Inkompetenz: Wie umgehen mit Kollege Großkotz?

Inkompetenz ist die Abwesenheit von Kompetenz – und kommt leider erschreckend häufig im Arbeitsleben vor. Nicht jeder kann in allen Bereichen bewandert sein. Nur wissen viele Menschen um ihre Schwächen. Anders sieht es häufig bei inkompetenten Kollegen aus: Sie sind nicht in der Lage, ihre eigene Inkompetenz zu erfassen. Im Gegenteil, einige halten sich sogar für überdurchschnittlich begabt. Das erschwert den Umgang mit ihnen. Wie Sie mit solchen Kollegen klarkommen und was Sie tun können…

Inkompetenz: Wie umgehen mit Kollege Großkotz?

Inkompetenz Definition: Unkenntnis in relevanten Bereichen

Inkompetenz synonym Beleidigung englisch Sprüche Syndrom unkompetent oder inkompetent fachlicheWas genau bedeutet Inkompetenz? Wikipedia gibt dazu eher indirekte Hinweise, daher versuchen wir uns dem Begriff zu nähern, indem wir erst einmal erklären, was Kompetenz ist.

Kompetenz wird definiert als das Vorhandensein von kognitiven Fähigkeiten, die das Individuum ermächtigen, Probleme in unterschiedlichen Situationen zu lösen. Diese Definition ist noch recht allgemein und die Tatsache, dass verschiedene Arten von Kompetenz existieren, macht die Sache nicht leichter.

Immerhin wird Kompetenz als trainierbar eingestuft und somit als Resultat eines Lernprozesses gesehen. Häufig ist von Kompetenz vor allem im Hinblick auf verschiedene Bereiche die Rede. So gesehen ist klar, dass jeder Mensch zwangsläufig auch über Inkompetenz verfügt.

Wer beispielsweise über hohe mathematische Kompetenz verfügt, hat nicht unbedingt gleichzeitig eine hohe sprachliche Kompetenz. Bezogen auf den Arbeitsalltag lässt sich zu Inkompetenz sagen, dass es einem Mitarbeiter an entscheidender Kompetenz in den Bereichen fehlt, die für seine Tätigkeiten relevant sind.

Als Synonyme zu Inkompetenz gelten beispielsweise:

  • Schwäche
  • Unfähigkeit
  • Untauglichkeit
  • Unvermögen
  • Unzulänglichkeit
  • Versagen

Gründe für Inkompetenz in Unternehmen

Das Faszinierende: Normalerweise wäre zu erwarten, dass Inkompetenz sich spätestens in der Probezeit herausstellt und ein Mitarbeiter als unqualifiziert entlassen wird. Hier passiert allerdings Folgendes: Zum einen lässt sich beobachten, dass manche Chefs dazu neigen, eher inkompetente Mitarbeiter zu fördern, denn die können ihnen nicht gefährlich werden.

Es handelt sich hier um den umgekehrten Exzellenz-Effekt. Will heißen, erstklassige Chefs ziehen erstklassige Mitarbeiter an, mittelklassige Chefs hingegen bestenfalls mittelklassige Mitarbeiter.

Die Begründung dafür liegt meist in der Eitelkeit der Chefs, denn natürlich lässt sich die eigene Inkompetenz hervorragend verbergen, wenn die Mitarbeiter noch weniger Ahnung haben. Der eigene Posten ist somit unangreifbar, Status und Macht gesichert.

Andererseits lässt sich ebenso das Peter-Prinzip in Unternehmen beobachten. Benannt ist es nach den amerikanischen Autoren Laurence J. Peter und Raymond Hull, die feststellten, dass in jeder Unternehmenshierarchie Mitarbeiter so lange befördert werden, bis sie auf einen Posten gelangen, auf dem sie überfordert sind.

Das heißt, ein Arbeitnehmer hat bis zu seiner Beförderung durchaus Kompetenz in seinem Bereich bewiesen, zeichnet sich in seinem neuen Bereich aber durch Inkompetenz aus, da er den neuen Aufgaben nicht gewachsen ist.

