Cheftypen: 7 böse Bosse gleich erkennen

Manager und Angst? Die Kombination gilt in den Führungsetagen als undenkbar, geradezu unaussprechlich: Wer führt, der fürchtet nicht, so der interne Imperativ. Erfolg ist nun mal das Resultat aus Kühnheit, Weitsicht und Überzeugungskraft. Wer Karriere macht, kann folglich keine Angst haben. Und Manager sowieso nicht. Schon aus Prinzip. Zahlreiche Cheftypen mühen sich nach Kräften, dieses Bild immer wieder neu zu restaurieren und zu pimpen. Ihr Credo: Deutschlands Chefetagen sind angstfreie Zonen. Denn Manager scheuen weder Ringen noch Risiko; alles Ungewisse ist für sie eine Herausforderung, jedes Wagnis zugleich eine Chance. Kurz: Manager sind mutige Macher. Wankelmütige, Zauderer und notorische Pessimisten haben hier keinen Platz. Ach, echt?

Cheftypen: 7 böse Bosse gleich erkennen

Anzeige

Cheftypen: Angst regiert die Chefetage

Zugegeben, das ist ein schönes Bild. Aber allenfalls abstrakte Kunst. Der Fotorealisimus dazu sieht anders aus: Auf der Beletage herrscht zuweilen mehr Furcht, mehr Unsicherheit und mehr Feigheit, als sich die Führungselite eingesteht. Manch einen plagt die Angst vor Jobverlust, weshalb er nichts mehr wagt. Andere haben…

  • Angst vor Machtverlust
  • Angst zu versagen
  • Angst vor dem Alter

Statt mutiger Macher finden sich in den Top-Positionen häufig eher furchtsame Führer, die allenfalls retrospektiv lohnende Wagnisse eingegangen sind. Meist, weil sie gar keine andere Wahl mehr hatten.

Chefs sind es gewohnt, Situationen kontrollieren zu können. Sobald aber Bedingungen auftreten, die durch eigenes Eingreifen nicht zu verändern sind, bekommen es viele mit der Angst zu tun. Das Gros reagiert defensiv und betreibt Management by Bauchgefühl. Rund 60 Prozent der Topmanager treffen ihre Entscheidungen ohne davon wirklich überzeugt zu sein, ergab mal eine Studie des Datenbankspezialisten Informix unter 1500 Managern. Nur zugeben kann das natürlich keiner. Das Thema Unsicherheit ist eines der am stärksten tabuisierten in den Führungsetagen.

Trotzdem bleibt das nicht ohne Folgen: Manche greifen deshalb irgendwann zu Drogen, Doping oder zur Flasche. Andere konzentrieren sich auf Risikominimierung und Machterhaltung, schieben mutige Entscheidungen auf und betreiben lieber Mikromanagement. Eine Aufbruchstimmung, die zu echten Innovationen führt, kann so sicher nicht aufkommen.

Na, an wen denken Sie jetzt gerade?

Mitarbeiter spüren Inkompetenz und verhalten sich anders

Verhalten sich Mitarbeiter gegenüber inkompetenten Chefs anders als gegenüber kompetenten? Annick Darioly und Marianne Schmid Mast von der schweizerischen Universität von Neuchatel sind der Frage in einer bemerkenswerten Studie nachgegangen. Resultat: Ja. Mitarbeiter sind erstaunlich gut darin, schnell herauszufinden, ob ihr Boss etwas auf dem Kasten hat oder nicht (wobei es dabei nicht nur um fachliche Kompetenz geht). Und sie passen auch ihr Teamverhalten ihrem Chef an – nur anders, als man vielleicht vermuten würde.

So zeigte sich in den beiden Versuchen, dass sich die Mitarbeiter gegenüber inkompetenten Vorgesetzen deutlich dominanter verhielten und sich auch dessen Einfluss vehementer entzogen. Man könnte auch sagen: Bei inkompetenten Managern taucht plötzlich ein Unterschied zwischen ihrer hierarchischen Position qua Status beziehungsweise qua Kompetenz auf. Das Team akzeptiert ihn als Boss, respektiert ihn aber nicht – jedoch ohne erkennbare Leistungsunterschiede. Jedenfalls arbeiteten die Probandenteams für inkompetente Chefs nicht weniger gut als für kompetente.

Das soll allerdings keine Ruhekissen sein, Motto: „Solange das Ergebnis stimmt, ist das doch egal.“ Vielmehr führt dieser Effekt zwangsläufig zu Spannungen im Team und weiteren Problemen. Laut psychologischen Untersuchungen ist eine Folge von dominantem Verhalten, dass sich die betreffende Person bald selbst in einer Führungsrolle sieht. Kompetenzgerangel, Machtkämpfe bis hin zur offenen Rebellion sind also programmiert. Das wiederum erhöht den Rechtfertigungsdruck für den inkompetenten Manager gegenüber seinen Vorgesetzten und verursacht letztlich für die gesamte Abteilung oder das Unternehmen enorme atmosphärische Störungen. Vom Stress mal ganz abgesehen.

