Kränkungen im Job: So gehen Sie damit um

Ganz gleich, ob es Kränkungen im Job oder in der Partnerschaft sind: Sie werden immer auf Menschen stoßen, die Dinge anders sehen als Sie, die ihrem Unmut nicht in gewünschter Weise Ausdruck verleihen und die Sie womöglich mit ihrem Verhalten verletzen. Richtig zu kritisieren ist nicht jedem gegeben. Der Umgang mit vorgetragener Kritik fällt Menschen aber mindestens ebenso schwer. Dabei ist die konstruktive Verarbeitung von Schmähungen ein echter Erfolgsfaktor. Die gute Nachricht: Sie können das lernen. Über den Umgang mit Kränkungen am Arbeitsplatz…

Kränkungen im Job: So gehen Sie damit um

Was sind Kränkungen und wie entstehen sie?

Kränkungen im Job Umgang mit am Arbeitsplatz Partnerschaft narzisstische Kränkung überwinden Erniedrigung in der KindheitKränkungen sind Angriffe auf das Selbstwertgefühl einer Person. Was als Kränkung – synonym auch Verunglimpfung, Erniedrigung oder Herabsetzung – empfunden wird, ist dabei höchst individuell. Für den einen kann es ein anzüglicher Blick, eine dumme Bemerkung sein.

Ein anderer empfindet die ungerechte Behandlung durch seinen Vorgesetzten als Demütigung. Allen Personen gemeinsam ist das sehr intensive Gefühl, dass sie unfair behandelt werden. Dieses Gefühl bei einer empfundenen Erniedrigung am Arbeitsplatz steigt umso mehr an, je mehr Arbeit an Bedeutung gewinnt.

Der Organisationspsychologin Bärbel Wardetzki zufolge steigt durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse, befristete Arbeitsverträge und geringere Jobsicherheit das Risiko von Konflikten infolge von Kränkungen.

Denn ein auslaufender Arbeitsvertrag kann als leicht Zurückweisung verstanden werden. Nicht wenige Arbeitnehmer hegen insgeheim die Hoffnung, ihr Arbeitsvertrag möge doch verlängert werden. Und manchmal passiert das durchaus – aber eben nicht für alle Mitarbeiter. Oder eben nicht bei diesem Projekt.

Werden infolge von Umstrukturierungsmaßnahmen Mitarbeiter bei der Beförderung übergangen oder Arbeitsplätze gar gestrichen, sind Kränkungen im Job vorprogrammiert.

Auswirkungen auf die Arbeit

Es lässt sich natürlich leicht sagen: Ach, der ist einfach nur zu sensibel. Tatsächlich sollten aber nicht nur Arbeitnehmer ein Interesse daran haben, an ihrer Kränkbarkeit zu arbeiten. Auch für Unternehmen können Kränkungen im Job zum echten Problem werden.

Dann nämlich, wenn sie nicht mehr nur eine unbedachte Bemerkung sind, sondern ausgrenzenden Charakter haben und in Mobbing enden. Spätestens hier missachten Vorgesetzte ihre Fürsorgepflicht, wenn sie nicht rechtzeitig einschreiten.

Die Folge sind Arbeitnehmer, die krankheitsbedingt ausfallen. Kränkungen im Job zu erleben, führt dazu, dass die Motivation und letztlich die Arbeitsfähigkeit nachlassen. Häufig wollen die Gekränkten den Kontakt zu denen, die sie für ihre Misere verantwortlich machen, meiden.

Das ist auf der Arbeit natürlich nur bedingt möglich und mündet leicht in einer regelrechten Kränkungsspirale: Denn wer sich stark betroffen sieht, fühlt sich missverstanden und allein gelassen. Bei manchen Menschen führt das dazu, dass sie schnell eine Opferrolle einnehmen: Immer auf mich, keiner mag mich, ich kann nichts…

Selbstmitleid ist das vorherrschende Gefühl, die notwendige Selbstreflexion bleibt aus: Andere werden für die eigene Gefühlslage verantwortlich gemacht: Mir geht es schlecht, weil andere gemein/unfair/ungerecht sind.

Gekränkte denken oft in Täter-Opfer-Kategorien, in denen der einen Partei die Schuld für das eigene (in diesem Fall: schlechte) Befinden zugeschoben wird. Das führt jedoch zu nichts, da sich Konflikte so eher hochschaukeln und die andere Partei sich ebenfalls im Recht sieht.

Eine Lösung kann nur darin bestehen, dass erstens jeder weiß, dass er selbst für seine Gefühlslage verantwortlich ist. Zweitens geht es darum, seinerseits einen wertschätzenden Umgang mit anderen zu pflegen.

