Ausbildung: Erfolgreich mit beruflicher Ausbildung

Viele Schüler freuen sich, wenn sie ihr Abschlusszeugnis in der Hand halten. Nie wieder büffeln – das ist die oft irrige Annahme. Denn eine Schule ist nur der erste Teil der Berufsbildung, meist schließt sich eine Ausbildung oder ein Studium daran an. Auf Drängen der Wirtschaft wurden Studiengänge mit der Bologna-Reform überarbeitet. Ziel: mehr Studierende innerhalb kürzerer Zeit. Und das funktioniert – zurück bleiben zahlreiche Betriebe, die darüber klagen, dass sie keine passenden Kandidaten finden. Eine Ausbildung erscheint vielen jungen Menschen heutzutage wenig attraktiv, da Karriere immer mit einem Studium verbunden wird. Dass diese Annahme falsch ist, erläutern wir nachfolgend. Außerdem erfahren Sie alles Wichtige zur Ausbildung und wie Sie eine finden…

Ausbildung: Erfolgreich mit beruflicher Ausbildung

Definition: Was genau ist eine Ausbildung?

Ausbildung Definition Arten Duale VollschulischeDer Begriff Ausbildung hat zweierlei Bedeutungen. In der weiter gefassten Definition bedeutet Ausbildung, dass jemand allgemein noch im Lernen begriffen ist und Fertigkeiten und Wissen von einer Institution vermittelt bekommt.

Das kann ein Ausbildungsbetrieb sein, der nach staatlichen Vorgaben dazu befugt ist. Das kann aber ebenso gut eine Hochschule sein – und die bildet nicht zwangsläufig für einen bestimmten Beruf aus. Meist wird der Begriff Ausbildung wie hier im Artikel deutlich enger gefasst und als Berufsausbildung verstanden.

Hier gibt es zwei Arten der Ausbildung zu unterscheiden:

  • Duale Ausbildung

    In Deutschland ist das duale Ausbildungssystem vorherrschend. Das bedeutet für die Auszubildenden (oft Azubi oder Lehrling genannt), dass Sie während ihrer zwei- bis dreijährigen Ausbildung einen Teil in einem Ausbildungsbetrieb absolvieren und an ein bis zwei Tagen wieder die Schulbank drücken. Im Ausbildungsbetrieb ist Learning by doing angesagt, das heißt, es werden praktische Kenntnisse erworben beziehungsweise die Theorie aus der Berufsschule in die Praxis umgesetzt. In der Berufsschule wird einerseits in Fächern wie Deutsch, Politik und Sport das Allgemeinwissen vertieft. Auf der anderen Seite werden für den zu erlernenden Beruf fachspezifische, relevante Theoriekenntnisse vermittelt. Da die duale Ausbildung in einem Betrieb stattfindet, wird sie auch als betriebliche Ausbildung bezeichnet.

  • Schulische Ausbildung

    Die schulische Ausbildung hingegen heißt so, weil sie tatsächlich überwiegend in der Berufsfachschule stattfindet. Vor allem Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen, aber auch einige technische Berufe werden per Vollzeitunterricht vermittelt, weshalb die schulische Ausbildung auch als vollschulische Ausbildung bezeichnet wird. Im Gegensatz zur dualen Ausbildung findet der Praxisteil nicht fortwährend in jeder Woche, sondern meist in Form von Blockpraktika statt. Je nach Ausbildungsberuf können die Lehrgänge ein bis dreieinhalb Jahre dauern. Am Ende wird eine staatliche Prüfung abgelegt.

Gesetzliche Grundlage bei Ausbildungen

Ausbildung  Berufsbildungsgesetz Die betriebliche Ausbildung wird im Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung (HWO) gesetzlich geregelt.

§ 1 Absatz 2 BBiG erläutert, worum es bei der Ausbildung geht und welche Ziele verfolgt werden:

Die Berufsausbildung hat die für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt notwendigen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit) in einem geordneten Ausbildungsgang zu vermitteln. Sie hat ferner den Erwerb der erforderlichen Berufserfahrungen zu ermöglichen.

