Inspiration finden: 30 Ideen, Ihre Sinne zu kitzeln

Jeder kreative Mensch kennt das Problem: Der Kopf ist völlig leer, es fehlt jeglicher Einfall und es will sich partout keine gute Idee einstellen. Null Inspiration.

Erzwingen lässt sich Inspiration nicht. Druck und Stress helfen nicht weiter. Wenn Sie wirklich Inspiration finden wollen, braucht es vielmehr eine Art Gärprozess: Man nehme ein paar Anregungen, gebe dem ganzen Zeit, in der man sich mit etwas anderem beschäftigt, lasse das Ganze blubbern und sich entfalten.

Damit es mit der Inspiration wirklich klappt, erfahren Sie hier, wo Sie Inspiration finden können und mit welchen Methoden Sie Ihre Sinne anregen…

Inspiration finden: 30 Ideen, Ihre Sinne zu kitzeln

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Inspiration Definition: Was ist Inspiration?

Der Begriff der Inspiration stammt ursprünglich aus dem Lateinischen und lässt sich mit „Einhauchen“ oder etwas gehobener auch „Beseelung“ übersetzen.

Gerade die Vorstellung des Einhauchens trifft dabei als Erklärung ins Schwarze: Als Inspiration wird eine Art Eingebung, meist im künstlerischen und kreativen Sinne, verstanden. Sie ist die plötzliche Idee, der Geistesblitz, ein Moment der Klarheit, indem die Kreativität sich Bahn bricht und die besten Einfälle ermöglicht.


Die Inspiration ist ein Besucher, der nicht immer bei der ersten Einladung erscheint. (Pjotr Iljitsch Tschaikowski)



Inspiration ist das Ende eines „Kreatiefs“, wird aber auch in religiöser Hinsicht als Eingebung durch etwas Göttliches verstanden.

Inspiration Synonyme:

➠ Einfall
➠ Anregung
➠ Impuls
Aha-Effekt
➠ Offenbarung
➠ Gedanke
➠ Erleuchtung

Das alles klingt sehr vielversprechend, nur ist es in der Praxis meist nicht so leicht, Inspiration zu finden. Egal ob große Künstler, kreative Geister oder Arbeitnehmer, die auf eine Eingebung warten – auf der Suche nach Inspiration können Tage und Wochen verloren gehen.

Glücklicherweise gibt es verschiedene Wege und Methoden, um die Inspiration hervorzulocken und zu fördern.


Ich habe gelernt, die Quelle meiner Inspiration beim Schreiben nie ganz auszuschöpfen, sondern immer aufzuhören, solange noch etwas übrig war, dass sich über Nacht aus derselben Quelle wieder auffüllen konnte. (Ernest Hemingweay)


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Inspiration finden: Inspirationsquellen

Quellen der Inspiration gibt es so viele wie Sterne im Universum. Wer inspiriert werden möchte, kann an vielen verschiedenen Stellen beginnen. Filme können ebenso inspirieren, wie Songs im Radio, der Chef oder die Putzfrau, die bunten Regale im Supermarkt oder der Blick gen Horizont und die Fahrt mit der U-Bahn.

Glauben Sie nicht? Wir haben hier 7 Beispiele und Vorschläge für Inspirationsquellen, die Sie häufiger anzapfen sollten:

Absagen

In den 1970er Jahren bewarb sich Herb Greenberg bei der „Detroit Free Press“, damals eine der angesehensten Tageszeitungen der USA. Er wollte als Journalist arbeiten, absolvierte also ein paar Jobinterviews, ging aber mit einem schlechten Gefühl nach Hause. Kurze Zeit später bekam er einen Anruf vom zuständigen Redakteur. Ein Anruf, der eher einem Schlag in den Nacken glich: „Ganz ehrlich, wir glauben, dass wir jemand Besseren als dich finden können“, sagte der Redakteur. In Greenberg aber löste das etwas aus, eine Trotzreaktion, einen „Euch zeug ich’s“-Moment und die Inspiration, es besser machen zu können.

