Festanstellung: So bekommen Sie einen unbefristeten Vertrag

Die Festanstellung ist in Deutschland immer noch die Norm. Zwar haben befristete Arbeitsverhältnisse in den letzten Jahren stark zugenommen, aber die Gründe dafür sind sehr vielfältig. Für die meisten Arbeitnehmer ist eine Festanstellung immer noch die bevorzugte Form des Arbeitsverhältnisses: Es bedeutet die geringste Flexibilität, dafür aber die größtmögliche Sicherheit. Das spielt vor allem für die Planbarkeit eine große Rolle. Wie Sie einen unbefristeten Vertrag für sich aushandeln können…

Festanstellung: So bekommen Sie einen unbefristeten Vertrag

Festanstellung Erklärung: Das klassische Normalarbeitsverhältnis

Festanstellung Erklärung Vollzeit Wiki oder Festeinstellung befristet oder unbefristet synonym Vorteile TeilzeitVorweg eine kleine Erklärung zur Frage, wie es denn nun richtig heißen muss: Festeinstellung oder Festanstellung? Die korrekte Bezeichnung für ein unbefristetes Arbeitsverhältnis ist einzig Festanstellung.

Aus Sicht des Arbeitgebers handelt es sich um eine Einstellung. Der neue Mitarbeiter bekommt jedoch eine feste Anstellung, daher wird auch vom Angestellten gesprochen. Synonym zur Festanstellung wird teilweise auch von einer Dauerbeschäftigung, einer Dauerstellung oder Lebensstellung gesprochen.

In jedem Fall bedeutet eine Festanstellung das, was offiziell etwas umständlich als Normalarbeitsverhältnis bezeichnet wird. Laut Wikipedia handelt es sich dabei um ein Arbeitsverhältnis,…

das nach der allgemeinen Verkehrsauffassung als typisch anzusehen ist und dem eine Vollzeitbeschäftigung aufgrund eines unbefristeten Arbeitsvertrags zugrunde liegt.

Aber auch diese Definition ist nicht endgütig. Denn auch Teilzeitarbeit kann in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis möglich sein. Dem Statistischen Bundesamt zufolge muss diese jedoch bei mehr als 20 Stunden pro Woche liegen.

Darüber hinaus ist es schwierig, von einer Norm zu sprechen: Ist damit der wünschenswerte Idealzustand gemeint oder der tatsächliche Ist-Zustand? Andererseits muss gesagt werden:

Auch wenn letzteres der Fall sein sollte, so ist die Festanstellung in Deutschland nach wie vor für weite Teile der Bevölkerung Realität.

Abgrenzung zu anderen Arbeitsverhältnissen

Mit Festanstellung werden häufig noch ganz andere Merkmale verbunden:

  • erlernter Beruf mit Ausbildung oder Studium
  • gesichertes, auskömmliches Einkommen
  • Einzahlung in die sozialen Sicherungssysteme, also Krankenkasse, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung
  • Möglichkeiten zur Weiterbildung und Aufstieg

Trotzdem gibt es auch hier wieder Ausnahmen, die nicht zutreffen. Beispielsweise können auch Hilfsarbeiter in Festanstellung arbeiten. Allerdings ist die Bezahlung erfahrungsgemäß nicht so hoch wie bei Arbeitnehmern mit einer fundierten Ausbildung.

Eine Festanstellung in einem Niediglohnsektor birgt dennoch die Gefahr zu verarmen. Es können keine Rücklagen gebildet werden und die Einzahlung in die sozialen Sicherungssysteme fällt geringer aus, so dass eine spätere Rente noch niedriger sein wird.

Festanstellung wird häufig in Abgrenzung zu anderen Beschäftigungsverhältnissen gesehen. Das eine Ende der Skala ist demnach die Festanstellung, das andere Ende sind:

  • Altersteilzeit
  • befristetes Arbeitsverhältnis
  • freie Mitarbeit
  • geringfügige Beschäftigung
  • Heimarbeit
  • Home Office
  • Minijob
  • Praktikum
  • Saisonarbeit
  • Scheinselbständigkeit
  • Zeitarbeit

Manche Formen von diesen als atypisch bezeichneten Beschäftigungsverhältnissen können ebenfalls ein Armutsrisiko bedeuten und werden daher häufig als prekär bezeichnet.

Nun sind Arbeitsverhältnisse wie beispielsweise ein Praktikum ohnehin nicht auf Dauer ausgelegt, daher gilt der genaue Blick auf den Einzelfall. Denn Home Office und auch Heimarbeit sagen etwas über den Arbeitsort aus, aber längst nicht über das Angestelltenverhältnis.

Ein festangestellter Manager kann eine vertragliche Option auf zwei Tage Home Office pro Woche haben – weder ist das besonders prekär, noch unterscheiden sich seine sonstigen Konditionen dadurch maßgeblich von Angestellten ohne Home Office.

Sein Arbeitgeber wird immer noch ein angemessenes Gehalt, Krankenkasse und Sozialversicherungen zahlen. Anders sieht das schon bei freier Mitarbeit aus. Bildungsinstitutionen greifen gerne auf freie Mitarbeiter zurück, denn häufig sind sie von öffentlichen Geldern abhängig, die jeweils für ein Projekt bewilligt werden.

