Umschulung: Voraussetzung, Formen, Finanzierung, Tipps

Die Umschulung ist das Tor zu einer neuen Karriere. Sei es eine berufliche Neuorientierung, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen – oder der Quereinstieg und Neustart in einen anderen als den erlernten Beruf, eine andere Branche: Dank einer staatlich geförderten Umschulung oder privat bezahlten Aus- und Weiterbildung kann der Karriereschritt gelingen. Allerdings ist der an einige Voraussetzungen gebunden. Erfahren Sie hier, was Sie bei einer Umschulung beachten müssen, wie die Finanzierung funktioniert, welche Berufe gefördert werden und wie Sie eine zweite Karriere starten können…

Umschulung: Voraussetzung, Formen, Finanzierung, Tipps

Umschulung Definition: Zweite Chance auf zweite Karriere

Umschulung Definition Voraussetzung JobcenterDie Umschulung ist EIN Weg zur beruflichen Neuorientierung. Das Ziel der Umschulung ist in der Regel eine Karriereveränderung oder ein Berufswechsel. Statistisch lassen sich in Deutschland jedes Jahr rund 50.000 Menschen umschulen.

Die Methoden beziehungsweise Wege dazu:

Eine solche Umschulungsmaßmahme kann rein schulisch oder dual (betrieblich oder überbetrieblich) durchgeführt werden. Bei der dualen Umschulung findet der praktische Teil der Ausbildung in einem Betrieb statt, der theoretischen Teil in der Berufsschule oder Berufsfachschule. Ergänzend müssen meist noch Praktika absolviert werden.

Anders als bei einer üblichen Fort- oder Weiterbildung geht es bei der Umschulung aber nicht darum, seine Qualifikationen und Kompetenzen zu erweitern oder für den erlernten Beruf notwendige Fähigkeiten dazu zu lernen, sondern die Grundlage für eine ganz neue Tätigkeit zu schaffen, die mit dem bisherigen Job in keinem Zusammenhang stehen muss. Also den Beruf komplett zu wechseln.

Geregelt ist die Umschulung in §1, Absatz 5 des im Berufsbildungsgesetzes. Mit ihr soll erreicht werden, dass Arbeitnehmer flexibel auf die Veränderungen des Arbeitsmarktes reagieren können. Die meisten Umschulungen in Deutschland werden von Rentenversicherung, Jobcenter oder Arbeitsagentur gefördert und finanziert. Dieser Prozess dauert bis zu zwei Jahre – je nach beruflichen Vorbildung des Arbeitnehmers.

Die häufigsten Gründe für eine Umschulung

Nach fünf, zehn oder vielleicht sogar 20 Jahren in einem Job beruflich noch einmal ganz von vorne anfangen? Das ist – zugegeben – kein leichter Schritt. Schließlich verliert man durch einen Berufswechsel zahlreiche Vorteile: die langjährige Berufserfahrung, Kontakte in der Branche, ein erarbeitetes Gehalt und nicht zuletzt den Pluspunkt der Jugend. Denn nicht jeder Arbeitgeber ist aufgeschlossen, wenn es darum geht, Quereinsteiger über 40 einzustellen.

Dennoch kann die Umschulung für bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt sorgen und einem im besten Fall ermöglichen, noch einmal richtig durchzustarten.

Gründe für einen solch radikalen Jobwechsel mit 30, 40 oder 50 Jahren gibt es einige. Zu den häufigsten gehören:

  • Jobfrust: Manch einer erkennt, dass er oder sie im erlernten Beruf partout nicht glücklich wird. Wer sich dann die kommenden Jahre oder gar Jahrzehnte nicht Tag für Tag acht Stunden lang quälen will, sucht mittels Umschulung einen Ausstieg und Neuanfang.
  • Arbeitslosigkeit: Die Arbeitswelt steht im stetigen Wandel. So mancher Beruf verschwindet dabei auch – oder wird kaum noch nachgefragt. Kurz: Es gibt keine offenen Stellen für Sie. Denken Sie nur an die Automobilindustrie: Mit dem E-Auto verschwindet bald das Getriebe. Schaltung? Braucht kein E-Motor! Entsprechend suchen die Autokonzerne künftig mehr Elektroingenieure, aber immer weniger Getriebebauer. Wer also der drohenden oder einer bestehenden Arbeitslosigkeit entgehen will, muss umschulen.
  • Gesundheit: Auslöser kann ein Arbeitsunfall sein. Aber auch eine Krankheit sowie generelle physische Einschränkungen (zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall). So oder so: Man kann den angestammten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. Wenn aber weder die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt, noch die Rente oder der Vorruhestand erreicht sind, hilft nur eine Umschulung, um weiterhin ein Gehalt beziehungsweise Einkommen zu erzielen.
  • Abwesenheit: Vor allem Frauen sind davon betroffen, weil sie nach wie vor mehrheitlich in eine bis zu dreijährige Elternzeit gehen. Längere Abwesenheit im gelernten Beruf (wegen Kindererziehung) kann ebenfalls dazu führen, dass man in seinen alten Beruf nicht mehr zurückfindet. Oder der Wiedereinstieg durch veraltetes Fachwissen erschwert ist. Andere wollen auch einfach nicht mehr zurück (siehe erster Grund).

