Kreativitätstechniken: Neue Ideen entwickeln

Kreativität ist eine der Schlüsselressourcen der Zukunft. Wer an der Spitze bleiben will, braucht kontinuierlich neue Ideen. Um dem Bedarf an Innovationen gerecht zu werden, braucht es Kreativitätstechniken, die dabei helfen, Einfälle zu sammeln, Ideen zu generieren und Kreativität zu fordern. Kreativitätstechniken sollen Denkanstöße bringen, Impulse liefern und zur Ideenfindung beitragen. Die Auswahl der Methoden ist groß, neben einigen Klassikern haben sich zahlreiche moderne Kreativitätstechniken etabliert. In diesem großen Dossier stellen wir Ihnen eine Vielzahl von Kreativitätstechniken vor, die dem Geistesblitz auf die Sprünge helfen können…

Kreativitätstechniken: Neue Ideen entwickeln

Kreativität: Was ist das und wo entsteht sie?

Kreativität: Was ist das und wo entsteht sie?Tatsächlich halten sich nur wenige Menschen für kreativ. Das liegt zum Teil am eingeengten Verständnis des Begriffs Kreativität. Kreativität wird danach fälschlicherweise mit Innovationen gleichgesetzt. Die Definition ist so aber falsch. Hier der Unterschied:

  • Kreativität bezeichnet die Fähigkeit eines Individuums oder einer Gruppe, in phantasievoller und gestaltender Weise zu denken und zu handeln.
  • Innovation ist eine Bezeichnung für die mit technischem, sozialem und wirtschaftlichem Wandel einhergehenden Neuerungen.

Kreativität ist die Voraussetzung für Innovation. Durch Kreativität werden Ideen generiert. Als Innovation wird die Umsetzung neuer Ideen bezeichnet. Das kann in der Tat nicht jeder; die Fähigkeit, Ideen zu generieren, aber bringt jeder Mensch mit. Tatsächlich gibt es einige Eigenschaften, die kreative Menschen auszeichnen – welche das sind, können Sie in diesem kostenlosen PDF erfahren.

Hirnforscher suchen seit Jahrzehnten nach dem Sitz der Kreativität. Mit Hirnscans haben Forscher beobachtet, welche Areale des Gehirns beim Lösen kreativer Aufgaben aktiv sind. Resultat: Es gibt kein einzelnes Kreativitätsareal, dabei sind vielmehr verschiedene Hirnregionen aktiv.

Eine wichtige Rolle spielt aber die Geschwindigkeit, in der das Gehirn arbeitet: Bei der Messung der Hirnströme zeigte sich, dass kreative Menschen in der Lage sind, rasch zwischen einer niedrigen und einer hohen Geschwindigkeit hin und her zu wechseln. Aus diesem Grund sollten kreative Prozesse aus mehreren Phasen bestehen.

Methoden und Beispiele: Übersicht von Kreativitätstechniken

Obwohl es ja eigentlich um Neuer und extraordinäre Ideen geht, laufen Kreativprozesse doch meist nach demselben Schema ab – jedenfalls, wenn sie geplant sind und Sie der Geistesblitz nicht zufällig heimsucht:

Kreativprozess Phasenmodell

Ausgehend von der aktuellen Situation soll ein festgelegtes Ziel erreicht werden. Dafür können Lösungen benötigt werden, innovative Ideen, neue Produkte, im Marketing bisher ungenutzte Kanäle und Wege oder im Projektmanagement Anregungen, die den gesamten Verlauf voranbringen. Schwierig wird es in der Kreativphase. Die größte Frage dabei lautet: Wie soll diese gestaltet werden? Kreativitätstechniken können die Antwort darauf sein.

In der folgenden Auflistung stellen wir Ihnen bewährte Kreativitätstechniken und Methoden zur Ideenfindung vor und erklären, wie Sie diese optimal nutzen können:

  1. Mindmapping

    Einer der Klassiker unter den Kreativitätstechniken ist die Mindmap. Mit einer Art Karte werden die Gedanken strukturiert und Ideen visualisiert. Es wird ein zentrales Thema festgelegt und weitere Ideen drumherum gesammelt.

