Geschäftsidee Idee

Geschäftsidee: Geniestreich gesucht

Grandiose Geschäftsideen werden heute vorzugsweise in Kalifornien auf die Straße gebracht - und angemessen gewürdigt. So wie an diesem Wochenende in San Francisco bei den Crunchies Awards 2017, die branchenintern gerne als "Oscars der Technologie-Branche" bezeichnet werden.

Wir würden Ihnen gerne einige der angesagtesten Ideen präsentieren - und Ihrem eigenen Erfindergeist damit vielleicht ein bisschen auf die Sprünge helfen. Folgende Ideen haben es uns besonders angetan. Was halten Sie davon? Diskutieren Sie gerne mit!

So finden Sie eine Geschäftsidee

Geschäftsidee entwickeln finden TippViele Menschen sind auf der Suche nach einer großen Geschäftsidee, mit der sie viel erreichen wollen. Doch nur die wenigsten sind bei dieser Suche erfolgreich. Was also tun, um eine Geschäftsidee zu finden? Zu einer guten Geschäftsidee führen - im Wesentlichen - vier Wege. Diese:

  1. Erfinden: Etwas Neues, noch nie Dagewesenes erdenken, konzipieren und umsetzen. Am besten in einer Nische, die noch nicht besetzt ist.
  2. Erneuern: Ein bereits existierendes Produkt oder Dienstleistung verfeinern, verbessern, erweitern, weiterentwickeln, perfektionieren.
  3. Kopieren: Eine Idee aufgreifen und umpflanzen. Populäres Beispiel aus der Startup-Welt: Rocket Internet, das bevorzugt Ideen vom US-Markt aufgreift und nach Deutschland transferiert.
  4. Ausnutzen: Eine (bestehende) Franchising-Idee aufgreifen und sich - negativ formuliert - ins gemachte Nest setzen. Eigene Geschäftsidee nicht notwendig, eine professionelle Umsetzung aber sehr wohl.


Die besten Geschäftsideen 2017: USA

  1. Video-Messenger

    Marco Polo Video Walkie Talkie - klingt wie ein pädagogisch wertvolles Kinderspielzeug, soll aber im besten Fall sogar Snapchat überflüssig machen. Die App ermöglicht knackig-kurze Video-Botschaften, die man sich wie Kurznachrichten hin und her mailt - nur halt ohne die lästige Tipperei.

    Die Konversation zweier Gesprächspartner ist hinterher als Chat einsehbar, also auch ganz ähnlich wie bei WhatsApp oder SMS. Urheber ist das (völlig unbekannte) US-Startup Joya Communications. Allerdings stellt sich - wie bei Snapchat auch - die Frage nach der Monetarisierung. Snapchat will über Marketingpartnerschaften und Werbekunden Geld in die Kase holen, zügig an die Börse. Eine Blaupause für die Marco Polo-Talker?


  2. Selbstfahrende Lkw

    Zweifellos ein Mega-Trend: selbstfahrende Autos. Erst am 31. Januar 2017 gab Uber die Kooperation mit Daimler bekannt. Vor lauter Auto-Aufregung geht ein wenig unter, dass auch den Brummis eine Revolution bevorsteht. Ein Revolutionär ist das Startup Otto aus San Francisco, dessen Corporate Design kurioserweise stark an den gleichnamigen deutschen Handelskonzern erinnert.

    Das amerikanische Otto stellt Hard- und Software her, die es Trucks erlaubt, auf dem Highway vollautomatisiert die Spur zu halten. Der Fahrer kann also theoretisch nach hinten in die Kabine gehen und ein Nickerchen halten. Ein Spurwechsel ist möglich, soll aber nur im Ausnahmefall vollzogen werden. In der Innenstadt, wo die Aufgaben anspruchsvoller werden, soll der Mensch wieder das Steuer übernehmen. Auch für das Autobahnland Deutschland ergibt das Konzept prinzipiell Sinn.


  3. Google Maps für Eltern

    Als Sara Mauskopf Mutter wurde, war sie plötzlich mit ganz neuen Alltagsproblemen konfrontiert: Wo wickeln? Wie den Kinderwagen durch die Tür kriegen? Das war die Geburtsstunde von Winnie. Die App zeigt an, welche Restaurants im Umkreis einen Wickelraum haben, wo der nächste Spielplatz oder Park ist, wie kinderfreundlich die nähere Umgebung ist. Es handelt sich also um eine Art Google Maps, vollgepackt mit Informationen für Eltern.

    Die App ist (noch) kostenlos, über zwei Millionen Dollar an Wagniskapital hat sie aber schon eingesammelt. Egal, ob sie langfristig zündet oder floppt: Die Eltern-App ist ein gutes Beispiel dafür, wie man anhand eigener Bedürfnisse eine ganz neue Geschäftsidee entwickelt - und eine Nische anzapft, die in Wahrheit ein Massenmarkt ist.