Für die Umschulung selbst haben diese persönlichen Gründe allerdings keine Bedeutung. Sie sind allenfalls ein wichtiger Faktor, wenn es um die Finanzierung der Umschulung geht.

Formen der Umschulung: Schulisch, dual, überbetrieblich

Wie in der Definition schon angeklungen, gibt es verschiedene Formen der Umschulung. Die können – je nach Vorkenntnissen oder Berufsbild – zwischen neun Monate und zwei Jahre dauern. Zu den meistbesuchten Umschuldungsformen gehören:

  • Schulische Umschulung: Bei dieser Umschulungsmaßnahme findet die Fort- oder Weiterbildung ausschließlich in einer Berufsschule oder Berufsfachschule statt. Damit das nicht nur theoretisch bleibt, müssen aber meist noch Praktika ergänzend absolviert werden. Diese Form der Umschuldung ist mittelmäßig teuer, da hier manchmal Schulgeld zu zahlen ist.
  • Duale Umschulung (betrieblich): Wie bei einer klassischen Ausbildung gibt es bei dieser Umschulungsform einen praktischen und einen theoretischen Teil. Der praktische findet im Ausbildungsbetrieb statt, der theoretische in der Berufsschule. Der große Vorteil hierbei: Umschüler der dualen Umschulung beziehen ein fest geregeltes Ausbildungsgehalt.
  • Überbetriebliche Umschulung: Hierbei übernehmen private Bildungsträger den praktischen Unterricht (der sonst im Betrieb stattfinden würde), oft auch den theoretischen Teil der Berufsschule. Teilweise werden zusätzlich Praktika verlangt. Es ist zugleich die teuerste Form der Umschulung. Daher wird sie in der Regel von der Bundesagentur für Arbeit oder einem anderen Leistungsträger bezahlt.

Lohnt sich eine Umschulung überhaupt?

Kurze Antwort: Ja. Laut einer IAB-Analyse verbessert eine Umschulung die langfristigen Perspektiven einer zweiten Karriere deutlich, in bestimmten Berufsbildern sogar enorm.

Das das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) beobachtete hierfür Arbeitslose über einen Zeitraum von vier Jahren, die an einer Umschulung teilgenommen hatten und verglich ihren Werdegang mit dem vergleichbarer Arbeitsloser, die sich nicht umschulen ließen. Resultat…

  • Arbeitslose, die an einer Umschulung in einem anerkannten Ausbildungsberuf teilnehmen, erhöhen ihre mittel- bis langfristigen Chancen auf eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung deutlich. Die ersten positiven Effekte gab es 20 Monate nach Beginn der Umschulung, nach 28 bis 32 Monaten stieg der Effekt sogar noch deutlicher.
  • Frauen, die zuvor in der Grundsicherung (Hartz IV) waren, hatten vier Jahre nach Start der Umschulung eine um 19 Prozent höhere Beschäftigungsquote als vergleichbare Frauen, die an keiner Umschulung teilgenommen hatten. Bei Männern betrug der Effekt zwölf Prozent.
  • Der Effekt war bei Arbeitslosen, die Arbeitslosengeld I bezogen, sogar noch größer. Hier haben Frauen vier Jahre nach Beginn der Umschulung eine um rund 20 Prozent höhere Beschäftigungsquote als Frauen ohne Umschulung. Bei Männern fiel der Effekt mit zwölf Prozent gleich aus.

