Konstruktive Kritik: 7 Tipps, wie Sie richtig kritisieren

Ich habe kein Problem mit Kritik, aber sie muss mir gefallen. Das zynische Zitat des US-Schriftstellers Mark Twain bringt das Kernproblem von Kritik auf den Punkt: Sie kann berechtigt sein; sie ist aber selten angenehm. Konstruktive Kritik setzt genau hier an: Sie will korrigieren, bleibt in Ton und Haltung aber stets respektvoll und wohlwollend. So vermeidet sie Ablehnung und Widerrede und wird häufiger als angenehm empfunden. Allerdings ist es eine Kunst, konstruktiv zu kritisieren. Immerhin: eine lernbare! Denn Kritik ist – vor allem im Berufsleben – unumgänglich. Sie ist Hauptbestandteil der Kommunikation. Für unseren Erfolg ist daher entscheidend, zu lernen und zu trainieren, richtig (also konstruktiv) zu kritisieren und mit Kritik angemessen umzugehen. Wie das gelingt, erfahren Sie hier…

Konstruktive Kritik: 7 Tipps, wie Sie richtig kritisieren

Definition: Was ist alles Kritik?

Definition: Was ist alles Kritik?Der Begriff Kritik geht auf das griechische Verb krínein zurück, was so viel wie „unterscheiden, trennen“ bedeutet.

Als Kritik wird im Allgemeinen eine Beurteilung verstanden. Dabei werden anhand bestehender Maßstäbe Verhaltensweisen, Entscheidungen, Leistungen oder andere Dinge analysiert, bewertet, hinterfragt, beurteilt. Der Begriff Kritik ist also zunächst neutral und ein Oberbegriff für verschiedene Formen der Kritik. Positive wie negative Kritik, destruktive wie konstruktive Kritik.

Die Unterscheidung ist deshalb so wichtig, weil manche dieser Begriffe synonym verwendet werden. Sie sind es aber nicht. So muss man unterscheiden zwischen…

  • Konstruktive Kritik will nicht nur auf Fehler hinweisen, sondern ist zugleich um eine Lösung bemüht. Konstruktive Kritik ist im Kern stets respektvoll, förderlich und nützlich. Sie zeigt Alternativen auf und bemüht sich um sachdienliche Hinweise und eigene Vorschläge zur Verbesserung.
  • Destruktive Kritik hingegen will attackieren, schaden, runtermachen. Sie ist in ihrem Wesen weder sachdienlich, noch wohlwollend oder weiterführend. Sondern vielmehr ein Schlag ins Gesicht des Kritisierten. Destruktive Kritik soll – wie der Name sagt – zerstören und den Adressaten treffen sowie seine Gefühle verletzen. Je mehr, desto besser.
  • Positive Kritik wiederum empfinden die meisten Menschen gar nicht als Kritik – eben weil sie positiv ist. Schulterklopfen, Lob, Anerkennung – all das sind aber auch Formen der Kritik. Auch sie beurteilen eine Arbeit oder Leistung. Das Urteil fällt hierbei nur positiv aus. Allerdings kann das destruktiv werden – zum Beispiel, wenn die Wertschätzung so lapidar daher kommt, dass sie schon wieder wertlos wird beziehungsweise sich selbst entwertet. Bestes Beispiel: Wenn sich jemand 20 Jahre lang für die Firma aufgeopfert hat, dann gekündigt und mit einem hohlen „Wir danken Ihnen für die langjährige Treue“ abgespeist wird. Na, Danke!
  • Negative Kritik wiederum muss nicht automatisch destruktiv sein. Hierbei wird zwar gerügt, getadelt, moniert. Das kann (und sollte) aber eben stets konstruktiv geschehen. Motto: Das Feedback muss zwar einen negativen Sachverhalt beanstanden, aber wir finden gemeinsam und auf Augenhöhe eine Lösung.
  • Selbstkritik ist schließlich eine Form der Kritik, die nicht von außen kommt. Sie kann ebenso positiv wie negativ, destruktiv wie konstruktiv sein. Nur gehen wir dabei mit uns selbst ins Gericht. Teils in Form von Selbstreflexion, teils mit der Wirkung einer Selbstdemontage oder Selbstsabotage. Es ist durchaus eine Kunst, sich selbst zu kritisieren. Mehr dazu erfahren Sie HIER.

