Rhetorische Mittel: Definition, Wirkung + 16 Beispiele

Oft verwenden wir rhetorische Mittel, ohne es zu wissen. Fischers Fritze fischt… den Klassiker kennen viele – aber hätten Sie auch gewusst, dass es eine Alliteration (mehr dazu im Artikel) ist? Dabei sind rhetorische Mittel sehr nützlich – etwa bei Vorträgen oder Präsentationen. Sie ermöglichen den bewussten Einsatz, um entsprechende Effekte beim Zuhörer zu erzielen. Grund genug, uns die Wirkung rhetorischer Figuren anzuschauen und zahlreiche Beispiele für Stilmittel zu geben…

Rhetorische Mittel: Definition, Wirkung + 16 Beispiele

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Definition: Was sind rhetorische Mittel?

Ein rhetorisches Mittel (wahlweise auch als rhetorische Figur, Stilmittel, Rede- oder Sprachfigur bekannt) ist ein Gestaltungselement der Sprache. Es dient der Ausschmückung und kam bereits bei den alten Griechen und Römern in öffentlichen Reden zum Einsatz. Ihnen haben wir es auch zu verdanken, dass die meisten Bezeichnungen solcher Stilmittel auf Griechisch oder Latein sind.

Heutzutage sind es vor allem drei Disziplinen, die Rhetorik, die Poetik und die Sprachwissenschaft, welche sich mit rhetorischen Mitteln beschäftigen. Diese Stilfiguren sind nicht nur für die gesprochene Sprache bedeutsam. Zahlreiche Gedichte, Balladen, Romane oder Dramen greifen darauf zurück.

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Wirkung rhetorischer Mittel

Rhetorische Mittel zu kennen, ist nicht nur für Gymnasiasten in der Abiturklausur wichtig. Wer über das Wissen verfügt und sie richtig anwendet, kann mit Sprache spielen. Das ist nicht ganz unwichtig, denn Sprache transportiert nicht nur Informationen. Sie vermittelt auch Emotionen, macht Zuhörer neugierig und überzeugt sie. Und mit dem gezielten Gebrauch rhetorischer Mittel können Sie Ihre Aussagen entsprechend betonen, ihnen Gewicht verleihen.

Somit ermöglichen rhetorische Mittel eine besondere Eloquenz. Das kann nie schaden, denn auch Unterhaltungen oder Diskussionen mit Freunden erhalten dadurch das gewisse Etwas. Wichtig ist es aber vor allem für alle, die beruflich viel reden: Beispielsweise Moderatoren, Politiker, Keynote Speaker und Vertriebler. Letztlich eignen sich rhetorische Mittel aber auch für jeden, der häufiger Vorträge halten muss.

Wie lassen sich rhetorische Mittel erkennen?

Nicht immer weiß der Leser, was der Autor damit ausdrücken will, denn für eine sinnvolle Interpretation braucht es teilweise Hintergrundwissen aus der jeweiligen Epoche. Aber viele ältere Texte funktionieren heute noch wie vor 300 oder gar 2.000 Jahren: Oft bedarf es lediglich einer gewissen Intuition und Assoziation, um ein Bild vor dem inneren Auge entstehen zu lassen. Und es schadet nicht, häufig verwendete rhetorische Mittel zu kennen, weshalb wir nachfolgend die häufigsten vorstellen.


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Liste mit Beispielen der gängigsten rhetorischen Figuren

Unterteilt haben wir die folgende Liste in besonders häufige rhetorische Mittel und solche, die Sie außerdem kennen sollten. Mithilfe von Beispielen erkennen Sie, worum es sich handelt. Nicht selten vereinen die Beispiele mehrere Figuren in sich.

Klassiker: Die fünf häufigsten Stilmittel

  • Alliteration
    Dieses rhetorische Mittel erkennen Sie daran, dass wenigstens zwei oder alle aufeinanderfolgende Wörter mit demselben Buchstaben beginnen: „Fischers Fritze fischt frische Fische.“ Oder: „Milch macht müde Männer munter.“
  • Anapher
    Dieses rhetorische Mittel funktioniert so, dass einzelne Worte oder Wortgruppen wiederholt werden. Das rhythmisiert und unterstreicht die Wirkung des Gesagten. Beispielsweise: „Welche Miene! welche Blicke!“ (Johann Wolfgang von Goethe, „Der Zauberlehrling“)
  • Ellipse
    Durch eine Ellipse wird ein Satz grammatikalisch unvollständig, da ein Satzbestandteil wegfällt. Zum Beispiel: „Darf ich?“ Statt: „Darf ich einmal vorbei?“
  • Hyperbel
    Die Hyperbel gehört zu den rhetorischen Figuren, die vermutlich jeder Mensch schon unbewusst benutzt hat: Gemeint sind starke Übertreibungen wie: Ich habe dir schon 1.000 Mal gesagt, dass du dein Zimmer aufräumen sollst!“
  • Metapher
    Bei einer Metapher verwenden wir einen Begriff stellvertretend für einen anderen, ohne einen direkten Vergleich anzuwenden. Zum Beispiel: „Du bist ein Esel!“ Mit dieser Beleidigung drückt der Sprecher aus, dass er die andere Person für dumm hält. Weniger riskant wäre der Vergleich: „Du bist stur wie ein Esel!“