Natürlich fällt dieser sogenannte Teilnahmeeffekt nicht in allen Berufen und Branchen gleich aus. Es gibt da durchaus Unterschiede – und damit Berufe, in denen sich eine Umschulung besonders lohnt (siehe Listen unten, Teilnahmeeffekt in Klammern):

(Die Teilnahmeeffekte beziehen sich auf Arbeitslose, die zuvor Hartz IV bezogen haben. Für Personen mit vorherigem Arbeitslosengeldbezug sind die Quoten aber ähnlich.)

Männer: In diesen Berufen lohnt sich eine Umschulung
  • Gesundheitsberufe: 24 Prozent
  • Verkehrsberufe: 20 Prozent
  • Metallerzeugung/-verarbeitung: 16 Prozent
  • Industrie-/Werkzeugmechaniker: 15 Prozent
  • Elektroberufe: 15 Prozent
  • Personenschutz-/Wachberufe: 13 Prozent
  • Metall-/Anlagenbauer/Installateure: 13 Prozent
  • IT-Kernberufe: 12 Prozent
  • Groß- und Einzelhandelskaufleute: 9 Prozent
  • Bauberufe: 9 Prozent
  • Lager-/Transportarbeiter: 8 Prozent
  • Kaufmännische Büroberufe: 3 Prozent
  • Köche: 3 Prozent
Frauen: In diesen Berufen lohnt sich eine Umschulung
  • Gesundheitsberufe: 30 Prozent
  • Kaufmännische Büroberufe: 14 Prozent
  • Verkaufsberufe: 13 Prozent
  • Berufe in der Körperpflege: 5 Prozent
[Quelle: IAB-Kurzbericht]

Die 10 häufigsten Umschulungsberufe

Für diese Berufe ließen sich im vergangenen Jahr die meisten Deutschen umschulen. Oft, weil für diese beliebten Umschulungsberufe und späteren Fachkräfte aktuell die größte Nachfrage existiert und eine Umschulung entsprechend gefördert wird. Dies kann sich natürlich von Jahr zu Jahr ändern.

  1. Altenpfleger/-in
    Mehr über das Berufsprofil
  2. Bürokaufmann/-frau (Sekretär(in))
    Mehr über das Berufsprofil
  3. Fachlagerist/-in
    Mehr über das Berufsprofil
  4. Altenpflegehelfer/-in
    Mehr über das Berufsprofil
  5. Steuerfachangestelle(r)
    Mehr über das Berufsprofil
  6. Verkäufer/-in
    Mehr über das Berufsprofil
  7. Fachinformatiker/-in
    Mehr über das Berufsprofil
  8. Speditionskaufmann/-frau
    Mehr über das Berufsprofil
  9. Mechatroniker/-in
    Mehr über das Berufsprofil
  10. Industriekaufmann/-frau
    Mehr über das Berufsprofil

Umschulung Voraussetzung: Jobwechsel unter diesen Bedingungen

Um durch eine Umschulung in einen neuen Beruf wechseln zu können, muss der Antragsteller folgende persönlichen Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie sind mindestens 18 Jahre alt und verfügend über ausreichende Deutschkenntnisse.
  • Sie haben eine Berufsausbildung zumindest angefangen oder abgeschlossen. Anderenfalls wäre es keine Umschulung, sondern eine Erstausbildung.

Es reicht aber nicht, einfach nur keine Lust mehr auf seinen bisherigen Beruf zu haben. Die Arbeitsagentur und erst recht das Jobcenter verstehen sich weniger als Institutionen zur Karriereförderung, sondern versuchen mit unterschiedlichen Mitteln, eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden.

Aus Sicht dieser Behörden ist eine Umschulung daher auch nicht das erste Mittel der Wahl, denn sie ist vergleichsweise lang und teuer. Niemand weiß, wie sich der Arbeitsmarkt innerhalb von zwei Jahren verändern wird. Daher wird bei einem Antragsteller zunächst geprüft, ob nicht eine Vermittlung in einen Job oder eine einfache Weiterbildung schon den gewünschten Effekt bringt.

Auch handelt es sich bei Umschulungen um eine sogenannte Kann-Leistung. Das heißt: Der Sachbearbeiter des Arbeitsamtes oder des Jobcenters entscheidet im Einzelfall, ob er eine Umschulung fördert und bezahlt. Ein Recht darauf gibt es nicht. Weder Jobcenter noch Arbeitsagentur sind zur Finanzierung verpflichtet.

