Bewerbertagebuch: Jobchancen verbessern

Egal, ob Berufseinsteiger, Fachkraft oder Branchenwechsler – eines haben alle Bewerber gemein: Die Jobsuche kann mitunter einige Wochen, manchmal sogar Monate dauern. Und lange, bange Wartezeiten können die Geduld, Nerven und Motivation der Bewerber mächtig belasten. Ein Bewerbertagebuch sorgt für die nötige Entlastung, denn es hilft dabei, die Anstrengungen zu dokumentieren, systematisch zu analysieren und die Jobsuche wie die Bewerbung gegebenenfalls zu optimieren. So funktioniert es…

Bewerbertagebuch: Jobchancen verbessern

Bewerbertagebuch: Dokumentation mit System

Wer bei dem Begriff Bewerbertagebuch spontan an die Tagebücher aus Kinderzeiten denkt, liegt allerdings falsch. Die Aufzeichnungen in einem Bewerbertagebuch sind keine willkürlichen Tageserinnerungen oder Zusammenstellungen von Eindrücken. Vielmehr handelt es sich dabei um ein Werkzeug, zur systematischen Dokumentation der Jobsuche.

Entsprechend sollte das Bewerbertagebuch immer folgende Informationen enthalten:

  • Anzahl und Art der verfassten Bewerbungen
  • Angeschriebene Unternehmen und beworbene Stellen
  • Daten zur Nachfrage und genannte Wartezeiten
  • Feedback und Fortschritt

Mit diesen Daten decken Sie nicht nur die wichtigsten Eckpunkte der Jobsuche ab, Sie können so auch den Verlauf dokumentieren und sich Ihre Fortschritte bewusst machen. Das erhält die Motivation.

Denn leider führt eben nicht jede Bewerbung automatisch zum Erfolg. Eine Bewerbungsabsage ist immer ärgerlich und frustrierend, insbesondere bisher alles recht vielversprechend lief. Aber man kann das auch sportlich sehen (und bitte nie persönlich nehmen!) und das Beste daraus machen – und zwar nicht impulsiv, sondern systematisch-analytisch.

So nutzen Sie dann mithilfe des Bewerbungstagebuchs die Chance, herauszufinden, woran Ihre Bewerbungen bisher gescheitert sind. Notieren Sie das eventuelle Feedback der Personaler oder bei welchen Fragen im Vorstellungsgespräch sie gepatzt haben. Und tragen Sie auch ein, ob das Unternehmen etwa signalisiert hat, dass Sie sich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal bewerben können oder ob es aus diesem Grund Ihre Unterlagen behalten hat.

Bewerbungstagebuch: 2 Gratis-Muster und Vorlagen

Natürlich können Sie sich auch eine ganz eigene Form eines Bewerbertagebuchs zusammenstellen. Als Anregung und Vorlage haben wir Ihnen hier exemplarisch zwei Varianten als PDF zur Verfügung gestellt. Die beiden Dokumente können Sie natürlich kostenlos herunterladen, ausdrucken und nutzen:

Das Ganze könnte dann zum Beispiel so aussehen:

Bewerbertagebuch

Bewerbertagebuch: Wie oft soll ich darin schreiben

Das Werkzeug heißt zwar „Tagebuch“, das ist aber nicht wörtlich zu verstehen. Sie müssen dort also keine täglichen Besinnungsaufsätze formulieren, wenn es dort nichts zu notieren gibt. Allerdings ist es eben auch so, dass Sie in der Regel die Jobsuche und Bewerbungsphase wie ein Projekt behandeln und managen sollten. Also durchaus mehrmals in der Woche Zeit dafür investieren, um…

Entsprechend sollten Sie alle zwei Tage dort etwas notieren können – beispielsweise am Montag, Mittwoch und Freitag einer Wochen. Für das Bewerbertagebuch reservieren Sie sich dann abends 20 bis 30 Minuten Zeit, um es zu führen.

Sie finden oben zwar zwei Gratis-Muster als Druckvorlagen. Sie können aber auch ein digitales Bewerbertagebuch führen. Das hat – Dank der Suchfunktion – den Vorteil, später gezielt Einträge zu sortieren und Ergebnisse und Korrelationen noch schneller zu erkennen.

Entscheidend ist lediglich, dass Sie das Bewerbertagebuch regelmäßig nutzen, die Einträge zur Gewohnheit machen und es fest in Ihren Bewerbungsprozess integrieren. Sonst verpufft die Wirkung.

