Jeder Arbeitgeber will das Optimum mit seinem Unternehmen erzielen. Die Mitarbeiterführung spielt dabei eine wichtige Rolle. In der Vergangenheit war der autoritäre Führungsstil weit verbreitet, der für eine klare Verteilung von Regeln und Verantwortung steht. In vielen Branchen ist diese Art der Mitarbeiterführung allerdings nicht mehr zeitgemäß, da sie die Mitarbeiter mehr bei der alltäglichen Arbeit behindert anstatt sie zu führen. Der Laissez-faire-Führungsstil kann unter bestimmten Bedingungen sinnvoll sein. Was genau darunter zu verstehen ist und wie der Arbeitsalltag aussehen kann, lesen Sie hier...

Laissez faire Fuehrungsstil Definition Erziehung Management

Laissez-faire-Führungsstil Definition: Keine Führung ist auch eine Führung

Laissez-faire Erziehung Führungsstil autoritär DefinitionDie richtige Mitarbeiterführung ist eine der zentralen Fragen in jedem Unternehmen. Menschen sind Individuen und wollen als solche auch behandelt werden. Aber wie führt man seine Mitarbeiter richtig? Zunächst einmal bedeutet ein Führungsstil die gezielte Steuerung und Einflussnahme des Verhaltens der Angestellten.

Dabei geht es nicht darum, den freien Willen eines Mitarbeiters zu kontrollieren, sondern dem Mitarbeiter unterstützend zur Seite zu stehen - zu seinem Vorteil, aber natürlich auch mit Hinblick auf den Erfolg des Unternehmens.

Als es noch keine Arbeitnehmerrechte gab, wurden die Mitarbeiter alle über einen Kamm geschoren. Der Vorgesetzte durfte nach eigenem Gutdünken Anordnungen erteilen und wer diese infrage stellte, konnte sich vermutlich schnell nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen.

Heutzutage hindern nicht nur das Arbeitsrecht und Betriebräte Chefs daran, allzu willkürlich sich über die Interessen der Mitarbeiter hinwegzusetzen. Auch die Erkenntnis, dass ein Unternehmen davon profitiert, wenn es seine Mitarbeiter als mündige Menschen betrachtet und aktiv in Entscheidungen mit einbezieht, setzt sich durch.

Vielen Eltern dürfte Laissez-faire-Erziehung als Synonym für das Gewährenlassen und Nichteinmischen bei Kindern ein Begriff sein. Dieses Konzept findet sich mitunter ebenfalls im Arbeitsalltag wieder. Die französische Formulierung laissez-faire bedeutet in der Übersetzung "lassen Sie machen, lassen Sie laufen".

Laissez-faire-Führungsstil: Eine von drei Ausprägungen

Der Laissez-faire-Führungsstil geht auf den Sozialpsychologen Kurt Lewin zurück, der in Feldexperimenten das Leistungsverhalten von Jugendlichen anhand unterschiedlicher Führungsstile untersuchte.

Diese Führungsstile teilte er in drei Kategorien ein, die im Laufe der Zeit ergänzt und auf den Arbeitsalltag übertragen wurden:

  • Autoritärer Führungsstil

    Dieser Führungsstil wird auch als hierarchisch bezeichnet. Wie oben bereits angedeutet, lässt diese Form der Mitarbeiterführung den Angestellten keinerlei Spielraum, da die Führungsperson die Anordnungen erteilt, die widerspruchslos zu befolgen sind.

    Kritik ist nicht erwünscht, Bedürfnisse der Mitarbeiter haben keine Bedeutung, denn letztlich geht es um das Wohlergehen des Unternehmens und der jeweiligen Projekte. Das führt zumeist lediglich zu einem kurzen Leistungsanstieg aufgrund der Kontrolle.

    Für die Mitarbeiter bedeutet der autoritäre Führungsstil, dass sie sich keinerlei Gedanken zu Problemlösungen machen müssen, denn die kennt ausschließlich der Vorgesetzte. Eigenständiges Denken ist somit nicht gefragt, die alleinige Verantwortung liegt allerdings ebenso beim Chef.

