Unterschrift: Was die Signatur über Sie verrät

Unsere Unterschrift setzen wir unter amtliche Dokumente, Bestellungen und Rechnungen. Und das hat einen Grund. Mit unserer Unterschrift geben wir uns als uns selbst zu erkennen – und das nicht nur im juristischen Sinne. Unsere Unterschrift verrät dem geübten Auge auch etwas über unsere Charaktereigenschaften, die Persönlichkeit und Arbeitsweise. Was das sein kann und wie Unternehmen das für sich nutzen…

Unterschrift: Was die Signatur über Sie verrät

Graphologie: Was versteht man darunter?

Graphologie: Was versteht man darunter?Obwohl der Ausdruck Graphologie wissenschaftlich klingt, ist sie es nicht im strengen Sinne. Die Graphologie entstammt zwar der Psychologie, ihre Funde lassen sich aber nicht empirisch nachweisen – was ein Kriterium für Wissenschaftlichkeit ist. Trotzdem wird die Lehre von der Bedeutung der Handschrift gerne genutzt, um einen ersten Endruck einer Person zu bekommen.

Die zugrundeliegende Idee dabei: Die Handschrift einer Person ist etwas ganz Individuelles und kann viel über den Charakter und die Persönlichkeit verraten. Anhand ausgesuchter Kriterien untersuchen Graphologen die Handschrift eines Menschen auf ganz charakteristische Züge und versuchen daraus, bestimmte Wesensmerkmale abzuleiten.

Graphologen geben dabei an, dass sie aus der Handschrift eines Menschen ableiten können, ob es während seiner Kindheit und Jugend zu Entwicklungsstörungen gekommen ist und wie stabil sein Gemüt ist. Auch der inhärente Antrieb, also ob eine Person voller Elan oder passiv ist, können sie – nach eigenen Angaben – aus der Schriftprobe herauslesen. Was sie allerdings nicht können, ist Alter, Geschlecht oder politische Einstellung aus der Schrift abzuleiten.

Da die Graphologie keine Wissenschaft im klassischen Sinne ist, kann sie auch nicht an einer Fachhochschule oder Universität studiert werden. Allerdings bietet der Berufsverband der Graphologen eine dreijährige Ausbildung an, in der die grundlegenden Techniken und Analyseinstrumente vermittelt werden.

Die Unterschrift-Analyse im Bewerbungsprozess

Um den besten Bewerber für die ausgeschriebene Position zu finden, gehen Unternehmen auch eher unkonventionelle Wege – und einer davon ist die Beauftragung eines Graphologen. Schließlich wäre es doch schade, wenn viel Zeit und Geld in die Auswahl eines Kandidaten investiert worden wäre, der sich nach kurzer Zeit als ungeeignet für den Job herausstellt. Nicht deshalb, weil ihm die nötigen Qualifikationen fehlen, sondern weil er aufgrund seiner Persönlichkeit und seines Arbeitsstils nicht in das Team oder Unternehmen passt.

Graphologen versprechen in diesem Fall eine Entscheidungshilfe und bieten an, die Unterschrift oder eine Schriftprobe des Bewerbers zu analysieren. Dabei gibt es einen Unterschied, ob ein ganzer Text oder nur die Signatur begutachtet wird.

Unter den Schrift-Analysten geht man davon aus, dass eine Person mit ihrer Unterschrift zeigt, wer sie gerne sein möchte oder wie sie am liebsten von anderen wahrgenommen werden würde. Die eigentliche Handschrift dagegen – also beispielsweise in Form eines handschriftlichen Lebenslaufs oder einer Schriftprobe – vermittelt ein ziemliches genaues Bild der tatsächlichen Persönlichkeit.

Daher ist einer der ersten Schritte eines Graphologen, dass er überprüft, ob die Schriftprobe mit der Unterschrift harmoniert. Hat eine Person ein relativ kleines Schriftbild, auf der anderen Seite aber eine ausladende und übergroße Unterschrift, werden die Analysten stutzig. Passen Unterschrift und übrige Handschrift dagegen gut zusammen, wirft das ein gutes Licht auf den Bewerber. Das kann ein Indiz dafür sein, dass er oder sie authentisch ist.

