Interviewtechnik: Methoden, Fragen & 7 Interview-Tipps

Ein gutes Interview ist mehr als eine Reihe vorbereiteter Fragen. Entscheidend sind die richtige Interviewtechnik, gründliche Vorbereitung und die Fähigkeit, zuzuhören und im richtigen Moment nachzuhaken. Wie das funktioniert, zeigen wir Ihnen nicht nur theoretisch: Unser fiktives Interview demonstriert die wichtigsten Techniken direkt im Gespräch…

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Definition: Was ist Interviewtechnik?

Interviewtechnik bezeichnet Methoden und Fragetechniken, mit denen ein Interview vorbereitet, strukturiert und geführt wird. Dazu gehören die Auswahl geeigneter Fragen, aktives Zuhören, gezieltes Nachfragen und die Fähigkeit, das Gespräch zu steuern, ohne dem Interviewpartner die Antworten vorzugeben.

Welche Interviewtechnik sich eignet, hängt vom Ziel ab. Ein journalistisches Interview soll beispielsweise interessante Aussagen und neue Erkenntnisse hervorbringen. Ein Forschungsinterview erhebt systematisch Informationen. Im Bewerbungsgespräch helfen strukturierte oder kompetenzbasierte Interviews dabei, Kandidaten vergleichbarer zu beurteilen.

Was macht eine gute Interviewtechnik aus?

Gute Interviewer bereiten Fragen vor, kleben aber nicht am Fragenkatalog. Sie hören aufmerksam zu, erkennen interessante Aussagen und fragen dort nach, wo etwas unklar, überraschend oder widersprüchlich bleibt. Der Interviewleitfaden gibt Orientierung – das eigentliche Interview entsteht im Gespräch.

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Welche Interviewtechniken gibt es?

Interviews unterscheiden sich vor allem darin, wie stark Fragen und Ablauf vorgegeben sind. Grundsätzlich lassen sich drei Formen unterscheiden:

Interviewtechnik

Merkmale

Strukturiertes Interview Fragen und Reihenfolge sind weitgehend festgelegt. Das erleichtert den Vergleich mehrerer Antworten.
Semistrukturiertes Interview Ein Leitfaden gibt Themen und Kernfragen vor, erlaubt aber spontane Nachfragen und eine flexible Reihenfolge.
Unstrukturiertes Interview Das Gespräch ist weitgehend offen. Der Interviewer reagiert flexibel auf Antworten und entwickelt daraus weitere Fragen.

Für journalistische Interviews eignet sich die flexible Form am meisten: Sie kennen Ihr Ziel und Ihre wichtigsten Fragen, lassen aber genügend Raum für überraschende Antworten. Genau dort beginnt oft der interessante Teil des Gesprächs.

Interview vorbereiten: 6 wichtige Schritte

Gute Interviewtechnik beginnt lange vor der ersten Frage. Wer nur einen Fragenkatalog vorbereitet, kennt zwar seine Fragen – aber noch nicht unbedingt das Gespräch.

  1. Bestimmen Sie das Ziel

    Was wollen Sie durch das Interview erfahren? Formulieren Sie die zentrale Erkenntnis, die Sie gewinnen möchten. Daraus ergeben sich Themen und Fragen.

  2. Recherchieren Sie den Gesprächspartner

    Informieren Sie sich über Person, Positionen, Veröffentlichungen und relevante Aussagen. Fragen Sie möglichst nichts, was eine kurze Recherche bereits beantwortet.

  3. Entwickeln Sie einen Interviewleitfaden

    Notieren Sie die wichtigsten Themen und Kernfragen. Der Leitfaden ist ein Sicherheitsnetz und kein Drehbuch, das Sie Frage für Frage abarbeiten müssen.

  4. Formulieren Sie offene Fragen

    Fragen wie „Wie haben Sie das erlebt?“ oder „Warum haben Sie sich dafür entschieden?“ regen zum Erzählen an. Geschlossene Fragen führen dagegen häufig nur zu Ja oder Nein.

  5. Bereiten Sie mögliche Nachfragen vor

    Überlegen Sie vorab, wo Aussagen unklar oder kontrovers werden könnten. Gute Nachfragen entstehen zwar spontan, auf wichtige Punkte können Sie sich trotzdem vorbereiten.

  6. Planen Sie einen starken Einstieg

    Beginnen Sie nicht zwangsläufig mit der spannendsten oder persönlichsten Frage. Eine leicht zugängliche Einstiegsfrage bringt das Gespräch in Gang. Bei journalistischen Interviews darf der Einstieg zugleich überraschen oder provozieren.

