Innerer Kritiker: So bringen Sie ihn zum Schweigen 

Der innere Kritiker – das ist diese lästige Stimme im Kopf, die uns immer wieder demotiviert, runterzieht, Zweifeln lässt. In kritischen Situationen flüstert sie etwa: „Lass das! Das schaffst du eh nicht.“ Oder: „Dieser Job ist eine Nummer zu groß für dich. Bewirb dich nicht!“ Zwar ist der innere Kritiker ein wichtiger Teil unserer Persönlichkeit, der uns hinterfragt und beurteilt – allerdings liegt der Fokus dabei meist auf unseren Schwächen, Defiziten, Fehlern. Auf Dauer zerstört das unsere Selbstachtung und unser Selbstvertrauen. Doch es gibt auch Wege, den inneren Kritiker zum Schweigen zu bringen: Nicht etwa durch Ausblenden, sondern durch genaues Hinhören und Verstehen…

Innerer Kritiker: So bringen Sie ihn zum Schweigen 

Definition: Was ist der innere Kritiker?

Was ist der innere Kritiker? Eine DefinitionDie meisten Menschen kennen ihren inneren Kritiker nur zu gut. Allerdings oft nur als Miesepeter, Schwarzmaler und Richter. Und nur wenige wissen, wie diese lästige, kritische Stimme im Kopf zähmen oder gar zum Schweigen bringen können.

Nicht wenige versuchen, das innere Lästermaul einfach zu ignorieren. Aber das ist weder klug, noch funktioniert es. Im Gegenteil: Statt zu schweigen, redet der innere Kritiker jetzt noch lauter und verstreut seine Negativbotschaften mit größerer Vehemenz:

  • Dich mag sowieso niemand.
  • Du bist eine Last für alle.
  • Dir gelingt aber auch gar nichts.
  • Mit dir stimmt doch was nicht, andere machen mit links, wofür du dich überdurchschnittlich anstrengen musst.
  • Oh Gott! Du bist so ein Versager.

Gerade im beruflichen Umfeld kann es brenzlig werden, wenn sich der innere Kritiker meldet. Besonders anstrengend ist er, wenn er sich zum Beispiel unmittelbar vor einer Präsentation oder einem wichtigen Meeting ins Bewusstsein durchgräbt und hämisch sein Unwesen treibt: „Na, stolperst du gleich wieder über deine Zunge wie beim letzten Mal? Mann, war das peinlich.“

Wie entsteht der innere Kritiker?

Solche Gedanken sind nicht nur lästig, sie behindern und verunsichern uns vor allem in entscheidenden Lebenssituationen. Das kann im Privatleben und in der Karriere viel kaputt machen. Wer seinen Feind aber kennt, kann ihn schlagen.

Der innere Kritiker entsteht bereits in frühester Kindheit. Im Kleinkindalter sind die Eltern für jeden Menschen der Orientierungsmaßstab schlechthin. Sie bringen einem bei, was in ihren Augen richtig und was falsch ist.

Und Kinder sind so programmiert, Dinge zu tun, die Lob hervorrufen und Aktionen zu vermeiden, auf die Kritik oder Tadel folgen. Ein Kind kann es sich schließlich auf keinen Fall mit den Eltern verscherzen, es ist maximal von ihnen abhängig. Also versucht es, es ihnen recht zu machen.

Auswirkungen des inneren Kritikers in der Kindheit

Dies Abhängigkeit führt dazu, dass die Maßstäbe, die Mutter und Vater setzen wie ein Gesetz verinnerlicht werden. Mehr noch: Um Zuwendung zu erhalten, stellen Kinder bewusst bestimmte Eigenschaften in den Vordergrund und unterdrücken andere.

Über die Jahre hinweg werden diese Verhaltensweisen stark verinnerlicht. Die Gebote von Mutter und Vater werden zu den eigenen. Dann heißt es nicht mehr in Gedanken: „Mama stört es, wenn ich laut bin“, sondern „Ich darf nicht laut sein“. Das ist die Geburtsstunde des inneren Kritikers.