Daher sind auch keine Pauschalaussagen darüber möglich, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um in jedem Fall eine Umschulung machen zu können.

Folgende Voraussetzungen können eine Umschulung aber ermöglichen beziehungsweise machen die Förderung wahrscheinlicher:

  • Sie können nicht mehr in Ihrem erlernten Beruf arbeiten.

    Gesundheitliche Gründe sind hier ausschlaggebend. Dazu zählt zum Beispiel körperlich schwere Arbeit, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr bewältigt werden kann. Arbeitnehmer mit einer Berufskrankheit haben gute Aussichten auf eine Umschulung. Ebenfalls als gesundheitlicher Grund denkbar sind psychische Probleme.

  • Die Zukunftsaussichten sind schlecht.

    Hierzu zählen vor allem Berufsbilder und Jobs in Industrien und Branchen, die stark im Umbruch stehen. Manche werden aufgrund günstigerer Löhne ins Ausland verlagert, andere fallen wegen technischer Entwicklungen ganz weg. Dieses Argument wirkt umso stärker, wenn der Antragsteller deshalb in Kürze arbeitslos wird oder bereits längere Zeit ohne Arbeit ist.

  • Die Zukunftsaussichten im neuen Beruf sind gut.

    Ebenfalls gute Aussichten auf Bewilligung einer Umschulung haben jene, die sich in eine vitale bis boomende Branche orientieren. Oder einen Beruf wählen, der unter starkem Fachkräftemangel leidet. So fördern Arbeitsagenturen und Jobcenter zurzeit besonders gerne Arbeitnehmer, die eine Umschulung für den Gesundheits- und Pflegebereich anstreben. Akuter Fachkräftemangel ist aber nur ein Indiz. Ein anderes ist die Aussicht darauf, dass dieser Job in naher Zukunft nicht von Maschinen übernommen werden kann.

Umschulung in Teilzeit: Geht das?

Umschulung in Teilzeit: Geht das?Grundsätzlich: Ja. Eine Umschulung ist Teilzeit ist möglich. Bei dieser sogenannten Teilzeit-Methode wird die wöchentliche Arbeitszeit um ein Viertel oder mehr gekürzt. Die Berufsschule besuchen Sie dafür in Vollzeit. Gedacht ist das Modell vor allem für Eltern, die Berufswechsel und Kinderbetreuung unter einen Hut bekommen müssen.

Eine weitere Alternative ist Fernunterricht oder gar ein Fernstudium (eine Liste mit seriösen Anbietern finden Sie HIER). Der Nachteil: Nicht jede Umschulungsmaßnahme lässt sich per Fernlernen absolvieren. Zudem dauert ein solches Fernstudium häufig länger als zwei Jahre und muss teils auch privat finanziert werden.

Umschulung Finanzierung: Wer trägt welche Kosten?

Ganz allgemein gilt: Zuständig ist die Agentur oder Institution, deren Leistungen Sie beziehen.

Umschulung Finanzierung Kosten Uebersicht Grafik

Wer mindestens zwei Jahre sozialversicherungspflichtig beschäftigt war und nun seinen Job verliert oder wegen Berufsunfähigkeit arbeitslos ist, wird in der Regel ALG I beziehen – und fällt damit in die Zuständigkeit der Agentur für Arbeit. Geförderte Programme finden Sie beispielsweise auf der Seite Kursnet der Agentur für Arbeit.

Langzeitarbeitslose, aber auch Arbeitnehmer, deren letzte Einkünfte so niedrig waren, dass sie mit ALG II aufstocken müssen, fallen in den Zuständigkeitsbereich des Jobcenters.

Die jeweiligen Sachbearbeiter sind dann auch Ihre Ansprechpartner. Heißt: Der erste Weg für eine Umschulung sollte immer zur Arbeitsagentur beziehungsweise zum Jobcenter führen. Hier erhalten sich wichtige Informationen, Angebote und die Antwort auf die vielleicht wichtigste Frage:

Wer trägt die Kosten und kümmert sich um die Finanzierung der Umschulung?

Findet die Umschulung in einem Betrieb statt, gibt es ein Ausbildungsgehalt, das zumindest einen Teil der anfallenden Kosten decken kann. Schwieriger wird es bei schulischen Umschulungen, wenn es keinen Verdienst gibt.