    Kreativitätstechnik Mindmap Inforafik

    Auf diese Weise können Verbindungen hergestellt werden und Zusammenhänge werden sichtbar. Wichtig dabei ist jedoch, dass nur mit Schlüsselbegriffen gearbeitet wird. Auf Detailbeschreibungen sollte verzichtet werden.

  2. Brainstorming

    Ein weiterer Klassiker unter den Kreativitätstechniken ist das Brainstorming. Im Kern geht es darum, erst einmal alle Gedanken zu einer Frage oder einem Thema zu sammeln. Soll heißen: Es wird zunächst einmal nichts kritisiert oder ausgeschlossen. Jeder Input ist wertvoll und wird festgehalten, selbst wenn es sich um total ausgefallene Vorschläge handelt.

    Kreativitätstechnik Brainstorming

    Erst im zweiten Schritt werden alle gesammelten Eingebungen genauer analysiert, bewertet und sortiert. Hier können auch Prioritäten gesetzt werden, welche Idee als besonders vielversprechend ist und als erstes verfolgt werden soll.

  3. Brainwriting

    Dabei handelt es sich um eine Technik, die ähnlich wie das Brainstorming funktioniert. Das Brainstorming bietet vor allem extrovertierten Teilnehmern die Chance, sich einzubringen. Das Brainwriting hingegen bezieht alle mit ein: Hierfür sitzen alle Anwesenden im Kreis um einen Tisch. Jeder schreibt seine Ideen ganz oben auf ein DIN-A4-Blatt.

    Nach 5 bis 10 Minuten werden die Ideen an den linken Tischnachbarn weitergegeben. Dieser ergänzt die Idee mit seinen Gedanken. Jede Idee wird solange weitergereicht bis jeder die Gelegenheit hatte, alle Ideen zu ergänzen. Die aufgeschriebenen Skizzen bilden danach eine Diskussionsgrundlage.

  4. Brainswarming

    Die Kreativtechnik geht auf den Amerikaner Tony McCaffrey zurück. Er entwickelte das Brainswarming als er feststellte, dass beim klassischen Brainstorming oft die extrovertierten Teammitglieder die Gruppe und damit auch die Ideenfindung dominieren. Dadurch aber gehen die Ideen der eher schüchternen Meeting-Teilnehmer meist unter oder gar verloren. Resultat: Ein suboptimales Ergebnis.

    McCaffrey suchte also nach einem Weg, die übliche Selbstdarstellung oder das klassische Not-invented-here-Syndrom aus der Gleichung zu nehmen – und wurde fündig bei den Methoden des sogenannten Business Modelling und Post-it-Notes.

    Beim Brainswarming schreiben die Teilnehmer zunächst ihre Ideen auf Klebezettel – jeder für sich. Anschließend werden diese auf eine gemeinsame Pinnwand geheftet und die Ideen miteinander verknüpft. So geht keine Idee verloren und auch die stilleren Teilnehmer können sich ungehindert einbringen.

  5. Brainwalking

    Diese Methode ist eine weitere Abwandlung des Brainstorming und Brainwriting, die sich die Tatsache zu nutze macht, dass Bewegung den Kopf frei macht und Raum für Kreativität schafft. Hierfür werden Flipcharts an verschiedenen Stellen über ein weiträumiges Gebiet verteilt.

    Jeder Teilnehmer wandert die einzelnen Stationen ab und ergänzt die Flipcharts mit den eigenen Einfällen. Die Ergebnisse werden im Anschluss diskutiert.

  6. 6-3-5 Methode

    Die Kreativitätstechnik 6-3-5 Methode erhält ihren Namen durch die drei wichtigsten Faktoren: Es gibt insgesamt sechs Teilnehmer, die jeweils drei Ideen aufschreiben und das fünf Mal wiederholen.

