Orientierungshilfe: Wie Sie den passenden Beruf finden

Sie haben das Abi fast schon in der Tasche, wissen aber noch nicht, wohin die Reise gehen soll? Eine Orientierungshilfe kommt da gerade richtig. Es kann nicht schaden, sich frühzeitig Gedanken über die berufliche Zukunft zu machen. Andererseits muss klar gesagt werden: Die allerwenigsten Menschen machen später das, was sie als Fünfjährige vielleicht noch spannend fanden. Die Klassiker: Feuerwehrmann, Ballerina oder Tierärztin erscheinen Jahre später aus verschiedenen Gründen doch nicht erstrebenswert. Oder aber es haben sich in der Zwischenzeit eine Vielzahl neuer Interessen und beruflicher Möglichkeiten entwickelt, die dazu führen, dass wir unsere Berufswahl überdenken. So oder so gehört dazu, dass Sie sich informieren. Wir stellen Ihnen hier einige Möglichkeiten vor…

Orientierungshilfe: Wie Sie den passenden Beruf finden

Orientierungshilfe: Gängige Ausbildungsberufe

Gemäß der von dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) aufgestellten Ranglisten existierten 2016 insgesamt 326 Ausbildungsberufe, deren Ausbildungsdauer im Regelfall zwischen zwei und drei Jahren dauert. Für 2016 ergibt sich dabei folgendes Bild:

Obwohl es über 300 Möglichkeiten zur Ausbildung gibt, hat ein Drittel aller Absolventen sich für einen Ausbildungsvertrag unter den zehn häufigsten Berufen entschieden. 28.700 Jugendliche haben erneut den Beruf als Kaufmann beziehungsweise Kauffrau für Büromanagement abgeschlossen, der bei beiden Geschlechtern sehr beliebt ist.

Dennoch gibt es einen klaren Schwerpunkt je nach Geschlecht. Weibliche Auszubildende haben sich überwiegend für kaufmännische Berufe entschieden, Kauffrau…

  • für Büromanagement
  • im Einzelhandel
  • im Groß- und Außenhandel und
  • Industriekauffrau.

Dicht darauf folgten diese Ausbildungsberufe:

Bei Männern dominieren auf den ersten beiden Plätzen handwerkliche Berufe, es ergibt sich folgendes Bild:

Diese Berufe mögen zwar eine flüchtige Orientierungshilfe dafür bieten, in welchem Bereich die meisten Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden. Gleichzeitig weist das BIBB daraufhin, dass diese Zahlen wenig Aufschluss darüber geben, ob diese Berufe tatsächlich zu den beliebtesten gehören.

Zum einen müssen diese Zahlen mit dem vorhandenen Ausbildungsplatzangebot gesehen werden. Zum anderen sagen sie nichts darüber aus, ob diese Ausbildungen auch zu Ende geführt werden. Auffällig ist ebenfalls, dass seit 2012 zunehmend mehr Fachinformatiker ausgebildet werden, während Neuabschlüsse bei Bankkaufleuten zurückgehen.

Orientierungshilfe: Reflektieren Sie Ihre Interessen und Fähigkeiten

Kein Beruf basiert nur auf Fachkenntnissen. Selbst bei geringem Kundenkontakt brauchen Sie Sozialkompetenz. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, was Ihnen beruflich liegen könnte, müssen Sie sich mit Ihren Neigungen einerseits und Ihren Stärken und Schwächen andererseits auseinandersetzen.

Für eine Orientierungshilfe in fachlicher Hinsicht stellen Sie sich folgende zehn Fragen und notieren die Antworten am besten in ein Notizbuch:

  • Was kann ich besonders gut?
  • Was fällt mir leicht?
  • Worin kann ich Erfolge vorweisen?
  • In welchem Bereich kenne ich mich gut aus?
  • Wo kann ich dieses Wissen anwenden?

Wer bereits über Berufserfahrung verfügt oder neben der Schule Kurse besucht hat, kann mögliche Erfolge meistens mit Zertifikaten oder (Schul-)Zeugnissen belegen. Wenn Sie sich diese Fragen durch den Kopf gehen lassen, sollten Sie auch unbedingt mögliche Hobbys bedenken.

Umgekehrt können Sie sich natürlich auch fragen:

  • Was fällt mir ziemlich schwer?
  • Was würde ich gerne noch verbessern?
  • Welche Misserfolge gab es?
  • Was macht mir keinen Spaß?
  • Was wäre ich bereit zu investieren, um beruflich voranzukommen?

