berufsschule. Teilweise werden Praktika verlangt. Das ist zugleich die teuerste Form der Umschulung. Daher wird sie in der Regel von der Bundesagentur für Arbeit oder einem Leistungsträger bezahlt.
Möglich ist überdies eine Umschulung in Teilzeit. Bei der Teilzeit-Methode wird die wöchentliche Arbeitszeit um ein Viertel oder mehr gekürzt. Die Berufsschule besuchen Sie aber in Vollzeit. Gedacht ist das Modell für Eltern, die Berufswechsel und Kinderbetreuung vereinbaren müssen.
Was sind die häufigsten Gründe für eine Umschulung?
Eine beruflichen Neuorientierung und Umschulung verbessert oft die beruflichen Chancen. Zu den häufigsten Gründen gehören:
- Arbeitslosigkeit und schlechte Jobchancen im angestammten Beruf
- Krankheit oder gesundheitliche Einschränkungen
- Schwieriger Wiedereinstieg (z.B. nach längerer Auszeit oder Elternzeit)
- Generelle Unzufriedenheit im erlernten Beruf
Der Grund spielt für eine Umschulung jedoch meist keine Rolle. Er ist vorwiegend wichtig, wenn es um einen Quereinstieg und eine mögliche Förderung durch die Arbeitsagentur geht.
Wie lange dauert eine Umschulung?
Die Dauer einer Umschulung hängt natürlich vom neu gewählten Beruf, der Unterrichtsform und dem Bildungsträger ab. In Vollzeit dauert sie in der Regel 18-24 Monate und ist damit deutlich kürzer als eine reguläre Berufsausbildung. Einige Berufe – etwa im Pflege- oder technischen Bereich – können bis zu 36 Monate dauern. Teilzeit-Umschulungen verlängern die Gesamtdauer entsprechend. Hier unsere Übersicht:
Berufsgruppe |
⌀ Dauer (Vollzeit) |
| Kaufmännische Berufe | 18-24 Monate |
| IT-Berufe | 21-24 Monate |
| Pflege- und Sozialberufe | 24-36 Monate |
| Technische Berufe | 24-30 Monate |
| Medien-, Design- und Kreativberufe | 12-24 Monate |
| Lager, Logistik & Transport | 12-18 Monate |
Es gibt aber auch vom Jobcenter geförderte Fortbildungen – aktuell etwa im Bereich KI –, die nur 2-3 Monate dauern. Diese können hauptsächlich bei einem Jobwechsel mit 50+ Jahren interessant sein.
Lohnt sich eine Umschulung?
Eine Umschulung lohnt sich immer dann, wenn Sie damit Ihre beruflichen Perspektiven verbessern oder sich neu orientieren möchten. Besonders bei (längerer) Arbeitslosigkeit oder gesundheitlichen Einschränkungen kann die „zweite Karriere“ neue Chancen schaffen. Durch anerkannte neue Qualifizierungen steigen oft die Bewerbungschancen auf dem Arbeitsmarkt. Laut Studien der Bundesagentur für Arbeit (BA) sowie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind rund 70 % der Absolventen 6 Monat nach dem Abschluss wieder sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Nach einem Jahr liegt die Beschäftigungsquote sogar bei über 75 %. Die größte Hürde ist jedoch der Abschluss selbst: Bis zu 20 % der Teilnehmer brechen die Umschulung vorzeitig ab.
Was sind wichtige Umschulung-Voraussetzungen?
Einen gesetzlichen Anspruch auf eine Umschulung gibt es nicht. Es ist eine sogenannte Kann-Leistung der Arbeitsagentur: Das Jobcenter entscheidet stets im Einzelfall, ob es eine Umschulung fördert und bezahlt. Gute Voraussetzungen für eine Förderung sind indes:
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Berufsunfähigkeit
Können Sie aus gesundheitlichen Gründen Ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben, haben Sie gute Chancen auf eine bezahlte Umschulung.
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Branchenkrise
Hierzu zählen Berufe und Jobs in Branchen, die stark im Umbruch sind und deshalb zahlreiche Mitarbeiter entlassen. Aktuell z.B. die Automobilindustrie.
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Fachkräftemangel
Ebenfalls gute Aussichten auf eine Bewilligung hat, wer Sie in eine boomende Branche mit großer Nachfrage umschult. Also in Branchen mit großem Fachkräftemangel.
Wie läuft eine Umschulung ab?
Am Anfang einer Umschulung steht immer eine umfassende Beratung – idealerweise durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter, um Ihre Eignung festzustellen und die Finanzierung über einen Bildungsgutschein zu klären. Sobald die Kostenübernahme gesichert ist, wählen Sie einen zertifizierten Bildungsträger und entscheiden sich für eine der genannten Umschulungsformen. Wenn Sie bereits Vorkenntnisse mitbringen, ist die Ausbildungszeit im Vergleich zur regulären Lehre verkürzt. Während der Lernphase absolvieren Sie oft Praktika in echten Betrieben und werden während der gesamten Dauer finanziell unterstützt. Das Arbeitslosengeld wird entweder weitergezahlt und zusätzliche Kosten für Fahrtwege oder Lernmaterialien werden übernommen. Am Ende des Prozesses legen Sie Ihre Abschlussprüfung vor der zuständigen Kammer (IHK, HWK), ab und starten neu in den Arbeitsmarkt.
Umschulung: Welche Berufe sind gefragt?
