Ruhe bewahren: Mehr Sicherheit ausstrahlen

Es gibt Situationen, da wollen Sie nicht die Ruhe bewahren, sondern am liebsten aus der Haut fahren. Sie fühlen sich ungerecht behandelt, der Spruch eines Kollegen ging vollkommen unter die Gürtellinie oder Ihr Chef brummt Ihnen einen ganzen Haufen neuer Aufgaben auf, die er eigentlich selbst erledigen müsste. In diesen und vielen anderen Fällen gilt: Ruhe bewahren ist der beste Weg, aber nur schwer umzusetzen. Frust, Wut, Stress und Druck sind starke Triebfedern, die nur schwer unter Kontrolle zu bringen sind. Ein kurzfristiger Ausbruch fühlt sich hingegen gut an und befreit – hat aber oft negative Folgen. Damit das nicht passiert, erfahren Sie hier, warum es wichtig ist, die Ruhe zu bewahren und wie es Ihnen gelingen kann…

Ruhe bewahren: Mehr Sicherheit ausstrahlen

Ruhe bewahren: In der Ruhe liegt die Kraft

Hat Sie in letzter Zeit jemand oder etwas so richtig auf die Palme gebracht? Vielleicht der Kollege im Büro, dessen Aufgaben immer an Ihnen hängen bleiben oder auch der Bahnstreik, durch den Sie stundenlang am Gleis standen und nicht pünktlich zu einem Termin kamen? Sollte es so sein, können Sie nachvollziehen, wie stark Ärger und Wut als Emotionen sein können.

Gerade deshalb ist es von großer Bedeutung, einen richtigen Umgang mit dem eigenen Ärger zu lernen. Man kann ja nicht jedes Mal an die Decke gehen, wenn man sich auf die Füße getreten fühlt. Wer die Ruhe bewahrt, zeigt dem Störenfried gegenüber wahre Größe und kann den Frust in Motivation und Stärke umwandeln.

Übernimmt der Ärger allerdings die Kontrolle, sind die Auswirkungen negativ.

  • Sie treffen schlechtere Entscheidungen. Wer aus seinem Ärger heraus handelt, reagiert impulsiv und trifft somit automatisch schlechtere Entscheidungen. Wenn Sie sich nur auf Ihre Emotionen konzentrieren und sich von diesen überwältigen lassen, haben Sie keine Zeit, über das Geschehene nachzudenken – und handeln auch bei Ihren Reaktionen und Antworten unbedacht.
  • Sie bereuen Ihr Handeln. Ist der größte Ärger erst einmal verpufft, sieht man die Dinge meist in einem anderen Licht. Haben Sie sich schon vorher zu einem Wutausbruch hinreißen lassen, können Sie diesen aber nicht mehr rückgängig machen. Was bleibt, ist die Reue über die eigene Reaktion und der Wunsch, es wäre anders gelaufen.
  • Sie übertreiben maßlos. Wenn das Blut vor Wut in den Adern kocht, gibt es nur noch eine Geschwindigkeit: Vollgas. So wird auch die kleinste Mücke zu einem ausgewachsenen Elefanten. Dass dabei in der Regel über das Ziel hinausgeschossen wird, bleibt in diesem Moment unbeachtet und so lassen Sie nicht nur Ihrem Unmut über die aktuelle Situation, sondern auch über alles andere, was Sie stört, freien Lauf.

Darum sollten Sie zumindest äußerlich die Ruhe bewahren

Ruhe bewahren Sicherheit ausstrahlen im Job synonym StresssituationenManche Menschen legen es darauf an, Sie aus der Ruhe zu bringen und aufzuregen. Es wird provoziert, geärgert und bewusst auf die Nerven gegangen – aus den unterschiedlichsten Gründen. Kaum jemand ist in der Lage, dabei völlig ruhig und entspannt zu bleiben. Je länger Provokationen auf Sie einprasseln, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass diese irgendwann Wirkung zeigen. Das ist verständlich, doch sollten Sie sich bemühen, nach außen hin einen ruhigen Eindruck zu vermitteln.

Zeigen Sie dem anderen nicht, dass er sein Ziel erreicht hat und Sie sich aufregen. Genau das will er oder sie schließlich sehen, um sich darüber zu freuen. Selbst wenn Sie ausrasten und schreien könnten, bringt es viel mehr, wenn Sie äußerlich die Ruhe bewahren und sich nichts anmerken lassen.

Gleichzeitig nehmen Sie dem Störenfried auf diese Weise jegliche Motivation, Sie weiter aus der Ruhe bringen zu wollen, da es aus seiner Sicht keinen Effekt hat. Wie sehr Sie innerlich genervt sind, muss er ja nicht wissen.

Ruhe behalten: Gar nicht erst aufregen

Ruhe bewahren – das ist leicht gesagt, fällt aber vielen schwer. Manch einer sieht überall Gründe und Möglichkeiten, um sich aufzuregen. Gerade der Job ist dafür ein Paradebeispiel. Die Kollegen nerven, der Chef macht Druck von oben, die Kunden sorgen für zusätzlichen Stress – die Ruhe zu bewahren wird dabei fast unmöglich.

