Rhetorische Fragen: 25 Beispiele – und ihre Subbotschaften

Wer fragt, der führt. Rhetorik ist die Fähigkeit der Redekunst und damit ein probates Stilmittel, um ein Gespräch zu lenken, zu manipulieren oder den Dialog zu dominieren. Bestimmte Fragen können noch mehr: Rhetorische Fragen können Ihr Gegenüber nicht nur beeinflussen, sondern auch zum Nachdenken anregen.

Das kann in bester Absicht geschehen – oder nicht. Schließlich schwingt bei jeder rhetorischen Frage stets eine Subbotschaft mit. Viele rhetorische Fragen sind sogar mehr Aussage oder Behauptungen als Frage. Was rhetorische Fragen ausmacht, worauf Sie dabei achten sollten und zahlreiche Beispiele für rhetorische Fragen und deren Botschaften…

Rhetorische Fragen: 25 Beispiele - und ihre Subbotschaften

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Definition: Was sind rhetorische Fragen?

Als rhetorische Fragen wird eine bestimmte Fragetechnik bezeichnet, die zu den besonderen Stilmitteln innerhalb der Rhetorik zählt. Hauptmerkmal der rhetorischen Fragen: Anders als bei üblichen Fragen, geht es hierbei nicht darum, neue Informationen zu gewinnen, etwas zu erfahren oder im Wortsinn zu hinterfragen. Vielmehr steht die Beeinflussung des Gesprächspartners im Vordergrund: Rhetorische Fragen brauchen keine wirkliche Antwort, weil sie selbst einen Aussagecharakter haben. Entweder ist keine sinnvolle Antwort möglich oder die gewünschte Antwort wird schon in der rhetorischen Frage selbst mitgeliefert (ähnlich wie bei einer Suggestivfrage – siehe Kasten).

Ein typisches Beispiel für eine rhetorische Frage ist: „Habe ich es dir nicht gleich gesagt?“ Dem Fragenden geht es hier nicht um einen Informationsgewinn. Vielmehr unterstreicht er seine vorherige Aussage. Die rhetorische Frage kommt in diesem Fall einem „Ich wusste, dass ich Recht habe!“ gleich. Sie können eine rhetorische Frage daher immer daran erkennen, dass eine informative Antwort nicht möglich oder gar nicht gewünscht ist. Oft bleibt dem Empfänger einer rhetorischen Frage lediglich übrig, dem Gesagten zuzustimmen.

Rhetorische Frage versus Suggestivfrage

Suggestivfragen sind rhetorischen Fragen in vielen Punkten ähnlich: Sie stecken voller Absicht, sollen (unterbewusst) beeinflussen und manipulieren. Der Hauptunterschied zur rhetorischen Frage ist jedoch: Auf eine Suggestivfrage wird eine Antwort erwartet – die Antwortoptionen werden aber zugleich eingeschränkt. Vielmehr unterstellt die Suggestivfrage meist, dass es nur eine Antwort geben kann. Beispiel: „Wollen Sie sich diese Chance wirklich entgehen lassen?“ Durch die Frage wird sowohl das Angebot – suggestiv – zur „Chance mit Verfallsdatum“ deklariert (was gar nicht stimmen muss). Zugleich appelliert sie an das schlechte Gewissen und die Verlustängste des Gegenübers: Dir entgeht etwas! Ein typischer Psychotrick.


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Welche Ziele verfolgen rhetorische Fragen?

