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Improvisationstalent: Die Kunst sich durchzuwursteln

Menschen lieben es, zu planen, Konzepte zu machen, Kontrolle zu behalten. Doch schon John Lennon wusste: „Life is what happens while you are busy making other plans.“ Pläne scheitern an der Realität und unverhofft kommt oft. Was dann hilft, ist wahres Improvisationstalent. Dahinter steckt die Kunst, entspannt mit unvorhergesehenen Veränderungen umzugehen und zu retten, was scheinbar gerade gewaltig schief läuft. Die gute Nachricht: Improvisationstalent lässt sich lernen – auch im Job…



Improvisationstalent: Die Kunst sich durchzuwursteln

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Improvisationstalent – was ist das?

Improvisationstalent ist die Kunst, auf etwas Unbeabsichtigtes unmittelbar und spontan zu reagieren und daraus das Beste zu machen. Salopper formuliert: Improvisieren bedeutet, sich irgendwie durchzuwursteln.

Die Herkunft des Begriffs stammt vom italienischen „improvvisare“, was soviel wie „unmittelbar“ oder „unvorhersehbar“ bedeutet. Improvisieren zu können, meint daher ursprünglich mit etwas Unvorhersehbarem ohne Vorbereitung und aus dem Stegreif konstruktiv umzugehen. In der Musik bedeutet Improvisation ein Lied frei zu spielen; im Theater agieren Schauspieler spontan und unmittelbar in ihrer unvorbereiteten Rolle.

Die Kunst der Improvisation

Mit Ausnahme der Kunst hat die freie Improvisation kein gutes Image: Improvisiertes Handeln wirkt unvorbereitet, planlos und unstrategisch. So gar nicht ausgeklügelt, durchdacht oder smart. Das Synonym Durchwursteln klingt schon nach durchmogeln, schummeln und mehr Schein als sein… Ganz oft steht Improvisationstalent mit Inkompetenz auf einer Stufe.

Doch das Gegenteil ist richtig: Nur wer Vieles kann, weiß und kompetent ist, kann in jeder Situation unmittelbar spontan und flexibel darauf reagieren oder kluge Entscheidungen treffen. Improvisieren eben. Nur wer seine Themen aus dem Effeff beherrscht, dem ist es möglich, eine Stegreifrede zu halten oder ein akutes Problem zu lösen.

Wer Improvisationstalent besitzt, ist in der Lage, mit den Mitteln, die ihm oder ihr gerade zur Verfügung stehen, ad-hoc eine Lösung zu erarbeiten. Das ist heute eine wichtige Schlüsselkompetenz für den Erfolg.

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Wie funktioniert Improvisation?

Tatsächlich gibt es einige Methoden und Techniken, die eine spontane Problemlösungskompetenz fördern. Diese sind häufig aus dem Improvisationstheater entlehnt. Bei dieser Form des Theaters werden Szenen gespielt, die vorher nicht einstudiert wurden. Das Publikum macht Vorschläge, in dem es Orte oder Personen in den Saal ruft – und die Schauspieler reagieren darauf. Bei der Bühnen-Improvisation gibt es allerdings drei Regeln:

  1. Zuhören und präsent sein

    Man muss seine Gedanken auf den Moment fokussieren und auf sein Gegenüber achten. Ansonsten ist man nicht in der Lage zu reagieren.

  2. Alles ist ein Angebot

    Der Partner bietet einem eine Situation an und diese wird weitergesponnen. Man wirft sich praktisch einen Spielball hin und her. Alles dreht sich um positive Kommunikation. Diese Haltung wird auch als „Yes and“-Technik bezeichnet.

  3. Den Partner gut dastehen lassen

    Der schönste Aspekt der Improvisation: Man steht einander bei und rettet den jeweils anderen, wenn der beispielsweise den Faden verliert. So bewahren sich alle Schauspieler vor einer Blamage.