Um eine Umschulung genehmigt und finanziert zu bekommen, müssen Sie Ihren Sachbearbeiter davon überzeugen, dass Sie die Voraussetzungen für eine Förderung erfüllen. In diesem Fall erhalten Sie einen sogenannten Bildungsgutschein (BGS). Der jeweils zuständige Leistungsträger kümmert sich dann um die Kosten.

Weitere Fördermöglichkeiten und Optionen zur Finanzierung
  • Wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr im erlernten Beruf arbeiten können, ist eine Umschulung ebenso denkbar. Dann wird sich jedoch auch die Krankenkasse oder Rentenversicherung einschalten. Das kann im Einzelfall dazu führen, dass sich beide Kostenträger um die Zuständigkeit streiten. Eine solche Situation können Sie nur lösen, indem Sie sich aktiv in den Prozess einbringen, alle nötigen Unterlagen schnellst möglich vorlegen und – wichtig (!) – jegliche Korrespondenz schriftlich dokumentieren.
  • Wer bislang nur ein geringes Einkommen bezogen hat, kann unter Umständen auch mit einer sogenannten Bildungsprämie gefördert werden. Diese wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vergeben.
  • Überdies können Lehrgangsteilnehmer oder Besucher einer Fachschule prüfen, ob sie Anspruch auf das sogenannte Aufstiegs-BAföG haben. Dies wird gezielt für Fortbildungen vergeben.
  • Wer wiederum erfolgreich eine Umschulung absolviert und in einen neuen Beruf gefunden hat, kann nachträglich eine Weiterbildungsprämie beantragen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Umschulung zuvor mit dem Bildungsgutschein gefördert wurde.

Überdies können Sie folgende Fördermittel für eine Umschulung beantragen:

  • Finanzierung der Lehrmittel

    Neben den eigentlichen Lehrgangskosten können auch zusätzlich anfallende Kosten übernommen werden – zum Beispiel für erforderliche Lernmittel, Arbeitskleidung, Prüfungsstücke und Prüfungsgebühren.

  • Finanzierung der Fahrtkosten

    Sie haben ein Recht darauf, dass Ihnen die Fahrtkosten erstattet werden. Damit ist der tägliche Anfahrtsweg zwischen Wohnung und Ausbildungsstätte gemeint. Im Falle eines vorübergehenden Wohnortwechsels (wenn die Ausbildungsstätte nicht in der Nähe liegt) übernimmt die Arbeitsagentur beziehungsweise das Jobcenter eine einmalige Anfahrt zur Ausbildungsstätte und einmal pro Monat eine Fahrt in den bisherigen Heimatort. Bis zu 470 Euro monatliche Kosten werden für solche Pendelfahrten übernommen.

  • Finanzierung von Unterkunft und Verpflegung

    Ebenfalls können sich Umschüler eine auswärtige Unterkunft finanzieren lassen, falls die Ausbildungsstätte zu weit entfernt ist. In diesem Fall werden bis zu 340 Euro für Miete und weitere 136 Euro für Verpflegung gewährt.

  • Finanzierung der Kinderbetreuung

    Für Kinder unter 15 Jahren werden außerdem die Betreuungskosten von bis zu 130 Euro pro Kind monatlich übernommen. So müssen sich Umschulungsteilnehmer nicht sich zwischen Besuch der Maßnahme und Betreuung der Kinder aufreiben.

Umschulung: Tipps für die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter

Umschulung: Zusammenarbeit mit dem JobcenterBereits der Begriff Jobcenter sorgt bei manchen für ungute Gefühle. Vielleicht weil Sie selbst schon schlechte Erfahrungen gemacht haben, oder Bekannte oder weil die Medien immer wieder von Extremfällen berichten. Die gibt es, keine Frage. Sie sind aber auch die Ausnahmen und nicht die Regel. Gerade bei Umschulungen lassen sich solche Beispiele nicht verallgemeinern, da jede Situation zu individuell ist.

Gehen Sie daher bitte stets offen und unvoreingenommen in ein Gespräch mit der Arbeitsagentur und dem Jobcenter. Suchen Sie gezielt nach Unterstützung und gemeinsamen Lösungen, statt von Anfang an davon auszugehen, dass man Ihnen Steine in den Weg legen wird. Freundlichkeit öffnet Türen, Skepsis und Anspruchsdenken nicht.

