Factoring: Gekaufter Schutz vor Zahlungsausfällen

Ausstehende Zahlungen eines Kunden können gerade für kleine Unternehmen einen Risikofaktor darstellen. Wer nicht über die notwendige Liquidität verfügt, hat einen geringeren finanziellen Handlungsspielraum. Darüber hinaus können bereits wenige Zahlungsausfälle ein Unternehmen an den Rand der Insolvenz bringen. Um dieses Risiko zu minimieren, gibt es Factoring. Dieses bereits seit Jahrhunderten bekannte Prinzip kann vor allem bei einer Firmengründung eine Erleichterung darstellen, denn es gibt Sicherheit vor Zahlungsausfällen und ermöglicht so unternehmerisches Wachstum…

Factoring: Gekaufter Schutz vor Zahlungsausfällen

Factoring Definition: Was ist das und wie funktioniert es?

Definition Erklärung Unternehmen Finanzierung Bank Beispiel BedeutungFactoring bezeichnet den Verkauf beziehungsweise Kauf von Geldforderungen eines Unternehmens an einen Kunden durch eine Factoring-Gesellschaft, auch Factor genannt.

Für gewöhnlich findet Factoring nur bei gewerblichen Kunden statt, also Abnehmer beziehungsweise Debitoren. Forderungen an Verbraucher kaufen Factor nicht auf.

Der Ablauf sieht folgendermaßen aus:

Ein Unternehmen hat offene Forderungen und verkauft diese an einen Factoring-Dienstleister. Im Gegenzug erhält das Unternehmen innerhalb kurzer Zeit (meist binnen 24 bis 48 Stunden) unter Abzug von Factoring-Zinsen und einer Factoring-Gebühr den Großteil der Forderungen ausbezahlt.

So kann die Liquidität des Unternehmens kurzfristig gesichert werden. Der Factor kümmert sich dann um den Rest und verdient an Zinsen und der Gebühr. Diese Übertragung von Geldforderungen wird als Abtretung bezeichnet, es kommt somit zum Gläubigerwechsel.

Diese Abtretung kann ohne Wissen des Abnehmers vonstatten gehen. Sofern kein Abtretungsverbot besteht, kann jede Geldforderung abgetreten werden. Dabei gibt es verschiedene Formen des Factoring:

  • Echtes Factoring: Diese Form beinhaltet den Ausfallschutz des Factoring-Kunden durch den Factor, falls der Abnehmer nicht zahlt. Der Factor übernimmt hier das sogenannte Delkredererisiko, es handelt sich also um einen Rundumschutz. Beim Standardfactoring wird vom Factor die Finanzierungs-, Dienstleistungs- und Delkrederefunktion übernommen.
  • Unechtes Factoring: Von unrechtem Factoring hingegen ist die Rede, wenn der Factoring-Kunde haftet, falls der Schuldner den Forderungen nicht nachkommt. Wird ein Vertrag zuvor derart gestaltet, liegt das Hauptaugenmerk auf der Kreditgewährung.

Factoring Beispiel: Abwälzen des Risikos

Angenommen, ein Catering-Service beliefert ein Unternehmen, das eine große Weihnachtsfeier ausrichtet. Die Kosten für diese Veranstaltung belaufen sich auf 12.500 Euro. Der Catering Service benötigt sofort Geld, um Lieferanten und Köche bezahlen zu können.

Er verkauft seine offenen Forderungen für diese Dienstleistung und Waren an einen Factor. Der Catering Service wird somit zum Factoring-Kunden. Bei der Bonitätsprüfung prüft der Factor seinerseits die Kreditwürdigkeit des Abnehmers, das ist das Unternehmen, welches die Weihnachtsfeier ausgerichtet hat.

Anschließend zahlt der Factor üblicherweise zwischen 80 und 90 Prozent sofort. Das restliche Geld erhält der Factoring-Kunde vom Factor, wenn der Abnehmer die Forderungen beglichen hat. Die Gebühr für das Factoring hängt unter anderem vom Jahresumsatz ab; die Zinsen fallen auf die Bevorschussung des Factors an und können unterschiedlich hoch ausfallen.