Was konstruktive Kritik auszeichnet

Jeder kann kritisieren. Kritik zu üben, ist leicht. Nicht zuletzt weil wir den Splitter im Auge des anderen immer besser sehen als den Balken im eigenen Auge.

Wie die Kritik wirkt, ist hingegen von vier wesentlichen Faktoren abhängig:

  • Dem Inhalt.
  • Der Art und Weise wie sie geäußert wird.
  • Dem Zeitpunkt.
  • Der Absicht dahinter.

Der Reihe nach…

Zunächst einmal braucht Kritik eine belastbare Basis. Sie muss berechtigt sein. Sonst bleibt sie hohl und unsachlich. Der Inhalt der Kritik muss der Sache nach also wahr sein.

Auch wenn es immer eine(n) braucht, der eine Wahrheit ausspricht: Der Ton macht die Musik – das weiß schon der Volksmund. Schadenfroh Fehler aufzuzählen und den Finger in Wunden zu legen, hat mit konstruktiver oder nützlicher Kritik so viel zu tun, wie Analog-Käse mit Parmigiano Reggiano.

Ob nur destruktiv gemeckert wird oder wirklich konstruktive Ratschläge gegeben werden, lässt sich daher oft schon am Ton, an den Formulierungen und an der Qualität des Inhalts ablesen.

Auch der Zeitpunkt der Kritik will klug gewählt sein: Unmittelbar nach dem Fauxpas ist kein schlechtes Timing. Der Fehler ist noch frisch, der Hergang rekonstruierbar. Der Kritisierte hat überdies einen direkten Bezug dazu. Es gibt aber auch Argumente gegen die Echtzeit-Korrektur. Dazu werden wir später noch ausführlicher.

Und schließlich die Absicht, das Motiv hinter der Kritik: Konstruktive Kritiker zeichnen sich nicht nur durch einen respektvollen Ton aus – sie sind immer auch wohlwollend. Sie möchten etwas grundsätzlich verbessern, der anderen Person helfen. Die Korrektur ist dazu unerlässlich. Aber sie ist eben auch zielführend und optimierend gemeint. Ziel ist meist ein Lerneffekt.

Seinem Gegenüber Fehler vorzuhalten, verschafft einem vielleicht kurzfristig und im Moment des Ärgers etwas Luft und Erleichterung. Es hilft dem anderen aber herzlich wenig bei der Frage, was verbessert werden soll und vor allem wie.

Konstruktive Kritiker machen sich daher immer die Mühe, zu überlegen, wie ihre Kritik beim Gesprächspartner ankommt. Sie kritisieren nicht einfach impulsiv. Vielmehr formulieren sie ebenso empathisch wie konkret – ohne dabei irgendeinen Weichspüler zu verwenden. So kann die konstruktive Kritik zugleich sicherstellen, dass die Beziehung keinen Schaden nimmt.

Zusammengefasst lässt sich auch sagen, dass konstruktive Kritik stets aus drei Hauptelementen besteht:

  1. Konstruktive Kritik ist präzise

    Der konstruktive Kritiker benennt klar und eindeutig, was falsch oder nicht gut war. Sachlich, aber ohne Umschweife. Dies formuliert er jedoch weder grob, noch respektlos oder emotional. Und er bleibt dabei offen für Erklärungen, Gegenargumente oder andere Sichtweisen.

  2. Konstruktive Kritik ist analytisch

    Da konstruktive Kritik etwas verbessern will, geht sie den Umständen auf den Grund. Sie bezieht diese ebenso mit ein, wie die aktuelle Situation des Kritisierten. So findet diese reflektierte Form der Kritik zu (klugen) Schlussfolgerungen, nicht aber zu Schnellschüssen. Sie enthält kein tumbes Genörgel, sondern ausgewogene und praktische Anregungen.

  3. Konstruktive Kritik bietet Alternativen

    Der konstruktive Kritiker denkt assoziativ und in Alternativen. Sein Ziel ist es, Lösungen und nicht einfach nur Probleme und Fehler zu finden. Entsprechend meckert er nie ohne zugleich einen praktikablen Gegenvorschlag zu machen. Dabei nennt er auch mögliche Konsequenzen und Implikationen.

Kritik, die derart fundiert geäußert wird, zielt selten ins Leere. Sie findet praktisch immer Gehör (von ein paar beratungsresistenten Ausnahmen abgesehen).