Genau das können Sie aber lernen und trainieren, schon bevor es zum Ernstfall kommt. Statt sofort rot zu sehen, die guten Vorsätze für mehr Ruhe und Sicherheit über Bord zu werfen und in Stress und Ärger zu verfallen, können Sie ruhig bleiben. Bis dahin ist es jedoch ein weiter Weg, gerade wenn es Ihnen bisher sehr schwer gefallen ist, die Ruhe zu bewahren.

Mit den folgenden Tipps können Sie lernen, sich gar nicht erst aufzuregen, selbst wenn es hart auf hart kommt:

  • Üben Sie den richtigen Umgang mit Frust

    Übung macht den Meister, das gilt für alle Fähigkeiten und auch für die Kunst, sich nicht aufzuregen. Um ruhig zu bleiben, müssen Sie deshalb den richtigen Umgang mit Stress, Frust und negativen Emotionen üben. Auf Anhieb wird es Ihnen nicht gelingen, stets die Ruhe zu bewahren. Durch Konfrontation mit Frust und Ärger können Sie trainieren, nicht gleich aus der Haut zu fahren. Sie bekommen Übung und können sich auf schwierige Situationen besser einstellen. So wird es Ihnen leichter fallen, die Ruhe zu bewahren.

  • Lernen Sie größere Gelassenheit

    Was so leicht klingt, ist schwer umzusetzen: Sei einfach gelassener. Bevor das klappt, müssen Sie mehr Gelassenheit lernen und verinnerlichen. Beginnen Sie damit zu akzeptieren, dass Sie nicht alles beeinflussen können. Manche Dinge liegen einfach nicht in Ihrer Hand und es lohnt sich nicht, wenn Sie sich darüber aufregen. An der Situation können Sie ohnehin nichts ändern, also bleiben Sie besser ruhig, um richtig reagieren zu können. Je größer Ihre Gelassenheit, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich nicht aufregen.

  • Glauben Sie an sich selbst

    Selbstbewusstsein ist die halbe Miete, wenn es darum geht, in einer stressigen oder schwierigen Situation die Ruhe zu bewahren. Glauben Sie daran, dass Sie es schaffen können, werden Sie viel ruhiger bleiben und ganz anders auftreten. Zweifeln Sie an sich und Ihren Fähigkeiten, ist es mit der Ruhe schnell vorbei.

  • Reagieren Sie nicht sofort

    Im ersten Augenblick ist der Ärger immer am größten und damit auch das Risiko, dass Sie sich über die Maßen aufregen und in etwas hineinsteigern. Deshalb ist es für Sie das Beste, im ersten Moment erstmal gar nichts zu tun. Schon bei einem kleinsten Anflug von Ärger oder innerer Unruhe sollten Sie sich selbst bremsen und nicht gleich mit einer Antwort herausplatzen. Statt sich aufzuregen und aus der Ruhe zu kommen, geben SIe sich selbst die Zeit, um die Situation und Ihre Emotionen zu verarbeiten.

  • Gehen Sie nicht immer vom Worst Case aus

    Eine wichtige Faustregel: Es ist bei weitem nicht alles so schlimm, wie man es sich anfangs ausmalt. Was wie ein Weltuntergang scheint, ist oft gar nicht so bedeutend, wenn man es in Relation setzt. Klingt logisch, doch müssen Sie diesen Punkt verinnerlichen, um die Ruhe bewahren zu können. Anstatt sofort in Panik oder Rage zu verfallen, sollten Sie in der Lage sein, zu reflektieren und den tatsächlichen Stellenwert der aktuellen Situation zu beurteilen.

Ruhe bewahren: Wie Sie wieder zur Ruhe kommen

Selbst mit viel Übung und dem Ziel, die Ruhe zu bewahren, wird es früher oder später Situationen geben, bei denen Sie einfach nicht ruhig bleiben können. Ob nun Wut, Ärger, Stress, Hektik, Herausforderungen oder Erwartungen – wenn es zu viel wird, regen Sie sich auf, können kaum noch einen klaren Gedanken fassen und sind das genaue Gegenteil der Ruhe in Person.

Auf einen Ratschlag im Sinne von Jetzt reg‘ dich doch nicht so auf reagieren Sie zu diesem Zeitpunkt ähnlich wie Cola auf eine Packung Mentos. Nur was hilft wirklich, um einen noch größeren Emotionsausbruch zu verhindern und wieder runterzukommen? Glücklicherweise gibt es einige bewährte Tipps, um Puls und Blutdruck wieder in geregelte Bahnen zu bringen.

Denken Sie bitte daran, dass sich dies im ruhigen Gemütszustand leichter anhört, als es tatsächlich ist. Mit steigendem Adrenalin und Ärger wird es umso schwieriger, die Tipps umzusetzen und die Ruhe zu bewahren. Nehmen Sie es deshalb nicht auf die leichte Schulter, sondern suchen Sie sich gezielt Tipps heraus, an die Sie sich halten wollen und die Sie wirklich anwenden!