    Anfangs schreibt jeder Teilnehmer drei Ideen, Vorschläge oder Problemlösungen auf sein Blatt Papier. Im Anschluss werden die Zettel weitergereicht und jeder erhält die Ideen seines Nachbarn. In der zweiten Runde werden diese Ideen mit eigenen Gedanken erweitert, ausgeführt und ergänzt. Das Ganze geschieht bei sechs Teilnehmern genau fünf Mal – bis also jeder einmal jeden Zettel hatte und diesen mit eigenem Input ergänzen konnte.

  7. Gruppendiskussion

    Ideen können nicht nur aufgeschrieben, sondern auch ausdiskutiert und präsentiert werden. Genau dabei geht es bei der Gruppendiskussion, die sich vor allem in größeren Teams oder Gruppen eignet. Anfangs finden sich kleinere Gruppen von jeweils drei bis fünf Teilnehmern zusammen, die untereinander Ideen sammeln, Vorschläge machen und Lösungsansätze entwickeln. Dabei sollten Notizen und Stichpunkte gemacht werden, um alles festzuhalten. Ist diese Phase abgeschlossen, werden die Gruppen neu gemischt.

    In der zweiten Gruppendiskussion kommt jeweils ein Teilnehmer aus jeder Gruppe zusammen, um eine neue Diskussion zu beginnen. Es werden also alle Ansätze der ersten Gesprächsrunde mitgebracht, ausgetauscht und ergänzt. Dabei sollte jeder versuchen, die anderen zu überzeugen aber gleichzeitig offen für deren Vorschläge sein, um das optimale Ergebnis zu erzielen.

    Als letzte Runde kann noch einmal in die ursprüngliche Konstellation zurückgekehrt werden, um noch einmal alle Eindrücke und Ideen zu besprechen, die in den verschiedenen Diskussionen entstanden sind. Zum Abschluss sollten die Ideen in großer Runde gesammelt, analysiert und bewertet werden.

  8. Design Thinking

    Das Design Thinking erfreut sich als Kreativitätstechnik gerade im Projektmanagement und im Marketing großer Beliebtheit und wird aufgrund einer besonderen Eigenart gerne genutzt: Als entscheidender Faktor wird beim Design Thinking die Perspektive gewechselt und aus Sicht des Kunden gedacht. Erster und wichtigster Schritt beim Design Thinking ist deshalb eine klare Identifizierung des Kunden oder der Zielgruppe.

    Wer soll angesprochen werden? Was wünscht sich der Künde? Welche Bedürfnisse stehen an erster Stelle? Wie können diese bestmöglich befriedigt werden? So kann ein genaues Bild potenzieller Kunden gewonnen werden, auf die das weitere Vorgehen angepasst wird.

    Kreativitätstechnik Design Thinking

  9. ABC Technik

    Sie wollen viele Ideen und Impulse sammeln? Dann kann die ABC Technik genau richtig sein. Diese ist ungemein einfach, kann jederzeit angewendet werden und liefert zahlreiche Eingebunden und Gedanken.

    Alles was Sie brauchen: Ein Blatt Papier pro Teilnehmer, auf das Sie die Buchstaben des Alphabets von A bis Z schreiben. Ziel ist es nun, dass jeder Teilnehmer seine Ideen und Anregungen zu den jeweiligen Anfangsbuchstaben festhält. Neben das A kommen also alle Einfälle, die mit A beginnen… Im besten Fall wird so zu jedem Anfangsbuchstaben mindestens ein Impuls aufgeschrieben, in der Praxis zeigt sich jedoch, dass meist einige Buchstaben nur schwer zu füllen sind (vor allem Q, X, und Y).

  10. Walt Disney Methode

    Die Walt Disney Methode geht tatsächlich auf den Schöpfer von Micky Maus, Donald Duck, Goofy & Co. zurück. Der US-Filmproduzent entwickelte diese Methode, um Denkblockaden zu überwinden.

