Bootstrapping: Gründen aus eigener Tasche

Mit der Gründung einer eigenen Firma sind gerade am Anfang einige Kosten verbunden. Investitionen in unterschiedlichen Bereichen sind nötig, um den Betrieb erst einmal anlaufen zu lassen. Werbung, Produktion, Personal, Material – für alles müssen Gründer in Vorkasse gehen, bevor erste Einnahmen erzielt werden können. Viele greifen deshalb auf Kredite oder andere externe Finanzierungshilfen zurück. Beim Bootstrapping wird jedoch die gesamte Finanzierung eines Startups aus eigenen Finanzmitteln gestaltet. Damit das funktioniert, müssen Gründer einige Prinzipien beachten. Was es mit dem Bootstrapping auf sich hat, wie es funktioniert und welche Vorteile es für Unternehmen haben kann, mit geringen finanziellen Mitteln zu starten…

Bootstrapping: Gründen aus eigener Tasche

Bootstrapping Definition: Gründen ohne externe Finanzierung

Bootstrapping Definition Finanzierung Startup Deutsch Gründer GründenDer Begriff des Bootstrapping (synonym dazu werden auch Bootstrappen oder einfach Bootstrap verwendet) kommt aus dem amerikanischen Sprachgebrauch und bedeutet wörtlich Stiefelriemen oder auch Schnürsenkel. In diesem Zusammenhang geht es jedoch weniger um die Schnürsenkel selbst, als um eine Redewendung aus dem englischsprachigen Raum. Pull yourself up by your bootstraps oder auch Pull yourself over a fence by your bootstraps heißt soviel wie sich selbst an den Schnürsenkeln nach oben ziehen.

Im Deutschen wird dafür gerade die Geschichte des Lügenbarons von Münchhausen verwendet, der sich am eigenen Schopf aus einem Sumpf nach oben gezogen hat. Beide Metaphern beschreiben treffend, worum es beim Bootstrapping geht: Ohne finanzielle Hilfe von außen und nur mit eigenen Mitteln die Gründung eines Unternehmens stemmen.

Beim Bootstrapping werden keine Kredite oder Finanzierungshilfen von außen aufgenommen. Das führt dazu, dass die Gründung mit einem vergleichsweise sehr kleinen Budget erfolgt, da nicht mehrere zigtausend Euro von der Bank kommen und in das Projekt investiert werden. Das Bootstrapping wird nicht aus der Not heraus verfolgt, weil keine finanziellen Mittel von außen zur Verfügung stehen oder in Anspruch genommen werden. Vielmehr handelt es sich meist um eine gezielte Entscheidung, etwa um die eigene Selbstständigkeit zu bewahren und sich nicht von Finanzgebern in Entscheidungen beeinflussen lassen zu müssen.

So kann Bootstrapping funktionieren

Ganz ohne zusätzliches Geld gründen? Das scheint auf den ersten Blick fast unmöglich. Schließlich müssen gerade zu Beginn einige Ausgaben getätigt werden, noch bevor überhaupt Umsätze und Gewinne erwirtschaftet werden können. Wer beispielsweise ein Produkt verkaufen möchte, muss dieses erst einmal vollständig entwickeln und produzieren, bevor erste Kunden dafür bezahlen.

Eine wichtige Voraussetzung für das Bootstrapping ist es daher, dass Gründer über ein gewisses Eigenkapital verfügen. Zu beachten ist dabei auch, dass nicht nur die unternehmerischen Kosten, sondern gleichzeitig die fortlaufenden privaten Ausgaben gedeckt werden müssen.

Das Budget beim Bootstrapping ist damit deutlich kleiner, als in anderen Gründungssituationen, in denen auf Fremdkapital zurückgegriffen wird. Damit es trotzdem funktioniert, das eigene kleine Unternehmen erfolgreich wird und es trotz knappem finanziellen Rahmen klappt, müssen einige Prinzipien beachtet werden:

  • Schneller Einstieg in das operative Geschäft

    Wer ein sehr eng bemessenes Budget hat, kann nicht ewig lange warten, planen und vorbereiten, sondern muss möglichst schnell in das operative Geschäft einsteigen. Gemeint ist damit das Kerngeschäft, mit dem Sie Umsätze erzielen. Wollen Sie etwas verkaufen, müssen Sie dies möglichst schnell tun, damit Geld ins Unternehmen fließen kann. Nebengeschäfte, die eher zweitrangig sind und das strategische Geschäft sollten am Anfang nur von sehr geringer Priorität sein.