Unterschrift: Welche Merkmale werden untersucht?

Meist beginnen Graphologen in der Analyse der Schrift mit folgenden Merkmalen:

  1. Rhythmus der Schrift

    Ist sie gleichbleibend und im Fluß oder wirkt sie eher abgehakt?

  2. Einheitlichkeit

    Neigen einige Buchstaben nach rechts, während andere nach links abzurutschen scheinen oder zeigt die Schrift ein einheitliches Schriftbild?

  3. Originalität

    Werden bestimmte Eigenheiten kopiert oder macht die Schrift einen ganz authentischen und unverfälschten Eindruck?

Nach diesem ersten Eindruck geht es über zu der weiteren Untersuchung der Unterschrift. Dabei unterscheiden die Profis zwischen vier weiteren Merkmalen:

  1. Girlande

    Bei Personen, die die Girlande verwenden, erkennt der Betrachter nur schwer einen Unterschied zwischen u und n erkennen. Graphologen schreiben diesem Typen Eigenschaften wie Kontaktfreude und Offenheit zu.

  2. Arkade

    Damit meinen Graphologen Wölbungen, die an einen Bogen erinnern und die man daher bei Buchstaben wie m, n oder auch h findet. Menschen, die gerne Arkaden nutzen, werden als eher zurückhaltend und introvertiert beschrieben.

  3. Faden

    Von der fadenförmigen Schreibweise sind besonders die Buchstaben n, m und u betroffen, die sich – für Nicht-Graphologen – schwierig voneinander unterscheiden lassen und insgesamt eher an Linien statt an Buchstaben erinnern. Personen, die über eine Handschrift mit diesen Merkmalen verfügen, zeichnen sich durch Anpassungsfähigkeit und Flexibilität aus.

  4. Winkel

    Menschen, die gerne in Winkeln schreiben, tendieren zu zackigen Linien statt geschwungenen Bögen. Graphologen sprechen Personen mit dieser Unterschrift Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen zu.

Im letzten Schritt geht es für die Graphologen in die Tiefe und damit Detailbetrachtung. Hier achten sie auf Merkmale wie die Größe der Schrift, ob es bestimmte Formen gibt, die sich aus dem Schriftbild herauslesen lassen oder ob die Schrift besonders viel Druck besitzt. Aus dieser Zusammenschau ergibt sich das Gesamtbild, das die Graphologen der analysierten Person zuschreiben.

Übrigens haben sich dabei einige Punkte herauskristallisiert, die bei erfolgreichen Menschen immer wieder vorkommen:

  • Die Unterschrift ist zügig geschrieben,
  • kommt ohne Häkchen, Schleifen und andere Ausschmückungen aus,
  • tendiert nach rechts,
  • die einzelnen Buchstaben stehen nicht getrennt voneinander, sondern fügen sich in ein einheitliches Schriftbild.

Das sagen Graphologen zu der Unterschrift berühmter Personen

Gerade die Unterschriften von Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen, werden von Graphologen immer wieder gerne benutzt, um ihre Kunst unter Beweis zu stellen:

  • Unterschrift Mark Zuckerberg, Facebook

    Unterschrift Mark Zuckerberg Facebook
    Der CEO von Facebook, Mark Zuckerberg, unterschreibt zum Beispiel nur mit seinen Initialen. Einige Analysten deuten das so, dass er auf seine Privatsphäre besonders großen Wert legt. Ironischerweise, wenn man bedenkt, wie Facebook mit den privaten Daten seiner Nutzer umgeht. Dass seine Unterschrift nur aus Großbuchstaben besteht zeige außerdem, dass er über ein gesundes Selbstvertrauen verfügt.

  • Unterschrift Meg Whitman, Ebay und Hewlett-Packard

    Unterschrift Meg Whitman Ebay
    Margaret (Meg) Cushing Whitman ist ebenfalls eine erfolgreiche Persönlichkeit, deren Unterschrift gerne gedeutet wird. Von 1998 bis 2008 war sie CEO bei eBay und wechselte 2011 zu Hewlett-Packard, wo sie bis 2018 den Posten der Präsidentin innehatte. Auch politisch hat sie sich engagiert: 2010 kandidierte sie für das Amt der Gouverneurin von Kalifornien.