Schließt der Staat oder die Kommune mit einem anderen Bildungsträger einen Vertrag ab, bedeutet das für die freien Mitarbeiter schnell Beschäftigungslosigkeit. Wer hier nicht noch auf andere Auftraggeber zurückgreifen kann, hat nicht nur finanzielle Probleme, sondern setzt sich dem Verdacht aus, scheinselbständig zu sein.

Ursachen für befristete Verträge

Ob jemand unbefristeten oder einen befristeten Arbeitsvertrag hat, hängt von vielen Faktoren ab:

  • Persönliche Faktoren

    • Bildung

      Je besser die Ausbildung, desto größer die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote von Menschen ohne Berufsabschluss liegt fast fünfmal höher als die von Arbeitnehmern mit betrieblicher oder schulischer Ausbildung. Die Arbeitslosenquote von Akademikern liegt aktuell sogar unter drei Prozent (Stand 2017).

    • Einsatz

      Das fängt mit dem Engagement im aktuellen Job, der Bereitschaft zu lernen und sich weiterzubilden an und geht mit dem persönlichen Einsatz in der Arbeitslosigkeit weiter. Wie viele Bewerbungen werden geschrieben? Wie viel Mühe wird investiert? Dazu gehört auch die Frage, wie viele Kompromisse ein Arbeitnehmer bereit ist einzugehen. Mit einer Familie und schulpflichtigen Kindern ist ein Umzug für einen Job natürlich schwieriger als wenn jemand alleinstehend ist.

    • Geschlecht

      Ob Teilzeitarbeit, geringfügige Beschäftigung oder Minijob – das Phänomen ist vor allem ein weibliches. Das hat mehrere Gründe. Aller Emanzipation zum Trotz fallen Paare kurz nach der Geburt der Kinder häufig in typisches Rollenverhalten, also: Die Frau bleibt zu Hause, kümmert sich, der Mann geht arbeiten. Wird dann wieder eine Arbeit aufgenommen, ist diese oft auf wenige Stunden in der Woche begrenzt. Abseits von Rollenklischees führt das meist höhere Einkommen von Männern zusätzlich dazu, dass Frauen häufiger zu Hause bleiben. Mangelnde Betreuungsmöglichkeiten machen es gerade Alleinerziehenden schwer in Vollzeit zu arbeiten, so dass oft nur Teilzeitstellen möglich sind.

  • Äußere Faktoren

    • Arbeitsmarkt

      In wirtschaftlich angespannten Zeiten wie während der Weltwirtschaftskrise ab 2007 sind die Aussichten auf eine Festanstellung geringer als in konjunkturell günstigen Zeiten. Einen absoluten Schutz gegen solche höheren Gewalten gibt es nicht. Wohl aber die Möglichkeit, sich selbst kontinuierlich weiterzubilden, das eigene Netzwerk zu pflegen und Vorsorge zu treffen.

    • Branche

      Einige Branchen beschäftigen grundsätzlich nur einen kleinen Mitarbeiterstamm in Festanstellung, da sie anderenfalls in finanzielle Schwierigkeiten kämen. Sie sind selbst saisonalen Schwankungen unterworfen. Dazu gehören beispielsweise die Landwirtschaft und das Baugewerbe. Ausgesprochen selten ist aber auch die Festanstellung im sogenannten „tertiären Sektor“, also überall dort, wo Arbeitnehmer zum Beispiel im Dienstleistungssektor, im öffentlichen Dienst oder auch im Bildungswesen beschäftigt werden.

    • Unternehmen

      Gerade Start-ups, die noch keinen festen Kundenstamm aufbauen konnten, verfügen meist über keine stabile Auftrags- und Finanzlage. Sich in so einer Situation festangestellte Mitarbeiter ins Unternehmen zu holen, kann riskant sein. Setzen sie hingegen auf Freelancer, können sie sich hohe Sozialversicherungsbeiträge sparen.

Endlich Festanstellung: Das können Sie tun

Eine Festanstellung bedeutet viele Vorteile, sowohl für den Arbeitgeber, als auch den Arbeitnehmer. Für den Arbeitgeber bedeuten die Kündigungsfristen von unbefristeten Arbeitsverträgen, dass er Zeit gewinnt, um sich im Falle einer arbeitnehmerseitigen Kündigung Ersatz zu suchen.

Für den Arbeitnehmer ist es die Gewissheit, einen gewissen Schutz zu haben und nicht beim ersten Anzeichen einer Flaute vor die Tür gesetzt zu werden.

Kein Wunder also, dass viele ein großes Interesse daran haben, einen unbefristeten Vertrag zu unterschreiben. Was ist zu tun?

  • Investieren Sie in sich.

    Sie sind Ihr Kapital. Wer sich in dem Bereich, der ihn am meisten interessiert, kontinuierlich weiterbildet, hat deutlich bessere Chancen als Arbeitnehmer, die sich auf ihr wissen aus Ausbildungszeiten verlassen. Das ist irgendwann veraltet und es zeigt, dass jemand nicht willens ist, sich mit neuen Herausforderungen und Entwicklungen zu beschäftigen.

