Soziale Inkompetenz: Definition, typische Beispiele, Test

Soziale Inkompetenz beschreibt das Unvermögen einer Person, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Wer jedoch die – teils unausgesprochenen – Motive und Wünsche anderer nicht wahrnimmt, gilt schnell als unfreundlich. Das wiederum kann den beruflichen Weg verstellen. Über die Bedeutung von sozialer Kompetenz und woran Sie erkennen, dass jemand sozial inkompetent ist…

Soziale Inkompetenz: Definition, typische Beispiele, Test

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Definition: Was ist soziale Inkompetenz?

Im Umgang mit Menschen gibt es Verhaltensweisen, die eher nützlich und andere, die eher schwierig sind. Sozial inkompetenten Personen fehlen einige nützliche Soft Skills im Umgang mit anderen. Dabei macht es einen Unterschied, ob sich jemand in Situationen nur ungeschickt verhält oder mutwillig die Bedürfnisse anderer ignoriert beziehungsweise andere bewusst vor den Kopf stößt. Ersterer ist womöglich ein Tollpatsch, aber willens zu lernen. Letzterer hingegen ein Misanthrop, der sich womöglich in der Rolle gefällt.

Während wir einer unabsichtlich ungeschickten Person eher geneigt sind zu verzeihen, stößt bewusst ignorantes Verhalten auf wenig Gegenliebe. Beide skizzierten Typen tragen jedoch dazu bei, sich von anderen abzusondern. Soziale Inkompetenz zeigt sich beispielsweise in solchen Situationen:

  • Sie haben Schwierigkeiten, Situationen richtig einzuschätzen.
  • Ihnen fällt die Kommunikation – zum Beispiel Smalltalk – mit anderen schwer.
  • Welche Folgen Ihr Verhalten hat, können Sie nicht absehen.
  • Sie fühlen sich latent ausgegrenzt.
  • Es fällt Ihnen schwer, dem Blickkontakt anderer standzuhalten.

Beispiele: Was sind soziale Kompetenzen?

Soziale Inkompetenz lässt sich am besten mithilfe von Beispielen demonstrieren, in denen wir soziale Kompetenz gegenüberstellen. Angenommen, Sie ärgern sich über einen Fehler einer Kollegin, der Sie viel Arbeit kostet. Empört beschließen Sie, Ihrer Wut Luft zu machen und gehen ins Büro der Kollegin. Diese sitzt mit geröteten Augen und verweintem Gesicht an ihrem Schreibtisch. Sozial kompetent wäre nun, den eigenen Ärger für den Moment beiseite zu stellen und zu fragen, was passiert ist. Denn die geröteten Augen und das verweinte Gesicht lassen darauf schließen, dass es der Kollegin schlecht geht – was womöglich den Fehler begünstigt hat. Bei sozialer Inkompetenz hingegen kann die verärgerte Person den Kummer der anderen entweder nicht wahrnehmen oder aber ignoriert ihn dennoch.

Ein anderes typisches Beispiel: Sie sollen im Team verschiedene Vorschläge erörtern. Wie alle haben Sie sich Gedanken zum Projekt gemacht. Sie halten Ihre Vorschläge für gut. Für die Kritik der anderen haben Sie kein Ohr. Stattdessen feuern Sie zurück – wenn die Ihre Ideen kritisieren, können Sie genauso kritisieren. Ab einem bestimmten Punkt ist die Situation völlig festgefahren, da keiner mehr von seiner Position abweicht. Deutlich mehr soziale Kompetenz beweist, wer sich die Argumente der anderen in Ruhe anhört und anschließend dazu Stellung bezieht. Auch heißt Kritik bekommen nicht, dass Sie Vorschläge von Kollegen automatisch zerreißen müssen. Vielleicht gibt es gute Ansätze? Oder man kann verschiedene Aspekte miteinander kombinieren und so zu einem Kompromiss finden.

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Wieso ist das problematisch?

Soziale Inkompetenz ist eine echte Karrierebremse. Wer sich nicht ins Team fügt, übersteht womöglich erst gar nicht die Probezeit. Sozial inkompetente Menschen haben Schwierigkeiten, ihre Ziele zu erreichen. Neue Kontakte zu knüpfen, fällt ihnen schwer. Netzwerken wiederum ist aber ein wichtiger Aspekt, wenn jemand nach einer neuen Stelle Ausschau hält. Oder wenn es um Tipps und Unterstützung im (Berufs-)Alltag geht. Hingegen sind sozial inkompetente Menschen vom Flurfunk eher abgeschnitten. Mit anderen Worten: Durch soziale Inkompetenz kommt es zu erheblichen Störungen im Privat- als auch Berufsleben.

Grundsätzlich ist der Mensch aber ein soziales Wesen. Das heißt, dieses Unvermögen, mit anderen Menschen angemessen zu interagieren, kann die Betroffenen durchaus belasten. Sie registrieren womöglich brüske Reaktionen auf das eigene Verhalten, wissen aber nicht, woher diese rühren. Denn nicht immer sagt das Gegenüber klar und deutlich, was gerade in der Kommunikation schief gelaufen ist. Im Falle von Kränkungen ziehen sich etliche Menschen auch einfach nur zurück. Die Folge: Sozial inkompetente Menschen erfahren Ablehnung, erhalten allerdings selten Hinweise, was sie ändern können.

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Test: Woran erkennt man soziale Inkompetenz?