  4. Baby-Paket

    Eizellen für eine spätere Schwangerschaft einfrieren - das ist längst möglich und durch die mediale Unterstützung von Apple und Facebook in die Schlagzeilen geraten. Prelude Fertility aus Atlanta will die Idee erweitern, bis zur Perfektion bringen.

    Einfrieren von Eiern und Sperma, genetisches Screening auf Krankheiten, künstliche Befruchtung - jeden Schritt von A bis Kind organisiert Prelude mit dem Ziel, Paaren ein gesundes Kind zum Wunschtermin zu ermöglichen. Ein Rundum-Sorglos-Paket, das sich vor allem an besserverdienende 20- bis 30-Jährige richtet, an eine ziemlich attraktive Zielgruppe also.

Geschäftsideen: Die besten Ideen der Welt

Auch in den Vorjahren wurden unzählige Geschäftsideen entwickelt, gefeiert, verworfen. Diese vier halten wir für besonders spannend ...

  1. Hotel Tonight: Buchung ohne Zeitverlust

    hoteltonight

    Kaum eine Branche ist in den letzten zehn Jahren so umgekrempelt worden wie die Weltenbummler-Industrie. Reisebüros sind aus dem Stadtbild weitgehend verschwunden. Dafür wurden im Netz neue Reisepaläste errichtet, Meta-Suchmaschinen für Hotels, Flüge, Fernbusse, Pauschalreisen oder Leihwagen. Für die Macher von Hotel Tonight ist die Auswahl deutlich zu groß, sie wollen die Suche nach der richtigen Unterkunft wieder verschlanken.

    Die Idee funktioniert nach dem Mobile first-, Last-Minute-Prinzip: Dem User wird eine übersichtliche Liste aktueller Hotel-Restposten in der gewünschten Stadt aufs Smartphone geschickt. Wischen, klicken, Hotel buchen - stundenlanges Vergleichen ist wegen der Beschränkung auf Last Minute-Angebote überflüssig. Problem für Hotel Tonight: Größere Mitbewerber springen nach und nach auf den fahrenden Zug auf - und könnten das Startup aus San Francisco ganz schnell wieder vor dem kalifornischen Traumstrand im Meer versenken. Aber: Die Geschäfte laufen erstaunlich gut, der Börsengang scheint unmittelbar bevorzustehen.


  2. Casper: Matratze ohne Schleppen

    Casper

    Das Prinzip von Casper klingt eigentlich zu gut, um kein Traum zu sein: Sie bestellen im Netz per Mausklick eine hochwertige Einheits-Matratze, die von ehemaligen NASA-Entwicklern konzipiert wurde und laut Werbeversprechen "nicht zu hart und nicht zu weich ist". Die Matratze wird in einer handlichen Box direkt zu Ihnen nach Hause gebracht, Sie legen sich für die ersten 100 Nächte drauf und sind hoffentlich zufrieden. Wenn nicht, holt Casper die Schlafunterlage wieder ab, recycelt sie oder führt sie einer Charity-Aktion zu. In dem Fall bekommen Sie Ihr Geld komplett zurück und sind aus der Nummer raus.

    Das Matratzen-Startup verzichtet komplett auf Verkaufsräume und Zwischenhändler, bringt die Produkte direkt aus den US-Fabriken nach Suburbia. Preiskategorie: 500 bis 950 US-Dollar pro Matratze. 2015 räumte Casper bei den Crunchies Awards ab, mittlerweile werden die Matratzen auch in Deutschland werbewirksam verkauft.


  3. Product Hunt: Empfehlung ohne Umwege

    producthunt

    Product Hunt wurde schon 2014 bei den Crunchies zum besten neuen Startup des Jahres gekürt. Die User stellen auf der Plattform nach Gutdünken Produkte vor, werten sie auf oder ab. Je nach Klicks und Popularität wandern die einzelnen Produkte in ihrer Sichtbarkeit rauf oder runter. Besucher profieren also vom Wissen der Community über einzelne Produkte - und kriegen vor allem blitzschnell mit, wenn irgendwo eine neue Super-App oder ein exzellenter Pizzadienst aufgetaucht ist.

    Noch hat die Seite den Anschluss ans Massenpublikum nicht gefunden. Angellist war sie im November 2016 trotzdem einen Kaufpreis von angeblich 20 Millionen Dollar wert.

  4. Shyp: Paket ohne Packen

    Shyp

    Ebayer kennen das: Eigentlich wollen sie doch nur eine ausrangierte DVD verschicken. Prompt fängt das Theater an: Päckchen kaufen, Ware verpacken, Porto drauf, in die Schlange vorm Postamt einreihen, Päckchen verschicken, uffz!