Idealerweise haben Sie sich schon im Vorfeld Gedanken gemacht und etwas recherchiert, sodass Sie Ihrem Sachbearbeiter verschiedene Optionen vorschlagen können. Beachten Sie dabei: Der Beruf, in den Sie umschulen wollen, muss realistische Jobchancen bieten. Bitte nicht vom Regen in die Traufe wechseln! Es geht darum, Arbeitslosigkeit zu beenden oder diese zu verhindern.

Und ganz wichtig: Stellen Sie Ihren Sachbearbeiter niemals vor vollendete Tatsachen! Erstens können Sie die Entscheidungen gar nicht treffen. Zweitens kann er oder sie sich übergangen fühlen und ungehalten reagieren. Ihre Chancen auf eine Umschulung reduzieren sich dann drastisch.

Berufswechsel: Tipps für den Erfolg einer Umschulung

Sollten Sie Ihren Sachbearbeiter überzeugen können, müssen Sie die Förderung beantragen. Wichtig: Lassen Sie sich die Zusage unbedingt schriftlich geben! Mündliche Absprachen sind im Streitfall – selbst mit einem anwesenden Zeugen – nicht viel wert.

Die Finanzierung der Umschulung geschieht dann über den schon erwähnten Bildungsgutschein. Dieser deckt Ausbildungs- und Fahrtkosten ebenso ab wie die Unterbringung und Verpflegung bei Übernachtungen im Rahmen der Umschulung.

Der Umfang der Finanzierung und Förderung kann jedoch im Einzelfall variieren.

Lassen Sie sich daher alle Details schriftlich bestätigen und dokumentieren Sie jede getroffene Absprache. Das mag kleinlich klingen. Im Zweifel aber gelten nur die Aussagen und Absprachen, die Sie später belegen können. Sollte es zu Problemen kommen, sind Sie nur so auf der sicheren Seite.

Um Ihnen Vorbereitung, Antrag und den Prozess der Förderung zu erleichtern, haben wir hier noch die wichtigsten Tipps zusammengestellt:

  • Aktive Auswahl

    Bereits bei der Auswahl der passenden Umschulung zeigt sich, ob Arbeitnehmer sich selbst engagieren oder nicht. Träger wie die Arbeitsagentur oder die Rentenversicherung geben zwar meist vor, welche Kurse besucht werden sollen. Wenn sich der angehende Umschüler aber selbst für einen realistischen Beruf stark macht, lässt sich die Wahl oft beeinflussen. So können Sie die Umschulung auch wirklich als gezielten Schritt gestalten und müssen sich nicht mit etwas anderem abfinden.

  • Umfangreiche Recherche

    Um informiert und kompetent beim Kostenträger auftreten zu können, ist eine umfangreiche Recherche unverzichtbar. Wo bestehen realistische Chancen nach einer Umschulung? Für welche dieser Bereiche können Sie sich begeistern? Wie sieht der Arbeitsmarkt dafür aus? Wie viele Jobangebote gibt es dazu in Ihrer Region? Informieren Sie sich dazu ruhig auch in Online-Jobbörsen wie Karrieresprung.de.

  • Eigene Stärken

    Ihre Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Umschulung sollten Sie auf Grundlage Ihrer Stärken und Fähigkeiten treffen. Im besten Fall werden Sie durch das Jobcenter oder andere Kostenträger in dieser Wahl unterstützt. Leider findet eine Berücksichtigung der individuellen Stärken aber nicht immer automatisch statt. Ein Berufswahltest kann hierbei helfen.

  • Passender Träger

    Beim Träger und der Umschulung selbst sind die Wahlmöglichkeiten oft eingeschränkt. In der Regel wird Ihnen der nächstmögliche Kurs zugewiesen. Dennoch schadet es nicht, sich über die verschiedenen Träger vorher zu informieren und sich – wenn möglich – für ein Institut Ihrer Wahl einzusetzen.

  • Eigene Vorbereitung

    Natürlich werden in der Umschulung alle notwendigen fachlichen Inhalte vermittelt. Dennoch sollten Sie ebenfalls im Vorfeld damit beginnen, sich in das neue Berufsfeld einzulesen. So erleichtern Sie sich den Einstieg in den Kurs. Zudem hat Eigeninitiative noch nie geschadet. Das tut sie auch bei einer Umschulung nicht, um beispielsweise einen guten Eindruck zu hinterlassen.

