Freelancer: Tipps für freie Selbstständige
Selbstbestimmtes Arbeiten mit Wahl- und Wunschkunden, freie Zeiteinteilung und Unabhängigkeit von Unternehmen und Vorgaben - so oder so ähnlich stellen sich viele die Arbeit als Freelancer vor. Da ist es wenig überraschend, dass Freiberufler sowohl von Angestellten als auch von Unternehmern oft um ihre Freiheit beneidet werden. Doch Freelancer wissen, dass die Freiheit mit dem Preis einiger Herausforderungen und Unsicherheit einhergeht, die angehende Freelancer nicht sehen oder zu wenig Bedeutung bei messen. Daher widmen wir uns heute den wichtigsten Aspekten und Tipps für Freelancer...

Freelancer Definition: Wann und für wen lohnt sich die Selbstständigkeit?

Freelancer Definition Tipps Freiberufler SelbstständigFreelancer sind nicht direkt bei einem Unternehmen als Arbeitnehmer angestellt, sondern erhalten Arbeitsaufträge von verschiedenen Unternehmen oder Auftraggebern. Eine genauere Beschreibung, welche Berufe in den Bereich der Freelancer (deutsch: Freiberufler) fallen, liefert das Gesetz in § 18 Absatz 1 des Einkommensteuergesetz.

Hier heißt es:

Zu der freiberuflichen Tätigkeit gehören die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische, unterrichtende oder erzieherische Tätigkeit, die selbständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Rechtsanwälte, Notare, Patentanwälte, Vermessungsingenieure, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer, Steuerbevollmächtigten, Heilpraktiker, Dentisten, Krankengymnasten, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer, Lotsen und ähnlicher Berufe.

Das hohe Interesse an der selbstständigen Arbeit als Freelancer spiegelt sich auch in der kontinuierlichen wachsenden Zahl der freien Selbstständigen in Deutschland wieder. Zwar stellen Sie im Vergleich zu Angestellten immer noch eine deutliche Minderheit dar. Doch das ist zumindest teilweise auch durch die Zählweise vieler Statistiken und Umfragen bedingt.

Diese erfassen oft nur Freelancer, die komplett selbstständig arbeiten und in keiner Weise angestellt sind. Genau dieses Modell - in Teilzeit angestellt, die restliche Zeit als Freelancer aktiv - erfreut sich jedoch großer Beliebtheit und stellt für viele angehende Freelancer den optimalen Übergang in den Freiberuf dar. Jochen Mai hat Sascha Lobo dazu bereits im Jahr 2012 interviewt. Seine Aussagen sind heute so aktuell wie damals.

Ein Risiko für Freelancer wird im Video jedoch bereits angesprochen: Die Gefahr der Selbstausbeutung. Der geflügelte Spruch: Selbstständigkeit heißt selbst und ständig arbeiten ist leider längst nicht immer scherzhaft oder ironisch gemeint.

Wenn Sie als Arbeitnehmer, Student, Absolvent oder Berufseinsteiger die Arbeit als Freelancer mit viel Selbstbestimmung und Flexibilität reizt, habe wir einige Fragen und Punkte zusammengestellt, die Ihnen bei der Entscheidung und Vorbereitung helfen können:

  • Antrieb und Motivation

    Wissen Sie, warum Sie als Freiberufler arbeiten wollen? Reizt Sie wirklich die selbstständige Arbeit oder wollen Sie nur Ihrem aktuell langweiligen Job entkommen? Ist Letzteres der Fall, wird die Motivation vermutlich nicht tragfähig und schon gar nicht langfristig ausreichend sein. Sie sollten Ihren Grund und Antrieb für die Arbeit als Freelancer vor dem Start kennen.

  • Gewerbe oder Freiberufler

    Eine der wichtigen Fragen vor der Selbstständigkeit lautet: Müssen Sie ein Gewerbe anmelden oder können Sie Ihre Arbeit als Freiberufler durchführen? Um diese Frage zu klären, sollten Sie sich vor Ihrem Start an Ihr zuständiges Finanzamt wenden und die entsprechenden Unterlagen ausfüllen. Im Anschluss erhalten Sie dann die Rückmeldung, in welcher Form Sie aktiv werden können.

