Wenn König Kunde zum Tyrannen mutiert

Meistens ist der Kunde König. Manchmal ist er aber auch nur ein völlig durchgeknallter, nervtötender, zeitraubender Tyrann. Solche Kunden (oder Klienten) blockieren wertvolle Ressourcen und treiben Mitarbeiter wie Chefs in den Wahnsinn – oder in die Kündigung. In diesem Fall gibt es nur eine sinnvolle Lösung: Verzichten Sie auf den Umsatz und trennen Sie sich von solchen Kunden. Schnell! Wir sagen auch wie…

Wenn König Kunde zum Tyrannen mutiert

Tyrann Kunde: Die schlimmsten Typen

Die klassischen Typen solcher Akquiseunfälle sind:

  • Der Durchblicker.

    Dieser Typ beherrscht die Alle-sind-doof-außer-mir-Attitüde aus dem Effeff. Natürlich weiß er auch, wie Sie Ihren Job zu machen haben oder wie Ihr Unternehmen endlich besser würde. Vermutlich, weil er dazu zwei Zeitungsartikel und ein Buch gelesen hat. Was er hingegen nicht mitbekommt, sind Ihre Erfahrung und Expertise, für die er Sie eigentlich bezahlt. Keine Frage: Der Typ nervt kolossal.

  • Der Reklamierer.

    Egal, ob Sie eher liefern als vereinbart, besser oder billiger – der Typ ist nie zufrieden. Irgendeinen Makel findet er immer. Und den wird er Ihnen auch umgehend mitteilen. Mindestens. Meist zieht er ihn auch gleich von der Rechnung ab.

  • Der Nimmersatt.

    Reichen Sie ihm den kleinen Finger, zerrt er schon am Schultergelenk. Dieser Typ versucht immer noch mehr herauszuschlagen. Schamgrenzen kennt er nicht. Fairness auch nicht. Was zählt, ist allein sein maximaler Vorteil.

  • Der Zeitfresser.

    Zuhören ist seine Stärke nicht. Während der Verhandlungen lauscht er allenfalls mit einem Ohr Ihren Einschränkungen und Erläuterungen zum Lieferumfang. Dafür bombardiert er Sie später mit gefühlten 1000 Rückfragen – natürlich nie ohne Sie gleichzeitig darauf hinzuweisen, wie viel er Ihnen dafür eigentlich bezahlt.

  • Der Terrorist.

    Erst fragt er Sie nach Ihrer Privatnummer – nur für Notfälle! Dann ruft er Sie an: an Wochenenden, spät abends, früh morgens, … stets für Kleinigkeiten, die aber keinen Aufschub dulden. Selbstverständlich erwartet er prompten Service ohne Aufpreis.

Ob diese Nervensägen nun in Reinform vorkommen oder als Mix aus mehreren Typen – Sie sollten sich so schnell wie möglich von Ihnen trennen. Sie bringen nur selten den großen Umsatz, belasten aber das Unternehmen über Gebühr.

Folgende Trennungsoptionen stehen Ihnen dabei zur Auswahl. Je mehr Sie davon umsetzen, desto besser:

  1. Trennen Sie sich schriftlich.

    Das lässt sich am besten steuern, vermeidet Missverständnisse und hält die Emotionen klein.

  2. Seien Sie ehrlich, aber nicht zu ehrlich.

    Bleiben Sie unbedingt professionell und höflich. Sagen Sie ihm nett, dass Sie sich eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr vorstellen können. Oder dass Ihr Unternehmen sich künftig anders orientieren möchte. Lassen Sie sich aber nicht dazu hinreißen, dem Klienten zu sagen, was für eine Pfeife er ist. Das hört er sowieso nicht. Aber es schürt Emotionen. Machen Sie hinterher im Büro lieber eine Flasche Schampus auf.

  3. Bieten Sie Alternativen.

    Setzen Sie den Kunden nicht einfach vor die Tür. Gut, er hat Sie schäbig behandelt. Aber müssen Sie sich gleich auf sein Niveau begeben? Empfehlen Sie ihm doch einen alternativen Dienstleister – womöglich Ihren ärgsten Widersacher. So schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe.

  4. Achten Sie darauf, dass alle Rechnungen bezahlt sind.

    Bevor Sie mit einem ungemütlichen Klienten Schluss machen, sollten Sie offene Rechnungen begleichen lassen. Sie ersparen sich so eine Menge Ärger bei der Abwicklung hinterher. Verschmähte Nervensägen haben die Angewohnheit, säumig zu zahlen.

  5. Bleiben Sie nichts schuldig.

    Umgekehrt gilt das freilich genauso: Nehmen Sie dem anderen jeglichen Wind aus den Segeln, indem Sie sich durchweg korrekt und professsionell verhalten. Alles andere könnte er nutzen, um Ihren Ruf zu schädigen.

  6. Wenn nichts hilft: Erhöhen Sie die Preise.

    Und zwar saftig. Wenn der Typ schon nicht von Ihnen lassen will, dann kassieren Sie eben ab sofort eine Schmerzzulage. Bilanzieren Sie nüchtern, was Sie der Typ tatsächlich kostet und lassen Sie ihn das bezahlen. Zieht er dann immer noch nicht Leine, ist Ihre Bilanz wenigstens ausgeglichen.

[Bildnachweis: ESB Professional by Shutterstock.com]
23. Januar 2008 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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