Geregelt wird die Ausbildung durch den Berufsausbildungsvertrag – oft auch nur Ausbildungsvertrag genannt – den ein Auszubildender mit dem Arbeitgeber oder der Einrichtung, die die Ausbildung übernimmt, abschließt. In diesem müssen wie in einem Arbeitsvertrag grundlegende Aspekte festgehalten werden. Neben den Informationen zu Azubi und Ausbildungsstätte zählen dazu:

  • Das Ziel der Ausbildung sowie eine Gliederung des Ausbildungsablauf
  • Der genaue Beginn und die voraussichtliche Dauer der Ausbildung
  • Die Dauer der Probezeit der Ausbildung (mindestens ein Monat, höchstens vier Monate)
  • Der Ort, an dem die Ausbildung stattfindet
  • Die Ausbildungsvergütung in den einzelnen Jahren der Ausbildung
  • Die Arbeitszeit des Azubis
  • Der Urlaub (als Jahresurlaub angegeben)
  • Die Kündigungsmöglichkeiten

Die schulische Ausbildung hingegen ist nicht im BBiG oder der HWO geregelt. Gesetzliche Grundlage sind hier Regelungen nach Bundesrecht oder Landesrecht:

Ausbildungen nach Bundesrecht

Hierzu gehören Gesundheitsfachberufe, die in den jeweiligen Berufsgesetzen und den bundesgesetzlich geregelten Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen beschlossen sind. Die Ausbildung dauert hier in der Regel drei Jahre:

  • Altenpflege
  • Ergotherapie
  • Gesundheits- und Kranken-/Kinderkrankenpflege
  • Logopädie
  • Physiotherapie
Ausbildungen nach Landesrecht

Die Ausbildung bei landesrechtlich geregelten Berufen liegt in der Regel bei zwei Jahren. Hierzu zählen einerseits die Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialberufe, beispielsweise:

  • Sozialassistent
  • Altenpflegehilfe
  • Kinderpfleger

Andererseits sind Assistentenberufe ebenfalls landesrechtlich geregelt, beispielsweise:

  • staatlich geprüfter kaufmännischer Assistent
  • staatlich geprüfter bekleidungstechnischer Assistent
  • staatlich geprüfter biologisch-technischer Assistent
  • staatlich geprüfter chemisch-technischer Assistent

Vergütung und Finanzierung während der Ausbildung

Zentraler Unterschied neben den verschiedenen Lernorten ist die Ausbildungsvergütung in der dualen Ausbildung. Das Ausbildungsgehalt variiert dabei stark in Abhängigkeit vom jeweiligen Ausbildungsberuf. So können es anfangs 300 oder 400 Euro, aber in einigen Bereichen auch bis zu 1.000 Euro im Monat sein. Dabei steigt das Gehalt in der Ausbildung mit den Jahren an – je weiter Sie in der Ausbildung fortgeschritten sind, desto mehr verdienen Sie.

Rein schulische Ausbildung werden oft nicht vergütet. Ausnahme: Schulische Ausbildungen, die bundeseinheitlich geregelt sind – etwa die zum Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger, Hebamme, Sanitäter – werden tariflich vergütet.

Die Lernenden haben im Gegensatz zu den Auszubildenden den Status des Schülers beziehungsweise der Schülerin, da sie einen Vertrag mit der Schule abgeschlossen haben. Im Gegenteil, bei privaten Einrichtungen sogar noch Schulgeld bezahlt werden.

Um diese Kosten und den Lebensunterhalt zu decken, sind viele auf familiäre Unterstützung angewiesen. Darüberhinaus kann Bafög beantragt werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, eine Ausbildung in Teilzeit zu machen, wenn daran ein berechtigtes Interesse besteht.

Ein solches Interesse ist beispielsweise dann gegeben, wenn sich der Auszubildende um ein eigenes Kind oder einen pflegebedürftigen Angehörigen kümmert. Dadurch verkürzt sich die wöchentliche Arbeitszeit (nicht die Zeit in der Berufsschule), die für die Ausbildung aufgebracht wird, die gesamte Ausbildungsdauer bleibt jedoch in der Regel unbetroffen.

Ausbildung finden: Was passt zu mir?

Nur wenige haben nach der Schule eine wirklich konkrete Vorstellung davon, welchen Beruf sie ausüben wollen und welche Ausbildung entsprechend die richtige für sie ist. Ein häufiger Kritikpunkt besteht darin, dass während der Schule zu wenig darauf vorbereitet und eingegangen wird und die Orientierung fehlt. Mit dem Abschluss in der Tasche muss also in kurzer Zeit eine wichtige Entscheidung getroffen werden: Welche Ausbildung möchte ich machen?