Gerade die letzte Frage ist nicht ohne, denn Sie sollten sich vor Augen halten, dass auch eine Ausbildung immer Anteile enthält, die vielleicht nicht die Erfüllung Ihrer Träume sind. Routineaufgaben kommen in jedem Job vor.

Eine nicht unwesentliche Rolle spielt Ihre Persönlichkeit. Eine Orientierungshilfe für Ihre Sozialkompetenzen können diese elf Fragen sein:

  • Wofür bewundern mich andere?
  • Was macht mir Spaß?
  • Womit kann ich anderen behilflich sein?
  • Mit welchen Menschen komme ich besonders gut klar?
  • Welche Eigenschaften haben diese Menschen?

Was Ihnen nicht so liegt, zeigen die Antworten auf folgende Fragen:

  • Wann habe ich schlechte Laune?
  • Was macht mir keinen Spaß?
  • Welche Mitmenschen finde ich besonders anstrengend?
  • Wie verhalte ich mich bei Streitigkeiten?
  • Welche persönliche Eigenschaft steht mir im Weg?
  • Wäre ich bereit mich zu ändern?

Lassen Sie sich nicht verunsichern, wenn Ihnen nicht sofort auf alle Fragen zig Antworten in den Kopf schießen: Eine konkrete Vorstellung für einen Job zu entwickeln, braucht seine Zeit. Dabei gibt es auch kein Richtig oder Falsch, denn Interessen und Fähigkeiten können sich im Laufe Ihres Lebens ändern.

Versuchen Sie unbedingt ehrlich bei der Beantwortung dieser Fragen zu sein. Es macht keinen Zweck auf Bereiche zu schielen, die ein hohes Gehalt versprechen, Ihren Fähigkeiten aber überhaupt nicht entsprechen.

Sie werden letztlich entweder unglücklich und/oder wenig erfolgreich in dem sein, was Sie tun. Denn Dinge, die wir gerne machen, gelingen automatisch besser.

Orientierungshilfe: Wie Sie dem Job näher kommen

Ideen, welcher Beruf es vielleicht werden könnte, fallen nicht vom Himmel. Es gibt die latente Prägung, die unsere Berufswahl beeinflusst. Zum einen spielen ökonomische Faktoren eine Rolle: Krisensichere oder aktuell gefragte Jobs werden viel lieber ergriffen.

Gleichzeitig können wir uns auch nicht von sozialen Faktoren freimachen: Welche Jobs haben unsere Eltern, unsere Vorbilder oder Nachbarn? Das sind oftmals die ersten Orientierungshilfen und Informationsquellen, noch bevor wir uns aktiv mit der Berufswahl auseinandersetzen.

  • Fragen Sie Stelleninhaber.

    Sie finden eine bestimmte Tätigkeit spannend und wüssten gerne mehr darüber, kennen aber niemanden persönlich? Das macht nichts. Es gibt einige Möglichkeiten, Informationen aus erster Hand zu erhalten. Häufig bieten Schulen, die Agentur für Arbeit und andere Bildungsträger Orientierungshilfen an, beispielsweise Informationsveranstaltungen zu Berufen und Jobmessen. Hier treffen Sie auf Fachleute, die Ihre Fragen zu einem bestimmten Beruf beantworten können. Eine andere, virtuelle Möglichkeit wäre das Kontaktieren über berufliche Netzwerke wie Linkedin und Xing. Dort können Sie entsprechenden Gruppen beitreten und gleich Netzwerke knüpfen. Sich hier über gemeinsame berufliche Interessen auszutauschen, ist Sinn und Zweck eines Karrierenetzwerkes.

  • Sammeln Sie praktische Erfahrung.

    Häufig wird im Rahmen eines Schulpraktikums bereits in einen Job hinein geschnuppert. Der muss sich nicht immer als Traumjob entpuppen – auch das ist eine wertvolle Erfahrung, denn so wissen Sie schon einmal, was Sie nicht machen wollen. Das sollte Sie allerdings nicht davon abhalten, nötigenfalls noch in einem anderen Job ein Praktikum zu machen. Auch Ferienjobs können eine gute Gelegenheit sein, einen Betrieb von innen kennenzulernen. Idealerweise planen Sie einen längeren Zeitraum für Ihr Praktikum ein und lassen sich dies später in einem qualifizierten Zeugnis bestätigen – so zeigen Sie Engagement.

  • Studieren Sie Stellenprofile.

    Gehen Sie Stellenangebote durch und lesen Sie die Anforderungen. Wer nicht weiß, wie ein Jobtitel lauten könnte, gibt bei Jobbörsen Stichpunkte ein, die seine Interessen beschreiben. Hier erfahren Sie nicht nur den passenden Jobtitel, sondern gleich die entsprechenden Fachbegriffe für Tätigkeiten, die mit diesem Jobprofil verbunden sind.