„Die Höhe der Gebühren und des Zinses richtet sich nach dem Umsatz und der Risikobewertung des Betriebs sowie nach der Höhe der offenen Forderungen. Auch die Anzahl der vom Factor zu bearbeitenden Rechnungen kann bei der Gebührenhöhe eine Rolle spielen“, weiß René Behringer, Factoring Experte für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU).

Rechnung

Der Catering Service erhält 80 Prozent des Forderungsgegenwertes, macht 10.000 Euro. Die Laufzeit der Forderungen beträgt vier Monate, die Factoring-Zinsen 5 Prozent, die Factoring-Gebühr 0,5 Prozent. Die Laufzeit beträgt bei Inlandsforderungen für gewöhnlich vier Monate, bei Auslandsforderungen kann sie bis zu fünf Monate betragen.

  • Zinsen: 10.000 x 0,05 x 4 Monate / 12 Monate = 166,67 Euro
  • Gebühr: 12.500 x 0,005 = 62,50 Euro

Die Factoring-Kosten betragen insgesamt 229,17 Euro, die von den 10.000 Euro abgezogen werden; das heißt, der Factoring-Kunde erhält 9.770,83 Euro.

Für den Abnehmer ändert sich außer der Rechnungsadresse nichts.

Factoring-Vorteile für Unternehmen

  • Unmittelbare Liquidität

    Bis zu 90 Prozent der Bruttorechnungssumme werden sofort beglichen, so dass Liquiditätsengpässen vorgebeugt werden kann. Das gibt gerade kleinen Unternehmen einen größeren Handlungsspielraum, da offene Forderungen kein Hindernis mehr für künftige Investitionen darstellen. Der Liquiditätszufluss garantiert die Stabilität des Unternehmens. Rechnungen von Lieferanten und die Gehälter der Mitarbeiter können pünktlich bezahlt werden.

  • Verbesserte Finanzplanung

    Der Liquiditätszufluss ermöglicht einem Unternehmen, aus eigener Kraft Investitionen zu tätigen. Es müssen keine zusätzlichen Kredite aufgenommen werden, somit steigt die Unabhängigkeit von Banken. Das trägt wiederum zur eigenen Kreditwürdigkeit bei.

  • Stärkeres Wachstum

    Die Kombination aus stetiger Liquidität und der Übernahme von Forderungsausfällen durch den Factoring-Dienstleister sind gerade für Existenzgründer gute Voraussetzungen für ein starkes Wachstum. Der Factoring-Anbieter trägt dabei das Risiko, während der Factoring-Kunde vom Schutz vor Zahlungsausfällen profitiert.

  • Buchhalterische Entlastung

    Der Factoring-Kunde kann sich komplett auf sein Unternehmen konzentrieren, da der Factor die Debitorenbuchhaltung und das Mahnwesen übernimmt. Unternehmen können so wertvolle Zeit einsparen, die anderenfalls für Verwaltungsaufgaben aufgewandt werden müsste.

  • Besseres Rating

    Durch dieses Vorgehen bleibt für den Factoring-Kunden in der Bilanz seines Unternehmens lediglich ein nicht bevorschusster Restbetrag von zehn Prozent als offene Forderung stehen. Das führt dazu, dass die Bilanzsumme sinkt, während gleichzeitig die Eigenkapitalquote steigt. Dies führt zu einem besseren Rating, so dass im Falle größerer Investitionen Banken dringend benötigten Krediten eher zustimmen.

Factoring Bedeutung: Reibungslose Abläufe für Unternehmen

Die Bedeutung von Factoring ist gerade für Existenzgründer und kleine beziehungsweise mittelständische Unternehmen groß. Liquidität ist der Motor eines jeden Unternehmens, denn sie bedeutet, Verbindlichkeiten gegenüber Dritten jederzeit fristgerecht begleichen zu können.

Das heißt, allein das Guthaben auf dem Konto entscheidet darüber, ob Verpflichtungen gegenüber dem Finanzamt, Banken und Sozialkassen erfüllt werden können. Ist ein Unternehmen nicht ausreichend liquide, droht die Insolvenz.

