Ausbildung: Erfolgreich mit beruflicher Ausbildung

Nach dem schulischen Abschluss folgt eine berufliche Ausbildung, bevor dann der endgültige Schritt in die Berufswelt mit dem ersten Job nach der Ausbildung folgt. Diesem klassischen Weg folgen in Deutschland immer weniger junge Menschen. Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, Betriebe klagen darüber, dass sie keine passenden Kandidaten finden und auf der anderen Seite sind Studiengänge vollkommen überlaufen und Universitäten platzen aus allen Nähten. Für viele kommt eine Ausbildung scheinbar gar nicht mehr infrage, weil nur an Bachelor- oder Masterabschlüsse gedacht wird. Dabei hat die Ausbildung weiterhin einen wichtigen Stellenwert, einen großen Nutzen und kann der Grundstein für eine erfolgreiche Karriere sein. Was Sie zur Ausbildung wissen müssen, wie Sie eine Ausbildung finden und wieso die Ausbildung nicht unterschätzt werden darf…

Ausbildung: Erfolgreich mit beruflicher Ausbildung

Ausbildung Definition: Was genau ist eine berufliche Ausbildung?

Ausbildung Definition Arten Duale VollschulischeNatürlich weiß jeder, was eine Ausbildung grundsätzlich ist und hat eine Vorstellung davon, worum es in einer beruflichen Ausbildung geht, doch gibt es immer wieder Unsicherheiten und fehlendes Wissen, wenn es um die Feinheiten, den genaueren Ablauf und die verschiedenen Arten einer Ausbildung geht. Zunächst wollen wir deshalb erst einmal darauf eingehen, was genau unter einer Ausbildung überhaupt zu verstehen ist, welche Ziele diese verfolgt und wie eine Ausbildung aussehen kann.

Gesetzlich geregelt wird die Ausbildung im Berufsbildungsgesetz (BBiG), das auch klar definiert, worum es bei der Ausbildung geht und welche Ziele damit verfolgt werden. So heißt es in § 1 BBiG:

Die Berufsausbildungsvorbereitung dient dem Ziel, durch die Vermittlung von Grundlagen für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit an eine Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf heranzuführen.

Die Berufsausbildung hat die für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt notwendigen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit) in einem geordneten Ausbildungsgang zu vermitteln. Sie hat ferner den Erwerb der erforderlichen Berufserfahrungen zu ermöglichen.

Geregelt wird die Ausbildung durch den Berufsausbildungsvertrag – oft auch nur Ausbildungsvertrag genannt – den ein Auszubildender mit dem Arbeitgeber oder der Einrichtung, die die Ausbildung übernimmt, abschließt. In diesem müssen wie in einem Arbeitsvertrag auch einige wichtige und grundlegende Aspekte enthalten sein und festgehalten werden. Neben den Informationen zu Azubi und Ausbildungsstätte zählen dazu:

  • Das Ziel der Ausbildung sowie eine Gliederung des Ausbildungsablauf
  • Der genaue Beginn und die voraussichtliche Dauer der Ausbildung
  • Die Dauer der Probezeit der Ausbildung (mindestens ein Monat, höchstens vier Monate)
  • Der Ort, an dem die Ausbildung stattfindet
  • Die Ausbildungsvergütung in den einzelnen Jahren der Ausbildung
  • Die Arbeitszeit des Azubis
  • Der Urlaub (als Jahresurlaub angegeben)
  • Die Kündigungsmöglichkeiten

Unterschieden werden muss die Berufsausbildung daher von einer Fortbildung, die nicht auf die Arbeit in einem Ausbildungsberuf vorbereitet, sondern darauf aufbaut und das Wissen beispielsweise in einem bestimmten Bereich vertieft oder an neue Anforderungen anpasst. Auch eine Weiterbildung ist nicht einfach mit einer Ausbildung gleichzusetzen. Zwar kann damit auch eine weitere, neue berufliche Ausbildung gemeint sein, in der Regel bezieht sich der Begriff aber eher auf den Erwerb einer Zusatzqualifikation, beispielsweise einer bestimmten Fähigkeit.