  • Holen Sie Beratung ein.

    Die erste Anlaufstelle ist oftmals die Agentur für Arbeit. Die bietet diverse Beratungs- und Erkundungsangebote für Schulabgänger. Ganz gleich, ob Sie mit Abitur in der Tasche ein Studium planen oder mit Hauptschul- oder Realschulabschluss die passende Ausbildung für sich suchen. Informationen erhalten Sie durch Mitarbeiter der Arbeitsagentur. Daneben bekommen Sie bereits eine Orientierungshilfe in Videos zu folgenden vier Bereichen: Handwerklich-technisch, kaufmännisch-verwaltend, künstlerisch-kreativ und sozial-pflegerisch. Sollten Ihnen diese Angebote nicht weiterhelfen, können private Berater und Coaches eine Alternative sein. Im Gegensatz zur Arbeitsagentur fallen hier für Sie jedoch Kosten an. Um mögliche Enttäuschungen zu vermeiden, sollten Sie außerdem jemanden aufsuchen, der Ihnen von jemanden empfohlen wurde, der gute Erfahrungen mit diesem Berater oder Coach gemacht hat.

Orientierungshilfe: Rahmenbedingungen ebenfalls berücksichtigen

Informieren Sie sich anhand der genannten Möglichkeiten gut. Einige Ausbildungen tragen ganz ähnliche Bezeichnungen, sind inhaltlich dennoch verschieden. Der Teufel liegt im Detail, so beispielsweise bei der Ausbildung zur Hotelfachfrau oder Hotelkauffrau.

Die Ausbildung zur Hotelfachfrau umfasst vorrangig folgende Bereiche:

  • Rezeption
  • Housekeeping
  • Service
  • Lagerhaltung

Demgegenüber beinhaltet die Ausbildung zur Hotelkauffrau etwa ein Drittel der Ausbildungszeit neben Rezeption, Houskeeping und Service folgende Bereiche:

  • Buchhaltung
  • Personalwesen
  • Einkauf
  • Kontrolle
  • Verkauf

Was Sie ebenfalls immer beachten sollten, sind die Rahmenbedingungen eines Berufs. Bestimmte Jobs bringen eben auch bestimmte Erfordernisse mit sich: Arbeiten Sie lieber handwerklich oder geistig? Können Sie sich vorstellen zu arbeiten, wenn andere frei haben? Das ist beispielsweise in Jobs mit Schichtarbeit der Fall.

Versuchen Sie sich darüber klar zu werden, in welchem Umfeld und mit welchen Bedingungen Sie arbeiten möchten, beispielsweise in einer Bank? Einem Labor, bei der Polizei, im Zoo, in der Verwaltung, im Museum oder in einem Krankenhaus? Wem vor lauter Möglichkeiten der Kopf schwirrt, sollte die Informationen ein paar Tage sacken lassen.

Orientierungshilfe: Wegweiser durch den Dschungel

OrientierungshilfeWenn Sie immer noch absolut unsicher sind, können Ihnen diverse Online-Plattformen und Tests eine Orientierungshilfe sein, um Ihren Neigungen und Fähigkeiten näher zu kommen:

  • Selbsterkundungstool: Dieser Test der Arbeitsagentur richtet sich vor allem an Schüler, die mit dem Hauptschul- oder Realschulabschluss ihre schulische Laufbahn beenden. Eine Anmeldung ist notwendig. Danach klicken Sie aus 18 Tätigkeitsbereichen an, wie sehr oder weniger Sie an diesem Bereich interessiert sind. In Kombination mit Ihren schulischen Leistungen bekommen Sie nach etwa 30 Minuten bereits ein Ergebnis, welche Berufe zu Ihren Interessen passen.
  • Berufenet: Hier erhalten Sie eine Orientierungshilfe je nach Tätigkeitsfeld, Berufsfeld oder Studienfeld. Sie können auch gezielt nach Berufen im MINT-Bereich gucken, die einen Schwerpunkt in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik haben.
  • Berufskompass: Beim Angebot des österreichischen Arbeitsmarktservice werden 77 Fragen zu persönlichen Neigungen und Interessen gestellt. Nach etwa 20 Minuten erfolgt die Auswertung mit einer Reihe von Berufsvorschlägen, die erneut gefiltert und persönlichen Voraussetzungen angepasst werden können.

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[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]

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12. Dezember 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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