    Wichtig ist für die Weiterbildungen, nicht völlig planlos einen Selbstfindungsworkshop nach dem anderen zu buchen, sondern solche zu besuchen, die Sie beruflich weiterbringen. Das können natürlich auch Nähkurse sein – wenn Sie dann Ihr eigenes Nähcafé, eine Stoffboutique oder ein exklusives Ladenlokal für Damen-/Herrenmode eröffnen.

  • Beweisen Sie Mut.

    Es gibt Arbeitnehmer, die kleben an der Scholle. Natürlich hat jeder sein soziales Umfeld, das er nicht verlieren möchte. Absolute Kompromisslosigkeit und mangelnde Flexibilität kann sich aber wirklich nur der leisten, der über sehr gefragte Qualifikationen verfügt.

    Ist das nicht der Fall, sollte man sich über seine Prioritäten klar werden. Erstens: Sich in eine andere Stadt, vielleicht sogar in ein anderes Bundesland zu bewerben, heißt ja nicht, sämtliche Brücken hinter sich abbrechen zu müssen. Schließlich gibt es moderne Medien zur Kommunikation und diverse Verkehrsmittel zur Aufrechterhaltung von Freundschaften. Ist das nicht erwünscht, muss vielleicht auch die Frage gestellt werden, ob der Verlust so immens ist?

    Zweitens: Kann so ein Schritt gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten oder für Berufseinsteiger ein Weg sein, sich die notwendige Berufserfahrung und Qualifikationen zu verschaffen oder schlichtweg Arbeitslosigkeit vorzubeugen. Der Umzug für einen entsprechenden Job muss ja nicht auf Lebenszeit sein.

  • Zeigen Sie Einsatzbereitschaft.

    Auch befristete Arbeitsverträge haben eine Kündigungsfrist. Wer also bereits seit geraumer Zeit für ein Unternehmen tätig ist, kann so falsch nicht liegen. Arbeitnehmer, die nicht pünktlich zum Feierabend den Stift fallen lassen, sondern gucken, ob womöglich Hilfe benötigt wird, sind gern gesehen.

    Das soll natürlich kein Tipp zur Selbstausbeutung sein. Aber wer nicht schnell genug nach Hause kommen kann, könnte den Eindruck vermitteln, dass es nicht ganz so wichtig mit einer Festanstellung bei diesem Unternehmen ist. Zeigen Sie mit Ideen und Vorschlägen, die zur Verbesserung beitragen, dass Ihnen an diesem Arbeitsplatz gelegen ist.

    Weiterhin ist es sinnvoll, sich über die Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten im Unternehmen zu erkundigen: Wie sieht die Belegschaft aus, was wird gesucht, was weniger? Gibt es – beispielsweise bei einem Projekt – Möglichkeiten, danach in eine ähnliche Tätigkeit zu wechseln oder werden vergleichbare Stellen nur auf Projektbasis angeboten? Sprechen Sie noch vor Auslaufen Ihres Vertrages mit Ihrem Vorgesetzten und klären Sie Ihre Chancen.

  • Bringen Sie sich ein.

    Unternehmen Sie was mit Kollegen, unterstützen Sie andere, wenn beispielsweise die Arbeitsbelastung bei jenen höher ist. Sich mit Kollegen entsprechend gut zu stellen ist nur von Vorteil. Im Zweifelsfalle kriegt ein festangestellter Kollege per Flurfunk schneller mit, wenn sich irgendwo eine feste Stelle ergibt.

    Und die Wahrscheinlichkeit, dass man sich für Sie ausspricht, ist größer, wenn Sie in der Vergangenheit Ihre Teamfähigkeit und Kollegialität unter Beweis gestellt haben. Wer stattdessen den Einzelkämpfer heraushängen lässt und andere als mögliche Rivalen sieht, steht irgendwann tatsächlich allein auf weiter Flur.

  • Pflegen Sie Ihr Netzwerk.

    Wussten Sie, dass nur 35 Prozent aller offenen Stellen überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen, also ausgeschrieben werden? Tatsächlich existiert ein Großteil auf dem verdeckten Arbeitsmarkt. Wie aber auf solche Stellen aufmerksam werden?

    Das funktioniert nur über Vitamin B. Ein Bekannter hat von jemanden gehört, dass in seiner Firma dringend neue Leute gesucht werden… so beginnen nicht selten neue Arbeitsverhältnisse: über Empfehlung. Nicht wenige Chefs trauen ihren Angestellten da eher als irgendwelchen treuherzigen Bekundungen in Bewerbungsschreiben.

    Auch wer bereits zu Studienzeiten Praktikumserfahrungen bei einem Unternehmen gesammelt hat und sich nach seinem Abschluss dort bewirbt, hat bessere Karten. Wer sich bereits bewährt oder einen guten Leumund hat, kommt leichter in eine Festanstellung.

[Bildnachweis: nelen by Shutterstock.com]
17. September 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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