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Welche Fragen funktionieren im Interview?

Die Qualität eines Interviews hängt wesentlich von den Fragen ab. Gute Fragen sind kurz, verständlich und verfolgen jeweils einen klaren Gedanken. Noch wichtiger: Sie liefern dem Gesprächspartner genügend Raum für eine interessante Antwort.

Offene Fragen

Offene Fragen lassen sich nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Sie beginnen häufig mit „Wie“, „Warum“, „Was“ oder einer Aufforderung zum Erzählen:

  • „Wie kam es zu dieser Entscheidung?“
  • „Was hat Sie dabei am meisten überrascht?“
  • „Warum würden Sie heute anders entscheiden?“
  • „Erzählen Sie von dem Moment, in dem Ihnen das klar wurde.“

Nachfragen

Nachfragen gehören zu den wichtigsten Interviewtechniken überhaupt. Sie vertiefen eine Antwort und verhindern, dass Allgemeinplätze einfach stehen bleiben:

  • „Was meinen Sie damit konkret?“
  • „Können Sie dafür ein Beispiel nennen?“
  • „Warum?“
  • „Was passierte danach?“
  • „Sie sagen, das sei unvermeidbar gewesen. Wieso?“

Manchmal ist die wirksamste Interviewtechnik sogar eine kurze rhetorische Pause. Antworten Sie nicht sofort, wenn Ihr Gegenüber innehält. Wer Stille aushält und aufmerksam bleibt, bekommt häufig noch einen zweiten, interessanteren Gedanken.

Geschlossene Fragen

Geschlossene Fragen verlangen eine knappe oder festgelegte Antwort: „Haben Sie zugestimmt?“ – „Waren Sie dabei?“ Sie eignen sich, um Fakten zu klären oder eine eindeutige Position einzufordern. Als vorherrschende Interviewtechnik bremsen sie jedoch den Gesprächsfluss.

Suggestivfragen

Suggestivfragen legen bereits eine gewünschte Antwort nahe: „Das war doch sicher ein Fehler, oder?“ Sie können in journalistischen Interviews bewusst eingesetzt werden, um eine Position zu provozieren. Wer neutrale Informationen erheben will, sollte sie dagegen vermeiden.

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7 Regeln für eine gute Interviewtechnik

Die folgenden Grundregeln helfen unabhängig davon, ob Sie einen Experten, eine Führungskraft oder eine andere interessante Persönlichkeit interviewen:

  • Stellen Sie kurze Fragen

    Eine Frage ist keine Rede. Je länger Ihre Frage wird, desto leichter verliert der Gesprächspartner den Kern – oder sucht sich einfach den bequemsten Teil zur Beantwortung aus.

  • Fragen Sie nur eine Sache auf einmal

    Doppelfragen liefern häufig nur eine Antwort. Stellen Sie deshalb erst die eine und anschließend die andere Frage.

  • Hören Sie auf die Antwort

    Arbeiten Sie nicht gedanklich schon die nächste vorbereitete Frage ab. Gute Interviewer erkennen im Gesagten den Ansatzpunkt für die nächste Frage.

  • Haken Sie bei Allgemeinplätzen nach

    „Wir stellen den Kunden in den Mittelpunkt“ ist noch keine interessante Antwort. Fragen Sie nach einem konkreten Beispiel, einer Entscheidung oder Konsequenz.

  • Halten Sie Pausen aus

    Nicht jede Stille muss sofort gefüllt werden. Geben Sie Ihrem Gegenüber Zeit zum Nachdenken und Weiterreden.

  • Bleiben Sie Anwalt des Lesers

    Fragen Sie, was Leser oder Zuhörer wissen wollen – nicht, womit Sie selbst besonders klug wirken. Fachbegriffe, Widersprüche und Behauptungen verlangen eine verständliche Erklärung.

  • Folgen Sie dem Gespräch

    Ein Leitfaden gibt Orientierung, darf interessante Wendungen aber nicht verhindern. Eine überraschende Antwort ist oft wertvoller als die nächste vorbereitete Frage.

Wann lohnt sich ein Interview überhaupt?