    Shyp will beweisen, dass es auch einfacher geht. Nämlich so: Sie machen mit dem Smartphone ein Foto Ihrer DVD, vom Teddybär oder der sperrigen Gardine. Dann überliefern Sie noch Abholort und Adressat. Shyp holt das Teil ab, verpackt und verschickt es zu den jeweils günstigsten, verlässlichsten Konditionen - wenn Sie wollen, bis ans andere Ende der Welt. Wenn Sie sich das nächste Mal am Samstagvormittag die Löcher in den Bauch stehen, werden Sie sich definitiv nach diesem Service sehnen.

Ihre Geschäftsidee: Darauf kommt es an

Checkliste Fernstudium

  • Geschäftsidee erkennen: Welche Trends gibt es? Welche Nischen? Welche Produkte oder Dienstleistungen werden oder könnten in Zukunft gefragt sein?
  • Geschäftsidee entwickeln: Einen Plan haben. Businessplan schreiben. Mitstreiter an Bord holen. Idee überprüfen und bewerten - und im schlechtesten Fall auch wieder verwerfen.
  • Geschäftsidee schützen: Geheimnisse bewahren, um keine Copycats anzulocken. Marken und Patente prüfen und anmelden. Die Idee so kopiersicher wie möglich machen.
  • Geschäftsidee präsentieren: Investoren überzeugen, Geldgeber anlocken. Kunden durch cleveres Marketing gewinnen. Mitarbeiter motivieren. Sich nach innen und außen als Gewinner präsentieren.
  • Geschäftsidee umsetzen: Den Plan von der Theorie in die Praxis überführen. Hart arbeiten. Kurs halten. Nicht aufgeben.


Die besten Geschäftsideen: Deutschland

Deutschland ist das Land der Autos und Maschinen, nicht das der Snapchats, Googles und Facebooks. Und auch Berlin hat seinen Rang als Startup-Hauptstadt Europas wieder an London verloren.

Dennoch: Vor allem im industriellen Umfeld, im technisch-tüftlerischen Bereich kommen weiterhin viele brillante Ideen aus dem Land der Ingenieure. Hier eine kurze Übersicht der Finalisten des Deutschen Gründerpreises 2016. Acht Geschäftsideen aus Deutschland ...

  • Intelligente Sensoren

    Sensorsysteme, die frühzeitig erkennen, wenn Autoteile und Maschinen verschleißen oder Brücken marode werden. Die Gründer von iNDTACT aus Würzburg bewerben ihre Produkte als "Bauteile, die fühlen". Bedarf gibt es unter anderem in der Autombilindustrie und im Maschinenbau.

  • Profi-Mäuse

    Roccat aus Hamburg stellt individuell konfigurierbare Computermäuse, Tastaturen und Kopfhörer her. Profi- wie Freizeit-Gamer sollen begeistert sein. Auch ist die Gaming-Industrie - Stand jetzt - ein Markt mit atemberaubender Perspektive.

  • Intelligenter Arbeitshandschuh

    Ein Wearable als Arbeitsmittel. Der intelligente Arbeitshandschuh von ProGlove verfügt über integrierte Sensoren, kann Bauteile vor dem Einsetzen einscannen und so den gesamten Arbeitsschritt auf Korrektheit überprüfen.

  • Möbel-Konfigurator

    Ein 3D-Konfigurator, mit dem man sich im Netz - bezahlbare - Möbel individuell zusammenstellt. Ein Tischler in der Region baut das Stück zusammen, das Stecksystem von Okinlab aus Saarbrücken macht es möglich.

  • Faire Limonade

    Gutes tun und Leckeres trinken - Bio-Limonade-Brauer Lemonaid spendet nach eigenen Angaben fünf Cent pro Flasche an Hilfsprojekte in Erzeugerländern. Besonders originell oder neu ist die Geschäftsidee ehrlich gesagt nicht. Aber die Umsetzung ist anspruchsvoll, Vertrieb und Marketing müssen stimmen.

  • Virtueller OP-Assistent

    Scopis aus Berlin setzt auf Augmented-Reality-Technologie für Chirurgen. Minimalinvasive OPs sollen so noch präziser und sicherer werden. Ein Beispiel für die wachsende Bedeutung der Medizintechnik.

  • Dünge-Lolly

    Ein vierschichtiges Düngekorn entwickelten vier Schüler aus Würselen. Das Korn löst sich langsam auf - wie ein Lolly - und gibt alle Nährstoffe zum richtigen Zeitpunkt an die Pflanzen ab.

  • Online-Studium

    Noch lässt die digitale Hochschul-Revolution auf sich warten. Einen Schritt in diese Richtung geht das Startup Kiron aus Berlin, das (vorerst nur) Flüchtlingen ein Online-only-Studium ermöglicht. Daran schließt sich eine Präsenzphase an einer Partner-Uni an - möglichst bis zum Abschlusszeugnis.

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[Bildnachweise: Ruslan Grumble by shutterstock.com, Screenshot Hotel Tonight, Casper, Screenshot Product Hunt, Theranos, Screenshot Shyp]

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