Diese Grundregeln lassen sich ebenso in den Alltag integrieren. Erfassen Sie spontan die Situation. Analysieren Sie, welche Mittel Sie haben – und fangen Sie an zu spielen, zu improvisieren. Lassen Sie sich bloß nicht von Ihrer Angst blockieren! Wer handelt, kann zwar Fehler machen. Die sind aber selten endgültig – und die anderen sind ja auch noch da…

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Was hält mich davon ab, zu improvisieren?

Wir Menschen bewegen uns am liebsten auf gewohnten Pfaden. Wir sind Gewohnheitstiere, das Kontrollbedürfnis ist uns eingeimpft, weil es uns in Sicherheit wiegt und potenzielle Risiken minimiert. Zumindest glauben wir das. Hinter fehlendem Improvisationstalent steckt allerdings häufig auch die Angst, etwas falsch zu machen oder sich vor anderen zu blamieren. Deswegen schmieden wir lieber Pläne und Strategien, um das Unvorhersehbare vorhersehbar zu machen. Bloß die Kontrolle behalten – nicht loslassen, nichts verlieren!

Dabei ist Improvisationstalent das genau Gegenteil davon – und ein widersprüchliches Konzept dazu: Loslassen, um die Kontrolle zu gewinnen. Das aber fällt vielen Menschen enorm schwer.

Improvisationstalent Beispiel

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Szene aus dem Jahr 1998: Völlig unerwartet fiel beim Champions-League-Halbfinale zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund eines der Tore um. Ganze 76 Minuten dauerte es, bis ein neues Tor aufgestellt wurde und das Spiel angepfiffen werden konnte. Eine Ewigkeit. Die beiden Moderatoren Marcel Reif und Günther Jauch mussten damals die Aufgabe spontan bewältigen, die Zeit bis zum Anpfiff zu überbrücken. Es konnte weder auf eine andere Sendung umgeschaltet, noch Werbung eingeblendet werden – schon gar keine 76 Minuten lang…

Marcel Reif war zunächst wirklich überfordert. Die rettende Idee hatte Günther Jauch: Er begann einfach das Geschehen rund um die Auswechselung des Tores zu kommentieren. Zum Beispiel: „Für alle, die nicht rechtzeitig eingeschaltet haben: Das erste Tor ist schon gefallen…“ So hielt er das Publikum bei der Stange. Am Ende schalteten mehr Zuschauer ein, um das Improvisationstalent der beiden zu bewundern, als sich das Spiel anzusehen.

Wie reagieren Sie spontan auf Veränderungen?

An dem Beispiel lässt sich zugleich erkennen, dass es zwei Arten gibt, wie Menschen mit Veränderungen umgehen:

  1. Man sträubt sich gegen die Veränderung
    Am ursprünglichen Plan wird – komme was wolle – festgehalten. Zugegeben, manchmal können sich solche Terrierqualitäten auszahlen. Oft offenbart es aber nur die geistige Flexibilität einer Betonschwelle.
  2. Man akzeptiert die Veränderung
    Blitzschnell wird der Plan, den man hatte, verworfen und angepasst. Kurz: Sie analysieren, agieren intuitiv und improvisiert.

Jauch entschied sich damals dazu, zu improvisieren und hatte damit großen Erfolg. Das können Sie ebenfalls!

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Improvisationstalent im Job: So geht’s!

Improvisation ist nicht EINE einzige Fähigkeit. Improvisationstalent besteht aus verschiedenen Komponenten und Kompetenzen. Diese können Sie auch im Job mit großer Wirkung einsetzen und nutzen:

1. Die Fähigkeit, zuzuhören

Bei einer Improvisation im Theater reagieren die Schauspieler auf das, was die anderen sagen oder machen. Dafür muss man aufmerksam und konzentriert zuhören (und zuschauen). Nur so bleibt man in der Lage, die Situation zu verstehen und zu reagieren.

So trainieren Sie Ihr Improvisationstalent: Konzentrieren Sie sich bei der nächsten Gelegenheit ganz auf die Situation und hören Sie aktiv zu. Lassen Sie nicht zu, dass Ihre Gedanken abschweifen oder flüchten, weil die Kontrolle versagt. Nehmen Sie Randaspekte wahr, Details – und versuchen Sie, daraus etwas zu spinnen.

