Auslandsstudium: Vorteile, Stipendien, Checkliste

Das Auslandsstudium ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Kommilitonen beneiden sie, Arbeitgeber umwerben sie. Immerhin lässt es sie reifen und wachsen, stellt Sie auf eigene Füße. Und Spaß haben Sie überdies auch noch. Doch sollte der Trip in die Ferne gut geplant sein. Ein Auslandsstudium ist nicht nur sündhaft teuer, es kann auch ungeahnte Nachteile haben…

Auslandsstudium: Vorteile, Stipendien, Checkliste

Auslandsstudium Voraussetzungen: Wer kann eins machen?

Grundsätzlich (fast) jeder, der über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügt. Immerhin gibt es mehrere Optionen, Auslandsstudium ist nicht gleich Auslandsstudium.

Was wollen Sie: Ein oder zwei Semester nach Frankreich oder gleich ganz in Übersee studieren? Darüber sollte man sich zunächst klar werden.

Ein Auslandsstudium kann umfassen:

  • Vollstudium
  • Teilstudium
  • Aufbaustudium
  • Promotionsstudium
  • Sommerschule

Ein Auslandssemester an einer Partner-Uni der eigenen Hochschule ist vergleichsweise leicht planbar. Oder ein Erasmus-Jahr im europäischen Ausland. Schwieriger wird es da schon, wenn man eine akademische Karriere an einer angelsächsischen Top-Uni anstrebt.

Beispiel Harvard: Hier müssen diverse Aufnahmetests absolviert, Gebühren überwiesen, Bewerbungsunterlagen, Zeugnisse, Empfehlungsschreiben eingereicht werden. Ein gigantischer Aufwand! Ausgang ungewiss.

Die Vorteile eines Auslandsstudiums

Die Vorteile eines AuslandsstudiumsZum Auslandsstudium hört man meist nur Gutes. Horizonterweiterung, Weltoffenheit und ähnliche Modewörter schwirren dann durch den Raum. Und es stimmt ja auch: So ein Studium in Amerika, Asien oder Auslandseuropa ist vielversprechend.

Es kann einfach Spaß machen, gemeinsam mit Neuseeländern, Argentiniern und Dänen um die Häuser (und Hörsäle) zu ziehen, sich Eis-schleckend die Freiheitsstatue oder Mount Rushmore anzuschauen. Eine rundum tolle Erfahrung. Fun, Freude, Eierkuchen.

Rein rational betrachtet bietet ein Auslandsstudium diese Vorteile:

  1. Fremdsprachenkenntnisse verbessern

    Einsprachig hin und zweisprachig wieder zurück: Nein, so läuft es nicht. Wer nicht schon vor der Reise Kenntnisse in der jeweiligen Landessprache vorzuweisen hat, der wird im Hörsaal kaum mithalten können (dazu gleich mehr unter „Nachteile“).

    Natürlich aber erweitern Studenten vor Ort ihr Vokabular, verpassen ihrer Aussprache den Feinschliff, werden sicherer, flüssiger, besser. Üben übt – für Sprachen gilt das in besonderem Maße.

  2. Lebenslauf pimpen

    Viele Unternehmen erwarten sie ausdrücklich: Ohne Auslandserfahrung gibt’s den Job nicht! Vor allem Großkonzerne legen Wert auf Weltläufigkeit.

    Immerhin wird ja auch eigenständiger, wer in der Fremde auf sich alleine gestellt ist. Wer in einer fremden Sprache ein Sandwich bestellen oder einen Mietvertrag abschließen muss. Das Zauberwort lautet: Persönlichkeitsentwicklung.

    Ein Auslandsstudium ist ein gutes Argument im Vorstellungsgespräch. Alternativ tut es aber auch ein Auslandspraktikum.

  3. Netzwerk vergrößern

    Ein großes Netzwerk ist Gold wert – oder es ist Dollar, Pfund oder Lira wert. Während des Auslandsstudiums kann man sein (privates und berufliches) Netzwerk erweitern. Gerade an der Uni tummeln sich Menschen, die hinterher in einflussreichen Positionen landen.

    Berechnend, aber wahr: Es hilft, sie zu kennen. Zum Beispiel bei der Jobsuche im Ausland oder der Anbahnung von Auslandsgeschäften. Tipp: Gerne auf Linkedin mit Kommilitonen vernetzen, bevor Sie in Vergessenheit geraten.

Die Nachteile eines Auslandsstudiums

Die Nachteile eines Auslandsstudiums Nachteile? Durch ein Auslandsstudium? Ja, die gibt es sehr wohl. Es könnte ja passieren, dass Ihr Freund oder Ihre Freundin weg ist, wenn Sie nach einem Jahr wiederkommen. Oder dass sich Ihre Uni-Clique in Luft aufgelöst hat. Das nennt sich dann wohl Entfremdung.