Nicht jedes Gespräch sollte anschließend als Interview veröffentlicht werden. Oft wäre ein klassischer Artikel mit wenigen Zitaten informativer und für Leser schneller zu erfassen. Die Interviewform braucht deshalb einen eigenen Grund. Im Wesentlichen sprechen zwei Gründe dafür:

  1. Der Interviewpartner ist interessant

    Bei bekannten Persönlichkeiten, Experten oder Menschen mit ungewöhnlicher Erfahrung interessiert nicht nur die Information, sondern auch die Person dahinter. Leser wollen ihre Haltung, Sprache und Persönlichkeit erleben.

  2. Das Gespräch selbst ist interessant

    Ein Interview lohnt sich ebenfalls, wenn der Dialog einen eigenen Wert besitzt: überraschende Antworten, Widersprüche, Nachfragen oder ein erkennbarer Spannungsbogen. In diesem Fall transportiert die Gesprächsform mehr als eine bloße Zusammenfassung.

Genau das macht ein gutes Interview anspruchsvoll. Der Interviewer liefert nicht bloß Stichworte, damit der Gesprächspartner bekannte Botschaften abspult. Er führt das Gespräch, erkennt interessante Momente und fragt nach.

Was ist die STAR-Interviewtechnik?

Die STAR-Methode ist eine strukturierte Interviewtechnik für kompetenzbasierte Bewerbungsgespräche. Dabei fragt der Interviewer nach konkreten Situationen aus der Vergangenheit und arbeitet vier Punkte heraus:

STAR

Bedeutung

Situation In welcher konkreten Situation befand sich die Person?
Task – Aufgabe Welche Aufgabe oder welches Ziel hatte sie?
Action – Handlung Was hat die Person selbst konkret getan?
Result – Ergebnis Welches Ergebnis erzielte sie und was lernte sie daraus?

Statt beispielsweise abstrakt zu fragen „Sind Sie konfliktfähig?“, verlangt die kompetenzbasierte Interviewtechnik ein konkretes Verhalten: „Erzählen Sie von einer Situation, in der Sie einen Konflikt im Team lösen mussten.“ Anschließend fragt der Interviewer nach Aufgabe, Vorgehen und Ergebnis. Die STAR-Methode verfolgt damit ein anderes Ziel als ein journalistisches Interview: Sie soll Antworten strukturieren und konkrete Verhaltensbeispiele vergleichbarer machen. Im folgenden Beispiel geht es dagegen darum, wie aus Interviewtechnik ein lebendiger Dialog entsteht.

Interviewtechnik: Gutes Interview Beispiel

Soweit die Theorie. Weil sich Interviewtechnik aber besser am praktischen Beispiel vermitteln lässt, wählen wir für diesen Artikel die Interviewform selbst: Wir führen ein fiktives Interview mit uns selbst. So sehen Sie unmittelbar, wie Einstieg, Nachfragen, Provokation und offene Fragen ein Gespräch lebendig machen. Los geht’s…

Liebe Karrierebibel, das war jetzt viel Text über Interviews. War das wirklich nötig?

Ja, klar. So können wir direkt ins Gespräch einsteigen und müssen nicht noch die theoretischen Hintergründe klären. Nirgendwo steht geschrieben, dass Interviews keinen längeren Vortext haben dürfen. Das entschlackt das Gespräch enorm, und der Leser findet direkt hinein.

Apropos: Wie sieht denn der perfekte Einstieg aus?

So, wie oben: kurz, prägnant, provokant. Schließlich will man seinen Interviewpartner zum Plaudern bringen und gleichzeitig Interesse beim Leser wecken. Ein Kardinalfehler vieler Anfänger ist übrigens die langweilige Bitte, sich erst einmal vorzustellen. Das ist Aufgabe des Vortextes und des Interviewers. Der muss schließlich begründen, warum er über dieses Thema und ausgerechnet mit dieser und keiner anderen Person dazu spricht. Der häufigste Fauxpas aber ist, eine Frage zu stellen, die so lang ist, dass sie ein eigener Artikel sein könnte.

Das müssen Sie erklären.

Die Rollenverteilung ist in jedem Interview klar vorgegeben: Der Interviewte spielt die Hauptrolle; der Interviewer ist der Regisseur. Seine Fragen oder Aufforderungen…

…und Einschübe…

…genau, die auch – lenken das Gespräch, machen daraus einen Dialog und geben diesem eine Dramaturgie. Das Hauptinteresse des Lesers gilt allerdings den Antworten beziehungsweise dem Interviewten. Wer derart lange Fragen stellt, hat diese entweder nicht gründlich durchdacht und vorbereitet – oder nimmt sich selbst zu wichtig. Eigene Eitelkeiten sind im Interview aber tabu.