  • Netzwerk und Kontakte

    Qualifikationen und Fähigkeiten sind wichtig, doch ohne die richtigen Kontakte und ein gut ausgebautes Netzwerk wird Ihnen vor allem eines fehlen: die Kunden. Denn diese finden nicht auf mysteriösen Wegen plötzlich zu Ihnen, sondern müssen aktiv angesprochen werden oder Sie bereits aufgrund Ihrer Reputation kennen. Diese Voraussetzungen können und sollten Sie ebenfalls vor und während Ihres Starts schaffen.

  • Dienstleistungen und Produkt

    Ihre Dienstleistungen und Produkten sollten Sie klar und eindeutig benennen können. Vermeiden Sie dabei den Fehler, sich mit der Konkurrenz zu vergleichen. Wer sich auf seiner Homepage beispielsweise ständig mit anderen Freelancern vergleicht, wirkt dadurch unsicher und kann kein eigenes Profil entwickeln. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf Ihre Stärken und Ihre Alleinstellungsmerkmale. Wenn Sie wissen und vertreten können, was Sie auszeichnet, können Sie auch Kunden davon überzeugen.

Freelancer: Mit Zeitmanagement zu mehr Erfolg

Freelancer Definition Deutschland IT Extratipp19 Uhr ist längst vorbei, so langsam werden Sie müde, doch ein Ende der Arbeit ist noch nicht in Sicht. Der Gedanke an Feierabend wird von drohenden Deadlines und Abgabeterminen verdrängt, Sie fühlen sich gestresst. Diese Szenario dürfte fast jeder Freelancer in der einen oder anderen Art und Weise bereits erlebt haben.

Ein allgemein gültiges und 100-prozentig wirksames Gegenmittel gegen zu viel Arbeit - die für Freelancer ja auch ihre guten Seiten hat - gibt es zwar nicht, ein gutes Zeit- und Selbstmanagement kann jedoch helfen, die Arbeitsflut einzudämmen und effizient zu bearbeiten. Beim Selbstmanagement geht es im Kern darum, bessere Entscheidungen zu treffen. Konkret drückt sich das aus, in dem Sie...

  • ... sich selbst besser organisieren können.
  • ... sich schon morgens einen Überblick verschaffen.
  • ... Ihre Aufgaben planen.
  • ... besser und leicht priorisieren können.
  • ... den ganzen Tag über motiviert und fit bleiben.

Ein hehres Ziel, dass sich nur durch passende Methoden und Strategien erreichen lässt. Die nötigen Voraussetzungen können Sie durch eine ansprechende und motivierende Arbeitsumgebung, regelmäßige Bewerbung und Pausen sowie klare Ziele und - idealerweise - feste Arbeitszeiten schaffen.

Bei Ihrer Arbeitsgestaltung lohnt es sich zudem, Ihren Biorhythmus und Ihre individuelle Leistungskurve zu berücksichtigen. So können Sie Ihr volles Potenzial abrufen und entfalten.

Freelancer werden: So gelingt der Start für Freelancer

Haben Sie sich nach Abwägung aller Fragen und Faktoren für den Start in die Arbeit als Freelancer entschieden, sollten Sie mit Elan und Motivation an die Sache herangehen, dass Ganze aber natürlich strukturiert und strategisch umsetzen. Damit Ihnen der Start gelingt - und Sie häufige Fehler vermeiden - haben wir im Folgenden neun bewährte Tipps zusammengetragen.

Welche Sie wie umsetzen und welche am besten zu Ihrer Situation passen, müssen Sie selbst entscheiden. Das macht auch gleich einen wichtigen Grundsatz deutlich: Natürlich können und sollten Sie als Freelancer von anderen lernen. Doch das Kopieren anderer Modelle oder die buchstabengetreue Nachahmung werden in der Regel schief gehen. Trauen Sie sich, Ihren eigenen Weg zu gehen.

  1. Vorbereitung ist die halbe Miete

    Der Anfang ist alles andere als einfach. Daher sollten Sie im Vorfeld alles so gut wie möglich vorbereiten. Egal ob Arbeitsplatz oder Hilfsmittel, die zum erfolgreichen Arbeiten benötigen. Von jetzt an ist Ihr Haus oder Ihre Wohnung auch Ihr Arbeitsplatz. Organisation und Ordnung sind für produktive Arbeit unverzichtbar.