Greenberg fand einen anderen Job als Reporter, schrieb später auch fürs „Wall Street Journal“ und hat seine eigene Beratungsfirma gegründet. Die eisenharte Absage sei damals niederschmetternd gewesen, erinnert er sich, aber inspirierend. Bis heute, so sagt er, trage er ein Andenken daran in seiner Tasche herum und ziehe es jedesmal heraus, wenn er glaubt, aus seiner Komfortzone ausbrechen zu müssen.

Natur

Die Bionik hat viele Erfindungen hervorgebracht. Ideen, die der Mensch der Natur gewissermaßen abgeschaut und in seine Technik übertragen hat. Der Ornithopter von Leonardo da Vinci, der den Flug der Vögel imitierte, ist so ein Prototyp. Später kam das (richtige) Flugzeug. Saugnäpfe, Propeller, Klettverschlüsse – sie alle haben ihren Ursprung in der Natur, bei Tieren oder Pflanzen. Die Natur als Inspirationsquelle – eine bessere gibt es vermutlich nicht.

Für den Alltag daher empfehlenswert: Mit offenen Augen durch Wald und Park spazieren. Gemüse im Garten anbauen. Zelten. Am Sonntag in den Wald fahren. Sowas.

Bilder

Bob Dylan malte schon in den Siebzigerjahren, wenn ihm sonst nichts mehr einfallen wollte. Otto Waalkes kann an der Staffelei das Image des Blödelbarden ablegen. Auch Wladimir Putin malt, ebenso John McCartney und Sylvester Stallone. James Franco bekämpfte früher sogar seine Schüchternheit mit dem Pinsel. Abstrakt oder Landschaftsmalerei – wer sich für ein paar Stunden im Zimmer einschließt, um die Leinwand mit Farbe zu füllen, benötigt dafür lediglich etwas Muße. Und Müßiggang ist einer der besten Inspirationsquellen.

Videos

Seinen besten Auftritt hatte Steve Jobs nicht etwa, als er das neue iPhone der Welt vorstellte. Oder den Mac, den iPod oder das iPad. Seine berühmteste Rede hielt er vor den Absolventen der Universität von Stanford. Jobs sprach in Stanford die heute berühmten Worte: „Wenn man sich immer wieder daran erinnert, dass man eines Tages sterben wird, ist das der beste Weg, um den Trugschluss zu vermeiden, man hätte etwas zu verlieren. Es gibt keinen Grund, nicht eurem Herzen zu folgen.“ Zum Schluss riet er den Absolventen: „Bleibt hungrig. Bleibt töricht.“ – All das lässt sich heute noch auf Youtube ansehen. Und nicht nur diese Rede: Zwischen Katzencontent schlummert Videomaterial von gigantischem Inspirationspotenzial: Reden, Tutorials, Historisches, Witziges, Originelles. Nehmen Sie sich ruhig mal die Zeit und klicken sich von Video zu Video. Inspirierend!

Mathematik

Wer das Oscar-gekrönte Meisterwek „A Beautiful Mind“ gesehen hat, ahnt: Mathematik kann die wildesten Fantasien auslösen. Princeton-Mathematiker John Nash, im Film verkörpert von Russell Crowe, ist ein Genie in Algebra und Analysis, entwickelt aber früh im Leben eine ausgewachsene Schizophrenie und leidet an Wahnvorstellungen. Und doch: Zahlen – nicht nur die in Brainteasern und Sudokus – und deren logische Zusammenhänge können enorm inspirierend wirken.

Biographien

Helmut Schmidt. Nelson Mandela. Albert Einstein. Che Guevara. Jim Henson. Astrid Lindgren – Persönlichkeiten von jetzt, früher und ganz früher können wunderbare Vorbilder sein. Was ging in ihnen vor? Welche Herausforderungen mussten sie bewältigen? Welche Probleme hatten sie? Von vielen schillernden Persönlichkeiten gibt es – mehr oder weniger – gelungene Biographien. Sie gewähren Einblick in das Seelenleben, transportieren uns in vergangene Zeiten und sie sind – meistens jedenfalls – hervorragende Quellen der Inspiration.