Häufige Fehler bei Kritik

Häufige Fehler bei KritikAuch wenn niemand gerne kritisiert wird, ist Feedback zur eigenen Arbeit enorm wichtig – schon um sich weiterzuentwickeln. Wer keine Rückmeldung erhält, kann sich nicht verbessern. Fehler bleiben womöglich unentdeckt. Häufig stellt sich sogar das Gefühl ein, dass die eigene Arbeit oder Leistung sowieso niemanden interessiert.

Kurz: Ohne Kritik keinen Fortschritt.

Wie aber schafft man es, zu kritisieren ohne den anderen zu verletzen oder zu demotivieren?

Wer einen Mitarbeiter oder Kollegen auf Fehler anspricht, muss Fingerspitzengefühl beweisen. Sich bei akuter Wut und bei Frust über einen Fehler Luft zu machen, führt nur zu Gegenwehr, Widerreden und einer Abwehrhaltung. Selbst berechtigte Einwände laufen dann ins Leere.

Immer wieder unterlaufen Kritikern dabei die drei folgenden Fehler:

  • Die Kritik ist zu direkt

    Wahrheit ist eine Waffe. Ehrlichkeit und Direktheit können ebenso verletzen. Dann mutiert der Ratgeber und Kommentator schnell zum Unhold. Deshalb ist es wichtig – bei aller aufrichtiger Intention -, genug Sensibilität und Taktgefühl mitzubringen und sein Feedback zu dosieren. Ihr Gegenüber sollte stets das Gesicht wahren und Ihnen in die Augen sehen können. Oder anders ausgedrückt: Seien Sie gnädig und barmherzig, wenn Sie kritische Rückmeldungen geben. Ermuntern und ermutigen sie gleichsam und machen sie nicht bloß nieder. Sie würden das umgekehrt auch wollen, wenn Sie mal Anlass zur Kritik geben.

  • Sie verallgemeinern und werden pauschal

    Sätze, die mit „Sie sind…“ beginnen, drücken dem anderen einen Stempel auf – final. Das ist aber erstens anmaßend und zweitens meistens falsch. Korrekt und zulässig ist allenfalls Ich-Botschaft vom Typ: „Auf mich wirkt das so und so…“. Aber Vorsicht: Hier tun Sie eine subjektive Meinung kund, die mit belastbaren Zahlen oder Fakten untermauert werden muss. Anderenfalls sind Ich-Botschaften nichts weiter als Meinungsaustausch. Gänzlich unzulässig sind Verallgemeinerung, Übertreibungen und rhetorische beziehungsweise Scheinfragen à la „Was haben Sie sich (bloß) dabei gedacht?“ Solche Rhetorikspiele transportieren nur Vorwürfe, die das Gespräch eher eskalieren.

  • Sie haben selbst einen schlechten Tag

    Unsere Stimmung färbt auf unsere Worte ab. Ist die eigene Frustrationstoleranz erst einmal erschöpft, ist ein sachlicher Dialog oder Diskurs kaum noch möglich. Geben Sie daher niemals Feedback, wenn Sie selber gerade schlecht drauf, hungrig oder frustriert sind. Das färbt immer ab und überträgt sich auf das Gespräch. Und schon gar nicht sollten Sie die Kritik zu einer persönlichen Mission machen. Ein moralinsaurer Unterton wirkt kontraproduktiv.

Tipps für konstruktive Kritik: Respektvoll den Standpunkt erklären

Zahlreiche Diskussionen scheitern nicht etwa daran, dass die Leute sich nicht einigen könnten. Sie scheitern, weil längst Eitelkeiten die Regie führen. Dann hören sich Menschen nicht mehr zu, gehen auf Argumente nicht mehr ein – nur um ja nicht zugeben zu müssen, dass sie sich bisher vielleicht geirrt, etwas nicht bedacht haben oder schlicht übers Ziel hinaus geschossen sind.

Es geht nur noch ums Gewinnen und Recht behalten. Schade.

Wer zum Beispiel ein Meeting moderiert oder Mitarbeiter führt, aber auch wer mit Kollegen oder Freunden argumentiert, sollte die folgenden Tipps und Wege kennen, wie man sein Gegenüber konstruktiv kritisiert. Zumindest aber auf respektvolle und sanfte Art anstubst und vielleicht zum Umdenken oder gar Einlenken motiviert.

Dabei geht es nicht darum, über jede Diskussion einen Zuckerguss aus unverbindlicher Süßigkeit zu gießen. Das wäre genauso unproduktiv. Manchmal muss man die Dinge auf den Punkt bringen und auch scharf beim Namen nennen.