Für die folgenden Berufe (sog. Mangelberufe) lassen sich aktuell die meisten Arbeitnehmer in Deutschland umschulen. Entweder, weil die Umschulungsberufe besonders beliebt sind oder aktuell auf dem Arbeitsmarkt stark nachgefragt werden. Dies kann sich allerdings von Jahr zu Jahr ändern:
- Pflegefachkraft
- Erzieher/in
- Ergotherapeuten
- Sozialarbeiter/in
- Fachlagerist/-in
- Verkäufer/-in
- Fachinformatiker/-in
- Speditionskaufmann/-frau
- Mechatroniker/-in
- Industriekaufmann/-frau
Nutzen Sie zusätzlich unsere kostenlosen Selbsttests zur Frage: Welcher Beruf bzw. welche Umschulung passt zu mir?
Finanzierung: Was kostet eine Umschulung?
Eine Umschulung kann teuer werden. Darum sollten Sie vorab unbedingt die Finanzierung durch Jobcenter, Rentenversicherung oder den künftigen Arbeitgeber klären. Der erste Weg für eine Umschulung sollte jedoch immer zur Arbeitsagentur beziehungsweise zum Jobcenter führen. Hier erhalten Sie wichtige Informationen und Angebote.

Zudem können Sie folgende Fördermittel für eine Umschulung beantragen:
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Lehrmittel
Neben den Lehrgangskosten können zusätzliche Kosten übernommen werden – zum Beispiel für erforderliche Lernmittel (Fachbücher, Software), Arbeitskleidung, Prüfungsstücke und die Prüfungsgebühren der Kammern (z.B. IHK oder HWK).
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Fahrtkosten
Sie können sich die Kosten für den täglichen Anfahrtsweg zwischen Ihrer Wohnung und der Ausbildungsstätte erstatten lassen (z.B. über Fahrkostenbeihilfe oder das ÖPNV-Ticket). Bei einer notwendigen auswärtigen Unterbringung übernimmt die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter zudem die Kosten für die Anreise sowie für monatliche Familienheimfahrten.
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Unterkunft und Verpflegung
Sollte die Ausbildungsstätte zu weit von Ihrem Wohnort entfernt sein, kann eine auswärtige Unterkunft finanziert werden. Für die Miete einer Unterkunft werden dabei Kosten bis zu einer Höhe von 425 € monatlich übernommen, zusätzlich gibt es eine Pauschale für die Verpflegung.
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Kinderbetreuung
Für Kinder unter 15 Jahren, die während Ihrer Umschulungszeit betreut werden müssen, wird ein Kinderbetreuungszuschlag von bis zu 160 € pro Monat und Kind gewährt. So müssen sich Umschulungsteilnehmer nicht zwischen dem Besuch der Maßnahme und der Betreuung ihrer Kinder aufreiben.
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Bonuszahlungen und Prämien
Während einer abschlussorientierten Umschulung erhalten Sie ein monatliches Weiterbildungsgeld in Höhe von 150 € (zusätzlich zu Arbeitslosengeld oder Grundsicherung). Darüber hinaus winkt eine staatliche Weiterbildungsprämie von bis zu 2.500 € (1.000 € für eine bestandene Zwischenprüfung und 1.500 € für die erfolgreiche Abschlussprüfung).
Tipps für eine erfolgreiche Umschulung
Sollten Sie Ihren Sachbearbeiter von der Förderung Ihrer Umschulungsmaßnahme überzeugen müssen, haben wir noch ein paar Tipps für die Vorbereitung und den Antrag. Wichtig: Lassen Sie sich eine Zusage unbedingt immer schriftlich geben! Die Finanzierung der Umschulung selbst geschieht über einen sogenannten Bildungsgutschein:
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Aktive Auswahl
Schon bei der Auswahl der passenden Umschulung sollten Sie zeigen, dass Sie sich hierbei engagieren. Arbeitsagentur oder Rentenversicherung geben zwar vor, welche Kurse besucht werden können. Besser ist es aber, wenn Sie selbst für Ihre Wunschmaßnahme Argumente und Fakten mitliefern.
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Umfangreiche Recherche
Erzeugen Sie gleich einen professionellen Eindruck, indem Sie die Chancen nach der Umschulung richtig einschätzen und belegen. Liefern Sie Zahlen: Wie sieht der Arbeitsmarkt hierfür aus? Welche Jobangebote gibt es in Ihrer Region? Informieren Sie sich darüber etwa in Online-Jobbörsen.
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Eigene Vorbereitung
Während der Umschulung werden fachliche Inhalte vermittelt. Gleichzeitig sollten Sie schon im Vorfeld damit beginnen, sich in das neue Berufsfeld einzulesen. Das erleichtert den Einstieg in den Kurs und sorgt für mehr Erfolg.
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Praxisträger suchen
Viele Umschulungen laufen dual ab. Umschulungsträger haben sogenannte Praxispartner, bei denen der praktische Teil abläuft. Teils können Sie sich diese selbst aussuchen. Wer sich um passende Unternehmen kümmert, erhöht zugleich die späteren Jobchancen.
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Frühzeitig bewerben
Bei vielen Umschulungsträgern ist es üblich, dass ganze Jahrgänge zeitgleich mit der Jobsuche beginnen. Starten Sie daher frühzeitig mit der Suche und Bewerbung und verschicken Sie Ihre Bewerbungen, bevor es alle anderen tun.
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Bewerbungen dokumentieren
Schon im eigenen Interesse sollten Sie alle Ihre Bewerbungen dokumentieren. Dafür empfiehlt sich ein Bewerbertagebuch. Das wird häufig im Rahmen der Umschulung oder vom Jobcenter verlangt.
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Praxisphasen nutzen
Knüpfen Sie in den Praxisphasen der Umschulung unbedingt Kontakte und fragen Sie nach der Möglichkeit, übernommen zu werden. Das funktioniert jedoch nur, wenn Sie mit guten Leistungen und einem hervorragenden Gesamteindruck punkten!
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