Myers Briggs Test: Welcher Charaktertyp sind Sie?

Er ist ein Klassiker in der Persönlichkeits-Diagnostik: der Myers Briggs Test, auch Myers-Briggs-Typindikator, kurz MBTI genannt. Der von Katharine Briggs und Isabel Myers entwickelte Psychotest ist letztlich eine Weiterentwicklung der Typologie von Carl Gustav Jung und unterscheidet im Wesentlichen zwischen vier beziehungsweise acht Dimensionen einer Persönlichkeit. Für die Arbeitswelt ist er deshalb von großem Interesse, da die Befürworter einen Zusammenhang zwischen Charakterisierungen nach dem Myers Briggs Test und beruflicher Eignung für eine Stelle sehen…

Myers Briggs Test: Welcher Charaktertyp sind Sie?

Ursprünge des Myers Briggs Test

Der Myers-Briggs-Test in seiner heutigen Form ist eine Weiterentwicklung. Ursprünglich wurde er von Katharine Briggs und ihrer Tochter Isabel Myers – beides gebildete Frauen, allerdings keine Psychologinnen – nach der Typologie von Carl Gustav Jung entwickelt.

Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass zumeist eine der folgenden Kategorien beim Menschen überwiegt:

  • Intraversion und Extraversion (I/E)

    Der Extrovertierte ist kontaktfreudiger und handlungsbereiter, der Introvertierte konzentrierter und intensiver.

  • Intuition und Sensing (N/S)

    Der intuitive Typ verlässt sich stärker auf sein Bauchgefühl und Spekulationen, der sensorische ist detailorientierter und realistischer.

  • Feeling und Thinking (F/T)

    Hier wird unterschieden, wie Entscheidungen getroffen werden. Der Fühlende (F) urteilt subjektiv und berücksichtigt Ideale und Emotionen, der Denker (T) trifft sie rational und mittels Logik.

  • Judging und Perceiving (J/P)

    beschreibt die Gewissheit der getroffenen Entscheidungen. Der Urteilende (J) entscheidet schnell, teils bevor ihm alle Informationen vorliegen und hält daran unbeirrbar fest, der Flexible (P) handelt spontaner und ist bereit, sich aufgrund neuer Informationen anzupassen.

Alle diese Eigenschaften lassen sich beim Menschen in irgendeiner Ausprägung finden. Wer einen Myers Briggs Test macht, erhält anschließend eine vierstellige Buchstabenkombination als Ergebnis.

Modifizierungen des Myers-Briggs-Tests

Dem amerikanischen Psychologen David West Keirsey wiederum kommt der Verdienst zu, die Klassifizierungen der 16 Persönlichkeitstypen im Myers-Briggs-Test weiterentwickelt zu haben. Die ursprünglich kurzen und prägnanten Beschreibungen führte er detailliert aus.

Zusätzlich teilte er diese 16 Persönlichkeiten in vier Kategorien beziehungsweise Temperamente ein:

  • Künstler

    Dazu gehören die Temperamente Verfasser (ISFP), Handwerker (ISTP), Entertainer (ESFP) und Macher (ESTP). Charakterisiert werden diese Personen als Abenteurer und Partymenschen, die ständig neue Ideen haben.

  • Wächter

    Zu den Wächtern gehören Treuhänder (ISTJ), Konservator (ISFJ), Verkäufer (ESFJ) und Promoter (ESTJ). Diese Personen sind legen Wert auf Regeln und klare Strukturen.

  • Idealisten

    In diese Kategorie werden Kämpfer (ENFP), Berater (INFJ), Heiler (INFP) und Lehrer (ENFJ) gefasst. Typisch hier ist ein gewisser Freiheitsdrang und eine poetische Ader.

  • Rationalisten

    Als Rationalisten werden Architekten (INTP), Lenker (ENTJ), Erfinder (ENTP) und Denker (INTJ) eingeordnet. Charakteristisch sind Wissensdurst und Intellektualität.

Das letztgenannte Temperament, die Rationalisten, ist in der Bevölkerung übrigens am geringsten verteilt: Nur etwa fünf bis zehn Prozent aller Menschen lassen sich in diese Kategorie einteilen.

Die ursprünglichen Kategorisierungen des Myers-Briggs-Tests basierten vorwiegend auf Gefühlen und Gedanken, die letztlich schwer überprüfbar sind. Keirseys Ergänzungen hingegen basieren auf beobachtbarem Verhalten, sind also weniger spekulativ und damit deutlich wissenschaftlicher.

Myers Briggs Test: Durch Test zum Job oder Job durch Test?

Hierzulande wird der Myers-Briggs-Test bei Einstellungsverfahren noch nicht so häufig angewandt. In den USA findet er vor allem im Personalbereich Anwendung. Dabei ist die Auswahl von Führungskräften auf Grundlage bestimmter psychologischer Merkmale nichts Neues:

Bereits in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts wählte das deutsche Militär so sein Führungspersonal aus. Amerikanische Unternehmen entdeckten dieses Prinzip später und entwickelten daraus das Assessment Center, um den geeigneten Kandidaten für sich zu finden.