Gefahren für die Liquidität eines Unternehmens:

  • starkes Umsatzwachstum
  • verzögerte Zahlungseingänge und Forderungsausfälle
  • nicht kalkulierte Steuernachzahlungen und Steuervorauszahlungen
  • zu hohe Privatentnahmen

Mithilfe von Factoring kann insbesondere verzögerten Zahlungseingängen und Forderungsausfällen entgegengewirkt werden. Kommen gut kalkulierte Finanzen und mäßige Privatentnahmen hinzu, sinkt das Risiko einer Insolvenz erheblich.

Schutz vor Zahlungsausfällen: Verschiedene Möglichkeiten

Der Schutz vor Zahlungsausfällen ist besonders für kleine und mittelständische Unternehmen ein wichtiges Thema, da unbeglichene Geldforderungen eine Bedrohung der Existenz bedeuten. Um dieses Risiko zu minimieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Auch wenn es keine hundertprozentige Garantie geben kann, sollten Unternehmen zuvor gründlich recherchieren, mit wem sie Geschäfte treiben.

Folgende Möglichkeiten bieten sich an:

  • Handelsregister

    Umfangreiche Daten über Gewerbetreibende erhalten Unternehmer beispielsweise durch die Register der Handwerkskammern wie auch aus dem Handelsregister. Die Einsicht in das Handelsregister ist darüber hinaus kostenfrei. Allerdings sind nicht alle Gewerbetreibenden in diesem Register verzeichnet.

  • Firmendatenbank

    Eine kostenpflichtige Alternative liefert die Bisnode-Firmendatenbank. Ehemals in gedruckter Form auch als „Hoppenstedt“ bekannt, ist über diesen Service die Recherche bequem über das Internet möglich.

  • Einzelauskunft

    Darüber hinaus kann auf Antrag eine Einzelauskunft aus dem Schuldnerverzeichnis beim Amtsgericht beantragt werden, wenn ein Unternehmer darlegen kann, dass er oder sie wirtschaftliche Nachteile abwenden will, wenn ein Schuldner seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachkommt.

  • Selbstauskunft

    Alternativ könne ein Unternehmen seinen Geschäftspartner bitten, ihm eine Selbstauskunft der Schutzgemeinschaft für Allgemeine Kreditsicherung (Schufa) vorzulegen.

Nicht jeder Unternehmer wird darauf eingehen und sich womöglich zurückziehen. Deshalb ist bei dieser Methode Vorsicht geboten, um den Geschäftspartner nicht zu verärgern. Der Tipp ist daher, bei neuen Geschäftspartnern eine Vereinbarung zur Vorkasse abzuschließen.

Die Lieferung der Ware beziehungsweise der Dienstleistung erfolgt erst dann, wenn der Geschäftspartner die Rechnung beglichen hat.

Unterschied zum Inkassounternehmen

Geht es um Geldforderungen oder offene Rechnungen, tauchen Begriffe wie Factoring und Inkasso oftmals gleichzeitig auf und werden synonym verwendet. Es besteht allerdings ein Unterschied, wenngleich beide Maßnahmen für ein Unternehmen eine Verbesserung der Liquidität bedeuten.

Während ein Factor unmittelbar nach Erstellen der Rechnung beauftragt werden kann, wird ein Inkassounternehmen erst tätig, wenn bereits begründete Forderungen fällig sind. Das ist vor allem dann der Fall, wenn ein Schuldner seinerseits nicht liquide ist oder eine schlechte Zahlungsmoral hat.

Ein weiterer Unterschied ist, dass das Inkassounternehmen zwar im Auftrag des Gläubigers handelt und über entsprechende Vollmachten verfügt. Jedoch übernimmt das Inkassounternehmen nicht das Risiko für den Fall, dass der Schuldner die Forderungen nicht begleichen kann.

Der Gläubiger bleibt also zu jedem Zeitpunkt das Unternehmen, das offene Forderungen hat. Das Unternehmen kann beim Schuldner die Kosten für das Inkassounternehmen und weitere wie etwa Gerichtskosten oder Auslagen geltend machen. Ist der Schuldner jedoch zahlungsunfähig, fallen am Ende sämtliche Kosten auf das Unternehmen.

[Bildnachweis: Rostislav_Sedlacek by Shutterstock.com]
7. November 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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