Die verschiedenen Arten einer Ausbildung

Eine Ausbildung ist nicht automatisch wie jede andere – nicht nur was den Inhalt angeht, sondern auch Struktur und Ablauf unterscheiden sich bei verschiedenen Arten beruflicher Ausbildung. Das hauptsächlich vorherrschende Modell in Deutschland ist die duale Ausbildung, die zwischen zwei und drei Jahren dauert und sich aus zwei zentralen Aspekten zusammensetzt: Auf der einen Seite steht die praktische Ausbildung in einem Betrieb, auf der anderen die schulische Ausbildung an einer Berufsschule. Der große Vorteil der dualen Ausbildung ist die Kombination aus Theorie und Praxis, wobei die Inhalte im besten Fall gut aufeinander abgestimmt sind.

Für Azubis liegt ein Anreiz der dualen Ausbildung in der praktischen Erfahrung, die gleich von Anfang an gesammelt werden kann. Es wird eben nicht nur theoretisches Wissen vermittelt, sondern im Ausbildungsbetrieb von Anfang an alles umgesetzt. Dabei werden in der Regel verschiedene Stationen innerhalb des Betriebs durchlaufen, um einen umfangreichen Einblick zu bekommen, ein breites Fachwissen zu erlernen und das Gesamtbild des Berufes zu verstehen.

Zusätzlich dürfen sich Auszubildende bei der dualen Ausbildung über eine entsprechende Vergütung für ihre Arbeit freuen, da sie im Betrieb mitarbeiten und dafür entlohnt werden. Das Ausbildungsgehalt variiert dabei stark in Abhängigkeit vom jeweiligen Ausbildungsberuf. So können es anfangs 300 oder 400 Euro, aber in einigen Bereichen auch bis zu 1.000 Euro im Monat sein. Dabei steigt das Gehalt in der Ausbildung mit den Jahren an – je weiter Sie in der Ausbildung fortgeschritten sind, desto mehr verdienen Sie.

Ausbildung Definition Typische Azubi

Neben der dualen Form gibt es auch die schulische Ausbildung. Wie der Name bereits andeutet, liegt der Fokus hier auf der Ausbildung in der Berufsschule durch Vollzeitunterricht, doch wird auch hier die praktische Ausbildung nicht gänzlich außen vor gelassen, schließlich soll nach jeder Azubi in der Lage sein, seine Fähigkeiten auch in der Praxis zu schulen und einzusetzen. Anders als in der dualen Ausbildung gibt es bei der schulischen Ausbildung regelmäßige Praktika.

Bei einer rein schulischen Ausbildung erhält der Azubi außerdem keine Ausbildungsvergütung, sondern muss bei privaten Einrichtungen sogar selbst Schulgeld bezahlen. Um diese Kosten und den Lebensunterhalt zu decken, sind viele auf familiäre Unterstützung angewiesen. Darüberhinaus kann Anspruch auf Bafög bestehen, wobei individuell geprüft werden muss, wie viel einem Auszubildenden wirklich zusteht.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, eine Ausbildung in Teilzeit zu machen, wenn daran ein berechtigtes Interesse besteht. Ein solches Interesse ist beispielsweise dann gegeben, wenn sich der Auszubildende um ein eigenes Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmert. Dadurch verkürzt sich die wöchentliche Zeit, die für die Ausbildung aufgebracht wird, die gesamte Ausbildungsdauer bleibt jedoch in der Regel unbetroffen.

Ausbildung finden: Was passt zu mir?

Nur wenige haben nach der Schule eine wirklich konkrete Vorstellung davon, welchen Beruf sie ausüben wollen und welche Ausbildung entsprechend die richtige für sie ist. Ein häufiger Kritikpunkt besteht darin, dass während der Schule zu wenig darauf vorbereitet und eingegangen wird und die Orientierung fehlt. Mit dem Abschluss in der Tasche muss also in kurzer Zeit eine wichtige Entscheidung getroffen werden: Welche Ausbildung möchte ich machen?

Die Möglichkeiten sind riesig, es gibt mehrere hundert Ausbildungsberufe in Deutschland, die in den unterschiedlichsten Bereichen und Branchen angesiedelt sind. Keine leichte Aufgabe, das passende Sandkorn herauszupicken, mit dem ein Azubi im besten Fall nicht nur die nächsten drei Jahre, sondern im Anschluss an die Ausbildung für das restliche Berufsleben glücklich wird.