Wenn auf rhetorische Fragen nicht geantwortet werden soll und auch keine Informationen gewonnen werden können, stellt sich eine ganz andere Frage: Warum werden rhetorische Fragen überhaupt genutzt? Um das zu verstehen, sollten Sie sich vor Augen führen, dass es sich nicht um Fragen im klassischen Sinn handelt, sondern um ein sprachliches Stilmittel, das mehrere Zwecke erfüllen soll. Je nach Situation und Kontext können rhetorische Fragen die folgenden Ziele verfolgen:

Rhetorische Fragen betonen Aussagen

Die häufigste Verwendung von rhetorischen Fragen zielt darauf ab, eine Aussage zu verstärken und ein Argument noch einmal zu betonen. Wenn der Chef beispielsweise zu einem Mitarbeiter sagt: „Wollen Sie das wirklich so dem Kunden präsentieren?“ wird daraus deutlich, dass der Kollege noch einmal gründlich nachbessern soll. Die Formulierung als rhetorische Frage verkleidet die Kritik („Das geht so nicht!“) allerdings und suggeriert dem Mitarbeiter, er hätte ein Option. Hat er natürlich nicht.

Rhetorische Fragen manipulieren den Gesprächsverlauf

Rhetorische Fragen sind ein wirksames Stilmittel, um den Gesprächsverlauf zu beeinflussen und nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Geübte Rhetoriker können ihr Gegenüber so regelrecht an die Wand reden: Der Gesprächspartner wird per Fragetechnik immer stärker in eine passive und defensive Position gedrängt. Er oder sie muss antworten. Gleichzeitig kann durch geschicktes Fragen eine Zustimmung erzwungen werden. Auch dienen rhetorische Fragen als sogenannte Totschlagargumente: Der Sprecher erhöht sich dabei und macht es seinem Gesprächspartner schwer bis unmöglich, weiter zu diskutieren. Eine solche rhetorische Frage ist beispielsweise: „Wann wirst du endlich erwachsen?“

Rhetorische Fragen sorgen für Aufmerksamkeit

In Reden, Vorträgen und Präsentationen werden rhetorische Fragen gerne genutzt, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu erhöhen. Dazu gehören beispielsweise rhetorische Fragen wie: „Glauben Sie immer noch, dass es den Klimawandel nicht gibt?“ „Hand aufs Herz: Wer glaubt das wirklich?“ „Ernsthaft?“ Oft werden hierbei Fragen vorweg genommen, die das Publikum auch haben könnte – die Frage selbst enthält aber bereits eine Wertung (und Antwort). Was uns zum letzten Punkt bringt

Rhetorische Fragen enthalten eine Wertung

Häufig werden rhetorische Fragen zusammen mit Ironie kombiniert. Auf diese Weise wird entweder subtil Kritik transportiert oder eine Person beziehungsweise Situation ins Lächerliche gezogen. Beispiele: „Kann es sein, dass Sie heute Morgen zu viel Kaffee hatten?“ „Wollten Sie uns mit Ihrem Kleid oder mit Argumenten überzeugen?“ Auf solche Fragen einzugehen oder sie gar zu beantworten ist immer ein Fehler!

Achtung: Rhetorische Fallen

Rhetorische Fragen können eine fiese Falle enthalten. Bestes Beispiel hierfür: „Bezahlen Sie Ihre Mitarbeiter immer noch unfair?“ Egal, ob man darauf mit „Ja“ oder „Nein“ antwortet – der andere gibt zu, ein Ausbeuter zu sein. Auch im „Nein“ steckt schließlich nur ein „heute bezahle ich sie nicht mehr unfair“ – früher aber schon. Jede Einlassung auf solche Fragen kommt einem ungewollten (aber erwünschten) Geständnis gleich. Also Vorsicht!


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Rhetorische Fragen sind mit Vorsicht zu genießen

Rhetorische Fragen sind ein vielseitiges Stilmittel, haben aber häufig einen Haken: Sie werden als Manipulationsversuch erkennt – können den Empfänger verstimmen oder das Gespräch oder die Diskussion gar eskalieren lassen. Der Grund sind die Subbotschaften, die mit einer rhetorischen Frage mitschwingen. Aus einem rhetorischen „Hast du daran etwa nicht gedacht?“ wird implizit ein „Wie kann man nur so blöd sein?“ Hinter einem „Ist das wirklich deine Meinung?“ steht ein ungesagtes „Das kann doch nicht dein Ernst sein!“ Rhetorische Fragen sollten daher nur sparsam und mit größtem Fingerspitzengefühl eingesetzt werden.