Mit dem nachfolgenden Test können Sie überprüfen, wie hoch Ihre soziale Kompetenz ist – und an welchen Stellen sie ausbaufähig ist. Testen Sie, wie oft Sie den folgenden Aussagen zustimmen können. Dazu können Sie den Haken direkt im Browser setzen:

  • In andere Menschen kann ich mich gut hineinversetzen.
  • Bei Diskussionen höre ich anderen zu und bilde mir anschließend eine Meinung.
  • Wenn ich andere kritisiere, verhalte ich mich sachlich und unterlasse persönliche Angriffe.
  • Ich finde in einer neuen Umgebung oder einem neuen Job schnell Anschluss.
  • Mit Kritik kann ich angemessen umgehen und lasse sie erst einmal auf mich wirken.
  • Falls jemand Unterstützung braucht, helfe ich gerne.
  • Fremden Menschen begegne ich freundlich und offen, das öffnet Türen.
  • Liegen schwelende Konflikte in der Luft, spreche ich sie an.
  • Vertritt jemand eine konträre Meinung, versuche ich das nachzuvollziehen und einen Kompromiss zu finden.
  • Ich finde immer wieder Worte des Lobes für andere.

Test Auflösung

  • 0 bis 2 Haken: Es spricht einiges dafür, dass Sie häufig mit anderen Menschen aneinandergeraten. Die gute Nachricht: Soziale Inkompetenz ist kein gottgegebenes Schicksal. Wir geben Tipps für mehr Sozialkompetenz (siehe unten).
  • 3 bis 5 Haken: Ihre soziale Kompetenz ist definitiv ausbaufähig. Aber offenbar beherrschen Sie bereits einige wichtige Fähigkeiten.
  • 6 bis 10 Haken: Sie haben bestimmt den Test stellvertretend für jemand anderen gemacht, oder? Nicht angeklickte Kästchen liefern Ihnen Inspiration für Verbesserung.
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Ursachen: Soziale Inkompetenz bei Kindern schon angelegt

Kinder lernen von Erwachsenen. Mangelt es bereits den wichtigsten Bezugspersonen – in der Regel die Eltern – an sozialer Kompetenz, haben es Kindern bereits deutlich schwerer, diese zu erwerben. Es fehlt schlichtweg an positiven Vorbildern. Sie müssen sich die wichtigen Fähigkeiten bei anderen Menschen abgucken. Dafür ist wiederum genügend Zeit und Gelegenheit für Interaktion nötig.

Wenn aber bereits im Kindesalter ein Mensch durch abweichendes Verhalten auffällt, führt das leicht zur Ausgrenzung oder Isolation. Ein Lernen in gleichaltrigen Gruppen ist für das sozial inkompetente Kind dann kaum möglich. In einigen Fällen ziehen sich die Betroffenen auch selbst zurück. Sie wirken dann nach außen schüchtern und introvertiert. Solche Menschen werden im Erwachsenenalter leicht zu Eigenbrötlern.

Training: Tipps für mehr soziale Kompetenz

Die folgenden drei Eigenschaften sind absolut erforderlich, um mehr soziale Kompetenz zu erwerben:

  1. Aufmerksamkeit

    Für soziale Kompetenz braucht es mehr Aufmerksamkeit und eine geschärfte Beobachtungsgabe. Wer nur um sich kreist und nur mit der eigenen Befindlichkeit beschäftigt ist, übersieht halt gerne die geröteten Augen einer deprimierten Kollegin. Als sozial kompetenter Mensch richten Sie den Fokus immer wieder auch auf andere.

  2. Empathie

    In einem nächsten Schritt sollten Sie sich in die andere Person hineinversetzen: Wie ginge es mir selbst, wenn ich Kummer hätte? Welches Verhalten würde ich mir von anderen wünschen? Durch Reflexion gelangen Sie zu der richtigen Antwort.

  3. Impulskontrolle

    Der Erkenntnis, welches Verhalten in welcher Situation angemessen ist, folgt die Impulskontrolle. Soziale Kompetenz zeichnet aus, den ursprünglichen Impuls unterdrücken und beiseite schieben zu können, wenn eine andere Handlung sinnvoller wäre.

Entscheidend ist nun die Anwendung. Sie müssen sich in Situationen begeben, in denen Sie das theoretische Wissen in die Praxis umsetzen können. Beispielsweise könnten Sie allein Veranstaltungen besuchen, auf denen Sie niemanden kennen. Fremde Leute anzusprechen, erfordert natürlich eine Portion Mut. Aber zu Beginn reicht es ja, erst einmal die Lage zu sondieren: Sind andere Menschen ebenfalls allein? Wie verhalten die sich? Nicht selten fühlen andere sich ebenfalls unwohl in ihrer Haut und sind ganz erleichtert, wenn jemand anderer den Anfang macht und ein Gespräch eröffnet.

Professionelle Hilfe bei größeren Problemen

Die oben genannten Tipps fürs Training greifen vor allem bei kleineren Schwierigkeiten. Sie setzen Selbstreflexion sowie den Willen, etwas zu verändern, voraus. Wer trotz aller Mühe aber nicht aus der eigenen Haut kann, sollte sich professionelle Unterstützung sichern. Hilfe im Bereich Persönlichkeitsentwicklung bietet beispielsweise ein Lebenscoach. Wer hingegen regelrecht mit sozialer Phobie zu kämpfen hat, sollte über eine Verhaltenstherapie nachdenken.

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[Bildnachweis: Vasilyeva Larisa by Shutterstock.com]

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