Das Wichtigste auf einen Blick
- Ursprung: „Advocatus Diaboli“ ist lateinisch und bedeutet „Anwalt des Teufels“. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Heiligsprechungsverfahren der katholischen Kirche, um Gegenargumente gegen einen Kandidaten zu prüfen.
- Anwendung: Heute wird der Begriff primär für kritisches Hinterfragen verwendet. In einer Diskussion übernimmt z.B. eine Person absichtlich die Gegenposition, um mögliche Schwächen oder Fehler aufzudecken.
- Nutzen: Diese Advocatus-Diaboli-Methode wirkt als strategisches Werkzeug besonders gut gegen das Groupthink-Phänomen, bei dem alle Beteiligten zu schnell einer Meinung sind.
- Haltung: Beim bewusst kritischen Denken geht es nicht um Destruktivität, sondern um einen konstruktiven Belastungstest für Ideen und Hypothesen.
Studien von Charles Schwenk konnten bereits in den 1980er und 90er Jahren zeigen, dass Gruppen mit einem Advocatus Diaboli (AD) signifikant hochwertigere Lösungen produzieren. Die Methode verbesserte in rund 43 % der Fälle die Entscheidungsqualität unmittelbar.
Definition: Was ist ein Advocatus Diaboli?
Der Begriff „Advocatus Diaboli“ beschreibt in der Rhetorik eine Person, die bei einem Streit gezielt eine Gegenposition einnimmt, Thesen, Lösungen und Ideen kritisch hinterfragt und den Finger bewusst in offene Wunden legt. Nicht aus bösem Willen, sondern als Methode und Strategie, um vorschnelle Entscheidungen zu falsifizieren und alle vor einem Fehler zu schützen. Der „Teufelsanwalt“ provoziert hiefür ganz bewusst einen Dissens und muss nicht einmal selbst von seiner Anti-Haltung überzeugt sein. Er muss sie nur argumentativ vertreten und bestehende Ideen oder Lösungen konstruktiv (!) attackieren. Das belebt die Diskussion – ist aber nichts für Menschen mit ausgeprägtem Harmoniebedürfnis.
Welche Vorteile hat die Advocatus-Diaboli-Methode?
In den meisten Fällen handelt es sich bei der Advocatus-Diaboli-Methode um ein rhetorisches Mittel, das unterschiedliche Ziele verfolgen kann:
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Argumente schärfen
Hierfür nimmt der Advocatus Diaboli seine Rolle ein, um die Position der Gegenseite besser zu verstehen und so die eigenen Gegenargumente stichhaltiger zu formulieren.
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Überzeugungen prüfen
Ebenso kann die intensive Beschäftigung mit der Gegenposition dazu führen, dass die eigene Haltung als falsch oder nicht haltbar erkannt wird. Es kommt zur Kapitulation.
Die Advocatus-Diaboli-Methode wird heute ganz bewusst im Projektmanagement oder in der Produktentwicklung eingesetzt, um zu verhindern, dass teure Denkfehler gemacht, Risiken unterschätzt und Alternativen übersehen werden. Sie kommt aber auch in der Psychologie und Psychotherapie zum Einsatz. Dort hilft sie, kognitive Verzerrungen (sog. Bias), negative Glaubenssätze sowie schädliche Überzeugungen zu entlarven, sodass von dort aus neue Verhaltensweisen erlernt werden können.
Was sind gute Beispiele für die Gegenposition?
Eine kontroverse Argumentation mithilfe des Advocatus Diaboli lässt sich im Alltag überall anwenden – im Berufsleben genauso wie bei privaten Entscheidungen. In dem Fall kann zum Beispiel der Partner oder eine Freundin die Rolle des Advocatus Diaboli einnehmen. Beispiel Jobwechsel: Sind Sie mit Ihrem aktuellen Job unglücklich und wollen kündigen? In dem Fall können Sie mithilfe der Methode prüfen, ob Sie alle anderen Alternativen ausgeschöpft oder Ihren Jobwechsel wirklich systematisch vorbereitet haben.
Typische Fragen des Advocatus Diaboli:
- Stimmt das überhaupt?
- Hast du wirklich an alles gedacht?
- Was wäre wenn…?
- Auf welchen Fakten basiert deine Annahme?
- Was macht dich so sicher?
- Hast du auch daran gedacht, dass…?
- Welche Alternativen gibt es noch?
Lesetipp: Systemische Fragen nutzen
Bedenkenträger: Der Advocatus Diaboli im Betrieb
Die Methode des Advocatus Diaboli können Sie im Job nicht nur gezielt in Meetings oder beim Brainstorming einsetzen. Es gibt ebenso Kollegen, die diese Rolle bereits freiwillig übernehmen: sogenannte Bedenkenträger – aber bitte nicht verwechseln mit Besserwissern oder Rechthabern!
Solche Kollegen sind besser als ihr Ruf: Sie weisen auf mögliche Probleme hin, und regen zu einer Reflexion und zum Querdenken an. Keine Frage, Bedenkenträger sind unbequem und können auch zu Bremsern und Blockierern mutieren (siehe: Querulant). Grundsätzlich aber helfen sie, die Qualität von Arbeit, Produkten oder Prozessen zu verbessern. Weil sie prüfen, ob es nicht doch noch eine Spur besser oder anders geht.
Advocatus Diaboli Beispiel im Meeting
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Diskussion
Nach einem ersten Brainstorming werden alle Ideen oder Lösungen vorgestellt.
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Analyse
Der Advocatus Diaboli überprüft den Vorschlag und stellt ihn infrage, indem er starke Gegenargumente sammelt und mögliche Nachteile benennt.
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Läuterung
In der folgenden Diskussion werden alle Positionen immer wieder auf den Prüfstein gestellt – solange, bis der Advocatus Diaboli nichts mehr findet oder einlenken muss.
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Entscheidung
Nachdem wirklich alle Vor- und Nachteile bekannt und gegeneinander abgewogen sind, wird eine fundierte Entscheidung getroffen, die sämtliche Faktoren berücksichtigt.
Denken Sie nur an eine der erfolgreichsten Kreativitätstechniken – die Walt-Disney-Methode: Auch hier gibt es neben dem „Träumer“ und „Realisten“ ebenso den „Kritiker“. Seine Aufgabe ist es ebenfalls, Schwachstellen zu finden – nicht, um Ideen zu beerdigen, sondern um Schwächen zu identifizieren und zur Nachbesserung und Optimierung zu nötigen. Eben wegen dieser dritten Rolle ist die Walt-Disney-Methode bis heute eine der erfolgreichsten Kreativitätsmethoden.
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