    Dazu schlüpfen die Teilnehmer in drei verschiedene Rollen: den Träumer, den Realisten und den Kritiker. Die Teilnehmer nehmen während der Ideenfindung abwechselnd jede Rolle an und argumentieren aus dieser speziellen Sichtweise. Damit das funktioniert, sollte die Größe der Gruppe neun Personen nicht überschreiten.

    Kreativitätstechnik Walt Disney Methode

    Begonnen wird mit der Rolle des Träumers: Er denkt chaotisch und visionär und lässt sich weder durch (logische) Regeln noch Traditionen einschränken. Der Realist konzentriert sich danach auf das Machbare – jedoch mit viel gutem Willen: Falls die Idee des Träumers umgesetzt würde, was wäre dazu nötig? Was würde es kosten? Wichtig ist, dass der Realist stets vor dem Kritiker gehört wird. So bekommt die Vision die Chance, ihr Potenzial zu zeigen. Erst dann schlägt der Kritiker zu, stellt konstruktive (!) Fragen, prüft, analysiert und verbessert das vorläufige Ergebnis.

    Danach beginnt der Prozess von vorne, der Kritiker übergibt die Lösung zurück an den Träumer, der sie weiterspinnt und so weiter. Sobald der Kritiker keine offenen Fragen mehr hat, der Realist von dem Gelingen des Projekts überzeugt und der Träumer von dessen Strahlkraft begeistert ist, liegt ein optimales Ergebnis vor.

    Eine weitere Rollen- oder Perspektivtechnik ist die sogenannte Raikov Methode.

  11. De Bono Hüte

    Die Kreativitätstechnik der De Bono Hüte funktioniert ähnlich wie die Walt-Disney-Methode, auch hierbei werden verschiedene Rollen eingenommen. Der britische Psychologe und renommierten Lehrer für kreatives Denken, Edward de Bono, erweiterte Disneys Modell jedoch auf sechs Perspektiven und wies ihnen verschiedenfarbige Hüte zu:

    DeBono Denkhuete Kreativitaet Modelle 6 Huete

    Selbst wenn nicht alle Farbtypen in einem Team vertreten sind, lassen sich mit dieser Technik zumindest kreative Prozesse anstoßen, indem Sie entweder a) verschiedenen Kollegen jeweils eine Farbe und Eigenschaft bewusst zuordnen, b) das Team nach genau diesen Stärken zusammenstellen oder c) alle mal reihum verschiedene Hüte aufsetzen.

    Eine neuere Erweiterung der Teamrollen stammt indes von dem britischen Psychologie-Professor Meredith Belbin. Er formulierte ganze 9 Perspektiven – die Belbin Teamrollen.

  12. Lernen aus der Vergangenheit

    Normalerweise richten Kreativitätstechniken den Blick nach vorne: Was muss getan werden? Wie erreichen wir das Ziel in der Zukunft? Welche Schritte müssen gegangen werden? Auf der anderen Seite können Sie aus der Vergangenheit lernen, denn nur die wenigsten Fragen, Probleme oder Situationen sind wirklich vollkommen neu.

    Denken Sie deshalb zurück und fragen Sie sich: Wie wurde ein ähnliches Problem schon einmal gelöst? Wie sind andere dabei vorgegangen? Dabei geht es nicht zwangsläufig darum, einen Lösungsweg zu kopieren, weil selbst die Ideen ausbleiben. Vielmehr sollen Sie Ihre Kreativität anregen, neue Erkenntnisse gewinnen und feststellen, dass es durchaus Lösungen gibt, selbst wenn Sie diese noch nicht sehen.

    Ihre Erkenntnisse können außerdem eine gute Grundlage sein, um an eigene Ziele, Erwartungen und Bedürfnisse angepasst zu werden.