  • Schnelles Erreichen des Break-Even-Points

    Ein Kernziel des Bootstrapping muss es sein, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt den sogenannten Break-Even-Point zu erreichen. Das ist der Punkt der sogenannten Gewinnschwelle, an dem Kosten und Erlöse gleich hoch sind – es gibt somit weder Verlust noch Gewinn. In der weiteren Entwicklung eines Unternehmens ist nach dem Erreichen des Break-Even-Points mit Gewinnen zu rechnen und Sie fangen an, wirklich Geld zu verdienen.

  • Schnelles Wachstum ist mit Vorsicht zu genießen

    Erst einmal scheint es toll zu sein, wenn ein noch junges Unternehmen vor großen Wachstumschancen steht. Positive Aufnahme des eigenen Angebots und riesige Nachfrage bieten großes Potenzial. Durch das knappe Budget beim Bootstrapping sollte das Wachstum jedoch lieber etwas langsamer angegangen werden, da auch die Kosten schnell ansteigen und außer Kontrolle geraten können.

  • Clevere Investitionsentscheidungen treffen

    Bootstrapping kann nur funktionieren, wenn Ausgaben möglichst minimiert und Einnahmen auf der anderen Seite maximiert werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass gar nicht investiert wird. Viel wichtiger ist es, die richtigen Investitionen zu tätigen und das vorhandene Geld an den richtigen Stellen einzusetzen, um den maximalen Nutzen zu erzielen.

  • Breite Einsatzgebiete der Gründer

    Um das Bootstrapping erfolgreich umzusetzen, ist es hilfreich, wenn Gründer in vielen Bereichen selbst tätig werden und unterschiedliche Aufgaben im Betrieb tragen. Gerade den Vertrieb sollten die Gründungsmitglieder möglichst selbst übernehmen.

  • Aufmerksame Entscheidungen in der Personalpolitik

    Auch beim Bootstrapping werden Sie irgendwann Mitarbeiter benötigen. Hier empfiehlt es sich, auf junge Talente zu setzen. Erfahrene Experten bringen natürlich viel Wissen mit, sind aber mit den geringen finanziellen Mitteln kaum zu bezahlen. Top Talente hingegen verfügen bei geringeren Gehaltsvorstellungen ebenfalls über das nötige Know How und können sich langfristig mit dem Unternehmen weiterentwickeln.

Bootstrapping: Vorteile und Risiken

Der größte Vorteil des Bootstrapping besteht darin, dass ein Unternehmen nicht von Anfang an verschuldet ist. So müssen nicht über Jahre teils immense Summen an Banken zurückgezahlt werden. Außerdem bedeutet heißt Bootstrapping nicht zwangsläufig, dass auch in der Zukunft auf Fremdkapital verzichtet werden muss. So kann beispielsweise mit einer Bank oder einem anderen Finanzgeber zusammengearbeitet werden, um schnelleres Wachstum zu finanzieren oder größere Investitionen zu tätigen.

Umso besser, wenn Ihr Unternehmen dann schuldenfrei ist und bereits Gewinne abwirft – eine bessere Ausgangslage für eine erfolgreiche Kreditaufnahme auch im großen Rahmen können Sie kaum haben.

Oftmals profitieren Bootstrapping-Gründer auch davon, dass keine Anteile abgegeben werden müssen, wie es beispielsweise bei Investoren der Fall ist. Das bedeutet, dass keine Außenstehenden bei Entscheidungen berücksichtigt werden müssen und natürlich auch, dass erzielte Gewinne vollständig in den eigenen Taschen bleiben.

Zudem können auch Gründer beim Bootstrapping wichtige Aspekte lernen. Sie müssen sich von Anfang an auf das Wesentliche konzentrieren, smarte finanzielle Entscheidungen treffen und gleichzeitig mit sehr knappen Ressourcen sparsam, aber gleichzeitig effektiv und gewinnbringend, umgehen. Auch ist großer Einsatz der Gründer erforderlich, die durch eigenes Engagement das knappe Budget ausgleichen müssen.

Auf der anderen Seite hat das Bootstrapping aber auch ein paar Risiken, auf die Sie sich einlassen. Es handelt sich um Ihr eigenes Kapital, das Sie aufs Spiel setzen. Bleibt der erhoffte Erfolg aus, bleiben Sie allein auf den Kosten sitzen. Letztlich kann es auch ein Nachteil und Risiko sein, keine Unterstützung – etwa durch einen erfahrenen Investor und Branchenkenner – zu haben. Das Wissen könnte gerade in schwierigen Zeiten sehr nützlich sein.

[Bildnachweis: PORTRAIT IMAGES ASIA BY NONWARIT by Shutterstock.com]>
18. Juli 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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