So äußert sich Inkompetenz

Je nach Position und Ausmaß kann Inkompetenz diese Begleiterscheinungen haben:

  • Ahnungslosigkeit
  • Arroganz
  • Desinteresse
  • Faulheit
  • Führungsschwäche
  • Gleichgültigkeit
  • Größenwahn
  • Ineffizienz
  • Missmanagement
  • Schlamperei
  • Raffgier

Aber auch einige charakterliche Eigenschaften beim Menschen begünstigen dieses Verhalten:

  • Ignoranz

    Der naheliegendste Grund für Inkompetenz ist, schlicht nicht das notwendige Wissen zu besitzen. Hierbei geht es allerdings nicht nur darum, dass die betroffene Person nicht über das Fachwissen verfügt, sondern sie verfügt ebenso wenig über die kognitiven Fähigkeiten, ihre Situation und damit ihre Unwissenheit zu erfassen. Inkompetente Menschen können Zeichen für Kompetenz nicht erkennen. Kommen dann noch wie bei Ignoranz Faulheit, Dummheit und Sturheit zusammen, ist der Betroffene ganz häufig davon überzeugt, alle notwendigen Kenntnisse zu besitzen.Er begeht aufgrund seiner Ignoranz etliche Fehler.

  • Unreflektiertheit

    Nicht zwangsläufig inkompetent, aber mit einem überbordenden Selbstbewusstsein ausgestattet sind Menschen, die zu Narzissmus neigen. Dieses Selbstbewusstsein macht sie völlig unempfänglich für negative Kritik. Ihre mangelnde Selbstreflexion führt zu Inkompetenz, da sie sich in allen Bereichen für kompetent erachten.


  • Selbstsabotage

    Inkompetenz kann sich auch bei Menschen zeigen, die eigentlich kompetent sein könnten. Sie verfügen über das notwendige Fachwissen – allein: Sie können es nicht anwenden. Sie sind derart gelähmt von Ihrem Perfektionismus, dass sie ständig prokrastinieren und somit Selbstsabotage betreiben. Schlimmstenfalls verpassen Sie so wichtige Deadlines oder liefern halbfertige Arbeit ab. Ursächlich ist hier oftmals das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Die Betroffenen fühlen sich wie Hochstapler und leiden am Impostor-Syndrom.


  • Selbstüberschätzung

    Der vielleicht ärgerlichste, aber auch am weitesten verbreitete Grund für Inkompetenz ist Selbstüberschätzung. Untersuchungen zufolge überschätzen die meisten Menschen sich an der einen oder anderen Stelle, nur das Ausmaß unterscheidet sich. Das Phänomen hat viele Namen: Hybris, Overconfidence-Effekt, Overclaiming oder auch Dunning-Kruger-Effekt. Letzterer ist benannt nach zwei amerikanischen Psychologen, die feststellten, dass ausgerechnet die schlecht abschneidenden Testpersonen sich selbst besonders gut bewerteten.

Inkompetenz: Sprüche und Zitate

  • Manche Karriere führt geradewegs in die Inkompetenz. Unbekannt
  • Wer nicht mehr will als er kann, bleibt unter seinem Können. Ludwig Marcuse
  • Elitäre Inkompetenz generiert Protest(-wähler). Sogar in einer stabilen Demokratie. Frank Wisniewski
  • Manche Leute kommen nur nach oben, weil sie unten Unheil anrichten. Management-Regel
  • Wer nichts zur Lösung beiträgt, ist Teil des Problems. McKinsey
  • Die meisten wollen lieber durch Lob ruiniert werden als durch Kritik gerettet. Nelson A. Rockefeller
  • Hab keine Angst vor Perfektion – du erreicht sie nie. Salvadore Dali

Gründe für Inkompetenz

Bereits in der Bibel heißt es: Selig sind die geistig Armen. Und tatsächlich, Inkompetenz hat auch Vorteile. Nicht für denjenigen, der mit inkompetenten Kollegen klarkommen muss. Im Gegenteil, es kann ordentlich anstrengen, die Fehler anderer auszubügeln, nur weil man im selben Team hängt.

Und ganz fatal gestaltet sich die Arbeit, wenn ausgerechnet der eigene Chef keine Ahnung hat. Aber ob der beziehungsweise Ihre Kollegen eine Vorstellung davon haben, wie schwer sie es anderen machen? Vermutlich nicht. Denn wie sagte bereits Charles Darwin so treffend:

Unwissenheit erzeugt viel häufiger Selbstvertrauen als Wissen.