  13. Osborn-Methode

    Alex Osborn gilt nicht nur als Urvater des Brainstormings, sondern auch als Entwickler einer weiteren Kreativitätstechnik, die heute seinen Namen trägt: die Osborn-Methode. Es ist eine Art Fragenkaskade, um Assoziationen im geschäftlichen oder auch privaten Umfeld zu fördern. Die Fragen lauten:

    • Adaptieren? Wofür kann ich es noch verwenden? Welche Bedingungen können geändert werden?
    • Anpassen? Weist das Problem auf andere Ideen hin? Kann etwas übernommen werden?
    • Verändern? Was lässt sich ändern? Welche Eigenschaften lassen sich umgestalten?
    • Vergrößern? Lässt sich etwas hinzufügen? Lässt sich etwas verstärken?
    • Verkleinern? Lässt sich etwas wegnehmen? Lässt sich etwas abschwächen?
    • Ersetzen? Was lässt sich ersetzen? Kann man etwas austauschen?
    • Umordnen? Kann die Reihenfolge geändert werden? Kann an der Struktur etwas verändert werden?
    • Umkehren? Kann der Ablauf umgekehrt werden? Wie sieht das Gegenteil aus?
    • Kombinieren? Können Ideen verbunden werden? Kann die Idee in Teile zerlegt werden?

    Eine noch detaillierte Liste von Fragen wird indes Osborn-Checkliste genannt. Diese sollen etwa auf Karten geschrieben und zufällig gezogen, beziehungsweise spontan beantwortet werden.

  14. SCAMPER

    Auch die Kreativtechnik SCAMPER arbeitet mit einer Checkliste aus verschiedenen Fragen und ist deshalbmit der Osborn-Methode verwandt. Der Begriff selbst ist ein Akronym, das sich aus den englischen Begriffen zusammensetzt, die ihr Erfinder, Bob Eberle, damals kombinierte:

    • Substitute: Welche Komponenten, Materialien, Personen lassen sich ersetzen?
    • Combine: Welche Funktionen, Angebote, Dienstleistungen überschneiden sich oder lassen sich kombinieren?
    • Adapt: Welche zusätzlichen Elemente können ergänzt werden?
    • Modify: Lassen sich Farben, Größe, Materialien, Menüpunkte modifizieren?
    • Put to other purposes: Wie kann man Vorhandenes noch nutzen?
    • Eliminate: Weniger ist mehr: Welche Elemente/Komponenten lassen sich entfernen, vereinfachen, reduzieren?
    • Reverse: Lassen sich Elemente auch entgegengesetzt nutzen oder die Reihenfolge ändern?

    Was auf den ersten Blick vielleicht etwas trivial wirkt, hat es jedoch in sich: Was die Kreativtechnik so effektiv macht, ist der provozierte Perspektivwechsel der den Fragen innewohnt. Sie stellen damit alles, was Sie bisher als normal oder gegeben hingenommen haben noch einmal infrage oder gar auf den Kopf.

  15. Kopfstand

    Sie müssen für diese Kreativitätstechnik nicht gleich wirklich kopfstehen, doch gedanklich stellen Sie dabei tatsächlich alles auf den Kopf. Der Kerngedanke dabei lautet: Drehen Sie die Fragestellung oder das Problem komplett um und suchen Sie nach Vorschlägen für das genaue Gegenteil. Anders formuliert: Was klappt mit großer Sicherheit überhaupt NICHT und erreicht das Gegenteil von dem, was eigentlich umgesetzt werden soll?

    Klingt zunächst absurd und kontraproduktiv, regt die Kreativität aber ungemein an. Durch das Umdenken kommen Sie auf völlig neue Ideen, sehen ein Problem aus einer anderen Perspektive und können frischen Wind in Ihre Ideensuche bringen. Positiver Nebeneffekt: Sie grenzen das Gebiet der besten Idee immer weiter ein, weil Sie schon sehr genau wissen, was nicht funktioniert.

  16. Morphologischer Kasten

    Richtig angewandt kann ein morphologischer Kasten ein umfangreiches Bild aller möglicher Lösungen bieten und somit als Kreativitätstechnik die optimale Grundlage zur Entscheidungsfindung bilden. Der Weg dorthin ist mitunter aber etwas komplizierter, als bei anderen Kreativitätstechniken.