Entscheidend für die Auswahl einer Ausbildung sind zwei Faktoren: Selbstreflexion und Information. Soll heißen: Zunächst einmal müssen Sie sich ein möglichst genaues Bild von Ihrer eigenen Position machen. Was wollen Sie? Was sind Ihre Leidenschaften? Was sind Ihre Stärken oder auch Schwächen? Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor? Gibt es Hobbys, die sich vielleicht in einen Beruf umwandeln lassen?

Anschließend müssen Sie möglichst umfangreichen Informationen recherchieren und mit den Ergebnissen dieser Selbstreflexion zusammenbringen. Welche Ausbildungen kommen grundsätzlich für Sie infrage? Was sind die Aufgaben, Arbeitsfelder und Möglichkeiten? Wie sehen die Jobchancen aus, werden viele Arbeitskräfte gesucht oder befinden Sie sich auf einem schwierigen Arbeitsmarkt? Welche Perspektiven und Aufstiegsmöglichkeiten gibt es?

Je mehr Sie wissen – über sich selbst und die Optionen, die Ihnen zur Verfügung stehen – desto besser werden Sie eine Ausbildung für sich finden können. Wenn Sie wissen, welche Ausbildung Sie machen wollen, können Sie in Jobbörsen nach passenden Stellen suchen.

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Weitere Tipps und Informationen, wie Sie eine Ausbildung finden, die zu Ihnen passt, finden Sie hier: Ausbildung finden: Tipps, Jobbörsen, Kriterien

Ist eine Ausbildung nur die unbeliebte Alternative zum Studium?

Die Zahlen der Studenten an Universitäten und Hochschulen steigt seit Jahren an, die Hörsäle platzen aus allen Nähten, auf der anderen Seite gibt es in Deutschland immer weniger Auszubildende. Vor 10 Jahren waren es noch rund 1,6 Millionen, im Jahr 2016 nur noch 1,3 Millionen. Die Ausbildung lockt immer weniger junge Menschen an, stattdessen möchte jeder um jeden Preis studieren.

Natürlich gibt es auch gute Gründe, die für ein Studium sprechen. Es ist die höchste Schulausbildung, die in Deutschland möglich ist, die Jobchancen für Akademiker sind besonders hoch, im Schnitt ist der spätere Verdienst mit einem Studiumabschluss höher. Der eigenen Unsicherheit und dem Ruf des scheinbar besten Wegs folgend zieht es viele an die Universität. Spätestens dort müssen viele aber feststellen, dass die universitäre Ausbildung nicht für jeden geeignet ist – und das andersrum nicht jeder für die Uni gemacht ist.

Die Quote für den Studienabbruch liegt bei rund 30 Prozent, je nach Studiengang sogar noch darüber. Jeder Dritte Student verlässt die Uni also ohne Abschluss. Die Anforderungen an Universitäten sind hoch, das Pensum teils enorm. Hinzu kommt, dass selbst Studiengänge, die als praxisnah beschrieben werden, fast ausschließlich theoretisch ablaufen. Manch einer braucht mehr Praxis als ein kurzzeitiges Praktikum in den Semesterferien.

Auch eine Ausbildung wird nicht immer beendet, wer feststellt, dass er sich doch falsch entschieden hat, bricht die Ausbildung ebenso vorzeitig ab wie ein Studium. Doch wer die Wahl zwischen Studium oder Ausbildung hat, entscheidet sich häufig für das Studium – ohne sich große Gedanken darüber zu machen, sondern hauptsächlich aus dem Grund, dass der Wert einer Ausbildung von jungen Menschen weniger anerkannt wird.

Genau an dieser Stelle wäre ein Umdenken erforderlich, denn wer sich nur von dem Gedanken leiten lässt, dass ein Studium der höhere Bildungsabschluss ist, trifft möglicherweise die falsche Entscheidung. Die Wahl sollte vielmehr individuell anhand persönlicher Eigenschaften, Vorlieben, Ziele und Stärken getroffen werden. Einfach nur zu studieren, weil eben alle studieren, führt mit großer Wahrscheinlichkeit in die falsche Richtung – oder selbst wenn Sie das Studium durchziehen, stehen Sie am Ende mit einem Abschluss dar, der Ihnen vielleicht gar nichts bringt, weil Sie lieber in einem anderen Bereich arbeiten wollen.

[Bildnachweis: loreanto by Shutterstock.com]
27. November 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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