Umgekehrt: Mit rhetorischen Fragen können Sie eben solche auch beantworten und schlagfertig abwehren. Also eine Frage mit einer Gegenfrage beantworten – und so die Wirkung gegen den Fragensteller (zurück) richten. Beispiel: „Haben Sie daran nicht gedacht?“ – „Waren meine Ausführungen zu komplex für Sie?“ (siehe auch: Schlagfertige Antworten).

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Beispiele: Rhetorische Fragen und ihre Botschaften

Wenn Sie sich für rhetorische Fragen entscheiden, sollten diese mit Bedacht gewählt werden – und natürlich sollten auch Sie selbst sich den darin verborgenen Botschaften und Aufforderungen bewusst sein. Wir haben deshalb 25 Beispiele für rhetorische Fragen gesammelt – inklusive der Subbotschaften und Aussagen, die darin stecken:

  • Was würden Sie machen, wenn…?
    Bringt jemanden dazu, über den Ist-Zustand hinaus zu denken.
  • Was würden Sie ändern, wenn…?
    Konkretisiert vage Kritik.
  • Wenn Sie an meiner Stelle wären…?
    Testet Führungspotenzial und ermuntert, Chancen zu erkennen.
  • Wie würden Sie das kommunizieren…?
    Visualisiert Kommunikationsstärke und die Reaktionen der anderen.
  • Auf einer Skala von 1 bis 10…?
    Versucht Emotionen zu objektivieren.
  • An was arbeiten Sie gerade…?
    Klärt aktuelles Engagement, aber auch Vakanzen.
  • Was kann ich tun, um Sie…?
    Demonstriert Verhandlungsbereitschaft und schafft Optionen.
  • Was können WIR tun, um…?
    Verbindet.
  • Was können wir jetzt tun…?
    Führt zu unmittelbaren Lösungen.
  • Was sind die größten Herausforderungen…?
    Identifiziert Grenzen.
  • Was haben Sie daraus gelernt…?
    Überprüft Analysestärke und Lernfähigkeit.
  • Sie wollen also sagen…?
    Hinterfragt Sprachschlamperei oder gar Verschleierungsversuche.
  • Würden Sie dem zustimmen…?
    Testet die Grenzen des anderen.
  • Erinnern Sie sich an…?
    Prüft das Gedächtnis, aber auch die Fähigkeit Analogien zu erkennen.
  • Haben Sie sich das gut überlegt…?
    Hinterfragt Sorgfalt und Analysestärke.
  • Haben Sie auch daran gedacht, dass…?
    Eine Suggestivfrage, die eher nach Rat als nach Belehrung klingt.
  • Haben Sie daran gedacht, dass…?
    Wenger suggestiv, regt dafür mehr zum Denken an.
  • Wie würden Sie an die Sache herangehen?
    Motiviert zur Kreativität und testet diese gleichzeitig.
  • Wie haben Sie das damals gelöst…?
    Überprüft vergangene Erfolge und daraus gewonnene Erkenntnisse.
  • Wie würden Sie das messen…?
    Bemüht sich um Objektivität und fokussiert auf nachprüfbare Fakten.
  • Welche Alternativen haben wir…?
    Ermutigt zu grenzenlosen Gedanken und offener Diskussion.
  • Wie passt das zu…?
    Fokussiert auf den roten Faden und wichtige Synergien.
  • Wer stimmt dem zu…?
    Klärt das Ausmaß des Interesses an einer Sache.
  • Haben Sie gefragt, dass…?
    Hinterfragt die Fragen des anderen.
  • Haben wir noch etwas vergessen…?
    Sucht nach neuen Fragen.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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21. September 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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