Oder dass die Belastung vor Ort zu hoch, das Heimweh erdrückend, die Einsamkeit niederschmetternd oder die kulturellen Unterschiede schwer verdaulich sind.

Rational betrachtet sind das die größten Nachteile eines Auslandsstudiums:

  1. Hohe Kosten

    Noch immer gilt in Deutschland das Prinzip Geiz ist geil. Bildung darf nichts kosten. Ob das jetzt richtig oder falsch ist, entscheiden Sie. Fakt ist: In anderen Ländern kommen Sie nicht so billig davon. Ein Studium in den USA zum Beispiel kann schon mit knapp 35.000 Dollar zu Buche schlagen – pro Jahr, versteht sich.

    Dazu kommen für Auslandsstudenten noch die weiteren Kosten: Unterkunft, Verpflegung, Hin- und Rückflug… Gut kalkulieren, bevor Sie sich auf den Weg machen! Ergo: Ein Studium im Ausland muss man sich leisten können (oder man lässt fremdfinanzieren, dazu gleich mehr).

  2. Fehlende Anerkennung

    Die Anerkennung ausländischer Berufs- und Bildungsabschlüsse ist in Deutschland zu einem politischen Thema mit Tragweite geworden. So viele Einwanderer mit so unterschiedlichen Qualifikationen!

    Auch Hochschulabsolventen sind davon betroffen. Wer als Erasmus-Student ein Semester in Frankreich überbrückt, wird kaum Probleme haben. Wer aber sein gesamtes Studium – oder den Master – im Ausland durchzieht, könnte ungleich größere Schwierigkeiten bekommen. Laut Bildungsministerium ist „die Umwandlung eines ausländischen Grades in einen deutschen Grad nicht möglich.“ Ausnahmen gibt es lediglich für Spätaussiedler.

    Informieren Sie sich also vorab genau darüber, ob und wie Ihr Abschluss anerkannt wird. Hilfestellung bietet die Seite Anabin der Kultusministerkonferenz.

  3. Geringe Lernfortschritte

    In einer fremden Sprache studieren – damit schlägt man doch zwei Fliegen mit einer Klappe, oder nicht? Sie perfektionieren Ihr Englisch, Spanisch oder Mandarin und kommen gleichzeitig im Stoff vorwärts. Falsch!

    In einer fremden Sprache lesen und verstehen wir Zusammenhänge deutlich langsamer – selbst dann, wenn wir die Sprache sehr gut beherrschen. Das haben belgische Wissenschaftler festgestellt. Das werde sogar dann zum Handikap, wenn neues, in der Fremdsprache gelerntes Wissen wieder in der Muttersprache abgefragt wird.

    Die Wissenschaftler sehen durch ihre Ergebnisse die Cognitive Load Theory bestätigt. Diese besagt: Setzen Menschen einen Teil ihrer begrenzten kognitiven Kapazitäten dafür ein, einen Text sprachlich zu verstehen, bleibt für den Inhalt weniger übrig. Sie empfehlen daher, Sprach- und Fachwissen separat zu vermitteln. Doch das kostet Zeit und Zeit kostet Geld. Und Geld haben Studenten immer zu wenig.

Auslandsstudium: Das sind die beliebtesten Länder

Es muss nicht immer eine Weltreise sein: Die meisten Studierenden bleiben auch im Auslandsstudium nah der Heimat. So führt Österreich die Liste der beliebtesten Destinationen deutscher Studierender an. 17,9 Prozent aller Auslandsstudenten gehen in das Mozart-Land, das waren nach letzten verfügbaren Zahlen des Statistischen Bundesamts über 28.000 Personen.

In Österreich finden auch viele NC-Flüchtlinge Asyl, die ohne Verzögerung ein medizinisches Fach studieren möchten. In diese Kategorie fällt auch Ungarn, das mit über 3.000 deutschen Studenten immerhin Platz 12 im Ranking belegt.

Rund 21.500 Deutsche studieren in den Niederlanden, damit liegt Holland auf Platz zwei. Dahinter folgen die üblichen Verdächtigen: Großbritannien, Schweiz, USA, Frankreich und Spanien.

Doch tauchen auch vermehrt neue Namen in der Liste auf. So gibt es immerhin schon mehrere Hundert Studierende aus Deutschland, die in Ländern wie Südafrika, Bulgarien, Israel, Litauen, Brasilien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten studieren.