Die Möglichkeiten sind riesig, es gibt allein über 350 duale Ausbildungsberufe in Deutschland, die in den unterschiedlichsten Bereichen und Branchen angesiedelt sind. Keine leichte Aufgabe, das passende Sandkorn herauszupicken, mit dem ein Azubi im besten Fall nicht nur die nächsten drei Jahre, sondern im Anschluss an die Ausbildung für das restliche Berufsleben glücklich wird.

Entscheidend für die Auswahl einer Ausbildung sind zwei Faktoren: Selbstreflexion und Information. Manche Fragen – etwa die nach Ihren persönlichen Stärken und Schwächen – müssen Sie ehrlich mit sich selbst klären, die Antworten kann Ihnen niemand geben.

Andere Überlegungen hingegen sind unabhängig von Ihrer Person zu sehen: Bestimmte Ausbildungsberufe sind je nach Region völlig überrepräsentiert. Das heißt, Sie müssen mit einem angespannten Arbeitsmarkt oder zumindest starker Konkurrenz rechnen.

Stellen Sie sich die folgenden Fragen und beantworten Sie sie ehrlich:

  • Wo lagen meine Stärken in der Schule und welches Berufsbild passt dazu? Welche Schwächen habe ich, die für manche Ausbildungen nachteilig sind?
  • Welche Arbeitsfelder, Erwartungen und Möglichkeiten haben die Ausbildungen, die mich interessieren?
  • Wie lassen sich Hobbys und Dinge, die mir Spaß machen, mit der Arbeit verbinden?
  • Welche Jobchancen, Verdienst und Voraussetzungen sind in der anvisierten Ausbildung gegeben?
  • Was ist mir für die Ausbildung und im späteren Beruf besonders wichtig?
  • Wie sehen die zukünftigen Perspektiven für verschiedene Branchen und Ausbildungen aus?
  • Was sagt mein Umfeld dazu, welche Ansichten werden vertreten, gibt es die Möglichkeit, objektivere Einschätzungen zu erhalten?
  • Wer kann mir Auskunft über die angestrebte Ausbildung erteilen, weil er sie bereits absolviert hat?
  • Wie kann ich mir einen Überblick über die verschiedenen Ausbildungsberufe verschaffen und mich informieren?

Eine umfangreiche Liste mit insgesamt 66 Fragen und Auswahlkriterien für den Ausbildungsplatz finden Sie in diesem kostenlosen PDF.

Je mehr Sie wissen – über sich selbst und die Optionen, die Ihnen zur Verfügung stehen – desto besser werden Sie eine Ausbildung für sich finden können. Wenn Sie wissen, welche Ausbildung Sie machen wollen, können Sie in Jobbörsen nach passenden Stellen suchen.

Tipps für eine erfolgreiche Ausbildungsplatzsuche

Zu wissen, welche Ausbildung Sie anstreben, ist der erste große Schritt. Nun folgt gleich der nächste: Sie müssen einen Ausbildungsplatz finden. Die größte Herausforderung dabei ist der Bewerbungsprozess, aber auch dafür haben wir einige grundsätzliche Tipps zusammengetragen:

  • Timing

    Damit zwischen dem Schulabschluss und dem Beginn Ihrer Ausbildung keine Lücke entsteht, sollten Sie am besten schon ein Jahr vor Ihrem Schulabschluss mit der Stellensuche starten und anfangen Bewerbungen zu schreiben. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass Sie noch früher mit der Orientierung für eine passende Ausbildung beginnen müssen.

  • Beurteilung

    Legen Sie Kriterien für die Bewertung von Lehrstellen fest. Beispielsweise möchten Sie in Ihrem ersten Ausbildungsjahr noch nicht von zu Hause wegziehen oder können es sich nicht leisten, ist es für Sie wichtig, dass ihr zukünftiger Ausbildungsplatz in der Umgebung liegt. Eines Ihrer Kriterien wäre also gute Erreichbarkeit. Erfüllen potenzielle Arbeitgeber diese Kriterien nicht, sollten Sie sich auch nicht dort bewerben.