    Besonders das Ende der Unterschrift von Meg Whitman bezeichnen Graphologen als aussagekräftig. Der langgezogene, fast waagerechte Strich am Ende bedeute, dass Whitman über ein großes Maß an Antrieb, Ausdauer und Entschlossenheit verfüge.

    Eine weitere Besonderheit: Während sie ihren Vornamen komplett ausschreibt, kritzelt sie ihren Nachnamen etwas leichtfertig aufs Blatt. Das ist aber gar nicht so gemeint. Im Gegenteil: Damit zeige sie, dass sie sehr stolz ist auf das, was sie bisher in ihrer Berufslaufbahn erreicht hat.

  • Unterschrift Satya Nadella, Microsoft

    Unterschrift Satya Nadella Microsoft
    Satya Narayana Nadella kann ebenfalls stolz sein auf das, was er erreicht hat: Seit 2014 ist er der CEO von Microsoft und gehört damit zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Businesswelt. Seine Unterschrift kommt dagegen etwas unscheinbar daher – seinen Nachnamen kürzt er mit dem Anfangsbuchstaben und einem Punkt ab.

    Unterschrift-Analysten weisen allerdings darauf hin, dass man sich davon nicht täuschen lassen dürfe. Gerade der Punkt nach dem N hat es in sich: Er deute darauf hin, dass Nadella ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und eine große Ernsthaftigkeit besitze.

  • Unterschrift Bill Gates, Microsoft

    Unterschrift Bill Gates Microsoft
    Microsoft – und damit auch die Karriere von Nadella – wäre ohne Bill Gates kaum vorstellbar. Der Business Magnat ist nicht nur für seine grandiosen geschäftlichen Ideen, sondern auch für seinen humanitären Einsatz bekannt.

    Graphologen können das aus der Unterschrift herauslesen: Die geradlinige und gut lesbare Signatur deute auf seine Loyalität, Rechtschaffenheit und Zuverlässigkeit hin. Während die etwas überdimensionierten Großbuchstaben auf die Ausgewogenheit des Unterschreibenden schließen lassen.

  • Unterschrift Steve Jobs, Apple

    Unterschrift Steve Jobs Apple
    Der Mitbegründer und langjährige – mit einigen Unterbrechungen – CEO von Apple ist als großer Visionär in die Geschichte eingegangen. Gleichzeitig hatte er mit sozialen Gepflogenheiten zu kämpfen. Jobs war bekannt dafür, dass er förmlich aus dem Nichts seine Mitarbeiter anherrschte und Bewerbern in Vorstellungsgesprächen äußerst unangenehme, mitunter sogar aggressive Fragen stellte.

    Das – so Graphologen – zeige sich auch in seiner Unterschrift. Die scharfen Linien und der energisch gesetzte Punkt auf dem i zeigten Jobs ungeduldige und aggressive Art. Die schräg nach oben verlaufende Unterschrift sei ein Zeichen für seinen Ehrgeiz und seinen Blick nach vorne.

Übrigens sagt auch die Platzierung der Unterschrift etwas über den Unterschreibenden aus: Findet sich die Unterschrift eher auf der linken Seite eines leeren Blattes, schließen Analysten darauf, dass die Person ängstlich ist und vielleicht sogar mit Enttäuschungen zu kämpfen hat.

Genau in der Mitte zu unterschreiben, ist aber auch keine optimale Option. Graphologen werten das als Zeichen dafür, dass der Unterschreibende gerne Dinge aufschiebt.

Eher in der rechten Ecke zu unterschreiben ist damit die einzig verbleibende Alternative. Und tatsächlich: Graphologen sprechen diesen Personen zu, eher erfolgreich und unabhängig zu sein. Zu weit nach rechts sollte die Unterschrift aber trotzdem nicht rutschen, denn dann läuft der Unterschreibende Gefahr als instabil und chaotisch zu gelten.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
6. Januar 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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