2. Die Fähigkeit, im Team zu arbeiten

Bei einer Improvisation interagieren die Schauspieler miteinander und mit dem Publikum. Sie sind ein Team und bilden eine Einheit. Passiert dem einen ein Fehler, fängt ihn der andere auf.

So trainieren Sie Ihr Improvisationstalent: Wer beispielsweise seine Kollegen als Mitspieler begreift, stellt diese bei Fehlern nicht bloß, sondern eilt ihnen zur Hilfe und unterstützt sie. Nehmen Sie sich vor, den Kollegen das nächste Mal zu unterstützen, wenn ihm beispielsweise die Worte fehlen oder jemand im Vortag einen blöden Kommentar abgibt. Spielen Sie mit Ihrem Kollegen zusammen.

3. Die Fähigkeit, Gelegenheiten zu erkennen

Wenn Sie improvisieren, müssen Sie aus dem, was Ihnen gerade zur Verfügung steht, etwas machen. Sie weiten Ihren Blick für alles, was Ihnen in dieser Situation behilflich sein kann.

So trainieren Sie Ihr Improvisationstalent: Betrachten Sie die nächste schwierige Situation nicht gleich als Sackgasse. Lehnt Ihr Chef etwa eine Gehaltserhöhung ab mit den Worten: „Im Moment ist das nicht drin“ – steckt darin auch eine Chance: Fragen Sie ihn, wann denn ein besserer Zeitpunkt wäre, um darüber zu sprechen. Oder Sie verhandelt sogleich mögliche Alternativen – mehr Urlaub, Überstundenausgleich, Boni, …

4. Die Fähigkeit, Fehler zu akzeptieren

Beim Improvisieren gibt es keine Fehler. Was viele Menschen im Job aufhält, ist die Angst, Fehler zu machen. Und der Wunsch, immer die beste Lösung zu finden. Bei dem Streben nach Perfektion verrennen sich allerdings viele. Es geht nicht darum, fehlerfrei zu sein, sondern mit diesen Pleiten, Pech und Pannen professionell umzugehen, daraus zu lernen und die Lösung anzupassen.

So trainieren Sie Ihr Improvisationstalent: Notieren Sie sich, welche Fehler Sie an Ihnen oder auch an Ihren Kollegen besonders nerven. Fragen Sie sich warum. Nehmen Sie sich vor, das nächste Mal, wenn dieser Fehler auftritt, anders als gewohnt darauf zu reagieren. Ärgern Sie sich nicht darüber. Sehen Sie es lieber gelassen und konzertieren Sie sich auf das, was Sie daraus lernen können.

5. Die Fähigkeit, sich auf seine Intuition zu verlassen

Wir entscheiden und reagieren oft spontan und aus dem Bauch heraus. Diese Entscheidungen basieren nicht auf einem bewussten Verarbeitungsprozess, sondern aus einem Impuls, einem Gefühl heraus. Das kann zuweilen besser beurteilen als unser Verstand. In Momenten, in denen wir improvisieren, wird Wissen, dass in uns schlummert, aktiviert. Dieses Wissen besteht überwiegend aus Erfahrungen. Bei spontanen Reaktionen passiert das ganz von selbst. Mehr noch: Die Erkenntnis, sich in scheinbar ausweglosen Situationen auf sein Unterbewusstsein verlassen zu können, steigert das Selbstbewusstsein.

So trainieren Sie Ihr Improvisationstalent: Je konsequenter wir unser Bauchgefühl trainieren, desto zuverlässiger berät es uns. Besonders beim Sport können Sie Ihre Intuition schulen: Spieltaktik, Angriff oder Verteidigung – all das entscheiden wir meist aus dem Bauch heraus. Wer aber lernt, das bewusst einzusetzen, wird häufiger richtige Entscheidungen treffen und mehr improvisieren können.


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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]