  • Beratung

    Sie sind bei der Ausbildungsplatzsuche nicht komplett auf sich allein gestellt. Nutzen Sie Informations- und Beratungsangebote, die Ihnen dabei helfen können, einen geeigneten Ausbildungsplatz zu finden. Erste Anlaufstelle kann hier die Agentur für Arbeit sein.

  • Spektrum

    Beschränken Sie Ihre Suche nach einer Ausbildung nicht von Anfang an, indem Sie nur auf einem Weg nach Ausbildungsplätzen schauen. Die Wahrscheinlichkeit, den passenden Ausbildungsplatz zu finden, ist größer, wenn Sie eine breit angelegte Suche durchführen. Dazu zählen natürlich zuerst passende Jobbörsen, die wir Ihnen im nächsten Abschnitt vorstellen.

    Eine weitere Möglichkeit sind Ausbildungs- und Jobmessen. Hier stellen sich Unternehmen vor und informieren über offene Ausbildungen. Nutzen Sie auch die Social-Media-Kanäle von Unternehmen, viele Arbeitgeber bieten entsprechende Portale an. Wer sich lokal bewirbt, sollte auf Stellenanzeigen in Zeitungen achten – gerade kleinere und ortsansässige Unternehmen inserieren hier.

  • Ausdauer

    Es ist frustrierend, wenn es mit einer passenden Ausbildung nicht sofort klappen will, doch leider gehört es dazu. Also: Keine Panik, wenn Sie nicht sofort eine Zusage für Ihre Wunschstelle erhalten. Ausdauer und Durchhaltevermögen sind wichtige Faktoren bei der Ausbildungsplatzsuche. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Absagen kommen oder die Suche insgesamt länger dauert, als erhofft. Sollte es mit der Suche nach einer Ausbildung überhaupt nicht klappen wollen, so dass Sie ohne Ausbildungsplatz dastehen, gibt es einige Alternativen (PDF), die Sie in Betracht ziehen können.

Jobbörsen: Hier finden Sie eine passende Ausbildung

Ausbildung finden JobbörseJobbörsen vermitteln nicht nur Positionen für bereits ausgebildete Mitarbeiter, sondern auch Ausbildungen. Wenn Sie einen Ausbildungsplatz suchen, sind die unterschiedlichen Angebote im Internet deshalb Ihre erste Anlaufstelle. Der große Vorteil: Sie können sich alle für Sie relevanten Stellenanzeigen filtern lassen und erhalten eine Übersicht über alle interessanten Ausbildungen.

Eine Möglichkeit ist unsere Jobbörse Karrieresprung, in der tausende Ausbildungen gelistet sind. Tippen Sie dazu einfach ins erste Feld das Wort „Ausbildung“ und ins zweite Ihre Postleitzahl oder Wunschort und klicken Sie auf „Jobs finden“:


Weitere Stellenbörsen für die Ausbildungsplatzsuche

Eine beliebte Option ist auch die Bundesagentur für Arbeit. Hier können Sie entweder bei einem persönlichen Termin mit Ihrem Berater oder auch online in der Jobbörse der Arbeitsagentur eine Ausbildung finden.

Online gibt es zudem zahlreiche Alternativen, die sich teilweise speziell auf Azubis und Ausbildungen konzentrieren:


AOK Azubibörse

Die Azubibörse der AOK Nordwest fokussiert sich ganz auf die Regionen Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe. Für diese Bereiche bietet das Portal eine hervorragende – vielleicht sogar die beste – Auswahl an Ausbildungsstellen. Andere AOKs bieten zwar auch Ausbildungsstellen in ihren Portalen an, filtern diese jedoch so gut heraus, wie die beiden genannten Portale.

Ausbildungsstelle.com

Der Name ist Programm. Auf dieser Plattform finden Sie als angehender Azubi zahlreiche Ausbildungsstellen aus fast allen Bereichen und Branchen. Die Ausschreibungen sind dabei nicht regional limitiert, es finden sich Angebote aus dem gesamten Bundesgebiet. Da hier auch Ausbildungsträger kooperieren, finde sich auch Hinweise auf Ausbildungsangebote und Fachmessen.

