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Advocatus Diaboli: Darum sind Bedenkenträger so nützlich

Den Advocatus Diaboli – des Teufels Anwalt – mag niemand. Er ist unbequem, stellt infrage, widerspricht. Und doch brauchen wir diese wichtige Gegenposition, um unsere Überzeugungen, Prozesse oder Produkte zu verbessern und Fehler zu vermeiden. „Qualität kommt von quälen“, lautet ein Sprichwort. Tatsächlich gibt es gute Gründe, warum die Rolle des Widersachers und Bedenkenträgers nützlicher ist, als wir intuitiv denken…



Advocatus Diaboli: Darum sind Bedenkenträger so nützlich

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Definition: Was ist ein Advocatus Diaboli?

Der lateinische Begriff Advocatus Diaboli (deutsch: Anwalt des Teufels) beschreibt in der Rhetorik eine Person, die bei einem Streit gezielt die Position des Gegners einnimmt. Er legt den Finger bewusst in offene Wunden. Dies kann zugleich eine Methode und Strategie sein, um vorschnelle Entscheidungen zu hinterfragen und zu falsifizieren, um sich vor einem Fehlurteil zu schützen.

Seinen Ursprung hat der Ausdruck in der katholischen Kirche. Damals sollte der Advocatus Diaboli vor der Selig- oder Heiligsprechung Argumente sammeln und vorbringen, die gegen diese sprachen. Sein Gegenspieler und Fürsprecher war entsprechend der „Advocatus Dei“ oder „Advocatus Angeli“ – der Anwalt Gottes bzw. Anwalt des Engels.

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Was ist die Advocatus Diaboli Methode?

Die Advocatus Diaboli Methode wird häufig in der Psychologie und Psychotherapie angewendet. Dort hilft sie, kognitive Verzerrungen (sog. Bias), negative Glaubenssätze sowie schädliche Überzeugungen zu entlarven, sodass von dort aus neue Verhaltensweisen erlernt werden können.

Im allgemeinen Sprachgebrauch handelt sich beim Advocatus Diaboli um ein rhetorisches Mittel, das unterschiedliche Ziele verfolgen kann:

  1. Argumente schärfen
    Hier nimmt jemand die Rolle des Advocatus Diaboli ein, um die Position der Gegenseite besser zu verstehen und so die eigenen Gegenargumente stichhaltiger zu formulieren.
  2. Überzeugungen prüfen
    Ebenso kann die intensive Beschäftigung mit der Gegenposition dazu führen, dass die eigene Haltung als falsch oder nicht haltbar erkannt wird. Es kommt zur Kapitulation.

Die Advocatus Diaboli Methode lässt sich zum Beispiel ganz bewusst im Projektmanagement oder bei der Produktentwicklung einsetzen, um zu verhindert, dass elementare Denkfehler gemacht, Risiken unterschätzt und Alternativen übersehen werden.

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Advocatus Diaboli = institutionalisierte Kritik

Die Methode und Strategie des Advocatus Diaboli ist nichts für Menschen mit ausgeprägtem Harmoniebedürfnis. Denn sie provoziert ganz bewusst Streit und Dissenz. Der „Teufelsanwalt“ muss zwar nicht wirklich von seiner Anti-Haltung überzeugt sein, er muss sie aber inhaltlich stark vertreten und dabei womöglich gegen eigene Überzeugung argumentieren. Dazu werden bestehende Prozesse oder Ideen attackiert, konstruktiv (!) kritisiert sowie Schwachstellen gezielt torpediert. Das belebt die Diskussion, gefällt aber nicht allen (siehe: Komfortzone).


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Psychologie: Was sind Beispiele für die Gegenposition?

Die kontroverse Argumentation mithilfe des Advocatus Diaboli lässt sich im Alltag überall anwenden – im Berufleben genauso wie bei privaten Entscheidungen. In dem Fall kann zum Beispiel der Partner oder eine Freundin die Rolle des Advocatus Diaboli einnehmen.

Beispiel Jobwechsel: Sind Sie mit Ihrem aktuellen Job unglücklich und wollen kündigen. In dem Fall könnten sie bedenken, ob Sie schon alles versucht haben – oder den Jobwechsel wirklich systematisch in allen Phasen vorbereitet haben.

Typische Fragen des Advocatus Diaboli

  • Stimmt das überhaupt?
  • Hast du wirklich an alles gedacht?
  • Was wäre wenn…?
  • Auf welchen Fakten basiert deine Annahme?
  • Was macht dich so sicher?
  • Hast du auch daran gedacht, dass…?
  • Welche Alternativen gibt es noch?

Lesetipp: Systemische Fragen nutzen

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Bedenkenträger: Der Advocatus Diaboli im Betrieb

Die Methode des Advocatus Diaboli können Sie im Job nicht nur gezielt in Meetings oder beim Brainstorming einsetzen. Es gibt ebenso Kollegen, die diese Rolle bereits übernehmen: die Bedenkenträger – bitte nicht verwechseln mit Besserwissern oder Rechthabern!

Solche Menschen sind besser als ihr Ruf: Sie weisen auf mögliche Probleme hin, regen eine Reflektion und zum Querdenken an. Keine Frage, Bedenkenträger sind unbequem und können auch zu Bremsern und Blockierern mutieren (siehe: Querulant). Grundsätzlich aber helfen sie, die Qualität von Arbeit, Produkten oder Prozessen zu verbessern. Weil sie prüfen, ob es nicht doch noch eine Spur besser oder anders geht…

Advocatus Diaboli Beispiel im Meeting

  1. Diskussion

    Nach einem ersten Brainstorming werden alle Ideen oder Lösungen vorgestellt.

  2. Analyse

    Der Advocatus Diaboli überprüft den Vorschlag und stellt ihn infrage, indem er starke Gegenargumente sammelt und mögliche Nachteile benennt.

  3. Läuterung

    In der folgenden Diskussion werden alle Positionen immer wieder auf den Prüfstein gestellt – solange bis der Advocatus Diaboli nichts mehr findet oder einlenken muss.

  4. Entscheidung

    Nachdem wirklich alle Vor- und Nachteile bekannt und gegeneinander abgewogen sind, wird eine fundierte Entscheidung getroffen, die sämtliche Faktoren berücksichtigt.

Denken Sie nur an eine der erfolgreichsten Kreativitätstechniken – die Walt-Disney-Methode: Auch hier gibt es neben dem „Träumer“ und „Realisten“ ebenso den „Kritiker“. Auch seine Aufgabe ist es, Schwachstellen zu finden – nicht, um Ideen zu beerdigen, sondern um Schwächen zu identifizieren und zur Nachbesserung und Optimierung zu nötigen.


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