Zwischen Harmoniesucht und berechtigter Kritik

Neben Kränkungen durch Kollegen ist ein anderes Problem, wenn der Chef seinen Mitarbeiter vor versammelter Belegschaft abkanzelt. Dann sitzt der Schock häufig tief. Der Gesichtsverlust in aller Öffentlichkeit verstärkt das Gefühl der Kränkung, denn die Person wird in dem Moment überrascht, fühlt sich hilflos.

Wardetzki erklärt, dass Gefühle wie Angst, Wut, Scham und Trauer durch Kränkungen beim Betroffenen entstehen. Allerdings würden die selten zugelassen. Stattdessen würden diejenigen Ohnmacht, Empörung oder Rachegedanken empfinden.

Vorgesetzte, die Untergebene öffentlich demontieren, nutzen ihre Macht aus. Der andere muss erniedrigt werden, um sich selbst zu überhöhen. Souveränität sieht anders aus – es gibt eben auch in der Hierarchie höher Stehende, die ein zu geringes Selbstwertgefühl haben.

Das wiederum unterscheidet bloße Vorgesetzte von einer Führungskraft. Manche sind der Meinung, dass man Kritik vor anderen aushalten können müsse, sofern sie berechtigt sei.

Öffentliches Loben, aber eben auch bei Misserfolgen und Fehlern tadeln. Denn der Arbeitsplatz sei der falsche Ort für Harmoniesucht – dafür sei der Partner zuständig. Natürlich sollte niemand den Fehler begehen, in seinen Vorgesetzten eine Sehnsucht nach Anerkennung hineinzuprojizieren, für die er nicht zuständig ist.

Selbstzweck der Arbeit ist nicht, jemandem in erster Linie Spaß zu machen. Das ist eine nette Begleiterscheinung und jeder kann etwas dafür tun, in einem Bereich zu arbeiten, der ihm sinnvoll und erfüllend erscheint. Aber es wird auch immer Anteile geben, die nicht besonders angenehm sind.

Dazu gehören auch Chefs, die einen nach der Leistung und nicht nach der Persönlichkeit bewerten. Wird das nicht bedacht, sind Enttäuschungen tatsächlich vorprogrammiert und man landet in der Anerkennungsfalle.

Was allerdings Kränkungen im Job anbelangt, macht bekanntlich der Ton die Musik. Im Gegensatz zu früher wird jemand nicht automatisch als Führungspersönlichkeit anerkannt, nur weil er eine entsprechende Position bekleidet.

Erniedrigung am Arbeitsplatz: Das können Sie tun

Kränkungen im Job Umgang mit am Arbeitsplatz Partnerschaft narzisstische Kränkung überwinden Erniedrigung in der KindheitJemanden nur kurz im Vorbeigehen zuzunicken, während andere vom Chef deutlich vernehmbar gegrüßt werden: Das kann dazu führen, dass sich jemand zurückgesetzt fühlt. Ein anderes Kaliber sind Ausraster in aller Öffentlichkeit.

Herumschreien, Beleidigungen ausstoßen – all das ist keine angemessene Art, auch nicht bei faktischen Fehlern. Es sind eher Merkmale des autoritären Führungsstils und Zeichen dafür, dass jemand seine Emotionen nicht angemessen unter Kontrolle hat.

Genau das aber ist heutzutage gefragt: Sozialkompetenz, das heißt, sich in andere hineindenken zu können, seine Emotionen im Griff zu haben – auch wenn man wütend ist. Was tun, wenn Ihr Vorgesetzter das nicht kann?

  • Thematisieren

    Wer genügend Mut besitzt, spricht das Verhalten unmittelbar (nach der Tirade) an, ebenfalls öffentlich. Benennen Sie die Kränkungen, beispielsweise: Es ärgert mich, dass Sie das so sehen, denn ich habe nachweislich bereits vor Wochen darauf hingewiesen, dass wir das mit der gegenwärtigen personellen Besetzung nicht schaffen werden.

  • Besprechen

    Für weniger Mutige oder wenn das Thema einfach zu persönlich ist, empfiehlt sich ein Gespräch unter vier Augen: Es war mir unangenehm, so vor den anderen von Ihnen angegriffen zu werden. Ich habe mich bloßgestellt gefühlt. Ich würde mir wünschen, das nächste Mal unter vier Augen auf meinen Fehler hingewiesen zu werden, da ein Verhalten wie das gestrige wenig wertschätzend ist.

