Autoritärer Führungsstil Patriarchalischer Führungsstil
Es gibt verschiedene Arten, ein Unternehmen und seine Mitarbeiter zu führen. Der autoritäre Führungsstil ist dabei eine Art der Mitarbeiterführung, die recht alt im Vergleich zu anderen Führungsstilen ist. Mittlerweile ist er recht häufig in der Kritik, in den letzten Jahrzehnten haben sich immer mehr neue Arten der Mitarbeiterführung entwickelt. Sie versuchen der Arbeitssituation und den veränderten Ansprüchen der Arbeitnehmer gerecht zu werden. Wodurch sich der autoritäre Führungsstil auszeichnet und worin seine Vor- und Nachteile liegen, erfahren Sie hier...

Autoritärer Führungsstil Definition: Typische Merkmale

Die Begriffe Autorität und autoritär könnten nicht unterschiedlicher besetzt sein. Der erste ist stellvertretend für eine Person und spiegelt Macht, aber auch Ansehen wider. Der zweite ist heutzutage negativ besetzt, laut Duden überwiegt heutzutage die Bedeutung "totalitär, diktatorisch, unbedingten Gehorsam fordernd" - ein Auftreten, das eher ins vorletzte Jahrhundert gehört.

Der autoritäre Führungsstil ist vor allem durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • klare Regeln und Anweisungen im gesamten Arbeitsprozess
  • Bündelung der Informationen auf der Führungsebene
  • alleinige Entscheidungsvollmacht des Vorgesetzten
  • schnelle Entscheidungsprozesse
  • Delegation von Aufgaben durch den Vorgesetzten
  • Mitarbeiter führen Anweisungen entsprechend aus

Autoritärer Führungsstil: Vor- und Nachteile

Vorgesetzte mit autoritärem Führungsstil sind häufig fachlich sehr kompetente Personen, die sich durch großen Ehrgeiz im Erreichen der Unternehmensziele auszeichnen.

Autoritärer Führungsstil Patriarchalischer Führungsstil Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Aus Arbeitgebersicht werden schnelle Entscheidungen getroffen.
  • Die Zuständigkeiten sind eindeutig, da die Verantwortung in einer Hand liegt.
  • Die Kompetenzen sind klar geregelt und der gesamte Arbeitsprozess unter Kontrolle.
  • Es gibt eine kurzfristige Leistungssteigerung.

Autoritärer Führungsstil Patriarchalischer Führungsstil Vor- und Nachteile

Nachteile

  • Fühlt sich die Führungsperson überfordert, kann es zu Fehlentscheidungen kommen.
  • Bei unerwartete Ausfall des Entscheidungsträgers sind chaotischen Zuständen möglich.
  • Fährt das Unternehmen Erfolge ein, werden diese in der Regel einer starken Führungspersönlichkeit zugeschrieben.
  • Umgekehrt werden Niederlagen mit mangelndem Einsatz oder geringer Kompetenz der Mitarbeiter verbunden.
  • Motivation und Eigeninitiative der Mitarbeiter sind eher gering.
  • Bei Abwesenheit des Vorgesetzten stockt die Arbeit.
  • Wünsche der Mitarbeiter finden kaum Berücksichtigung.
  • Es existiert eine hohe Fluktuation und ein hoher Krankenstand bei den Mitarbeitern.
  • Zwischen dem Vorgesetzten und den Mitarbeitern herrscht eine große Distanz.

Führungsstile im Vergleich: Autoritär, kooperativ oder laissez-faire?

Die richtige Form der Mitarbeiterführung beschäftigt seit jeher Soziologen und Psychologen, so auch der deutsche Sozialpsychologe Kurt Lewin. Seine Unterscheidungen der verschiedenen Führungsstile wirken bis in die heutige Zeit nach.

Lewin teilte ein in:

  • Autoritärer oder hierarchischer Führungsstil

    Gekennzeichnet ist er durch eine starke Hierarchie und die oben ausgeführten Merkmale. Die Gehorsamkeit der Mitarbeiter ist das oberste Gebot. Das bedeutet allerdings auch ein Scheitern dieses Führungsstils, wenn die Autorität des Chefs von den Mitarbeitern angezweifelt wird. Dieser Führungsstil entspricht damit im Wesentlichen dem autokratischen Stil nach Max Weber, das heißt, auch die Vor- und Nachteile für die Mitarbeiter sind vergleichbar.