    Vereinfacht ausgedrückt geht es beim morphologischen Kasten darum, ein Problem in alle relevanten Paramenter, also Eigenschaften oder Elemente, zu zerlegen. Für jeden dieser Parameter werden anschließend alle möglichen Ausprägungen aufgelistet. Für ein besseres Verständnis zeigen wir Ihnen, wie dies anschaulich am Beispiel von Schokolade aussehen kann:

    Kreativitaetstechnik Morphologischer Kasten

    Anhand dieser Auflistung lassen sich nun alle unterschiedlichen Kombinationen finden, entweder ganz systematisch oder indem von vornherein Prioritäten gesetzt werden, welche Parameter besonders wichtig sind oder welche Ausprägung bevorzugt wird.

  17. Kuchen-Methode

    Mit der Kuchen-Methode sollen neue Ideen wie nach einem Rezept gebacken werden können. Der Name entsteht durch die klassischen Schritte beim Backen eines Kuchens, die hier für die Ideenfindung adaptiert wurden. Die vier wichtigsten Vorgänge dabei sind:

    • Zutaten sammeln. Gemeint sind damit alle Informationen, Ideen, Einfälle und Lösungsvorschläge, die es gibt. Ähnlich wie beim Brainstorming wird hier erst einmal alles zusammengetragen.
    • Zutaten mischen. Nun wird analysiert und verbunden. Welche Punkte gehören zusammen? Was verspricht besonders viel Erfolg? Welche Idee erscheint bei genauerer Betrachtung wenig sinnvoll?
    • Teig ruhen lassen. Ein guter Hefeteig braucht Zeit – genau wie Kreativität. Beschäftigen Sie sich mit etwas völlig anderem, lenken Sie sich ab und lassen Sie allein Ihr Unterbewusstsein an einer Lösung arbeiten. Oft kommt dabei ganz plötzlich ein Aha-Moment, der Klarheit verschafft.
    • Kuchen backen. Zu guter Letzt können Sie die Idee oder den Ansatz noch verfeinern, weiterdenken und schließlich umsetzen.

Spazieren fördert Kreativität

Kreativitätstechniken Methoden Projektmanagement Marketing DefinitionDas ist das Ergebnis einer Studie von der Stanford Universität. Laut den Untersuchungen reicht schon einfaches Gehen oder Spazieren, um bessere Ideen zu bekommen und Erfindungsgeist sowie Assoziationen zu wecken. Anders ausgedrückt: Ein Spaziergang ist eine Form der Kreativitätstechniken.

Für ihre Studien ließen die Forscher ihre Probanden eine Reihe von Experimenten vollziehen: Sie sollten sich etwa überlegen, was man mit einem bestimmten Objekt (zum Beispiel einem Schalterknopf) alternativ alles anstellen könnte. Die einen mussten dabei im Zimmer sitzen bleiben, die anderen spazierten eine Runde um den Block.

Ergebnis: 100 Prozent der Spaziergänger kamen hernach mit mehr und kreativeren Ideen zurück.

Um herauszufinden, ob es der Spaziergang an der frischen Luft oder einfach nur die Bewegung war, die die kognitiven Fähigkeiten beflügelte, schickten die Forscher eine dritte Kontrollgruppe zwischen den einzelnen Tests einfach nur auf ein Laufband. Darauf sollten die Probanden aber nicht joggen, sondern einfach nur eine kurze Zeit gehen. Ergebnis: Auch diese Testgruppe hatte hernach deutlich mehr Einfälle, im Schnitt doppelt so viele wie die Stubenhocker.

Das Bemerkenswerte daran: Die Versuchsteilnehmer hatten nicht nur während des Spaziergangs gute Ideen am laufenden Band – auch danach noch wirkte das Gehen und verschaffte Ihnen einige Heureka-Momente.