Die könnte man Ihnen hier jetzt aber auch unterstellen. Warum führen wir dieses Gespräch überhaupt?

(lacht) Sie interviewen doch mich. Sagen Sie es mir!

Sie sagen, die meisten Interviews sind Mist. Das ist eine ziemlich steile These. Wie kommen Sie darauf?

Schon durch diesen kleinen, aber respektvollen Schlagabtausch, ist das Interesse gleich zu Beginn geweckt. Wir schenken uns nichts, und es ist zu erwarten, dass es auch inhaltlich spannend bleibt. Bei den meisten Interviews im Netz ist das anders. Ihnen liest sich schon an, dass Sie lieblos per Mail geführt wurden – als billiger Snack-Content, bei dem der Interviewte den Job übernimmt, die Webseite des Fragenstellers vollzuschreiben. Der lädt das Interview anschließend nur noch per copy and paste auf seine Seite – fertig ist der nächste Blogbeitrag. Liest sich aber leider auch genauso.

Manchmal geht das schon aus Zeitgründen nicht anders, weil sich kurzfristig kein gemeinsamer Interviewtermin finden lässt. Etwa wenn ein viel beschäftigter CEO interviewt werden soll.

Gerade bei dem wäre es aber wichtig, ihn persönlich zu erleben und zu befragen und nicht die glatt geschliffenen Antworten des Pressesprechers zu lesen. Oft kommen dabei reine Abfrage-Interviews heraus, bei denen sich eine Erkenntnis und eine Handlungserklärung an die nächste reiht – zwischen allerlei Blabla. Das empfinde ich als Frechheit gegenüber dem Leser, weil dem einfach ungefiltert etwas hingerotzt wird, was der dann in seiner kostbaren Zeit selbst auswerten und auf die Essenz reduzieren muss. Und oft sind das dann lediglich Plattitüden oder Banalitäten. Dabei wäre es genau die Aufgabe des Interviewers, nachzuhaken und den Gesprächspartner dazu zu zwingen, Klartext zu reden und auf den Punkt zu kommen. Oder zur Not das Gespräch auf das Wesentliche einzudampfen. Vielleicht ist das am Ende nur ein einziger guter Satz. Dann muss man eben doch noch selbst einen Artikel schreiben.

Sie plädieren also dazu, nur noch mündliche Interviews zu führen?

Eine schöne Suggestivfrage, die mich dazu nötigt, tiefer einzusteigen und weiter auszuholen. Natürlich habe ich das so nicht gesagt – und plädiere auch nicht dafür. Mündliche Interviews sind zwar oft lebendiger, werden aber in der Regel transkribiert und dabei redigiert und eingedampft. Das ist völlig legitim, wenn das Interview danach autorisiert wird. Heißt: Das fertige Interview wird dem Gesprächspartner schriftlich vorgelegt und der gibt es frei oder ändert seine Antworten noch mal ab.

Was hat das jetzt mit E-Mail-Interviews zu tun?

Noch nichts. Aber jetzt: Wenn das E-Mail-Interview ein ebenso iterativer Prozess bleibt, bei dem parallel redigiert wird und auch auf Antworten kritische Rückfragen gestellt werden, dann kann es ähnlich lebendig werden. Gleichzeitig spart man sich den Autorisierungsprozess, weil der bei diesem Pingpong-Spiel aus schriftlichen Fragen und Antworten implizit enthalten ist. Man kann übrigens Interviews auch aus dem Gedächtnis heraus, also beispielsweise nach einem Telefonat, aufschreiben und zur Autorisierung vorlegen. Solange der Interviewpartner das Ergebnis absegnet und freigibt, ist das zulässig. Und so mancher freut sich sogar darüber, wie eloquent er oder sie plötzlich antworten kann…

Mancher ist aber vielleicht auch entsetzt über sein loses Mundwerk und verklausuliert seine Antwort wieder.

Stimmt. Auch das passiert.

Und dann?

Gut nachgehakt, denn das war natürlich eine bis dahin vollkommen nutzlose Antwort. In dem Fall gilt: rundgelutschte Antworten nicht akzeptieren. Ecken und Kanten machen das Interview ja gerade spannend. Im Zweifel zieht man das Interview ganz zurück und macht aus den freigegebenen Zitaten einen Artikel, bei dem man Unausgesprochenes anderweitig und durch eigene knackige Aussagen belegt. Ebenso ist es zulässig, zu offenbaren, dass der andere dazu nichts sagen wollte.