    Dadurch, dass er niemanden in seine Entscheidungen mit einbeziehen muss, kann er schnell handeln und hat jederzeit den gesamten Arbeitsprozess unter Kontrolle. Nachteilig ist hierbei, dass im Krankheitsfalle oder anderen Ausnahmesituationen das Ganze im Chaos münden kann, da niemand nur annähernd über Entscheidungskompetenzen verfügt. Auch ist die Selbstmotivation der Angestellten auf Dauer niedrig, da Sie keine Möglichkeit zur Einflussnahme haben.


  • Demokratischer Führungsstil

    Der demokratische oder auch kooperative Führungsstil zeichnet sich durch die Zusammenarbeit zwischen Führungskraft und Mitarbeitern aus. Der Entscheidungsspielraum der Mitarbeiter ist hier deutlich größer, da Meinungen und Vorschläge zu Problemlösungen angehört beziehungsweise gemeinsam erarbeitet werden.

    Es existiert eine offene Kommunikation, so dass auch kritische Bemerkungen möglich sind. Eigeninitiative und Kreativität werden bei den Mitarbeitern gefördert, ebenso wie Eigenverantwortung. Das schlägt sich in unerwarteten Situationen nieder, in denen ein plötzlicher Ausfall deutlich besser kompensiert werden kann.

    Dadurch dass die Mitarbeiter gefördert werden, arbeiten sie selbständiger und können sich eher mit dem Unternehmen identifizieren. Allerdings dauern Entscheidungsprozesse natürlich länger, wenn mehrere Personen sie erörtern als wenn wie im autoritären Führungsstil einfach eine Person entscheidet.


  • Laissez-faire-Führungsstil

    Der Laissez-faire-Führungsstil steht am anderen Ende der Skala. War den Mitarbeitern völlige Passivität bezogen auf Entscheidungen und Verantwortung im autoritären Führungsstil verordnet, zeichnet sich der Laissez-faire-Führungsstil durch Passivität seitens der Führungskraft aus.

    Das bedeutet, dass diese Art der Mitarbeiterführung den Angestellten größtmögliche Handlungsfreiheit gewährt, da sie ihre Aufgaben selbst gestalten. Es gibt keine Regeln, Teams kontrollieren sich gewissermaßen selbst. Das heißt, dass der Vorgesetzte nicht kontrolliert und somit weder bei Problemen hilft, noch bei Fehlern bestraft.

    Was für manche Arbeitnehmer wie der Himmel auf Erden wirken mag - vor allem, wenn jemand unter einem Vorgesetzten leidet, der Mikromanagement betreibt - hat allerdings nicht nur Vorteile.

Vor- und Nachteile des Laissez-faire-Führungsstils

Wie sieht der Laissez-faire-Führungsstil im Arbeitsalltag aus? Zunächst einmal fehlen exakte Vorgaben durch den Vorgesetzten. Das heißt, auch hier liegt es in der Verantwortung der Mitarbeiter, dass Informationen eigenständig weitergereicht und an alle mitgeteilt werden.

In einer idealen Welt passiert das möglicherweise reibungslos. Üblicherweise gibt es allerdings auch unter Kollegen durchaus Spannungen, so dass eine Weitergabe von Informationen willkürlich erfolgen und somit Abläufe behindern kann. Da sich der Vorgesetzte auch ansonsten weitestgehend heraushält, können sich so ungünstige Dynamiken verfestigen.

Betriebsabläufe verzögern sich, Außenseiter werden gemobbt, da das Verhalten der Mitarbeiter nicht kontrolliert und Fehlverhalten auch nicht sanktioniert wird. Die Vor- und Nachteile hier im Einzelnen:

    Laissez-faire-Führungsstil Vorteile

  • Die Vorteile des Laissez-faire-Führungsstils

    • Die Mitarbeiter können frei und selbstbestimmt arbeiten.
    • Sie können so ihre persönlichen Stärken einbringen.
    • Durch das hohe Maß an Selbstbestimmtheit werden selbständig effektive Lösungen erarbeitet.
    • Sie tragen große Verantwortung, was häufig die Motivation steigert.
    • Die Kreativität der Mitarbeiter wird gefördert.

