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Operante Konditionierung: Definition + Beispiele

Wie Menschen sich verhalten, hängt zu großen Teilen von den Reaktionen auf das gezeigte Benehmen ab. Operante Konditionierung nutzt diesen Zusammenhang. So können durch Verstärkung oder Bestrafung einzelne Verhaltensweisen gefördert oder gemindert werden. Wir erklären, wie operante Konditionierung abläuft, zeigen Beispiele und die Unterschiede zur klassischen Konditionierung nach Pawlow…



Operante Konditionierung: Definition + Beispiele

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Definition: Was ist operante Konditionierung?

Operante Konditionierung ist eine behavioristische Lerntheorie, mit der die Auswirkungen positiver und negativer Reaktionen auf die Häufigkeit eines Verhaltens erklärt werden können. Durch eine Belohnung wird erwünschtes Verhalten verstärkt und tritt häufiger auf. Bestrafung und negative Konsequenzen verringern oder unterdrücken unerwünschte Handlungen.

Durch operante Konditionierung kann langfristig die Verhaltenshäufigkeit beeinflusst werden. Sie ist ein zentrales Element im Behaviorismus und dient der Erklärung des menschlichen Verhaltens. Menschen erlernen ein bestimmtes Reaktionsmuster. Sie verhalten sich künftig konditioniert und nicht mehr spontan.

Operante Konditionierung: Einfach erklärt

Operante Konditionierung ist die Beeinflussung menschlichen Verhaltens durch Belohnung oder Bestrafung. Angenehme Konsequenzen führen dazu, dass Verhaltensweisen häufiger gezeigt werden – negative Folgen führen zur Unterdrückung und dem Ausbleiben der Handlungen.

Unterschied: klassische oder operante Konditionierung?

Operante Konditionierung nutzt verschiedene Konsequenzen und Nachwirkungen, um Verhalten abzuschwächen oder zu verstärken. In der klassischen Konditionierung wird ein bestimmtes Verhalten an einen Reiz gekoppelt, der nach Abschluss des Prozess die Handlung auslöst.

Das bekannteste Beispiel für klassische Konditionierung ist der Pawlowsche Hund. Dieser reagierte durch Wiederholung schon auf den Klang einer Glocke mit starkem Speichelfluss, weil er darauf konditioniert wurde, das Signal mit Futter zu verbinden.


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Verstärker der operanten Konditionierung

Als Verstärker werden bei der operanten Konditionierung äußere Reize bezeichnet, die als Konsequenz auf ein gezeigtes Verhalten erfolgen und auf dessen Häufigkeit einwirken. Insgesamt werden vier Arten von Verstärkern unterschieden, von denen jeweils zwei zur Verstärkung und zwei zur Bestrafung zählen.

Operante Konditionierung Verstärkung Bestrafung Positiv Negativ

Verstärkung

Bei Verstärkung (englisch: reinforcement) wird die operante Konditionierung genutzt, um die Häufigkeit des Verhaltens zu erhöhen. Mensch (oder auch Tier) werden in ihren Handlungen bestärkt und sollen ermutigt werden, dies häufiger zu tun. Unterschieden wird zwischen zwei Formen::

  1. Positive Verstärkung
    Positive Verstärkung beinhaltet klassische Belohnungen. So kann es beispielsweise Nahrung, Geld, Lob, Anerkennung oder andere positive Konsequenzen geben.
  2. Negative Verstärkung
    Negative Verstärkung ist der Wegfall von unangenehmen Konsequenzen. Dazu zählen bisher geltende Strafen, die aufgehoben werden oder andere Aufhebungen aversiver Reize.

Bestrafung

Bei Bestrafung (englisch: punishment) zielt die operante Konditionierung darauf ab, die Häufigkeit eines unerwünschten Verhaltens zu verringern oder es in Zukunft gänzlich zu vermeiden. Wichtig ist deshalb der eindeutige Unterschied zwischen Bestrafung und negativer Verstärkung. Die erste soll Handlungen unterbinden, die zweite die Häufigkeit erhöhen. Auch bei der Bestrafung gibt es zwei Formen:

  1. Positive Bestrafung
    Positive Bestrafung ist eine direkte negative Konsequenz als Folge eines Verhaltens. Kinder können zum Beispiel Fernsehverbot bekommen oder ein Mitarbeiter muss eine fehlerhafte Aufgabe noch einmal von vorne beginnen.
  2. Negative Bestrafung
    Negative Bestrafung ist der Entzug eines bisher vorhandenen angenehmen Reizes. Es kann zum Beispiel weniger Zuneigung gezeigt werden oder es werden Privilegien gestrichen.