Ruhe

In der Ruhe liegt nicht nur viel Kraft – sie bringt uns auch auf neue Gedanken. Allerdings müssen wir diese Stille und Abgeschiedenheit in unserer heutigen Zeit bewusst suchen – und dazu meist auch alle üblichen Störquellen (das Smartphone vor allem) gezielt ausschalten. Ziehen Sie sich 30 Minuten lang in ein Zimmer zurück, und sitzen Sie nur still da, denken Sie nach oder meditieren Sie. Sie werden jede Menge gute Gedanken tanken und Inspiration finden.

Die Idee: Der Parasit in unserem Gehirn

Ist der Mensch wirklich die Krone der Entwicklung? Die erfolgreiche Idee wandert von Gehirn zu Gehirn, erobert es und verändert es. Der Mensch denkt, die Ideen seien seine Erzeugnisse, dabei sind sie in Wirklichkeit Parasiten, ein Virus.

Sobald sich die Gelegenheit dazu bietet, sucht die Idee nach neuen Gehirnen, die sie infizieren kann. Warum sollte die Evolution nur auf das Materielle beschränkt sein? Das Medium ist der Evolution egal.

Der kluge Gedanke stammt aus Bernard Becketts Buch: „Genesis“. Und es stimmt: Einmal inspiriert, werden wir die Idee nicht mehr los (womöglich sogar diese).


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Inspiration bekommen: 4 Tipps

Die Suche nach Inspiration kann anstrengend, nervenaufreibend und langwierig sein. Geduld ist ein wichtiger Faktor, denn wenn Sie Inspiration bekommen wollen, gelingt das selten innerhalb kürzester Zeit.


Inspiration ist niemals echt, wenn man sie gleich als solche empfindet. Wahre Inspiration stellt sich unbemerkt ein und wird erst nach einiger Zeit in ihrer vollen Bedeutung erkannt. (Samuel Butler)



Um der Inspiration ein wenig auf die Sprünge zu helfen, können Sie die folgenden Tipps nutzen, die Ihnen helfen können, endlich von der Muse geküsst zu werden:

  1. Lenken Sie sich ab
    Es mag zunächst widersprüchlich klingen, doch wenn Sie Inspiration bekommen wollen, sollten Sie sich ablenken. Wer angestrengt nach einer Idee oder Lösung sucht, kommt oft nicht ans Ziel. Erst wenn Sie etwas völlig anderes machen, eigentlich gar nicht mehr an das Thema denken, kommt plötzlich der erleuchtende Gedanke.

    Dies ist auch als Random Episodic Silent Thinking oder kurz REST bekannt. Statt ständig zu grübeln und krampfhaft nach einer neuen Idee zu suchen, machen Sie einfach etwas völlig anderes und sorgen Sie für Ablenkung.
  2. Betrachten Sie Vorbilder
    Wenn es mit der Inspiration noch nicht so richtig klappen will, dann schauen Sie sich an, was andere gemacht haben. Vorbilder können eine gute Orientierung sein und zur eigenen Inspiration beitragen.

    Natürlich geht es dabei nicht darum, einfach zu kopieren, was andere gemacht haben. Das hat nichts mit Inspiration zu tun. Lassen Sie sich vielmehr davon inspirieren, wie andere ein Problem gelöst haben, welche Methoden diese dabei genutzt haben oder wie ungewöhnlich das Vorgehen war.
  3. Schreiben Sie schlechte Ideen auf
    Bevor die wirklich gute Inspiration kommt, ist der Weg meist gepflastert mit zahlreichen schlechten Ideen und miesen Einfällen. Kreative Fehltritte, bei denen Sie selbst sofort wissen, dass es vollkommen unsinnig oder überhaupt nicht zielführend ist. Diese wollen Sie nicht umsetzen, aber trotzdem sollten Sie Ihre schlechten Ideen aufschreiben.

    Das hat gleich zwei Vorteile: Wenn Sie sich die schlechten Ideen von der Seele schreiben, ist es leichter, sich auf etwas völlig anderes zu konzentrieren und neue Inspiration zu finden, die eine zündende Idee liefert. Gleichzeitig kann aus einer aufgeschriebenen schlechten Idee durchaus noch ein guter Einfall werden. Manchmal muss man sich die schlechten Ideen wortwörtlich noch einmal vor Augen führen, um zu erkennen, was nicht funktioniert – und daraus die nötige Inspiration zu bekommen.
  4. Handeln Sie möglichst spontan
    Straffe Strukturen, vorgefertigte Pläne und strikte Regeln sind Blockaden für Inspiration. Es ist nahezu unmöglich, auf kreative Gedanken zu kommen und Inspiration zu finden, wenn Sie sich selbst in ein zu enges Gerüst einsperren.