Ebenso gibt es Mitmenschen, mit denen man nicht diskutieren kann, weil sie nicht zuhören und lieber intellektuelles Armdrücken spielen wollen. Oder (was leider auch vorkommt) zu dumm sind, die Argumente zu verstehen. Da hilft dann nur eines: Abbruch.

In allen anderen Fällen können schon die folgenden Formulierungen helfen, um Gespräche in konstruktive Bahnen zu lenken:

  • „Erzählen Sie mir bitte zuerst, was funktioniert – und nicht was nicht.“
  • „Sie haben vermutlich Recht, man könnte es aber auch so sehen…“
  • „Mir ist XYZ aufgefallen. Ich würde vorschlagen, Sie…“
  • „Lassen Sie uns die Sache einmal aus einer ganz anderen Perspektive betrachten…“
  • „Aus dem letzten Projekt haben wir gelernt, dass XY nicht funktioniert. Was halten Sie von der Alternative…“
  • „Bitte erklären Sie mir nicht, was XY darüber denkt – mich interessiert, was Sie davon halten…“
  • „Mit dem Punkt ABC bin ich nicht einverstanden. Gerne können wir darüber diskutieren, aber ich würde vorschlagen, dass Sie…“
  • „Was glauben Sie, sind die Ursachen dafür?“
  • „Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?“
  • „Was sagt Ihnen Ihr Bauchgefühl dazu?“

Sie merken schon: Auch Fragen können dabei helfen, Kritik einzuleiten – allerdings zunächst vorwurfsfrei. Sie geben Ihrem Gegenüber so die Chance zur Selbsterkenntnis.

Richtig angewendet kann Kritik eine veritable Hilfe sein, Fortschritt bewirken und die Ergebnisse langfristig verbessern. Ein solches Klima wünschen sich Arbeitnehmer wie Arbeitgeber. Es hebt schließlich die allgemeine Stimmung und verbessert die Arbeitsatmosphäre, stärkt den Teamgeist und fördert die Ergebnisse.

Wie das konkret geht? Hier nochmal die wichtigsten Tipps für konstruktive Kritik im Überblick:

  • Lassen Sie Raum zur (eigenen) Korrektur.

    Sie haben etwas beobachtet, analysiert, kritisiert und geben zugleich Hinweise, was Ihr Gegenüber künftig besser machen kann. Gut so! Allerdings ist auch Ihre Wahrnehmung immer nur Stückwerk und EINE mögliche Perspektive. Vor allem am Anfang des Kritikgesprächs sollten Sie – zur Bestandsaufnahme – erst einmal Fragen stellen, um auch andere Sichtweisen kennenzulernen. Nobody is perfect – Sie auch nicht. Womöglich gibt es eine gute Erklärung für alles. Dann kann man zwar immer noch darüber diskutieren, wie es künftig besser geht. Die Kritik ist nun aber eine andere.

  • Kritisieren Sie nie im Affekt.

    Wie oben schon angesprochen: Falls sie gerade verärgert über einen Fehler sind, den ein Mitarbeiter oder Kollege begangen hat, rennen Sie nicht sofort in das Büro der betreffenden Person und stellen diese zur Rede. Das führt nur dazu, dass die Gefühle auf beiden Seiten hochkochen. Suchen Sie erst das Gespräch, wenn Sie selbst sachlich und souverän über die Sache reden können.

  • Formulieren Sie konkret, was Sie stört.

    Rundumschläge vom Typ „Deine Arbeit ist schlampig.“ sind immer zu vermeiden. Sie führen nur dazu, dass Ihr Gegenüber dicht macht und seine Arbeit verteidigt.

    Was dann passiert: Ihr Gegenüber rechtfertigt sich und hebt zum Beispiel die gründliche Recherche der Daten in der Präsentation hervor; Sie kritisieren, dass der rote Faden fehlt. Schon reden Sie aneinander vorbei.

    Indem Sie konkrete Beispiele geben für das, was Sie kritisieren, geben Sie Ihrem Gegenüber die Chance, die Kritik zu verstehen und zu akzeptieren. Kurz: Nie pauschal, sondern immer konkret am Detail kritisieren.

  • Vermeiden Sie Abwertungen in Ihrer Körpersprache.