Der Gedanke dahinter: Gerade auf der Führungsebene kommen Fehlbesetzungen das Unternehmen teuer zu stehen. Darüber hinaus geht es um mehr als nur die fachliche Qualifikation: Gesucht wird ein Charakter, der dieselben Werte wie das Unternehmen vertritt und ins Team passt.

Wer beispielsweise in seinem jetzigen Job eher aneckt oder nicht vorankommt, kann spaßeshalber den Myers Briggs Test machen und überprüfen, ob der vielleicht zu völlig anderen Jobempfehlungen aufgrund des Persönlichkeitstyps rät.

So betrachtet bietet sich der Myers Briggs Test ebenso für Berufsanfänger als Orientierung zur Berufswahl an.

Allerdings sollte dabei immer beachtet werden, dass Menschen sich in unterschiedlichen Situationen verschieden verhalten. Der Myers Briggs Test sollte daher weniger als ultimative Wahrheit, sondern mehr als Indikator für bestimmte Wahrscheinlichkeiten gesehen werden.

Das ist übrigens ein Grund, warum manche Autoren die Bezeichnung „Myers-Briggs-Test“ ablehnen und stattdessen vom MBTI, also „Myers-Briggs-Typenindikator“ sprechen.

So betrachtet kann der Myers Briggs Test nur bedingt den einen Job herausspucken. Denn kein Berufsbild repräsentiert ausschließlich einen Persönlichkeitstypen. Das hängt zum einen damit zusammen, dass verschiedene Tätigkeitsbereiche existieren. Zum anderen wird in Unternehmen immer mehr Flexibilität gefordert.

Geht es um Teamarbeit in Unternehmen mit flacher Hierarchie, dann wird von Arbeitnehmern erwartet, situationsbedingt handeln zu können.

Myers-Briggs-Test in der Partnerwahl

Es gibt unterschiedliche Vorstellungen dazu, welche Menschen besonders gut zu einander passen und welche sich besser niemals über den Weg gelaufen wären. Eine gängige lautet: Gleich und gleich gesellt sich gern.

Keirsey war da anderer Meinung. Mit seinen Modifizierungen des Myers-Briggs-Tests vertritt er die Meinung: Gegensätze ziehen sich an. Demnach würden Handwerker und Wächter, Rationalisten und Idealisten besonders gut zueinander passen.

Basis seiner Überlegungen war die Tatsache, dass bei gescheiterten Beziehungen sich die Personen erneut jemanden suchen, der dem alten Partner in wesentlichen Verhaltenszügen ähnelt. Ausgetauscht wird also lediglich die Person, die Präferenz für ein bestimmtes Temperament bleibt bestehen.

Hier stellt sich die Frage: Suchen sich Menschen immer wieder den gleichen Typus aus, weil sie grundsätzlich davon überzeugt sind, oder besteht nicht auch die Möglichkeit, dass bestimmte Muster internalisiert sind, über deren Wirksamkeit sich jemand häufig nicht bewusst ist?

Bei Überlegungen, warum beispielsweise Partner eindeutig toxische Beziehungen eingehen, wird heutzutage die Ansicht vertreten, dass es sich oftmals um erlernte Muster handelt, die verfolgt werden, weil sie Sicherheit geben.

Diese Präferenz hätte somit keineswegs mit im Menschen angelegten Präferenzen, sondern der jeweiligen Sozialisation zu tun.

Kritik am Myers-Briggs-Test

Obwohl der Myers-Briggs-Test hierzulande immer mehr Anhänger findet, gibt es Kritik. Denn bei allem wissenschaftlichen Anstrich greift er letztlich tief in eine Kiste von Vorstellungen, die weit in die Antike zurückgreifen. Die Temperamentenlehre gilt hier als Vorbild.

Verwurzelt mit der Vier-Elemente-Lehre und der Humoralpathologie gehen ihre Anhänger davon aus, dass sich alle Menschen in vier Kategorien einteilen lassen – beeinflusst werden sie wahlweise von Wasser, Feuer, Luft und Erde oder gelber/schwarzer Galle, Blut und Schleim.

Auch wenn der Test nicht unumstritten ist (weil es bei verbalen Selbsteinschätzungen zwangsläufig zu Ungenauigkeiten kommt), ist zumindest interessant, welche der sich daraus ergebenden Persönlichkeitstypen, wie oft in der Bevölkerung vorkommen. So sind etwa…

  • die meisten Frauen ESFJ-Typen (12 bis 17 Prozent),
  • während Männer mehrheitlich ISTJ-Typen darstellen (14 bis 19 Prozent).

Das ist nicht uninteressant, entweder beim Teamplay im Büro oder bei Paarbeziehungen.

Falls Sie einmal selbst den Myers-Briggs-Test machen wollen: Kostenlos geht das HIER. Allerdings in englischer Sprache, dafür inklusive Auswertung und Typologie.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
10. September 2009 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!