  • Abgrenzen

    Für Fortgeschrittene empfiehlt sich: Aufstehen, Krone richten, weitermachen. Gelassenheit üben. Sofern diese Ausraster nicht häufiger (und möglicherweise ausschließlich bei Ihnen?) vorkommen. Denn dann könnte der Eindruck entstehen, dass Sie nur nicht das Rückgrat haben Ihrem Chef zu sagen, dass er kein Recht darauf hat, Sie respektlos zu behandeln. Wenn ein Gespräch nichts bewirkt und die Kränkungen im Job massiv zunehmen, hilft nur noch ein Jobwechsel.

Umgang mit Kränkungen am Arbeitsplatz

Der lösungsorientierte Umgang mit Kränkungen ist ein echter Erfolgsfaktor. Wer sich nicht sofort wie eine beleidigte Leberwurst zurückzieht, bleibt handlungsfähig. Vor allem – und das hören jetzt alle die, die schnell und häufig eingeschnappt sind nicht gerne – könnte ein Körnchen Wahrheit in der vorgetragenen Kritik stecken.

Natürlich beherrscht nicht jeder die hohe Kunst der konstruktiven Kritik. Und manch einer macht auch einfach nur ungerechtfertigt seinem Frust Luft.

Aber nicht jeder, der nicht Ihrer Meinung ist, ist automatisch im Unrecht. Wer vermeiden will, sich selbst ins Aus zu stellen und von sozialen Kontakten abzuschneiden, sollte folgende Tipps beherzigen:

  • Zuhören

    Das Wichtigste: Lernen Sie zuzuhören. Lassen Sie Ihr Gegenüber ausreden und seine Kritik vortragen. Bleiben Sie ruhig. Zählen Sie innerlich bis zehn.

  • Nachfragen

    Wenn Sie, nachdem Ihr Gegenüber zu Ende geredet hat, Fragen haben, formulieren Sie sie so: Ich habe diesen und jenen Punkt (ausführen) nicht verstanden. Könntest Du bitte erklären, woran Du das festmachst? Könntest Du das mit anderen Worten erklären? Das hat zweierlei Vorteile: Zum einen signalisieren Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie die Kritik ernst nehmen und sich damit beschäftigen wollen – das ist gleichzeitig ein Zeichen der Wertschätzung Ihrerseits. Zweitens haben Sie so Zeit, das Gesagte aufzunehmen.

  • Reflektieren

    Es geht nicht darum, sofort zurückzuschießen und zum Rundumschlag auszuholen. Gibt es Vorwürfe zu konkreten Situationen, die Sie anders in Erinnerung haben, bei denen der Sachverhalt anders liegt, können Sie das benennen. Beispielsweise können Ihrem Gesprächspartner Informationen fehlen, die ihm dabei helfen, Dinge anders einzuordnen. Genauso gut kann es allerdings sein, dass ein- und dieselbe Situation anders empfunden wird. In diesem Fall sollte die Kritik angenommen und darüber nachgedacht werden. Versuchen Sie die Perspektive der anderen Person einzunehmen. Hätten Sie an ihrer Stelle womöglich auch so empfunden?

  • Distanzieren

    Lernen Sie, nicht jede Kritik persönlich zu nehmen. Auch andere haben mal einen schlechten Tag. Das bedeutet nicht, dass die ohne Rücksicht auf Verluste alles sagen dürfen, was ihnen gerade in den Kopf kommt. Aber umgekehrt muss nicht immer jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden. Entscheiden Sie im konkreten Fall: Ist es das wert, jetzt in eine Diskussion einzusteigen? Denn das verbraucht letztlich viel Energie, die Sie an anderer Stelle gebrauchen können.

  • Feststellen

    Kränkungen im Job können sich viel leichter ihren Weg zu jemanden bahnen, der bereits ein angeknackstes Selbstwertgefühl hat. Meist kreisen diese Menschen vor allem um ihre Schwächen. Das ist kontraproduktiv. Besinnen Sie sich daher auf Ihre Stärken. Was fällt Ihnen leicht? Worin sind Sie gut? Was macht Ihnen Spaß? Wer sich seiner Fähigkeiten und Qualitäten bewusst ist, strahlt automatisch eine gewisse Selbstsicherheit aus, die auf andere anziehend wirkt.

Kommen Sie an einem Punkt nicht weiter, sollten Sie in einem ruhigen Moment den Kollegen auf die bestimmte Situation ansprechen. Klären Sie sachlich, dass eine bestimmte Äußerung nicht fair war, beispielsweise, weil er pauschal etwas diskreditiert hat oder Ähnliches.

Kommt dies wiederholt vor, kann ein neutraler Dritter möglicherweise vermitteln, der die Perspektive beider Beteiligten einnimmt.

[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]
22. August 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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