  2. Präsentieren Sie sich angemessen

    Achten Sie auf die Außenpräsentation Ihres Unternehmens beziehungsweise Ihre Arbeit. Ihr Logo und Ihre Webseite sollten Professionalität ausstrahlen, denn sie sind Ihre Visitenkarte. Qualität zahlt sich aus.


  3. Arbeiten Sie organisiert und legen Sie Ziele fest

    Die Erstellung eines realistischen Zeitplans sollte am Anfang Priorität haben. Kurz-, mittel- und langfristige Ziele helfen, strukturiert und effizient zu arbeiten. Zudem hält jeder gesetzte Haken auf der To-Do Liste Ihren Enthusiasmus und Ihre Motivation hoch.


  4. Halten Sie sich an Arbeitszeiten, die zu Ihren Kunden passen

    Freelancer können sich ihre Zeit frei einteilen… denkt man. Da aber die meisten Kunden traditionellen Arbeitszeiten folgen, ist es ratsam, sich als Freelancer soweit wie möglich an den Arbeitszeiten der Kunden zu orientieren. Dadurch ist eine gute Erreichbarkeit und schnelle Reaktionszeit gewährleistet.


  5. Denken Sie langfristig

    Vor allem in der Anfangszeit als Freelancer fokussieren Sie Ihre ganze Konzentration möglicherweise auf ein bestimmtes Projekt. Das ist gut für das Projekt, aber nicht unbedingt für Ihre Zukunft. Schon während der Arbeit an einem Projekt sollten Sie Ihre eigene Arbeit reflektieren, um in Zukunft noch erfolgreicher und besser zu arbeiten.

    Kein Arbeitsfeld ist je stabil. Entwicklungen finden ständig statt. Nur wer auf dem neuesten Stand bleibt, kann auch auf Dauer erfolgreich sein.


  6. Nutzen Sie Social Media und eine eigene Website

    Als Freelancer sollten Sie die vielfältigen Möglichkeiten des Internets nutzen. Soziale Netzwerke bieten Chancen, Ihre Qualitäten und Fähigkeiten bei der Zielgruppe bekannt zu machen. Diese können Sie nutzen, um neue Kontakte zu finden und Ihnen als gute Plattform für Fachfragen dienen.

    Auch sollten Sie eine eigene Homepage nutzen, um Ihr Profil zu schärfen und auffindbar zu sein. Im besten Fall wollen Sie sich in Ihrem Bereich schließlich einen Namen erarbeiten.


  7. Lagern Sie manche Aufgaben aus

    Einen Steuerberater zu engagieren nimmt viel Arbeit ab und schafft einen freien Kopf und Zeit für die wesentlichen Dinge. Stapel von Rechnungen und Forderungen können belastend und ablenkend sein. Warum also nicht abgeben an jemanden, der sich damit wirklich auskennt? Ein Steuerberater kann sich um alle finanziellen Dinge kümmern und hilft Ihnen, sich auf Ihren eigentlichen Job zu konzentrieren.


  8. Lassen Sie sich von Rückschlägen nicht abschrecken

    Konstanz ist der Schlüssel zum Erfolg. Auch wenn Dinge nicht so laufen wie erwartet, sollten Sie als Freelancer nicht den Mut und die Motivation verlieren. Steine auf dem Weg nach oben sind normal. Behalten Sie Ihr Ziel im Blick und gehen Sie Schritt für Schritt darauf zu. So kommen Sie Ihrem Erfolg kontinuierlich näher.

Weiterbildung und Fördergelder für Freelancer

Freelancer Deutschland IT ExtratippKontinuierliche Weiterbildung ist für Freelancer noch wichtiger als für Angestellte, sind sie doch auf ihre Kompetenz und ihre Fachkenntnisse als Existenzgrundlage direkt angewiesen. Leider gibt es in Deutschland nur wenige Förderprogramme, die Freelancer dabei finanziell unterstützen.

Ein bundesweites Programm gibt es jedoch: Die Bildungsprämie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Sie kann eine Weiterbildung mit maximal 500 Euro bezuschussen. Als Voraussetzung gilt, dass das zu versteuernde Jahreseinkommen eine Grenze von 20.000 Euro bei Alleinstehenden und 40.000 Euro bei Ehepaaren nicht übersteigt.

Außerdem müssen die Kurse fachliche Fähigkeiten oder Kenntnisse, die für die aktuelle Tätigkeit und deren Erweiterung essenziell sind, vermitteln. Nähere Informationen zur Bildungsprämie finden Sie auf der gleichnamigen Webseite.