Anzeige

Eine Typologie der fünf schlimmsten Cheftypen

Im Ergebnis kommen gebiert das Verhalten auf C-Level so manch fragwürdige Managertypen. Die folgende Typpologie hilft bei der Einordnung, dient aber auch zum eigenen Hinterfragen, wie viel davon schon in einem selbst steckt…

Anzeige

Der Kontrolleur

Cheftypen Kontrolleur

  • Motto: „Vertrauen ist gut, Kontrolle oft besser.“
  • Typ: Auf Überraschungen und Kontrollverlust reagiert er mit Panik, schließlich gibt es nur einen, der den Durchblick hat: ihn. Deshalb reißt er auch alle Kompetenzen an sich, bevor sie ihm entgleiten können. Er ist weder willens, noch in der Lage zu delegieren. Lieber plant er alles bis ins kleinste Detail, um nur ja keine Fußangel zu übersehen. Kontrolleure sind zudem häufig kontaktscheu und schirmen sich gerne ab.
  • Ausreden: „Wir benötigen erst noch eine Studie und Analyse, die alle Eventualitäten prüft.“
  • Führungsstil: Dieser Typ ist gewissenhaft korrekt bis zwanghaft pedantisch. Mitarbeiter werden regelmäßig zum Rapport bestellt. Zwischenberichte, Kontrollbögen, Sicherheitskopien und Durchschläge sind ein Muss. Seine Kontrollwut kaschiert dieser Chef gerne mit einem hohen Qualitätsanspruch. In der Konsequenz duldet er weder Fehler noch Widerspruch. Und er erstickt in Arbeit. Das ist Ihre Chance: Auch wenn seine Kleinkariertheit einen in den Wahnsinn treiben kann – er lässt sich damit wunderbar manipulieren. Seien Sie einfach noch genauer, noch penibler – und er erkennt in Ihnen einen Verbündeten und Seelenverwandten. So jemandem wird er mit der Zeit immer mehr vertrauen und auch mehr Freiheiten schenken.
Anzeige

Der Blender

Cheftypen Blender

  • Motto: „Mehr Schein als Sein.“
  • Typ: Vordergründig hat er alles im Griff. Der Blender gibt vor, alles zu können, macht sich aber nie die Hände schmutzig. Für ihn zählt nur der kurzfristige Erfolg, durch den er glänzen kann. Tatsächlich steckt hinter seinen größtenteils erratischen Entscheidungen nur selten Substanz und noch weniger Vision.
  • Ausreden: „Alles kein Problem.“ „Ich hab’s doch gleich gesagt.“
  • Führungsstil: Sein Saubermann-Image ist sein größtes Schutzschild. Dahinter verbirgt er extrem schwankende Launen und Meinungen. Wer an dieser dünnen Haut kratzt, riskiert also Ärger. Seine Unsicherheit lässt sich allerdings auch geschickt nutzen: Organisieren Sie im Vorfeld Mehrheiten, mit denen er mitschwimmen und glänzen kann. Ebenso wird er lukrativen Trends folgen – erst recht, wenn Sie ihm für alle Fälle ein Hintertürchen offen halten. Nur bitte werden Sie nie emotional! Damit kann er so gar nicht umgehen.

Der Überforderte

Cheftypen Ueberforderte

  • Motto: „Der Zweite ist schon der erste Verlierer.“
  • Typ: Immer hektisch und nervös. Er kennt seine Grenzen, kann sie aber nicht akzeptieren. Konkurrenzdenken bestimmt sein Handeln, wobei er sich selbst stets als Verlierer wähnt. Bekommt er seine Erfolgsdosis nicht im Job, holt er sie sich woanders. Reicht auch das nicht, betäubt er seinen Frust mit Alkohol, Tabletten oder Drogen.
  • Ausreden: „Heute ist einfach nicht mein Tag.“ „Wenn ich nicht wäre…“
  • Führungsstil: Verständnisvoll-fair bis Laissez-faire. Er neigt zur Kumpanei, weil er das Gefühl braucht, anerkannt zu sein. Da er versucht, es allen recht zu machen, wirkt seine Arbeitsweise oft unkoordiniert und willkürlich. Das unterspült jedoch seine Akzeptanz die Angstspirale beginnt.

