Managementstil: So verbessern Sie ihn

Manche Führungskräfte haben einen Managementstil zum Davonlaufen. Oder anders ausgedrückt: Er ist nicht vorhanden. Das liegt zum Teil in der Persönlichkeit des Vorgesetzten begründet, zum Teil darin, dass einige Unternehmen sich nicht die Mühe machen, ihre Führungskräfte fortzubilden. Soft Skills – das klingt schon so weich, so unnütz. In der Wirtschaft sind harte Fakten gefragt! Das kann man natürlich so machen. Nur bindet man so keine Mitarbeiter an sich. In manchen Branchen ist zwar ohnehin eine hohe Fluktuation, aber ob es besonders förderlich ist, die so hoch zu halten, nur weil jemand nicht gelernt hat, sein Temperament zu zügeln? Was einen guten Managementstil ausmacht und wie Sie ihn verbessern können…

Managementstil: So verbessern Sie ihn

Managementstil Definition: Verhalten gegenüber den Mitarbeitern

Managementstil Führungsstil autoritär demokratischZum Managementstil eines Vorgesetzten zählt alles, was seine Persönlichkeit, seine Werte und Überzeugungen und sein Verhalten gegenüber Untergebenen prägt.

Dieser Managementstil – auch Führungsstil genannt – ist immer auch Ausdruck der Unternehmenskultur: Wird offen mit Fehlern umgegangen, herrscht insgesamt ein freundlicheres Betriebsklima. Mitarbeiter trauen sich dann, Fehler zuzugeben, denn sie wissen, dass niemand ihnen den Kopf abreißt.

Beeinflusst durch arbeitspsychologische Erkenntnisse und gesellschaftlichen Wandel hat es im Laufe der Zeit unterschiedliche Mangementstile gegeben. Ziel ist es letztlich immer, ein prosperierendes Unternehmen voranzubringen.

Während in der Vergangenheit jedoch der Angestellte fast schon als Feind betrachtet wurde, dem nur mit möglichst autoritärem Auftreten gezeigt werden muss, wo der Weg langgeht, sind modernere Ansätze oft eher partizipativ ausgelegt. Dies ist teilweise flacheren Hierarchien geschuldet, teilweise aber auch branchen- und situationsabhängig.

Müssen schnelle Entscheidungen im Notfall getroffen werden wie etwa beim Rettungsdienst oder bei der Feuerwehr, kann nicht erst langwierig das Für und Wider diskutiert werden. Vielmehr muss jeder Handgriff sitzen.

Besserer Chef Werden Fuehrungsstile Uebersicht

Schlechter Managementstil noch verbreitet

Der Ist-Zustand in vielen Unternehmen: Schlechte Chefs bevölkern nach wie vor die Spitze in Unternehmen. Schlecht, das heißt, dass manche Vorgesetzte sich wenig wertschätzend und freundlich ihren Mitarbeitern und Teams gegenüber verhalten.

Es hapert bereits an der Kommunikation, dass Aufgaben und Erwartungen nicht klar formuliert werden. Teilweise ist sie absolut einseitig: Der Vorgesetzte redet, der Mitarbeiter hört zu – fertig. Ein offenes Ohr für Probleme des Mitarbeiters? Ein freundliches Wort nach dem Befinden nach der Krankheit oder der Rückkehr aus dem Urlaub? Fehlanzeige.

Kommen unablässiges Aufbürden unangenehmer Tätigkeiten oder gar Schikane und Druck dazu, kann es niemanden wundern, dass die Umfragen des Gallup Engagement Index regelmäßig schlecht ausfallen.

Für Arbeitnehmer: Das darf der Chef nicht

Arbeitnehmer: Das darf der Chef nichtNeben im Arbeitsvertrag festgehaltenen Rechten und Pflichten, gibt es Dinge, die kein Chef von seinen Arbeitnehmern verlangen darf – und die auf der anderen Seite auch kein Mitarbeiter erfüllen muss.

Das gilt vor allem dann, wenn sie gegen die persönlichen Prinzipien verstoßen. Doch das hält viele Führungskräfte leider nicht davon ab, sie trotzdem zu verlangen.