Freelancer Bezahlung: Preisgestaltung für Freelancer

Freelancer Bezahlung Deutschland ITEin Punkt, mit dem sich viele Freelancer zu wenig oder erst zu spät beschäftigen: Was kann und muss der Freiberufler für seine Arbeit verlangen?

Eines gilt dabei immer: Verkaufen Sie sich nie unter Wert! Preise zu senken ist leichter, als diese anzuheben. Auch wenn Kunden und Klienten versuchen zu feilschen: Qualität sollte ihren Preis haben und behalten. Geiz ist keinesfalls geil. Lassen Sie sich lieber ein paar Extras raushandeln, statt den Preis zu reduzieren. Es sei denn, der ist absolut nicht konkurrenzfähig.

Bei der Preisgestaltung haben Sie unterschiedliche Möglichkeiten, da es verschiedene Wege gibt, die Preise Ihrer Leistungen zu kalkulieren:

  • Tages - oder Stundensätze

    Eine Option ist, sich selbst wie einen Angestellten zu betrachten: Fragen Sie sich, wie hoch das Bruttogehalt eines Angestellten Ihrer Branche und Position ist. Es genügt natürlich nicht, dieses Gehalt einfach auf die Arbeitsstunden runter zu rechnen. Da Sie als Freelancer für Ihre Sozialabgaben, Krankheitstage, Urlaubstage und die Altersvorsorge selbst verantwortlich sind, müssen Sie auch diese mit einbeziehen.

    In einigen Branchen ist es üblich, dass der Freelancer in Vorleistung geht. Gerade im kreativen Bereich möchten Kunden oft zuerst ein paar Ideen sehen. Skizzen, Entwürfe oder ganze Konzepte machen Arbeit, die Ihnen zunächst nicht bezahlt wird. Sehen Sie diesen Punkt nicht als Kostenfaktor, sondern als Investition.

    Aber setzen Sie hier klare Grenzen was den Umfang und Zeitaufwand angeht. Natürlich besteht immer die Gefahr, dass Ihr Konzept zwar gut ankommt, den Auftrag aber jemand anderes bekommt. Das ist eben das unternehmerische Risiko. Hier hilft nur auch solche kleineren Niederlagen in die Preise einzukalkulieren.

  • Festpreise

    Entscheiden Sie sich dafür, für einzelne Projekte Festpreise anzubieten, sollten Sie vorher genau überlegen, welche Leistungen im Angebot enthalten sind und wie hoch der Zeitaufwand hierfür ist. Gerade dabei sollten Sie so realistisch wie möglich kalkulieren.

    Natürlich wollen Sie für Ihren Kunden (und auch für sich selbst) den Auftrag so schnell wie möglich umsetzen, wenn das Projekt allerdings aus dem Ruder läuft und Sie erheblich mehr Zeit aufwenden müssen, als vorgesehen war, bedeutet das erhebliche Verluste für Sie.

    Besonders dann, wenn der Kunde immer wieder Extrawünsche hat, die nicht in Ihrem Zeitplan vorgesehen sind, sollten Sie dies vorab ansprechen, gegebenenfalls vom Festpreis ausnehmen und sich entsprechend extra bezahlen lassen.

Wie hoch Ihre Stundensätze am Ende ausfallen, hängt natürlich in erster Linie von der Branche, aber auch von Ihrer Qualifikation und der Auftragslage ab. IT-Freelancer haben einer Studie aus dem Jahr 2016 zufolge einen durchschnittlichen All-Inclusive-Stundenlohn von 83,48 Euro angesetzt.

Freelancer: So machen Sie Ihren Job sicherer

Freelancer Jobsicherheit IT DeutschlandDen positiven Seiten für Freelancer steht in erster Linie die Unsicherheit entgegen. Es gibt eben keinen Arbeitsvertrag, der möglichst unbefristet ist und einer Kündigung vorbeugen könnte.

Bleiben die Aufträge hingegen plötzlich aus, stehen Freelancer vor großen Problemen. Dagegen hilft, das Fundament zu stabilisieren und so mehr Sicherheit zu gewinnen. Mit diesen drei Wegen kann es klappen:

  1. Kundenstamm verbreitern

    In der Finanzwelt bezeichnet man es als Diversifizierung: die Absicht, das Verlustrisiko durch Streuung zu minimieren. Für einen Freelancer ist Diversifizierung genauso erstrebenswert.