    Man kann Vieles freundlich und respektvoll sagen – und mit der Körpersprache wieder alles zerstören. Bitte denken Sie daran: Ihre innere Haltung wird sich eher früher als später in Mimik und Körpersprache spiegeln. Wenig zielführend sind daher selbst kleine abwertende Gesten, wie…

    • Hochgezogene Augenbrauen
    • Ironischer Unterton
    • Rollende Augen
    • Genervte Stoßseufzer
    • Entrüstetes Schnaufen

    Solche Gesten werden immer von Ihrem Gegenüber wahrgenommen und in aller Regel als Affront verstanden. Mindestens lässt es aber an der wohlwollenden Absicht der konstruktiven Kritik Zweifel aufkommen. Ein echter Dialog auf Augenhöhe sieht anders aus.

Streit nach Kritik? So vermeiden Sie das Problem

Streit nach Kritik? So vermeiden Sie das ProblemSelbst wenn die Kritik gut gemeint und auch gut gemacht war, fühlen sich manche Kritisierte angegriffen. Nicht selten stecken ein geringes Selbstwertgefühl oder eine narzisstische Kränkung dahinter. Aus diesem Gefühl heraus können leicht Rage, Retourkutschen und Rachegelüste entstehen. Schon wird aus der simplen Kritik ein ausgewachsener Zoff.

Sie als Kritiker können diesem Problem von Beginn an entgegenwirken. Der Trick dazu: Stellen Sie das gewünschte Verhalten in den Fokus des Gesprächs, nicht die begangenen Fehler. Zum Beispiel so:

  • Richten Sie den Schwerpunkt Ihrer Energie und Formulierungen auf die Lösung, nicht auf das Problem.
  • Wenn Sie dem Betroffenen sagen, welches Verhalten Sie sich von ihm wünschen, sprechen davon, wie Sie es machen würden. So fühlt sich Ihr Gegenüber nicht angegriffen.
  • Entwerfen Sie ein positives Bild von der Wunsch- und Zielsituation. So wird Ihr Gesprächspartner motiviert, darauf hinzuarbeiten.
  • Wenn Sie das Ziel der Kritik klar vor Augen behalten, behalten Sie auch den roten Faden – und das Gespräch konzentriert sich – fast von alleine – auf die Lösung.

Konstruktive Kritik annehmen: Mit Feedback umgehen lernen

Das beste Feedback, die konstruktivste Kritik nützen nichts, wenn sie auf taube Ohren stoßen und nicht angenommen werden. Nur wer in der Lage ist, Kritik zu akzeptieren beziehungsweise seinerseits konstruktiv damit umzugehen, lernt dazu und entwickelt sich weiter.

Das heißt nicht, dass Kritik grundsätzlich immer wahr oder berechtigt wäre. Wie gesagt: Es kann auch eine andere Absicht dahinter stecken (Selbsterhöhung, Neid, Rache, Besserwisserei, …). Allerdings steckt in jedem Feedback auch ein wahrer Kern – und sei es nur, dass man dazu Anlass gegeben hat.

Konstruktive Kritik Annehmen Tipps Regeln

So oder so: Lernen Sie mit Kritik professionell umzugehen. Diese Fähigkeit wird Sie ein (Berufs-)Leben lang begleiten und es entsprechend erleichtern. Die folgenden Anregungen helfen dabei…

  • Nehmen Sie die nötige Distanz ein

    Die eigenen Fehler und Schwächen vorgehalten zu bekommen, ist nie angenehm. Der erste Reflex in einer solchen Situation ist daher, sich zu verteidigen, sich zu rechtfertigen oder selbst anzugreifen (die sogenannte Vorwärtsverteidigung). Geben Sie diesem Impuls nicht nach. Distanzieren Sie sich zunächst emotional von der Kritik, prüfen Sie den Inhalt selbstkritisch und werten Sie das Feedback nicht als persönlichen Angriff, sondern als Chance, zu lernen und wachsen.

  • Übernehmen Sie Verantwortung

    Wird man auf einen Fehler hingewiesen, ist es verlockend, die Umstände oder Kollegen dafür verantwortlich zu machen und Schuld zu delegieren. Doch damit zeigen Sie nur, dass Sie nicht bereit sind, selbst Verantwortung zu übernehmen. Statt sich lang und breit zu erklären, nehmen Sie die Kritik erst einmal zur Kenntnis und lassen diese sacken.