Das war jetzt aber noch nicht allzu viel, was aus Interviews „Mist“ macht.

Finden Sie?

Durchaus. Bis hierhin haben Sie mich noch nicht überzeugt.

Es gibt da ja auch noch mehr. Da ist zum Beispiel Ihre vorherige Frage: Wie sprechen Sie bitteschön in wörtlicher Rede die Anführungsstriche rund um das Wort Mist aus?

Äh… eigentlich gar nicht.

Eben. Ebenso wenig spricht jemand Abkürzungen aus. Sie sagen ja nicht Zett Punkt Be Punkt, sondern zum Beispiel. Und Anführungsstriche würden sie maximal sichtbar, aber unhörbar in die Luft malen. Wenn wir also über eine spezielle Stilform sprechen, sollte ein Interview auch genau diese wörtliche Authentizität widerspiegeln. Heißt: keine Anführungsstriche, keine Abkürzungen, nichts in Klammern, keine Sonderzeichen, sondern alles wörtliche Rede. Und möglichst kurze Hauptsätze. Alles andere ist schlecht redigiert.

Manchmal dienen Anführungsstriche aber auch dazu, das Wort zu betonen…

…oder abzuschwächen. Dazu bleibt aber auch die Kursivschrift, um eine Betonung sichtbar zu machen. Andererseits ist es schon seltsam, warum jemand in einem Interview ein Wort benutzt, um es gleich darauf durch die Anführungsstriche wieder zurückzuziehen. Dann sollte er oder sie doch bitte gleich das richtige Wort benutzen – oder Sie müssten als Interviewer hierbei nachhaken.

Okay, mache ich: Was wäre das richtige Wort?

Das, was man jeweils auch genauso meint. Schließlich hat jeder Interviewsatz das Potenzial, wortwörtlich zitiert zu werden. Blöd, wenn dabei die Anführungsstriche verloren gehen und man anschließend erklären muss, es doch gar nicht so oder ganz anders gemeint zu haben.

Apropos: Was meinen Sie, wie mache ich mich als Interviewer?

(lacht) Ganz gut. Bis hierhin ist es ein lebhafter Dialog. Regiekommentare – wie vor dieser Antwort – werden spärlich und allenfalls zur Würze eingesetzt. Sie verlangen Erklärungen, haken nach oder provozieren ab und an, um den Spannungsbogen zu halten und die gebotene Distanz zu bewahren. Wichtig ist, dass Sie zu jedem Zeitpunkt Anwalt des Lesers bleiben und möglichst jede Frage stellen, die dieser auch stellen würde, weil er die Antwort dazu wissen will.

Dann sollten wir unbedingt noch über gute Interview-Fragen sprechen.

Neben den Klassikern, wie rhetorischen oder Suggestivfragen, die bitte immer nur sparsam eingesetzt werden sollten, gibt es noch Alternativfragen, Feststellungen, Aufforderungen, Nachfragen und so weiter. All das hatten wir hier zum Teil schon. Entscheidend ist, dass Sie sogenannte offene Fragen stellen und keine geschlossenen.

So wie diese?

Nein.

Sondern?

Wie diese! Alles, was sich mit Ja oder Nein beantworten lässt, ist keine gute Frage in einem Interview. Sonst wird das ein ziemlich kurzes und auch recht einsilbiges Gespräch. Oder ein reiner Fragebogen.

Ist es denn klug, zwei Fragen auf einmal zu stellen, und was passiert in dem Fall mit dem Gespräch?

Das spart vielleicht Zeit, aber klug wäre das nicht. Weil Sie riskieren, dass der Interviewpartner nur eine Frage davon beantwortet – und dann meist auch nur jene, die ihm oder ihr besser gefällt. Deshalb lieber eine Frage nach der anderen stellen. Das Gespräch wird so auch lebendiger.

Ist es auch zulässig, persönliche Fragen zu stellen?

Natürlich. Derjenige muss ja nicht darauf antworten. Aber gerade Emotionen sind für Leser interessant, denn sie geben einen besseren Einblick in die Persönlichkeit des Gesprächspartners und machen diesen menschlicher.

Wie haben Sie sich bei diesem Interview gefühlt, und haben Sie sich über irgendetwas geärgert?

(grinst und zwinkert) Nur darüber, dass Sie schon wieder zwei Fragen in einer stellen…

Liebe Karrierebibel, wir danken für das Gespräch.


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