Arten von Verstärkern

Bei der Auswahl von Verstärkern gibt es zahlreiche Möglichkeiten und Raum für Kreativität. Die Arten werden in mehrere Gruppen unterteilt. Eine häufige Kategorisierung sind primäre und sekundäre Verstärker:

  • Primäre Verstärker konzentrieren sich auf grundlegende physiologische Bedürfnisse. Typische Beispiele sind Essen und Trinken, aber auch Schlaf oder andere körperliche Bedürfnisse können in diese Kategorie zählen.
  • Sekundäre Verstärker sind Faktoren, die Sie zu schätzen gelernt haben, die aber nicht absolut notwendig sind. Sie umfassen Erlaubnisse und Verbote oder können die Zufriedenheit eines Menschen beeinflussen.

Ebenso sind zum Beispiel Unterscheidungen in materielle oder soziale Verstärker möglich. Materielle Verstärker sind finanzielle Anreize oder Geschenke, soziale Verstärker können Anerkennung, Lob oder Zuneigung sein.


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Operante Konditionierung: Verstärkerpläne + zeitliche Abstände

In der operanten Konditionierung werden häufig sogenannte Verstärkerpläne eingesetzt, die genau festlegen, in welchen zeitlichen Abständen oder in welchem Rhythmus der Einsatz von Verstärkern erfolgt. Eine einfache und im Alltag umsetzbare Möglichkeit ist die sogenannte kontinuierliche Verstärkung. Hier wird das Verhalten jedes Mal verstärkt, wenn es auftritt – entweder positiv oder negativ.

Die Alternative ist eine intermittierende Verstärkung. Diese kann nach einer Quote (zum Beispiel jedes dritte Mal) oder nach einem Intervall (zum Beispiel einmal in der Woche).

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Operante Konditionierung Beispiel: Skinnerbox

Die Skinnerbox ist ein bekanntes Experiment und Beispiel für die operante Konditionierung. Benannt ist sie nach dem Psychologen Burrhus Frederic Skinner. Der Versuchsaufbau besteht aus einem Käfig, in dem ein Schalter, eine Lampe und eine Futteröffnung eingebaut sind. Zudem kann der Boden des Käfigs unter leichten Strom gesetzt werden.

Skinnerbox Beispiel Operante Konditionierung Klassische Konditionierung

Durch Versuchen mit Ratten in der Skinnerbox wies der Vertreter des Behaviorismus die Effekte der operanten Konditionierung nach. In verschiedenen Experimenten testete der Forscher die Wirkung der einzelnen Verstärker:

  1. Positive Verstärkung
    Betätigt die Ratte den Hebel, erhält sie automatisch Futter durch die eingebaute Vorrichtung. Das Verhalten wird direkt mit einem primären Verstärker belohnt. In der Folge drückt die Ratte häufiger auf den Schalter.
  2. Negative Verstärkung
    Für diesen Versuch wird der Käfigboden unter Strom gesetzt. Bei Betätigung des Hebels wird der Strom für eine Zeit ausgeschaltet. Ein unangenehmer Reiz wird durch das Verhalten aufgehoben. Auch hier steigt die Häufigkeit.
  3. Positive Bestrafung
    Das Auslösen des Schalters führt zu einem Stromschlag für die Ratte in der Skinnerbox. Das Verhalten wird mit einer negativen Konsequenz bestraft – und tritt künftig immer seltener auf.
  4. Negative Bestrafung
    Im letzten Versuch wird der Zugang zum Futter blockiert, wenn die Ratte auf den Hebel drückt. Durch ihr Verhalten wird ein angenehmer Reiz entfernt. Gemäß der operanten Konditionierung verhält sie sich seltener so.

Operante Konditionierung: Welche Verstärker sind effektiv?

Um den größten Effekt bei der Konditionierung zu erzielen, ist die Wahl der Verstärker von entscheidender Bedeutung. Stromschläge und Nahrungsentzug sind bereits bei Versuchen mit Ratten umstritten – bei Menschen braucht es in jedem Fall andere Mittel. Wie gut ein Verstärker wirkt, hängt dabei von mehreren Faktoren ab:

  • Zeitpunkt
    Wirksame Verstärkung erfolgt kurz nach dem gezeigten Verhalten. Wenn die positive oder negative Konsequenz erst viel später auftritt, ist der Effekt deutlich geringer.
  • Präferenzen
    Jeder Mensch reagiert anders auf unterschiedliche Dinge. Wer nie das Smartphone nutzt, wird sein Verhalten bei einem Handyverbot kaum ändern. Der Verstärker muss auf die individuelle Person ausgerichtet sein.
  • Umstände
    Sie wollen gutes Verhalten belohnen und Ihren Partner zu einer Wiederholung animieren. Also kochen Sie das Lieblingsessen. Eine gute Idee, die aber nicht funktioniert, wenn der oder die andere bereits gegessen hat und vollkommen satt ist.
  • Gegenüber
    Die Wirksamkeit eines Verstärkers kann variieren, wenn dieser von verschiedenen Personen genutzt wird. Ein Lob von guten Freunden oder Vorbildern bestärkt Sie in Ihrem Handeln. Kriegen Sie hingegen positives Feedback von jemandem, den Sie absolut nicht leiden können, ist der Effekt möglicherweise gegenteilig.

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