Der Zaghafte

Cheftypen Zaghafte

  • Motto: „Wer nichts wagt, der nichts verliert.“
  • Typ: Riskante Manöver lösen bei ihm sofort einen Fluchtimpuls aus. Experimenten geht er konsequent aus dem Weg. Um bei dieser Haltung auf Dauer nicht aufzufallen, sucht der Zaghafte gern Deckung hinter anderen hinter Vorgesetzten, hinter Mitarbeitern, hinter Betriebsvereinbarungen.
  • Ausreden: „Ich wollte das ja auch nicht, aber der Vorstand bestand darauf.“ „Wir haben das im Team mehrfach besprochen, und die Fakten sprachen damals dafür.“
  • Führungsstil: Offiziell partizipativ. Hintenherum neigt er jedoch zum Fahrradfahren: oben buckeln, unten treten. Mit häufigen Teamsitzungen, Meetings oder Workshops versucht der Zaghafte seinen Mangel an Entschlossenheit zu verdecken. In manchen Fällen verdichten sich seine Vermeidungsstrategien gar zu handfesten Zwängen: Schuld sind immer die anderen. Statt Argumenten werden Prinzipien, Handbücher oder Leitlinien zur Erklärung zitiert.

Der Leugner

Cheftypen Leugner

  • Motto: Was nicht sein darf, kann auch nicht sein.“
  • Typ: Angst ist ein Zeichen von Schwäche, und die hat ein Manager nicht. Angstsymptome oder Herzinfarkte trägt er wie Orden vor sich her. Härte und Gefühlskälte stilisiert er zum Managerideal herauf. Sich selbst sieht er gerne als Märtyrer des eigenen Erfolgs.
  • Ausreden: „Die anderen sind doch alle Weicheier oder inkompetent.“ „Wer ist hier der Boss?!“
  • Führungsstil: Autoritär bis aggressiv. Weil er selbst qua definitionem keine Schwächen haben kann, sieht er diese um so besser bei anderen. Sein Credo: Angriff ist die beste Verteidigung. Er baut bewusst Hierarchien auf, um sich von den Mitarbeitern zu distanzieren. Der Mangel an mündigen Mitarbeitern wird von ihm zwar ständig beklagt, de facto sind sie aber unerwünscht. Seine größte Sorge sind Machtverlust und potenzielle Cäsarenmörder.

Der Manipulator

Cheftypen Manipulator

  • Motto: „Weil ich es kann.“
  • Verhalten: Seine Eloquenz und sein Verhalten sind seine schärfsten Waffen. Er weiß nur zu gut damit umzugehen und seine Mitarbeiter damit um den Finger zu wickeln. Mal mit öffentlichen Komplimenten und wohlwollender Zuneigung. Mal indem er ihnen beides wieder dramatisch entzieht. So bleiben die Menschen gefügig und abhängig von seiner Gunst. Aber Achtung: Dieser Typ ist ein emotionales Wrack, gepaart mit einer ausgeprägten Profilneurose.
  • Ausreden: „Wenn Sie es so und so machen, ist nächstes Jahr vielleicht eine Gehaltserhöhung drin.“
  • Umgang: Dieser Typ ist ein klassischer Opportunist. Solange Sie ihm von Nutzen sind, wird er Sie umgarnen und unterstützen. Danach aber genauso schnell wieder fallen lassen. Der Manipulator spielt bloß, echtes Interesse hat er nur am eigenen Vorteil. Spielen Sie sein Spiel also allenfalls nur zum Schein mit – und nur solange, wie es auch Ihnen nutzt. Aber machen Sie sich bloß nicht (emotional) von ihm abhängig – und lassen Sie das ab und an durchblicken. Auf Dauer aber sollte man solche Chefs meiden. Sie sind eine tickende Zeitbombe.

Der Unfehlbare

Cheftypen Unfehlbare

  • Motto: Die Firma bin ich.
  • Verhalten: Egozentrisch, hochgradig sensibel und nachtragend. Ein falsches Wort, und der Unfehlbare reagiert beleidigt oder wird cholerisch. Er brüllt gerne und oft, und er geht schon wegen Kleinigkeiten durch die Decke. Meist hält er sich für ein verkanntes Genie – und das nagt natürlich an seinem übergroßen Ego. Egal, wie hoch seine Hierarchiestufe ist: Sie ist seiner immer noch nicht würdig.
  • Ausreden: „Ich wusste es doch gleich!“
  • Umgang: Niemals versuchen, einem Schreihals mit Argumenten zu kommen! Zwecklos. Besser wirkt: Blickkontakt halten und völlige Ruhe bewahren. Das nimmt ihm den Wind aus den Segeln. Unfehlbare Chefs sollte man stets mit Samthandschuhen anfassen. Kritik vertragen sie gar nicht. Selbst wenn sie das behaupten. Nicht selten haben sie aber auch ein paar nützliche Talente: Schenken Sie ihnen also ruhig Gehör und Applaus und Sie sich über die Gunst seines Rates. Wer sich schon als gottgleich betrachtet, lässt sich am ehesten über seine Sucht nach Anerkennung dressieren. Und nehmen Sie seine Launen bloß nicht persönlich – der Typ kann nicht anders.

Was andere Leser dazu gelesen haben

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]

Bewertung: 4,97/5 - 6065 Bewertungen.

Aktuelle Videos

Hier weiterlesen

Weiter zur Startseite