    Wer etwa einen einzelnen - namhaften und zahlungskräftigen - Auftraggeber im Rücken hat, hat prinzipiell zwar alles: gutes Geld, Referenzen, Reputation, spannende Aufgaben. Doch ist die Abhängigkeit zwangsläufig erhöht - von diesem einen Unternehmen, vom Markt, von den wirtschaftlichen Veränderungen.

    Bricht der Kunde weg, steht Ihr persönliches Geschäftsmodell in Frage. Auch ist man nicht selten der Willkür des Solo-Kunden ausgesetzt. Traut man sich wirklich, angesichts der eigenen Abhängigkeit Kontra zu geben, substanzielle Kritik zu üben?

    Aus ökonomischer Sicht sinnvoll: Die Last auf mehrere Schultern verteilen. Den Kundenstamm verbreitern - durch systematische Akquisearbeit.


  2. Auftragsformen mischen

    Optimalerweise haben Sie also viele Kunden statt nur einen. Noch besser, wenn auch Ihr Auftragsportfolio eine Mischform ist. Auf der einen Seite langfristige Aufträge, die Sie — als fester Freier zum Beispiel — jeden Monat bearbeiten. Die lassen sich mit Rahmenverträgen fixieren. Auf der anderen Seite Kunden, für die Sie auf Projektbasis - auf Zuruf quasi - arbeiten.

    Der finanzielle Vorteil: Sie können mit einem fixen Grundbetrag im Monat rechnen - und diesen durch Honoraraufträge erhöhen.

    Und noch ein Vorteil eines großen, gemischten Kundenstamms: Ein Kunde liefert Ihnen ein Top-Honorar, fantastische Referenzen für den Lebenslauf, viele wertvolle Kontakte oder ganz viel Spaß an der Arbeit. Aber selten alles zusammen. Denkbar, aber unwahrscheinlich, dass ein einziger Kunde alle Freelancer-Bedürfnisse zugleich abdeckt. Wenn Sie clever mischen, kriegen Sie alles - nur halt aus unterschiedlichen Quellen.


  3. Rücklagen bilden

    Die Einnahmen eines Freiberuflers schwanken von Monat zu Monat, sind oft unplanbar. Dann gibt es noch den Sommerurlaub, den man ganz gerne im Süden verbringen würde und in der Weihnachtszeit kann man auch nicht mit Neuaufträgen rechnen. Ach ja, und die Steuern! Der Fiskus möchte schließlich regelmäßig mit Vorauszahlungen beglückt werden.

    Was Sie tun könnten: Eröffnen Sie zwei Giro-Konten (möglichst kostenlose) - eines für berufliche Geldeingänge, das andere privater Natur. Nun zahlen Sie sich selbst ein Gehalt aus, überweisen also monatlich einen Teil Ihrer Einnahmen von Konto A auf Konto B. Von dem Geld auf Konto B leben Sie.

    Den Rest belassen Sie auf Konto A - oder legen ihn vernünftig an. Das ist finanziell sinnvoll und verschafft Ihnen zudem einen besseren Überblick über Ihre Einnahmesituation.

    Und die Gewissheit, im Notfall auf Rücklagen zugreifen zu können, beruhigt ungemein.

Alarmzeichen für Freelancer: Nicht mit diesen Kunden!

Zum Abschluss noch ein letzter wichtiger Punkt: Es kann und wird immer wieder Kunden geben, die deutlich mehr Arbeit verursachen, als sie wert sind. Solche Kunden sind nicht nur unangenehm, sondern können echte Probleme verursachen.

Die Bandbreite reicht von unverschämt hohen Nachforderungen über viel zu kurzfristig vorgebrachte Zusatzwünsche bis hin zu rechtlichen Schritten, die mancher Kunde gegen Freelancer einleitet. Solche Probleme lassen sich einfachsten umgehen, in dem Sie den Kontakt mit entsprechenden Kunden vermeiden. Unsere Warnzeichen helfen Ihnen dabei.

Denken Sie jedoch immer daran: Einzelne Warnzeichen machen für sich genommen noch keine grauenhaften Kunden aus. Sobald Sie aber drei oder mehr Warnzeichen bei einem Kunden wiederfinden, sollten Sie auf der Hut sein und von einer Zusammenarbeit Abstand nehmen.