Er ist die psychische Instanz, die versucht, der Kritik oder den Bestrafungen durch die Eltern zuvorzukommen. Sobald er eine Verhaltensweise bemerkt, die Mutter oder Vater stören könnte, meldet er sich mit seiner Restriktion und Kritik, noch bevor sie es tun können. Auf diese Weise vermeiden Heranwachsende Konflikte.

Auswirkungen des inneren Kritikers im Erwachsenenleben

Je nachdem, wie drastisch die Vorgaben des eigenen Elternhauses sind, kann sich der innere Kritiker in späteren Lebensjahren allerdings zu einem großen Feind entwickeln, der jede Entscheidung anzweifelt und das eigene Verhalten über Gebühr maßregelt.

Wer also von Mutter und Vater immer wieder angehalten wurde, leise zu sein und sich im Hintergrund zu halten, wird auch im beruflichen Umfeld Schwierigkeiten haben, sichtbar zu sein. Er wird nichts tun, um zu viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Dann ist die Gefahr groß, dass viele Karriere-Chancen ungenutzt vorbeiziehen.

Und je länger der innere Kritiker die Stimme erheben darf, umso mächtiger wird er. Viele Menschen erkennen aber lange nicht, dass sie dabei nicht nach ihren eigenen Überzeugungen handeln, wenn sie ihrem inneren Kritiker folgen.

Vielmehr sind es die Gebote und Regeln, die andere für einen aufgestellt haben. Maßstäbe also, die bereits vor langer, langer Zeit in völlig anderen Situationen entstanden sind und mit dem Hier und Jetzt nichts mehr zu tun haben.

Dem inneren Kritiker kontra geben und ihn zähmen

Gerade im Hier und Jetzt kommt es darauf an, selbstbewusst seinen Mund aufzumachen und zum Beispiel seine innovativen Ideen für das laufende Projekt zu äußern. Die moderne Arbeitswelt schreit geradezu nach solchen Fähigkeiten.

Immer weniger geht es im Beruf um das Abarbeiten von Routineaufgaben – diese werden zunehmend von Robotern und Computern übernommen. Insofern müssen Arbeitnehmer verstärkt strategisch arbeiten und neue Ideen ausbrüten.

Umso wichtiger ist es, dem inneren Kritiker die Luft zum Atmen zu nehmen. Das ist zwar ein langer Prozess. Aber er lohnt sich.

Das Ganze funktioniert, indem man sich die störenden Gedanken bewusst macht, die einen daran hindern, bestimmte Ziele zu erreichen.

Das ist Schritt eins. In Schritt zwei geht es darum, eine Distanz zu diesen aufzubauen. Aus „ich schaffe das nicht“ wird: „Ich habe das Gefühl, es nicht schaffen zu können.“ Satz Nummer zwei erfolgt bereits aus einem distanzierteren Blickwinkel. So entsteht erstmals Raum zwischen dem eigenen Ego und dem inneren Kritiker.

Damit sind Betroffene erstmals in der Position, dessen Ansichten kritisch hinterfragen zu können:

  • Stimmt das so wirklich?
  • Ist mir in vergleichbaren Situationen nicht oft schon viel mehr geglückt?
  • Warum also nicht auch dieses Mal?

Je stärker Betroffene die Glaubenssätze des inneren Kritikers hinterfragen, können sie ihm kontra geben, so dass irgendwann aus einem „ich schaffe es nicht“ ein „und ob ich das schaffe“ wird.

Und je öfter man sich selbst beweist, dass der innere Kritiker sich irrt, umso mehr wird das eigene Selbstwertgefühl wachsen.

Das geht nicht von heute auf morgen und verlangt viel Übung und Biss ab, aber das Ergebnis lohnt sich. Denn nach und nach wird der innere Kritiker leiser und leiser, bis er irgendwann komplett verstummt – oder sich zumindest konstruktiver zu Wort meldet.

[Bildnachweis: ra2studio Shutterstock.com]
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1. Juni 2018 Autor: Sonja Dietz

Sonja Dietz arbeitet als freiberufliche Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich HR-Management. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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