Es ist eine Fähigkeit, die in Unternehmen wohl am weitesten verbreitet ist: Inkompetenzkompensationskompetenz. An jedem Arbeitsplatz findet sich mindestens ein Kollege, der zwar überhaupt keine Ahnung hat, aber nahezu begnadet darin ist, sein fehlendes Fachwissen zu kaschieren und sich irgendwie durchzumogeln. Von außen betrachtet, bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als mit offenem Mund zu staunen, wie dieses Kunststück dauerhaft funktionieren kann. Aber es geht. So mancher Arbeitnehmer hat die Inkompetenzkompensationskompetenz derart perfektioniert, dass er oder sie es damit zu höchsten Weihen und bis in die Chefetage schafft. Chapeau! Aber auch ein Vorbild? Was es mit der Inkompetenzkompensationskompetenz auf sich hat und was Sie tun können, wenn ein Kollege seine Ahnungslosigkeit erfolgreich verkauft...

Inkompetenzkompensationskompetenz Nieten im Job Odo Marquard

Was ist Inkompetenzkompensationskompetenz?

Inkompetenzkompensationskompetenz Bedeutung Erklärung Duden PDF Odo Marquard DefinitionGeprägt wurde der Begriff der Inkompetenzkompensationskompetenz ursprünglich vom Philosophen Odo Marquard bereits 1973, der das lange, aber einprägsame Wort erschuf. Marquard nutzte den Term, um die Philosophie an sich zu beschreiben, die seiner Meinung nach den verschiedenen Herausforderungen der Moderne nicht mehr gewachsen war und somit nur noch eine einzige letzte Kompetenz hätte - eben die besagte Inkompetenzkompensationskompetenz.

Das Konzept lässt sich allerdings ebenso auf die Berufswelt übertragen. Auch hier gibt es viele Mitarbeiter oder Chefs, deren größere Fähigkeit es ist, sich die eigene Unfähigkeit nicht anmerken zu lassen. Egal, was auch kommt, irgendwie scheinen es diese Menschen immer einen Weg zu finden, um sich durchzuwursteln.

Inkompetenzkompensationskompetenz ist dabei aber nicht wirklich eine Qualität, die erworben oder bewusst eingesetzt wird, obwohl es diese Extremfälle durchaus gibt. Vielleicht haben auch Sie schon einmal einen Kollegen erlebt, der mehr Energie darauf verwendet hat, seine fehlende Fachkenntnisse zu verdecken, statt wirklich zu arbeiten oder diese Mängel durch Eigeninitiative, Fort- oder Weiterbildungen auszugleichen.

Meist entsteht Inkompetenzkompensationskompetenz, wenn jemand versucht, irgendwie das Beste aus der Situation zu machen, in der er eigentlich heillos überfordert ist. Schließlich möchte niemand zum Chef gehen und erklären, dass er eigentlich gar nicht weiß, was er den ganzen Tag tut und mit vielen Aufgaben nicht klar kommt. Also wird auf verschiedene Strategien der Inkompetenzkompensationskompetenz zurückgegriffen, um den Eindruck zu wahren, dass alles gut laufe:

  • Ausreden

    Wer die eigene Unfähigkeit verschleiert, ist dabei um keine Ausrede verlegen. Dabei wird es mit der Wahrheit dann auch nicht immer so genau genommen, entscheidend ist nur, dass der Gegenüber einem glaubt und die Erklärung abkauft.


  • Untertauchen

    Inkompetenz kann nur dann von anderen bemerkt werden, wenn sie auf einen persönlich zurückfällt. Eine wirksame Vorgehensweise, um eigene Inkompetenz zu kompensieren, ist deshalb das Versteckspiel. Gerade in Teams ziehen einige Kollegen immer den Kopf ein und sind regelrecht unsichtbar. Am Ende weiß keiner so genau, was dieser Kollege zum Gesamtergebnis beigetragen hat - oder ob er überhaupt dabei war.


  • Delegieren

    Noch einen Schritt weiter geht es, wenn Aufgaben einfach komplett delegiert werden. Die Idee dahinter ist recht simpel: Wie soll die eigene Inkompetenz bemerkt werden, wenn alle Aufgaben, die ein Problem sein könnten, an jemand anderen abgegeben werden?

Um mit der Inkompetenzkompensationskompetenz erfolgreich zu sein, müssen am Ende gar nicht alle Beteiligten geblendet und getäuscht werden. Es reicht vollkommen aus, wenn der Chef nicht mitbekommt, an welchen Stellen es mangelt. Die Kollegen, die sehr wohl sehen, mit welcher Gattung von Mitarbeiter sie tagtäglich in Projekte eingebunden werden, finden das Ganze aber gar nicht witzig.

Inkompetenzkompensationskompetenz ist eine Last für Kollegen

Inkompetenzkompensationskompetenz Begriff Erklärung Bedeutung Kollegen Job Odo MarquardFällt Ihnen beim Thema Inkompetenzkompensationskompetenz ganz spontan ein Kollege ein, auf den die Beschreibung zutrifft? Damit sind Sie sicherlich nicht allein. Viele Arbeitnehmer kennen das Gefühl, dass sie bei einem Kollegen kaum nachvollziehen können, wie dieser es überhaupt zu seinem Job gebracht hat. Doch nicht nur Unverständnis, sondern einige ernsthafte Probleme können das Ergebnis der Inkompetenzkompensationskompetenz eines anderen Mitarbeiters sein.