Das sind die beliebtesten Ziele für ein Auslandsstudium:

  • 1. Österreich
  • 2. Niederlande
  • 3. Großbritannien
  • 4. Schweiz
  • 5. USA
  • 6. Frankreich
  • 7. Spanien
  • 8. China
  • 9. Schweden
  • 10. Italien
  • 11. Dänemark
  • 12. Ungarn
  • 13. Türkei
  • 14. Norwegen
  • 15. Finnland
  • 16. Kanada
  • 17. Irland
  • 18. Belgien
  • 19. Portugal
  • 20. Australien

Wie finanziere ich mein Auslandsstudium?

Das ist einfach. Pumpen Sie einfach ihre Eltern an.

Nein, Spaß beiseite. Natürlich nützt es, wenn das Elternhaus finanziell unter die Arme greift. Ein Auslandsstudium ist mit erhöhten Kosten verbunden, ohne Wenn und Aber. Die Höhe der Kosten aber hängt stark vom Zielland ab. Ein Studium in den USA oder Großbritannien ist teurer als eines in Ungarn oder Polen.

In die Rechnung sollten die Lebenshaltungskosten vor Ort einfließen, Studiengebühren, Reisekosten und auch die Frage, wie man die laufenden Kosten in Deutschland deckt. Pkw abmelden? Studentenbude kündigen oder untervermieten?

Studenten, die weniger solvent sind, können zum Glück noch die eine oder andere helfende Hand ergreifen. Diese Finanzierungsmöglichkeiten gibt es:

  • Auslands-Bafög

    Das Bundesbildungsministerium schreibt: „Unter bestimmten Bedingungen kann auch eine Ausbildung im Ausland gefördert werden.“

    So ist ein Studium in einem EU-Land sowie der Schweiz von Beginn an bis zum Erwerb des ausländischen Ausbildungsabschlusses förderfähig. Für ein Studium außerhalb der EU sind die Anforderungen höher – aber nicht gänzlich außer Reichweite. Für die Bafög-Auslandsförderung sind – je nach Zielland unterschiedliche – zentrale Auslandsämter in Deutschland zuständig.

    Wer schon in Deutschland Bafög kassiert hat, sollte Auslands-Bafög unbedingt beantragen.

  • Erasmus

    Erasmus ist ein Förderprogramm der EU, das sich unter Studenten konstant hoher Beliebtheit erfreuen. Manche sagen, so ließe sich die Durchschnittsnote upgraden – und das bei deutlich verringertem Arbeits- und erhöhtem Feiereinsatz.

    Erasmus ermöglicht Auslandsaufenthalte im EU-Ausland, meist von einem oder zwei Semestern. Mittlerweile ist aus Erasmus das erweiterte Programm Erasmus+ geworden.

    Als Erasmus-Stipendiat zahlt man im Ausland keine Studiengebühren. Dafür werden erworbene Leistungen anerkannt, die monatliche Förderung beträgt für Studenten bis zu 500 Euro.

  • Bildungskredit der KfW

    Das Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau richtet sich an Schü­ler und Stu­die­ren­de in fort­ge­schrit­te­nen Aus­bil­dungs­pha­sen. Der Bil­dungs­kre­dit wird un­ab­hän­gig vom ei­ge­nen Ein­kom­men so­wie dem Vermögen der El­tern oder des Ehepartner ge­währt. Er beträgt zwischen 1.000 und 7.200 Euro – bei einem Zinssatz von derzeit 0,72 Prozent.

    Grundsätzlich sind auch Studenten im Auslandsstudium förderfähig. Die KfW schreibt dazu: „Eine Prüfung, ob das Studium bzw. die Schulausbildung gefördert werden kann, erfolgt erst nach Eingang der Studien- bzw. Ausbildungsunterlagen. Gegebenenfalls wird über die zuständige Landesbehörde bzw. die Ständige Konferenz der Kultusminister geprüft, ob der Studiengang bzw. die Schulausbildung einer deutschen Ausbildung gleichwertig ist. Die üblichen Voraussetzungen für die Bewilligung bleiben davon unberührt.“

Auslandsstudium Checkliste: Daran sollten Sie denken!

Auslandsstudium Checkliste: Daran sollten Sie denken!Ein Auslandsstudium sollte gut geplant sein. Das sind die wichtigsten Punkte, die Sie nach und nach abhaken sollten:

  • Zielland auswählen
  • Bewerbungen schreiben
  • Anerkennung in Deutschland prüfen
  • Einschreiben und Formalitäten klären
  • Unterkunft suchen
  • Eigene Wohnung kündigen oder vermieten
  • Visum beantragen (außerhalb der EU)
  • Förderung beantragen (z.B. Auslands-Bafög)
  • Schutzimpfungen vornehmen
  • Versicherungen abschließen (u.a. Private Auslandskrankenversicherung)
  • Kreditkarte besorgen (bzw. auf Zahlungsmodalitäten vor Ort einstellen)
  • Flugticket buchen
[Bildnachweis: 4 PM production by Shutterstock.com]
16. Juni 2018 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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