  • Laissez-faire-Führungsstil Nachteile

  • Die Nachteile des Laissez-faire-Führungsstils

    • Der Laissez-faire-Führungsstil kann zu abnehmender Disziplin im Unternehmen führen.
    • Das kann dazu führen, dass wichtige Ziele nicht rechtzeitig erreicht werden.
    • Es besteht die Gefahr, dass Mitarbeiter die gebotenen Freiheiten ausnutzen.
    • Eine eigenverantwortliche Arbeitsweise kann chaotische Zustände durch Planlosigkeit hervorrufen.
    • Es ist typisch für gruppendynamische Prozesse, dass bei größeren Gruppen der Wunsch nach einer Führungsperson zunimmt. Dies kann zur Ausgrenzung Einzelner führen und Rivalitäten unter den Teammitgliedern begünstigen.
    • Das Feedback des Vorgesetzten fehlt, Motivation und Leistung lassen somit nach.
    • Die hohe Verantwortung nebst eigenständigen Entscheidungen können zur Dauerbelastung und somit Krankheit einzelner Mitarbeiter führen.

Anwendungsbereiche des Laissez-faire-Führungsstils

Der Laissez-faire-Führungsstil eignet sich besonders für Branchen, in denen kreativ gearbeitet wird. Hierzu zählen verschiedene Künstlerbereiche, aber auch beispielsweise die Werbe- und PR-Branche. Letztlich alle Branchen, in denen es nicht um pingelig ausgefüllte Excel-Tabellen, sondern mehr um eigenständiges Handeln und Denken geht.

Diese Freiheiten sorgen dafür, dass Mitarbeiter selbstbestimmt arbeiten und kreative Ideen entwickeln können, was wiederum zu guten Arbeitsergebnissen führt. Bei kreativen Start-ups würde ein streng hierarchischer Führungsstil Innovation und Kreativität schnell ersticken.

Funktionieren kann das allerdings nur, wenn die Angestellten eigenständiges Arbeiten gewohnt sind, sich selbst organisieren können und die notwendige Disziplin aufbringen.

Ein typisches Beispiel dafür, wie Mitarbeiter sich selbst organisieren und eigenständig handeln müssen, sind Gewerkschaften. Der Vorgesetzte übt hier keine Kontrolle aus, sondern es findet ein Austausch über Ergebnisse statt.

Angesichts der Vorteile und der vielen Freiheiten könnte man nun die Frage aufstellen, ob der Laissez-faire-Führungsstil nicht grundsätzlich der bessere Weg der Mitarbeiterführung ist.

Die oben erwähnten Iowa-Studien von 1937 und 1938 brachten ein interessantes Ergebnis zutage. Der Laissez-faire-Führungsstil war eher ein Nebenprodukt, als einem der Gruppenleiter die Führung der Jugendlichen entglitten war. Kurt Lewin konnte folgendes Phänomen beobachten:

Die Resultate im Bereich Aufgabeninteresse und Zufriedenheit waren deutlich schlechter als bei den anderen Gruppe. Darüber hinaus kam es zu Frustration, Entmutigung und aggressivem Verhalten. Daraus wurde der Rückschluss gezogen, dass irgendein Führungsstil immer noch besser sei als gar keiner.

Dieser Rückschluss wird durchaus kritisch betrachtet, da es sich bei der Studie um ein Laborexperiment handelte und die Begrifflichkeiten wie autoritär und demokratisch vorurteilsbeladen waren.

Tatsächlich gibt es Berufsfelder, in denen ein Laissez-faire-Führungsstil eher kontraproduktiv wäre, man denke an Bereiche wie Militär und Polizei, aber auch Rettungsdienst oder Feuerwehr. Müssten sich hier die Arbeitnehmer jedes Mal erst neu organisieren, wäre ihre Arbeit absolut ineffizient.

In Notsituationen muss jeder Handgriff sitzen, jeder wissen, was er zu tun hat, da ist kein Spielraum für Kreativität. Werden wichtige Entscheidungen zu lange hinausgezögert, kann das Menschenleben kosten.

[Bildnachweis: canbedone by Shutterstock.com]

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