Allen voran bleibt die Arbeit immer an jemand anderem hängen. Das Team muss den unfähigen Kollegen durch die Woche und jedes neue Projekt tragen. Er ist Ballast, der sich auf die Schultern der anderen verteilt. Es bleiben zusätzliche Aufgaben liegen, die eigentlich von einem anderen Mitarbeiter abgedeckt werden sollten. Das sorgt für mehr Stress und auf der anderen Seite für Unmut im Team. Funktioniert ein Kollege nur auf Kosten der anderen, macht sich dies im Betriebsklima bemerkbar.

Gleichzeitig leidet die Motivation. Wieso sollen Sie Ihr Bestes geben und versuchen, jede Aufgabe zu 110 Prozent zu erledigen, wenn jemand anders offensichtlich durch den Tag kommt, ohne auch nur die nötigen Fähigkeiten für den Job zu besitzen? Mit dieser Erkenntnis geht nicht selten auch die Zufriedenheit im Job verloren.

Verständlicherweise zweifeln Sie außerdem an den Führungsqualitäten Ihres Chefs, der scheinbar nicht einmal mitbekommt, wie unfähig einzelne Mitarbeiter sind und wie sehr diese der Zusammenarbeit schaden können.

Spätestens wenn ein inkompetenter Kollege eine Beförderung erhält oder für ein wichtiges Projekt ausgewählt wird, ist das Maß dann voll. Bei einer solch unfairen Behandlung fällt es den meisten endgültig schwer wegzusehen.

Wie Sie mit Inkompetenzkompensationskompetenz umgehen können

Damit es erst gar nicht so weit kommt und Sie nicht vollkommen frustriert von der Situation am Arbeitsplatz sind, sollten Sie frühzeitig etwas gegen die Inkompetenzkompensationskompetenz Ihres Kollegen unternehmen. Nur was? Eine Möglichkeit wäre es, direkt zum Chef zu gehen und darauf hinzuweisen. Gehen Sie so vor, können Sie am Ende aber auch sich selbst schaden. Der Impuls mag verständlich sein, doch denken Sie daran, dass der Vorgesetzte bisher denkt, der Kollege sei ebenso qualifiziert wie Sie. So wirkt Ihre Beschwerde eher wie ein Streit unter Kollegen.

Glücklicherweise gibt es aber andere Wege, um mit der Inkompetenzkompensationskompetenz eines Kollegen umzugehen und so etwas an der Situation zu ändern:

  • Bieten Sie Ihre Hilfe an

    Es mag Ihnen schwer fallen, doch Hilfsbereitschaft ist tatsächlich ein guter und vor allem positiver Weg, um auf die Inkompetenzkompensationskompetenz eines Kollegen zu reagieren. Suchen Sie ein Gespräch unter vier Augen und fragen Sie, ob der Kollege bei bestimmten Aufgaben Hilfe benötigt oder ob Sie ihm etwas erklären können, mit dem er Schwierigkeiten hat.

    Besonders gut stehen Ihre Chancen, wenn der Kollege gerade akut mit einer Aufgabe zu kämpfen hat. Das macht es ihm leichter, Ihre Hilfe auch anzunehmen und gleichzeitig kann er für die Zukunft lernen, wie er Projekte tatsächlich kompetent bewältigt, anstatt die Fähigkeiten nur vorzutäuschen.


  • Verteilen Sie Aufgaben entsprechend

    Will ein Kollege sich vor bestimmten Aufgaben drücken, drehen Sie den Spieß um. Versuchen Sie bei der Aufgabenverteilung zu bewirken, dass der Kollege auch einmal die ToDos bekommt, die er ansonsten regelmäßig abgibt.

    Nun steht der Kollege vor einer Entscheidung und muss einen Weg finden, die Aufgaben zu bewältigen. Bleibt eine solche Entwicklung aus, ist es gut möglich, dass die Inkompetenzkompensationskompetenz an ihre Grenzen gerät und der Chef bemerkt, dass die Ergebnisse nicht wie erwartet ausfallen.


  • Machen Sie es besser

    Eine andere Möglichkeit ist es, wenn Sie sich einfach ausschließlich auf sich selbst konzentrieren. Versuchen Sie - soweit irgend möglich - die gespielte Kompetenz des Kollegen zu ignorieren und konzentrieren Sie sich stattdessen darauf, mit Ihren eigenen Leistungen zu glänzen. Arbeiten Sie sich in den Augen des Chefs nach vorne und zeigen Sie, dass Sie tatsächlich über alle Qualifikationen verfügen.

    Das ändert zwar nichts daran, dass der Kollege unfähig ist und Sie vielleicht die ein oder andere Aufgabe von ihm übernehmen müssen, doch sichern Sie damit den eigenen Erfolg, anstatt Ihre Energie anderweitig zu nutzen. Und so lange Sie konstant bessere Leistungen bringen und dies auch den Chef wissen lassen, brauchen Sie sich nicht sorgen, dass ein inkompetenter Kollege vor Ihnen befördert wird.

[Bildnachweis: Ibooo7 by Shutterstock.com]

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