Warnzeichen für Freelancer

  • Die erste Frage des Kunden beim Erstkontakt lautet: „Was wird das kosten?“
  • Der Kunde erwartet von Ihnen eine exakte Einschätzung der benötigten Zeit, bevor Sie überhaupt Details kennen.
  • Sie werden mit den Worten: „Wir sind die perfekte Kombination“ begrüßt.
  • Die erste Analyse soll möglichst umfassende ausfallen… und natürlich kostenlos sein.
  • Ihre Honorarangabe wird mit: „Na, da geht noch was“ kommentiert.
  • Der Forderungskatalog Ihres Kunden ist lang, die Bereitschaft, etwas dafür zu tun, dafür umso geringer.
  • Sie sollen zwar für das Unternehmen arbeiten, erhalten jedoch keinerlei Informationen und werden auch auf Nachfrage mit Hinweis auf „interne Informationen“ abgewimmelt.
  • Der erste Kontakt ist euphorisch, die Zusammenarbeit danach wird zäh und mühsam.
  • Wenn Sie den Erstkontakt anderen Freelancern beschreiben, wissen diese sofort, um welches Unternehmen es sich handelt.
  • Bereits eine einfache Frage zum Unternehmen führt bei Ihren Freelancer Kollegen zu kollektivem Aufstöhnen und verdrehten Augen.
  • Absprachen werden von Beginn an nicht klar getroffen und das Unternehmen weigert sich, Ihnen schriftliche Anweisungen zukommen zu lassen.
  • Trotz mehrfacher Nachfrage erhalten Sie keinen festen Ansprechpartner beim Kunden.
  • Ihr Kunde vermeidet persönlichen Kontakt, so gut es irgend möglich ist.
  • Sie müssen für die Zusammenarbeit eine Geheimhaltungsvereinbarung unterzeichnen, die eher auf hoch geheime Produktentwicklung denn auf ein normales Projekt schließen lässt.
  • Es treten immer wieder Verzögerungen auf Seiten des Kunden auf, die Sie dann regelmäßig reinarbeiten und aufholen müssen.
  • Der Kunden ändert immer wieder seine Anforderungen und Erwartungen, will Preis und Deadlines jedoch unverändert lassen.
  • Telefonisch und schriftlich wird immer wieder betont, wie sehr Ihre Arbeit geschätzt wird. Über den Preis wird dennoch ständig verhandelt.
  • Ihre Empfehlungen werden grundsätzlich zugunsten unternehmensinterner Entscheidungen ignoriert.
  • Bei Fragen Ihrerseits lautet die Standardantwort im Unternehmen: „Das fällt nicht in meine Zuständigkeit.“
  • Ihr Hinweis auf das fällige Honorar wird während der gesamten Konzeptphase ignoriert.
  • Der Kunde weist immer wieder darauf hin, dass das Projekt Ihnen enorme Reputation bringen wird.
  • Es ist ständig von Synergien die Rede, die sich aus dem Projekt für Sie ergeben werden.
  • Der Kunde verspricht Ihnen zahlreiche neue Kontakte - vermittelt Ihnen jedoch keinen einzigen.
  • Ihnen werden primär die Aufgaben zugeschoben, die im Unternehmen niemand übernehmen will.
  • Sie müssen für das Projekt relevante Informationen ständig abfragen und bekommen diese nicht vom Unternehmen geliefert.
  • Notwendige Ressourcen und Materialien werden auch nach mehreren Wochen nicht vom Unternehmen geliefert.
  • Ihre Rechnungen werden wochenlang nicht beglichen, der Eingang noch nicht einmal bestätigt.
  • Ihre Ideen werden abgewiegelt, tauchen später jedoch in internen Entwürfen als Ideen von Mitarbeitern auf.
  • Sie werden immer wieder daran erinnert, dass Sie „nur extern“ sind.
  • Konzepte werden abgenickt, dann jedoch vollständig umgestellt und dennoch Ihnen zugeschrieben.
  • Sie sollen die Verantwortung für Fehler des Unternehmens übernehmen.
  • Ihnen wird regelmäßig vorgehalten, dass es „auch billigere Konkurrenten“ gibt.
  • Sie haben vom ersten Kontakt an ein schlechtes Bauchgefühl.
[Bildnachweis: Dragon Images, igor.stevanovic by Shutterstock.com]

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, erzählen Sie es weiter...