  • Demokratischer oder kooperativer Führungsstil

    Typisch ist hier die Zusammenarbeit zwischen Führungsperson und Mitarbeitern. Der Vorgesetzte delegiert Aufgaben und Verantwortung. Mitarbeitermotivation spielt eine große Rolle. Da offen kommuniziert wird, sind auch kritische Bemerkungen seitens der Mitarbeiter möglich.

    Dadurch werden Eigeninitiative und Kreativität bei den Mitarbeitern gefördert. Da die Verantwortung auf mehrere Bereiche verteilt wird, kann ein überraschender Ausfall besser abgefedert werden. Die Mitarbeiter arbeiten selbständiger und können sich eher mit dem Unternehmen identifizieren.

    Andererseits können durch die Einbindung der Mitarbeiter Entscheidungsprozesse länger dauern. Es herrscht eine stärkere Konkurrenz zwischen den Mitarbeitern, die Probleme verursachen kann.

  • Laissez-faire-Führungsstil

    Größtmögliche Handlungsfreiheit der Mitarbeiter kennzeichnet diesen Führungsstil. Sie gestalten ihre Aufgaben selbst, der Vorgesetzte greift nicht ein. Das bedeutet, er hilft weder bei Problemen, noch bestraft er im Falle von Fehlern.

    Die Mitarbeiter können sich so komplett entfalten, das fördert Kreativität und Eigenständigkeit. Andererseits kann dies zu Planlosigkeit, chaotischen Zuständen, Kompetenzrangeleien und Rivalitäten kommen.

    Es ist ein gruppendynamischer Prozess, dass bei größeren Gruppen der Wunsch nach einer Führungsperson zunimmt, zumal nicht jeder Mitarbeiter selbst gerne Verantwortung übernimmt. Dies kann zur Ausgrenzung Einzelner führen.

Autoritärer Führungsstil: Ein Auslaufmodell?

In der Vergangenheit war der autoritäre Führungsstil verbreitet, so wie das Verständnis vom Menschen allgemein eher das eines Untertans denn das eines mündigen Bürgers war. Heutzutage gibt es eine Vielzahl an Auswahl- und Entscheidungsmöglichkeiten, die Arbeitswelt ist deutlich komplexer als noch vor 100 oder auch 50 Jahren.

Eine Führungspersönlichkeit kann nicht alles wissen, mit anderen Worten: Sie ist auf die Kompetenz ihrer Mitarbeiter in bestimmten Bereichen angewiesen. Das bedeutet auch, dass ein konsequent umgesetzter autoritärer Führungsstil mit einem Vorgesetzten, der sich selbstherrlich über sämtliche Mitarbeitereinwände hinwegsetzt, heutzutage zwangsläufig schlechtere Entscheidungen zur Folge haben wird.

Es ist also wenig verwunderlich, dass aufgrund veränderter Rahmenbedingungen der autoritäre Führungsstil zumindest in wirtschaftlichen Unternehmen weitgehend an Bedeutung verloren hat. Ihr Hauptaugenmerk liegt darauf, dass sie flexibel, schnell und kundenorientiert reagieren können. Eine ebenso große Rolle spielen Teamspirit und Kreativität der Mitarbeiter.

Heutzutage sind der kooperative beziehungsweise situative Führungsstil wesentlich häufiger anzutreffen. Zum einen wird größerer Wert darauf gelegt, die Distanz zwischen der Führungs- und Mitarbeiterebene abzubauen. Es herrscht eine größere Transparenz und Kommunikation mit den Mitarbeitern.

Zum anderen werden Mitarbeiter bei der Entscheidungsfindung mit einbezogen und ihnen mehr Rechte und Eigenverantwortlichkeit bei ihrer Arbeit eingeräumt. Es gibt allerdings immer noch Bereiche und Situationen, in denen der autoritäre Führungsstil angebracht ist.

So wären bestimmte Arbeitsbereiche und -abläufe wie etwa beim Militär, der Polizei, der Feuerwehr oder auch im Rettungsdienst nicht denkbar, wenn es nicht klare Anweisungen und ebenso klare Umsetzungen gäbe. Wenn es brennt, muss gelöscht werden - da muss jeder Handgriff sitzen und die Rollenverteilung klar sein, da können keine aufwendigen Mitarbeiterbesprechungen anberaumt werden.

[Bildnachweis: Photographee.eu by Shutterstock.com]

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