Unterstützt wird diese Ansicht von anderen Wissenschaftlern, die davon ausgehen, dass chemische Botenstoffe (vor allem der Neurotransmitter Dopamin) dafür verantwortlich sind, dass es in der Oberstube Klick macht. Die Ausschüttung dieses Stoffes ist Abhängig vom Umfeld – also von den Orten und Räumen, in denen wir leben oder arbeiten.

  • Danach sei der Schreibtisch für kreative Gedanken jedoch der ungeeignetste Ort: Mit ihm assoziieren wir Arbeit, Stress, Druck. Das hemmt.
  • Beim Duschen kommen einem dagegen oft die besseren Ideen. Genauso wie angesprochen beim Spazieren oder Joggen, beim Schlafen oder sogar auf dem Klo. Der Grund laut dem Schweizer Psychiater und Kreativitätsforscher Gottlieb Guntern: Entspannung und Zerstreuung. Sie sind das A und O, damit kreative Gedanken aufblühen können.

Faktoren, die Kreativitätstechniken blockieren

Viel leichter als eine Idee zu bekommen, ist es, die keimende Kreativität gleich wieder zu beerdigen – aus Neid oder aus Prinzip. Der doppelte Vorteil: Irgendwie wirkt der Kritiker dabei selbst recht smart – und die wenigsten nehmen ihn in die Pflicht, eine bessere Alternative zu entwickeln.

Klassische Wege, Kreativität schon im Keim zu ersticken, sind entsprechend:

  • Pauschalkritik
  • Verweis auf Traditionen, Normen, feste Prozesse
  • Dramatisierung der Riskien
  • Persönlicher Angriff

Die Strategien funktionieren freilich auch in Form des Allzwecksatzes, der von jeglicher Denkanstrengung entbindet: Hamwerschonimmersogemacht. Aber natürlich existieren noch weitaus subtilere und gemeinere Formen. Fünf davon und deren übliche Einwände

  • Es ist zu einfach, um wahr zu sein. Die einfachsten Lösungen sind oft die besten. Leider glauben – vor allem wir Deutschen – gerne das Gegenteil: Nur wenn etwas kompliziert ist (oder wenigstens so klingt, kann es auch klappen. Blödsinn! Keep it simple ist ein Erfolgsrezept, das schon seit Jahrhunderten gilt.
  • Es funktioniert sowieso nicht. Wenn Glaube Berge versetzt, kann Zweifel diese aufschütten. Nicht selten lassen wir uns von im Vorfeld von Bedenken und hypothetischen Szenarios abschrecken, statt der Idee eine Chance zu geben.
  • Es ist praktisch unmöglich. Das haben die Bedenkenträger rund um Christoph Kolumbus wohl auch gedacht, als der einen Seeweg nach Indien entdecken wollte. Trotzdem hat er es gewagt. Gut, mit dem ursprünglichen Plan ist er trotzdem gescheitert. Aber das Ergebnis war letztlich noch viel besser. Welche Innovationen sind je entstanden, weil ihre Entdecker an das Unmögliche glaubten? Eben.
  • Es gibt noch eine bessere Alternative. Die gibt es (fast) immer. So wie die Suche nach selbiger oft nichts weiter ist, als eine Hinhalte- oder Vermeidungstaktik. Und somit Selbstbetrug. Wer solange wartet, bis er die beste Lösung gefunden hat, verpasst womöglich etwas anderes: den besten Zeitpunkt dafür.
  • Sie sind der Einzige, der daran glaubt. Das kann natürlich wirklich daran liegen, dass die Idee Murks ist. Oft stammt dieser Einwand aber auch von eloquenten Alpha-Tieren, die eifersüchtig darüber wachen, dass die besten Ideen von ihnen selbst stammen. Nicht selten beerdigen solche Typen durch geschickte Rhetorik einen brillanten Gedanken, weil der sie in den Schatten stellt. Lassen Sie sich also bloß nicht davon einschüchtern!
[Bildnachweis: Livefocus by Shutterstock.com]
20. März 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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