Insider: 11 rhetorische Mittel für Fortgeschrittene

  • Euphemismus
    Euphemismen sind beschönigende Beschreibungen. Dazu greifen wir beispielsweise, um anderen besondere Härte zu ersparen – etwa als Zeichen der Anteilnahme: „Er ist von uns gegangen.“ Statt: „Er ist gestorben.“
  • Chiasmus
    Das rhetorische Mittel Chiasmus (vom griechischen Buchstaben X = Chi) liegt vor, wenn sich Satzteile von der Wortstellung oder auch inhaltlich überkreuzen, beispielsweise bei: „Ich liebe Hunde, Katzen hasse ich.“ Bei identischer Satzstellung würde es sich um einen Parallelismus handeln, also: „Ich liebe Hunde. Ich hasse Katzen.“
  • Klimax
    Diese Redefigur funktioniert als dreigliedrige Steigerung. Bekanntestes Beispiel ist Cäsars Ausruf: „Ich kam, ich sah, ich siegte.“ Im lateinischen Original „Veni, vidi, vici“ verbirgt sich hinter diesem rhetorischen Mittel gleichzeitig eine Alliteration.
  • Neologismus
    Beim Neologismus handelt es sich um eine Wortneuschöpfung. Ein bekanntes Beispiel dafür stammt aus der Werbebranche: Coca Cola bezeichnete einst seine PET-Plastikflaschen als „unkaputtbar“ – dieses Wort existiert nicht. Stattdessen hätte es „unzerbrechlich“ heißen müssen. Aber was auffällt, bleibt länger im Gedächtnis haften.
  • Paradoxon
    Ein Paradoxon steht für einen Widerspruch. Das folgende rhetorische Mittel zeigt, dass Stilfiguren häufig mehrere Bedeutungen in sich vereinen: „Das Leben ist der Tod, der Tod ist das Leben.“ Gleichzeitig stellt diese Redefigur einen Chiasmus dar.“
  • Personifikation
    Bei dieser Redefigur erhalten Dinge menschliche Züge, beispielsweise: „Der Himmel weint.“ Statt: „Es regnet.“ Aber auch gängige Bezeichnungen wie Mutter Erde, Vater Staat, Mütterchen Russland, Väterchen Frost sind Personifikationen, da abstrakten Begriffen und Gestalten typisch menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Ein anderes Wort dafür ist Anthropomorphismus.
  • Rhetorische Frage
    Rhetorische Fragen sind solche, auf die der Sprecher keine Antwort erwartet. Sie können provozierend wirken und erhöhen beim Gegenüber die Aufmerksamkeit: „Halten Sie mich etwa für minderbemittelt?“ Aber auch Werbebotschaften lassen sich mithilfe dieses rhetorischen Mittels an den Kunden bringen. Bekannt etwa solche Slogans im Kleid der rhetorischen Frage wie der von Ikea: „Wohnst du noch oder lebst du schon?“ Auch dieses Beispiel gilt gleichzeitig als Parallelismus.
  • Sarkasmus
    Sarkasmus ist beißender, verhöhnender Spott, der andere meist beabsichtigt verletzt oder es billigend in Kauf nimmt. Streng genommen handelt es sich dabei weniger um ein rhetorisches Stilmittel, vielmehr er beschreibt die Wirkungsabsicht eines Autors oder Sprechers. Inhaltlich verwandt ist er mit Ironie und Zynismus.
  • Tautologie
    Dieses rhetorische Mittel ist auch unter dem Begriff Pleonasmus bekannt. Umgangssprachlich nennen manche Menschen es „doppelt gemoppelt“, wenn zwei verschiedene Wörter zusammengestellt werden, die inhaltlich dasselbe aussagen. Beispielsweise „kleines Baby“ – Baby ist eigentlich schon spezifisch genug.
  • Vergleich
    Ein Vergleich zeichnet sich durch das Wörtchen „wie“ aus. Dieses Stilmittel veranschaulicht Dinge, indem zu einem Bild ein Gegenbild gestellt wird: „Er kämpfte wie ein Löwe.“ Oder: „Sie hatte eine Haut wie ein Pfirsich.“
  • Zeugma
    Das Zeugma ist ein Beispiel für versuchte Effizienz unter den Stilmitteln: Dieses rhetorische Mittel funktioniert nämlich durch Worteinsparung. Dabei verbindet der Sprecher zwei Satzglieder, die auf inhaltlicher Ebene nicht zusammengehören. Ein Beispiel des bekannten Komikers: „Ich heiße Heinz Erhardt und Sie willkommen.“ Statt: Ich heiße Heinz Erhardt/Mein Name ist Heinz Erhardt und ich heiße Sie willkommen.“ Denn die korrekte Formulierung ist „jemanden willkommen heißen“.

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[Bildnachweis: FGC by Shutterstock.com]
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17. Januar 2021 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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