  • Praxisträger suchen

    Viele Umschulungen laufen dual ab. Das bedeutet: Es gibt einen theoretischen Teil, dem ein Praktikum folgt. Viele Umschulungsträger haben zwar Praxispartner. Wenn Sie sich aber selbst passende Unternehmen suchen, können Sie gleich Erfahrungen bei potenziellen Arbeitgebern sammeln.

  • Aktive Netzwerkarbeit

    Die Umschulung muss sich nicht nur auf die Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten beschränken. Sie ist auch eine gute Gelegenheit, um Ihr berufliches Netzwerk zu erweitern und mit wichtigen Persönlichkeiten in Kontakt zu kommen. Knüpfen Sie deshalb auch während der Umschulung schon aktiv neue Kontakte und erweitern Sie Ihr Netzwerk. Konzentrieren Sie sich hier vor allem auf die Dozenten – falls diese gute Kontakte zu Unternehmen haben – und auf Ihre Praxisphasen.

  • Frühzeitig bewerben

    Bei vielen Umschulungsträgern ist es üblich, dass ganze Kurse und Jahrgänge mehr oder weniger zeitgleich mit der Jobsuche beginnen. Das schmälert natürlich die Chancen des Einzelnen, wenn sich alle Teilnehmer parallel bewerben. Beginnen Sie lieber frühzeitig mit Ihrer Jobsuche und verschicken Sie die ersten Bewerbungen, bevor alle anderen damit beginnen. So können Sie sich einen kleinen zeitlichen Vorteil verschaffen und werden vielleicht schon zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

  • Potenzial nutzen

    Viele Umschüler konzentrieren sich bei Ihrer Jobsuche allein auf die neue Branche. Das ist zwar sinnvoll. Sie sollten aber auch Verbindungen in Ihrer alten Branche nutzen. Oft gibt es dort Kontakte, die ebenfalls Türen in der neuen Branche öffnen oder wichtige Kontakte zu anderen Unternehmen herstellen können.

  • Bewerbungen dokumentieren

    Schon im eigenen Interesse sollten Sie alle Ihre Bewerbungsaktivitäten dokumentieren. Dafür empfiehlt sich ein Bewerbertagebuch, in dem Sie genau festhalten, wann, wie oft und wo Sie sich beworben haben. Dies wird häufig im Rahmen der Umschulung verlangt. Doch profitieren Sie auch selbst davon, wenn Sie den Überblick behalten und aus Absagen lernen können.

  • Praxisphasen nutzen

    Knüpfen Sie, wenn es um die Bewerbung geht, unbedingt auch an die Praxisphasen der Umschulung an. Vielleicht gibt es die Möglichkeit, übernommen zu werden. Das funktioniert natürlich nur, wenn Sie dort mit guten Leistungen und einem hervorragenden Gesamteindruck in Erinnerung geblieben sind.

Natürlich müssen auch wir einräumen: Selbst die beste Umschulung mit hervorragenden Ergebnissen ist keine Garantie für einen erfolgreichen Arbeitsplatz. Schon gar nicht unmittelbar im Anschluss an die Umschulung. Das ist ein echter Glücksfall. Aber selten.

Lassen Sie sich davon trotzdem nicht entmutigen. Arbeiten Sie weiterhin mit dem Jobcenter oder einem anderen Träger zusammen. Schreiben Sie weiterhin Bewerbungen und optimieren Sie Ihre Bewerbungsstrategie.

Auch wenn es nicht auf Anhieb klappt, erhalten Sie von Ihrem Sachbearbeiter immer wieder neue Stellenangebote, auf die Sie sich bewerben können. Selbst wenn Sie beim Unternehmen nicht übernommen werden, erfahren Sie vielleicht von anderen Positionen, die besetzt werden und können sich bewerben.

Bewerbungstipps für Umsteiger und Neueinsteiger

Bewerbungstipps für Umsteiger und NeueinsteigerNicht jedem fällt es leicht, nach langer Zeit wieder eine Bewerbung zu schreiben – und darin vielleicht noch die Umschulung überzeugend zu begründen… Kein Problem: Auf Karrierebibel.de finden Sie umfassende Ratgeber und Bewerbungstipps sowie kostenlose Vorlagen und Muster zu Anschreiben, Lebenslauf und Bewerbungsmappe:

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: goodluz by Shutterstock.com]
21. August 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!