  • Hören genau zu

    Wer nur darauf wartet, endlich auch zu Wort zu kommen, um sich zu verteidigen, konzentriert sich gar nicht auf das Gesagte. Lassen Sie den Feedback-Geber lieber erst einmal seine Sicht der Dinge darstellen und achten Sie dabei auf jene Punkte, die bemängelt und kritisiert werden: Was stört und warum?

  • Fragen Sie nach

    Oft sagen Menschen etwas ganz anderes, als sie meinen. Können Sie den Standpunkt Ihres Gegenübers nicht nachvollziehen und verstehen Sie nicht, was ihn stört? Dann fragen Sie nach! Bitten Sie ihn, die bemängelten Punkte präziser auszuführen und zu konkretisieren. Sagt der Kritiker zwar, was ihn stört, jedoch nicht, was Sie besser machen könnten, fragen Sie nach Verbesserungsvorschlägen.

  • Fordern Sie Spielregeln ein

    Haben Sie den Eindruck, ungerechtfertigt oder pauschal kritisiert zu werden oder wird der Kritiker persönlich? Dann bestehen Sie auf mehr Sachlichkeit und einen Dialog auf Augenhöhe. Niemand muss sich für einen Fehler anbrüllen und zur Schnecke machen lassen. Sind die Gemüter noch zu erhitzt, vertagen Sie sich und setzen das Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt fort.

  • Entscheiden Sie, was Sie von dem Feedback annehmen

    Vergleichen Sie die Kritik mit Ihrer Sicht (Selbstwahrnehmung/Fremdwahrnehmung). Überlegen Sie ehrlich: Hat Ihr Gegenüber Recht – und sei es nur in bestimmten Punkten? Wird es meine Arbeit verbessern, wenn ich seine Vorschläge annehme? Auch wenn Kritik am Ego kratzt: Wer die grundsätzliche Bereitschaft mitbringt, sich (positiv) verändern zu lassen, geht einen großen Schritt in Richtung Persönlichkeitsentwicklung.

  • Seien Sie dankbar für die Kritik

    Warum sollte ich dankbar dafür sein, dass jemand mir meine Fehler vorhält? – werden sich vielleicht einige fragen. Ganz einfach: Weil es Mut erfordert, zu kritisieren. Auch der Feedback-Geber weiß, dass diese Situation unangenehm für Sie ist. Trotzdem hat er das Gespräch mit Ihnen gesucht. Und das ist auch eine Art Kompliment: Er hat Interesse an der weiteren Zusammenarbeit. Und er gibt Ihnen die Möglichkeit, diese zu verbessern.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für konstruktive Kritik?

Das richtige Timing: Wann ist der richtige Zeitpunkt für Kritik?Das Problem von Rückmeldungen steckt schon im Begriff selbst: Es sind Rückschauen. Also nachträgliche Kritik mit dem Blick nach hinten. „Nicht gut!“, sagt Kelly Garrett, Kommunikationswissenschaftler an der Ohio State Universität. Bei seinen Studien zum Thema Kritik hat er festgestellt, dass diese Form nur selten ihren Zweck erfüllt. Der Zeitpunkt, wann die Kritik übermittelt wird, sei daher von großer Bedeutung für deren Wirkung.

Soll man nun unmittelbar nach einem Fehler kritisieren (sogenannte Echtzeit-Korrektur) oder erst längere Zeit danach? Garrett und seine Kollegen haben das genauer untersucht. Ergebnis: Wer unmittelbar nach einem Fehler mit der Korrektur konfrontiert wurde, war in seiner Meinung flexibler und nahm die Kritik auch besser an. Die nachträgliche Korrektur, insbesondere wenn diese schon eine ganze Weile auf Basis falscher Annahmen oder Informationen funktioniert, gelingt dagegen nur selten. Sind wir erst einmal von einem richtigen Weg überzeugt, rücken wir kaum noch davon ab – selbst wenn die Beweise deutlich gegen uns sprechen.

Dahinter stecke weniger Trotz, sondern vielmehr Selbstschutz, sagen die Forscher. Abzurücken, würde das bisherige Werk unmittelbar entwerten. Es wäre vertane Zeit – und das frustriert.

Deshalb empfiehlt Garrett im Fall von Überzeugungstätern weder unmittelbar, noch etwas später, sondern – wenn überhaupt – sehr viel später zu kritisieren und zu korrigieren. Dann, wenn der- oder diejenige sich nicht mehr beratungsresistent verhält.

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[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
21. Oktober 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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