  • Gehen Sie auf Abstand

    Sie merken, wie Sie aus der Ruhe geraten, wütend und aufgebracht sind? Dann versuchen Sie Distanz zu schaffen – sowohl körperlich, indem Sie sich tatsächlich entfernen als auch mental, indem Sie sich nicht weiter mit dem Thema befassen und sich hineinsteigern. Am Arbeitsplatz ist das natürlich etwas schwieriger, doch sollten Sie hierfür Ihre Pausen nutzen. Anstatt sich wütend in die Arbeit zu stürzen, nutzen Sie die Mittagspause für sich. Gewinnen Sie ein wenig Abstand und machen Sie einen Spaziergang.

  • Beginnen Sie keine Diskussion

    Der Drang ist groß, doch sollten Sie nicht anfangen, sich zu rechtfertigen und somit eine Diskussion vom Zaun brechen. In 9 von 10 Fällen führt das nur zu einem lautstarken Wortgefecht, in dem der eigentliche Sinn schnell in Vergessenheit gerät. Stattdessen werden sich nur noch Beschuldigungen an den Kopf geworfen, welche die angespannte Situation weiter verschärfen. Wieder zur Ruhe kommen Sie so ganz sicher nicht. Sollte weiterer Gesprächsbedarf bestehen, ist es meist sinnvoller, gemeinsam mit anderen ein ruhiges und sachliches Gespräch zu führen – am besten nachdem die Gemüter Zeit hatten, sich abzukühlen.

  • Teilen Sie Ihre Gefühle mit einem neutralen Beobachter

    Wenn der Ärger kommt, kann es auch mal irrational zugehen. Um ein besseres Bild von Ihrem eigenen Standpunkt zu erhalten, sollten Sie mit einem neutralen Beobachter sprechen. Fragen Sie nach dessen ehrlicher Meinung: Ist Ihr Ärger berechtigt oder regen Sie sich unnötig auf? Hat er mögliche Vorschläge zu einer Einigung? Die neue Perspektive hilft bei der Selbstreflexion und kann Ihnen wieder mehr Ruhe geben.

  • Hören Sie ein wenig Musik

    Musik beeinflusst wie wir uns fühlen und kann dabei helfen, die Ruhe zu bewahren. Wichtig dabei ist nur, dass Sie sich für Musik entscheiden, die Sie gerne hören und im besten Fall mit positiven Emotionen verbinden. Sie werden sich nicht nur entspannter, sondern auch glücklicher fühlen. Regen Sie sich nicht auf, sondern setzen Sie Kopfhörer auf und lauschen Sie für ein paar Minuten Ihrer Lieblingsmusik – schon kommen Sie wieder zur Ruhe und der erste Ärger verfliegt.

  • Machen Sie Entspannungsübungen

    Jeder hat schon einmal gehört Atme erst einmal tief durch. Was wie eine Binsenweisheit klingt, funktioniert aber tatsächlich. Bewusst und tief ein- und auszuatmen beruhigt sofort. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit, um tief durchzuatmen und Sie werden sich ruhiger fühlen und die neu gewonnene Sicherheit auch ausstrahlen. Hilfreich ist dabei die 4-6-8-Methode, die Stress reduziert. Den Ablauf können Sie fünf Mal wiederholen und spüren sofort, wie Anspannung nachlässt und Ruhe zurückkehrt.

    Ruhe Bewahren Entspannungsuebung Atmen Methode

    Neben Atemübungen helfen auch andere Entspannungsübungen, um sich wieder zu beruhigen und die Ruhe im Anschluss bewahren zu können.

Tipp: Richtig reagieren auf ärgerliche E-Mails

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Es kommt allerdings auch vor, dass nicht der direkte Kontakt Ihren Ärger erzeugt, sondern eine E-Mail. Diese kann beispielsweise von einem Kunden, einem Kollegen oder auch aus dem privaten Bereichen stammen. Auch hier gilt: Natürlich könnten Sie eine gepfefferte E-Mail zurück schicken, doch würde das die Situation wirklich verbessern? Wohl kaum, denn Sie tun sich damit selbst keinen Gefallen. Daher sollten Sie auch schriftlich die Ruhe bewahren:

  1. Vorformulieren. Schreiben Sie Ihre Antwort offline, also in irgendeinem Texteditor und feilen Sie sorgfältig daran. Formulieren Sie lieber Fragen (Wie haben Sie das gemeint?) als Unterstellungen. Formulieren Sie Ich-Botschaften (Ich habe das so empfunden…) statt Du-Botschaften (Das war gemein von dir!)
  2. Warten. Je mehr Sie sich über die Mail geärgert haben, desto länger sollten Sie mit der Replik warten. Am besten ist, eine Nacht darüber zu schlafen und auch hier Meinungen von Freunden einzuholen. Manches verraucht, anderes sieht man vielleicht viel zu eng.
  3. Kürzen. Die beste Lösung ist manchmal gar nicht zu antworten. Wenn Sie das partout nicht können, antworten Sie kurz – auch wenn Ihnen viel dazu einfällt. Nicht per Mail! Lassen Sie alle Emotionen außen vor, konzentrieren Sie sich nur auf die Fakten. Alles andere führt nur in eine Eskalationsspirale.

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26. November 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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