Aubi Plus

Auf Aubi Plus finden Sie sowohl Ausbildungsstellen als auch (duale) Studienplätze. Die Plattform arbeitet nach eigener Aussage eng mit verschiedenen Unternehmen und Messen zusammen und bietet daher, ebenfalls nach eigener Aussage, die größte Auswahl an Ausbildungs- und Studienstellen. Die Zahl der ausgeschriebenen Ausbildungsstellen variiert zwar regional, grundsätzlich finden sich jedoch Angebote aus dem gesamten Bundesgebiet.

Berufsstart.de

Berufsstart.de wirbt mit der enormen Zahl von über 28.000 freien Stellen für Absolventen und Praktikanten, die sich über das Portal finden lassen. Bei genauer Betrachtung sind das nicht viel mehr als auf anderen Portalen, die Zahl klingt jedoch gut. Allerdings bietet die Suchfunktion in unserem Test gute Ergebnisse und ist oft präziser als auf anderen Portalen. Einen Blick ist die Plattform daher wert.

IHK Lehrstellenbörse

Auch hier ist der Name Programm. Auf dem Portal der IHK lassen sich – logischerweise – primär Ausbildungs- und Lehrstellen aus IHK nahen Berufen finden. Wer in diesem Bereich sucht, ist hier hervorragend aufgehoben. Durch den thematischen Fokus lässt sich die Suchzeit spürbar verkürzen.




Ausbildung: Notlösung oder Alternative zum Studium?

Die Zahlen der Studenten an Universitäten und Hochschulen steigt seit Jahren an, die Hörsäle platzen aus allen Nähten, auf der anderen Seite gibt es in Deutschland immer weniger Auszubildende. Die Ausbildung lockt immer weniger junge Menschen an, stattdessen möchte jeder um jeden Preis studieren.

Natürlich gibt es auch gute Gründe, die für ein Studium sprechen. Es ist die höchste Schulausbildung, die in Deutschland möglich ist, die Jobchancen für Akademiker sind besonders hoch, im Schnitt ist der spätere Verdienst mit einem Studiumabschluss höher. Der eigenen Unsicherheit und dem Ruf des scheinbar besten Wegs folgend zieht es viele an die Universität. Spätestens dort müssen viele aber feststellen, dass die universitäre Ausbildung nicht für jeden geeignet ist – und das andersrum nicht jeder für die Uni gemacht ist.

Die Quote für den Studienabbruch liegt bei rund 30 Prozent, je nach Studiengang sogar noch deutlich darüber. Jeder Dritte Student verlässt die Uni also ohne Abschluss. Die Anforderungen an Universitäten sind hoch, das Pensum teils enorm. Hinzu kommt, dass selbst Studiengänge, die als praxisnah beschrieben werden, fast ausschließlich theoretisch ablaufen. Manch einer braucht mehr Praxis als ein kurzzeitiges Praktikum in den Semesterferien.

Auch eine Ausbildung wird nicht immer beendet, wer feststellt, dass er sich doch falsch entschieden hat, bricht die Ausbildung ebenso vorzeitig ab wie ein Studium. Doch wer die Wahl zwischen Studium oder Ausbildung hat, entscheidet sich häufig für das Studium – ohne sich große Gedanken darüber zu machen, sondern hauptsächlich aus dem Grund, dass der Wert einer Ausbildung von jungen Menschen weniger anerkannt wird.

Was spricht für eine Ausbildung?

  • Praxisnähe und Berufserfahrung beim Abschluss
  • Vergütung (sofern dual)
  • Kürzere Ausbildungsdauer im Vergleich zum Studium
  • Häufige Übernahmegarantie
  • Keine Zugangsbeschränkungen wie etwa ein Numerus Clausus
  • Anschließender Meister-Abschluss und Selbständigkeit möglich

Wer sich nicht sicher ist, ob Ausbildung oder Studium für ihn oder sie infrage kommen, kann sich für einen Mittelweg entscheiden: das duale Studium.

Wichtig ist, dass Ihre Wahl individuell anhand persönlicher Eigenschaften, Vorlieben, Ziele und Stärken getroffen werden sollte. Einfach nur zu studieren, weil eben alle studieren, führt mit großer Wahrscheinlichkeit in die falsche Richtung – oder selbst wenn Sie das Studium durchziehen, stehen Sie am Ende mit einem Abschluss dar, der Ihnen vielleicht gar nichts bringt, weil Sie lieber in einem anderen Bereich arbeiten wollen.

[Bildnachweis: nd3000 by Shutterstock.com]
5. September 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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