Von schlechtem Managementstil zeugt es, wenn Ihr Chef diese Dinge von Ihnen erwartet:

  • Für den Chef lügen

    Es kann vorkommen, dass eine Bestellung vergessen wird oder ein Auftrag sich verzögert und der Kunde immer wieder anruft, um sich über den Fortschritt zu informieren – der Chef darf aber nicht von Ihnen verlangen, dem Anrufer eine Lüge aufzutischen. Ohnehin ist Ehrlichkeit der bessere Weg. Mag sein, dass dieser Kunde danach keine weiteren Geschäfte mehr mit Ihrem Arbeitgeber machen wird – dafür haben Sie aber ein reines Gewissen.

  • Die Schuld für seine Verfehlungen zu übernehmen

    Ihr Chef hat kein Recht, anderen die Schuld für seine eigenen Verfehlungen in die Schuhe zu schieben. Natürlich hat er eine größere Verantwortung und muss den Überblick behalten – dies gehört aber zu seiner Stellenbeschreibung, dafür hat er sich beworben und wird schließlich auch dafür bezahlt. Ist ein Fehler passiert, sollte er dazu stehen und daraus lernen, anstatt einen Sündenbock zu suchen – das zeichnet einen guten Managementstil aus.

  • Einen genehmigten Urlaub zu verschieben

    Es kommt zu einer unvorhergesehenen Krise und die volle Unterstützung der Mitarbeiter wird benötigt, also werden alle Urlaube gestrichen. Den genehmigten Erholungsurlaub darf der Arbeitgeber wenn überhaupt nur in einer Ausnahmesituation ohne die Zustimmung des Betroffenen streichen: Wenn etwa der Fortbestand des Unternehmens von den Fähigkeiten dieses Mitarbeiters abhängt, was nahezu nie der Fall ist. Führt der Chef keine wichtigen Gründe an und verbietet Ihnen, den wohlverdienten Urlaub anzutreten, können Sie sich wehren.

  • Auf Pausen zu verzichten

    Machen Sie wenige oder keine Pausen und arbeiten acht Stunden durch und das mehrere Tage oder Wochen hintereinander, sinkt Ihre Arbeitsleistung erheblich. Der Stress führt zu gesundheitlichen Problemen. Ein guter Managementstil zeigt sich auch darin, dass Ihr Chef Sie gegebenenfalls auf die Pausen hinweist. Die Dauer der Pause hängt von den täglichen Arbeitsstunden ab und ist gesetzlich vorgeschrieben.

  • Im Büro zu spionieren

    Der Chef ist eine Autoritätsperson und hat eine gewisse Macht über seine Mitarbeiter. Entsprechend benehmen sich viele in seiner Gegenwart ganz anders. Es ist ein Zeichen eines schlechten Managementstils, Sie zu bitten, jegliche Informationen über Ihre Kollegen preiszugeben. Ein solches Verhalten vergiftet die Arbeitsatmosphäre und sorgt für Unzufriedenheit bei allen Beteiligten. Sie müssen sich nicht für solche Aktivitäten einspannen lassen.

  • Änderungsvorschläge für sich zu behalten

    Ein guter Chef sollte seine Mitarbeiter fördern. Dazu gehört, sich neue Ideen und Vorschläge anzuhören und diese zu bewerten. Nur so kann sich ein Unternehmen entwickeln und wachsen. Will der Chef Ihre Ideen nicht hören, weil er beispielsweise um seine Stelle oder um sein Ansehen fürchtet, sollten Sie sich überlegen, ob Sie eine Zukunft in diesem Unternehmen haben. Fehlende Wertschätzung und Respektlosigkeit seitens des Chefs werden Ihren Arbeitstag mit der Zeit unerträglich machen.

  • Unberechtigte Kritik anzunehmen

    Ein Feedback zu geben und konstruktive Kritik zu üben, gehört zu den Aufgaben des Chefs, Sie sollten genau zuhören und aus den eigenen Fehlern lernen. Ist das schlechte Feedback aber unberechtigt, sollten Sie sich wehren, und zwar mit guten Argumenten und nicht mit Rechtfertigungen. Sie müssen sich unberechtigte Kritik nicht gefallen lassen, auch wenn es vielen schwer fällt, dem Chef die Stirn zu bieten.