    Besser sind Ihre Chancen, wenn Sie Ihre Spontaneität ausleben. Gestalten Sie den Tag doch einfach mal ungeplant und ganz spontan. Machen Sie das, wonach Ihnen gerade der Sinn steht und schauen Sie, welche Ideen Ihnen dabei kommen.

Inspiration existiert, aber sie muss dich arbeitend vorfinden. (Pablo Picasso)


Mehr Inspiration: 30 Wege, Ihre Sinne zu kitzeln

Zu beachten ist auch: Kreativität ist nur selten das Ergebnis eines einzigen Moments. Wir sprechen zwar gern vom Geistesblitz, aber der tritt genauso flüchtig in Erscheinung wie sein Namensgeber.

Die großen innovativen Durchbrüche der Geschichte waren eher die Folgen anhaltender Gedankenkaskaden. Deshalb nutzen Sie obige Inspirationsquellen ruhig häufiger – und dazu ein paar Tricks, die Sinne zu kitzeln und so die grauen Zellen wieder anzuregen.

Hier sind noch 30 weitere Anregungen…

  • Putzen Sie Ihre Zähne mit der nicht-dominanten Hand.
  • Lesen Sie zuerst einen Zeitungsteil, den Sie normalerweise gleich zur Seite legen.
  • Fahren Sie einen anderen Weg zur Arbeit als sonst.
  • Nutzen Sie dazu ein anderes Transportmittel als üblich.
  • Hören Sie einen anderen Radiosender.
  • Benutzen Sie die Treppe statt des Aufzugs.
  • Durchwandern Sie das Bürogebäude, entdecken Sie es neu.
  • Beginnen Sie dabei ein Gespräch mit einem Kollegen, mit dem Sie sich nie unterhalten.
  • Sortieren Sie Ihr Desktop neu.
  • Verändern Sie den Bildschirmhintergrund.
  • Nutzen Sie einen anderen Browser.
  • Lesen Sie ein Blog über ein Thema, mit dem Sie sich sonst nicht beschäftigen.
  • Schreiben Sie jemandem eine E-Mail, den Sie schon lange nicht mehr kontaktiert haben.
  • Schreiben Sie jemandem einen Brief.
  • Fragen Sie Kollegen, was die an Ihrer Stelle tun würden.
  • Gehen Sie mittags spazieren.
  • Gehen Sie auf den Markt, schließen Sie die Augen – und erriechen Sie Ihre Umgebung.
  • Bestellen Sie mittags ein Gericht, das Sie noch nie gegessen haben.
  • Sprechen Sie einen fremden Menschen auf der Straße an – laden Sie ihn zum Kaffee ein.
  • Fragen Sie einen Fremden um Rat.
  • Kaufen Sie ein Buch und lesen Sie es – an einem Tag.
  • Drehen Sie Bilder (z.B. in der Zeitung) um 180 Grad und schauen Sie nur so lange an bis das Hirn versucht, das Motiv zu erkennen.
  • Lesen Sie ein Buch zu einem Thema, über das Sie noch nie etwas gelesen haben.
  • Wenn Sie einkaufen: Gehen Sie in ein Geschäft, in das Sie noch nie gegangen sind.
  • Gehen Sie zu einer anderen Zeit nach Hause als sonst.
  • Nehmen Sie sich spontan einen Tag frei.
  • Malen Sie ein Bild.
  • Malen Sie ein Bild mit Ihrer nicht-dominanten Hand.
  • Sehen Sie sich einen Film an – aber in einer Fremdsprache.
  • Schlafen Sie auf der anderen Seite des Bettes oder am anderen Kopfende als sonst.
  • Erweitern Sie diese Liste für sich selbst…
[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
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24. Juli 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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