Bewerbungsabsage: Wie Sie diese souverän nutzen

Auch die folgenden Tipps können Ihnen dabei helfen, den Kopf frei zu kriegen und Ihre künftigen Bewerbungschancen zu verbessern:

  1. Erlauben Sie sich zu trauern.

    Nehmen sie sich ruhig die Zeit, Trübsal zu blasen. Wenn es hilft, können Sie schreien, heulen oder fluchen – aber nicht länger als 24 Stunden. Und nehmen Sie die Absage bloß nicht persönlich. Nie! Kein Personalchef versucht Ihnen persönlich zu schaden. Wenn Sie eine Absage erhalten, passen Sie einfach nicht in das Auswahlraster des Unternehmens.

  2. Bitten Sie um Feedback.

    Der Versuch ist nicht verboten. Finden Sie selbst keinen Grund für die Absage, ist es durchaus legitim, beim Unternehmen nachzuhaken (siehe Kasten oben). Fragen Sie aber am besten telefonisch nach, so steigen die Chancen, wenigstens etwas zu erfahren. Denn der Personaler muss Ihnen dazu nichts schriftliches dokumentieren. Dafür brauchen Sie allerdings Mut – und müssen damit rechnen, keine ehrliche Antwort zu bekommen. Trotzdem lassen sich manchmal zwischen den Zeilen eine Antwort oder ein paar Hinweise finden.

  3. Prüfen Sie, wo Ihre Fehler lagen.

    Ihr Ziel ist es, aus dieser Erfahrung zu lernen. Auch wenn es kein Feedback gibt: Gehen Sie noch einmal Ihre Bewerbungsunterlagen durch und überlegen Sie, was Sie hätten besser machen können. Gibt Ihr Anschreiben Ihre Motivation überzeugend wieder? Ist Ihr Lebenslauf lückenlos, und entspricht er den formalen Kriterien? Sehen Sie die Absage als Möglichkeit, Ihre Schwächen zu erkennen und Ihre Selbstwahrnehmung zu reflektieren.

  4. Suchen Sie Inspirationsquellen.

    Viele Menschen waren bereits an dem Punkt, an dem Sie jetzt stehen. Schöpfen Sie aus den Erfahrungen und Lebensläufen erfolgreicher Menschen Inspiration. Wie sind diese mit Rückschlägen umgegangen? Was waren ihre nächsten Schritte?

  5. Schließen Sie damit ab.

    Wenn Sie sich konstruktiv mit der Absage auseinandergesetzt haben, sollten Sie diese auf sich beruhen lassen. Es wird Ihnen nicht helfen und auch nicht zu neuen Erkenntnissen führen, wenn Sie wochenlang über die Gründe nachdenken.

  6. Verfeinern Sie die Arbeitgebersuche.

    Vielleicht haben Sie sich beim letzten Mal zu sehr auf einen (Traum-)Arbeitgeber fokussiert. Es gibt aber weitaus mehr Unternehmen mit ebenfalls interessanten Stellenprofilen. Nutzen Sie die Gelegenheit, den Suchradius zu erweitern. Womöglich entdecken Sie so einen noch viel besseren Job.

  7. Arbeiten Sie der latenten Prägung entgegen.

    Oft sind wir bei der Berufswahl festgelegt, ohne es zu ahnen. Fachleute sprechen dabei von der latenten Prägung. Hinterfragen Sie also Ihre Suchtechnik und Suchbegriffe für Jobbörsen. Probieren Sie neue und synonyme Begriffe aus, um so Jobs zu finden, die ebenfalls passen, an die Sie aber nie gedacht hätten.

  8. Suchen Sie nach alternativen Einstiegen.

    Gerade wenn Sie noch am Anfang Ihrer Karriere stehen, kann es schwierig sein, den Einstieg sofort über eine feste Stelle zu finden, weil Ihnen noch die Berufserfahrungen fehlen. Ein Teufelskreis: Ohne Erfahrungen kein Job; ohne Job keine Erfahrungen… Überlegen Sie sich in dem Fall Alternativeinstiege: ein Praktikum zum Beispiel.

  9. Ziehen Sie Profis zu Rate.

    Wenn Sie mit Ihrer Bewerbung partout nicht weiterkommen und auch nicht weiter wissen, sollten Sie sich einen Profi zur Unterstützung suchen, der Ihnen dabei hilft, die Bewerbung zu optimieren. Zugegeben, die Auswahl ist schwer, weil es auf dem Markt auch viele Quacksalber gibt. Entscheidend ist hier die Erfahrung und Reputation. Standardpreise liegen bei rund 150 Euro pro Stunde. Sparen Sie nicht am falschen Ende: Es geht um Ihren Job und Ihr künftiges Einkommen.

[Bildnachweis: Monkey Business Images by Shutterstock.com]
22. August 2015 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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