  • Probleme unter den Tisch fallen zu lassen

    Ungeklärte und lang anhaltende Probleme können sich zu einer nachhaltigen Konflikten entwickeln, wenn man sich ihnen nicht stellt. Der Arbeitsplatz wird dann für alle Mitarbeiter unerträglich. Ein guter Chef macht seine Mitarbeiter nicht mundtot, sondern möchte die Probleme besprechen und sie aus der Welt schaffen. Ein inkompetenter Chef hingegen kann oder will nicht sehen, dass die Mitarbeiter unzufrieden sind: Es hat doch bisher funktioniert, warum der Aufstand? Denken Sie daran: So wie Sie Kritik aufnehmen und akzeptieren können, so sollte der Chef diese Fähigkeit auch beherrschen.

  • Im Krankheitsfall zu arbeiten

    Waren Sie beim Arzt und haben sich im Anschluss ordnungsgemäß bei Ihrem Arbeitgeber krank gemeldet, sollten Sie sich darum kümmern, möglichst schnell wieder gesund zu werden. In dieser Zeit darf der Chef nicht von Ihnen verlangen, wieder am Arbeitsplatz zu erscheinen oder von zuhause aus zu arbeiten, um Aufgaben oder Projekte fertigzustellen. Mal abgesehen davon, dass es in Fall einer ansteckenden Krankheit die Gesundheit der anderen Kollegen gefährden könnte.


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Gründe für einen schlechten Führungsstil

Auch wenn bestimmte Charaktereigenschaften wie Mitgefühl im oben beschriebenen Fall sehr förderlich sind: Das Problem ist, dass viele Chefs noch davon überzeugt sind, mit Druck weiterzukommen.

Und der Erfolg gibt ihnen recht: Studien zufolge verdienen Scheusale tatsächlich mehr. Im Gegensatz zu empathischen Menschen haben sie kein Problem damit, für unbequeme Entscheidungen (und sei es nur zwischen Kollegen auf derselben Hierarchiestufe) weniger gemocht zu werden.

Eine Studie der amerikanischen Wissenschaftler Timothy A. Judge von der University of Notre Dame, Beth A. Livingston von der Cornell University und Charlice Hurst von der University of Western Ontario kommt zu dem Ergebnis, dass Fieslinge bis zu 10.000 Dollar mehr als ihre netten Geschlechtsgenossen verdienen.

Bei Frauen ist der Zusammenhang nicht ganz so gravierend, aber dennoch deutlich erkennbar. Nette Arbeitnehmerinnen verdienen demnach 2.000 Dollar weniger.

Andersherum fällt es besonders hilfsbereiten Menschen häufig schwer, nein zu sagen und sich abzugrenzen. Sie nehmen infolgedessen mehr Arbeit auf sich, als ihnen eigentlich gut täte. Viele Chefs kümmert das nicht – solange am Ende das Ergebnis stimmt.

Dazu kommt, dass Einfühlungsvermögen und Zuhören Zeit kostet. Wertvolle Zeit, die viele Chefs nicht haben oder sich zumindest nicht nehmen.

Gründe für einen guten Führungsstil

Seit ein paar Jahren deutet sich in einigen Unternehmen und Organisationen eine Veränderung im Managementstil an. In Amerika ist die Rede vom conscious capitalism, also etwa dem „Bewussten Kapitalismus“. Vertreter dieser Schule sind Wissenschaftler wie Peter Senge, Fred Kofman und Jane Dutton.

Ihre Untersuchungen haben gezeigt, dass ein guter Managementstil, bei dem sich die Führungskraft eben diese Zeit nimmt, sich auszahlt. Er ist gewissermaßen eine Investition ins Unternehmen – nicht umsonst wird teilweise von Humankapital gesprochen.

Die Vorteile:

[Bildnachweis: WHYFRAME by Shutterstock.com]
9. Januar 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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