Die Psychologen Dunning und Kruger fanden in ihrer Arbeit heraus, dass die meisten inkompetenten Menschen nicht besonders unter dieser Tatsache leiden – ein Nebeneffekt der Tatsache, dass sie sich ihrer Ahnungslosigkeit nicht bewusst waren. Mehr noch, sie haben keinerlei Zweifel an ihrem Können.

Mit anderen Worten: Inkompetenz trägt bei den Betroffenen dazu bei, das eigene Selbstbild aufrecht zu erhalten und damit für entsprechendes Wohlbefinden zu sorgen.

Umgang mit Inkompetenz

Wie lässt sich mit Inkompetenz umgehen? Eine schwierige Frage, je nachdem, in welchem Bereich und welchem Ausmaß sie auftritt. Ist sie mit Macht und Größenwahn oder sogar Raffgier und Korruption verbunden, können die Folgen verheerend sein.

So berichtet der Politikberater Daniel Levin in einem Interview im Tagesanzeiger von den Bemühungen des ehemaligen Premierministers von Niger, der seinerzeit einen Einmarsch in den Irak verhindern wollte. Seine Versuche, die Bush-Administration davon zu überzeugen, dass sein Land kein Uran an den Irak verkauft hatte, waren vergebens.

Und die – wie sich nachträglich herausstellte: zu Unrecht – vermuteten Uran-Vorräte lieferten der damaligen amerikanischen Regierung einen Vorwand, um den zweiten Golfkrieg auszulösen.

Glücklicherweise muss Inkompetenz nicht gleich in einer Katastrophe enden. In harmloseren Formen taucht sie ebenso auf. Denn Selbstüberschätzung als häufigste Ursache für Inkompetenz können Sie allenthalben begegnen.

Bestes Beispiel dafür sind die unzähligen Casting-Shows, die sowohl Zuschauer als auch Juroren ob der geballten Inkompetenz regelmäßig fassungslos zurücklassen. Die Motivation einiger Kandidaten ist schwer zu bestimmen. In der Hauptsache wird es sich um finanzielle Gründe und ein hohes Maß an Geltungssucht handeln.

Daneben ist aber ganz offensichtlich die mangelnde Fähigkeit zur Selbstreflexion zu beobachten und das selbst im Angesicht von Kompetenz. Denn im direkten Vergleich mit kompetenten Leuten müsste es den Nichtskönnern wie Schuppen von den Augen fallen.

Was können Sie also tun, wenn es Ihrem Kollegen offenbar nicht gegeben ist, selbst zu erkennen, wie inkompetent er ist?

  • Feingefühl

    Zunächst einmal müssen Sie mit der notwendigen Sensibilität vorgehen – niemand mag Kritik besonders gerne, erst recht nicht, wenn sie destruktiv formuliert wird. Vermeiden Sie also Formulierungen wie „Du machst immer/nie…“ Besser sind stattdessen Ich-Botschaften, in denen Sie sachlich Ihre Beobachtungen schildern. Dennoch kann es sein, dass bei allen vorbildlich vorgetragenen Argumente Ihre Kritik auf taube Ohren stößt. Das hängt nicht zuletzt davon ab, wie sehr Ihr Kollege sich mit der Arbeit identifiziert.


  • Lob

    Eine andere Möglichkeit besteht darin, Ihren Kollegen in einem anderen Bereich zu loben und seine Kompetenz hervorzuheben. Die anschließend negative Kritik in dem Bereich, wo Inkompetenz herrscht, kann besser verdaut werden. Diese Methode aus der Sozialpsychologie hat etwas von der Sandwich-Kritik, bei der der Tadel ebenfalls verkleidet in Komplimenten daherkommt. Kritiker halten dieses Vorgehen nur für bedingt wirksam, weil es den Empfänger der Kritik für latent kritikunfähig hält. Im Falle von Inkompetenz kann das allerdings gut der Fall sein – je nachdem, welchen Typen (siehe oben) Sie vor sich haben.

[Bildnachweis: Minerva Studio by Shutterstock.com]
15. März 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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