Werbung
Werbung

Auslandsstudium: Arten, Bewerbung, Kosten & Stipendium

Das Auslandsstudium ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Kommilitonen beneiden Sie, Arbeitgeber umwerben Sie. Immerhin lässt es Sie reifen und wachsen, stellt Sie auf eigene Füße. Und Spaß haben Sie überdies auch noch. Doch sollte der Trip in die Ferne gut geplant sein. Ein Auslandsstudium ohne Erasmus ist nicht nur sündhaft teuer, es kann auch ungeahnte Nachteile haben. Zu den Voraussetzungen, Kosten und wie Sie es finanzieren…



Auslandsstudium: Arten, Bewerbung, Kosten & Stipendium

Anzeige

Was ist ein Auslandsstudium?

Das Auslandsstudium ist ein studienbezogener Auslandsaufenthalt für einen vorher festgelegten Zeitraum, bei dem Sie an einer oder mehreren Hochschulen in einem anderen Land studieren. Während des Auslandsstudiums besuchen Sie vor Ort die Universität, nehmen an Veranstaltungen, Seminaren und auch Prüfungen teil. Je nach Angebot an Ihrer Heimat-Universität und Ihren Vorstellungen kann das Studium in Ausland unterschiedliche Arten haben:

  • Vollstudium
    Sie absolvieren Ihr gesamtes Studium im Ausland. Je nach Studiendauer bleiben Sie für mindestens sechs Semester. Nach dem Grundstudium als Auslandsstudium können Sie an eine deutsche Universität zurückkehren – oder auch einen Master im Ausland machen.
  • Teilstudium
    Wenn Sie ein oder mehrere Semester an einer Universität in einem anderen Land verbringen wollen, wird dies als Teilstudium bezeichnet. Bei einem einzelnen Semester handelt es sich um ein Auslandssemester.
  • Aufbaustudium
    Das Aufbaustudium baut auf einem erfolgreichen Grundstudium auf. Sie haben beispielsweise den Bachelor bereits abgeschlossen und gehen nun an eine andere Hochschule, um das Wissen Ihres Studiums zu vertiefen oder zu spezialisieren.
  • Promotionsstudium
    Ähnlich wie beim Aufbaustudium geht hier ein abgeschlossenes Studium voraus, das um eine Promotion mit eigener Forschung angereichert wird. Sie legen Ihre Promotion im Ausland ab und erhalten beim erfolgreichen Abschluss Ihren Doktortitel.
  • Summer Sessions
    Bei den sogenannten Summer Sessions handelt es sich um eine Vielzahl an Kursen und Angeboten, die meist in den Semesterferien stattfinden. So können Sie im Ausland an die Uni gehen, während in Deutschland gerade vorlesungsfreie Zeit ist.

Voraussetzungen fürs Auslandsstudium

Gute Nachricht für alle Studenten, die ins Ausland wollen: Die Voraussetzungen sind zunächst nicht sonderlich groß. Sie müssen vor allem über eine Hochschulzugangsberechtigung verfügen – die Sie aber ohnehin auch für Ihr Studium in Deutschland brauchen. Mit der Hochschulreife können Sie auch an ausländischen Hochschulen studieren. Zusätzlich wird oft vorausgesetzt, dass Sie bereits ein oder zwei Semester erfolgreich abgeschlossen haben. Ein Auslandssemester kann somit nicht sofort das erste Semester des Studiums sein.

Teilweise werden auch gewisse Sprachkenntnisse erwartet. Um sicherzustellen, dass Sie die Studieninhalte auch in einer anderen Sprache verstehen, müssen Sie mit einem Test (etwa TOEFL oder DELF) nachweisen, dass Sie eine Fremdsprache gut genug sprechen.

Anzeige

Bewerbung für ein Auslandsstudium

Wer im Ausland studieren will, sollte sich zunächst bei seiner Hochschule über das Land seiner Wahl erkundigen. Die Heimatuniversität hat mit dem Akademischen Auslandsamt (AAA – häufig auch als International Office, IO, bezeichnet) eine Anlaufstelle, die sich um Auslandsfragen aller Art kümmert. Das AAA hilft auch beim Bewerbungsprozess. Dabei macht es einen großen Unterschied, wie Sie ins Ausland gehen wollen:

  • Austauschprogramm
    Ein Auslandssemester an einer Partner-Uni der eigenen Hochschule ist vergleichsweise leicht planbar. Oder ein Erasmus-Jahr im europäischen Ausland. Die Austauschprogramme unterstützen Sie im gesamten Prozess. Sie bewerben sich direkt bei den Anbietern und müssen entsprechende Unterlagen einreichen. Dazu zählt oft auch ein Empfehlungsschreiben von Professoren.
  • Freemover
    In diesem Fall organisieren Sie alles selbst – ohne Partner-Uni oder Austauschprogramm. Damit fehlen Ihnen nicht nur wichtige Ansprechpartner und Unterstützung wie im Falle eines Austauschprogramms, sondern die Anerkennung Ihrer Studienleistungen kann sich schwierig gestalten.

Außerdem legt jede Hochschule ihre eigenen Spielregeln für die Zulassung fest. Sie müssen je nach Anforderungen Bewerbungsunterlagen, Zeugnisse und Empfehlungsschreiben einreichen. Teilweise müssen Sie auch einen Aufnahmetest bestehen. Ein deutlich größerer Aufwand. In unserem Dossier erfahren Sie mehr über die Bewerbung fürs Auslandsstudium.

Auslandsstudium: Infos zur Bewerbung

AnzeigePodcast Ohmyjob Karrierebibel Teaser

Was kostet ein Auslandsstudium?

Ein Auslandsstudium ist mit erhöhten Kosten verbunden. Die Höhe der Kosten aber hängt stark vom Zielland ab. Ein Studium in den USA oder Großbritannien ist deutlich teurer als in Ungarn oder Polen. Gerade die Lebenshaltungskosten vor Ort machen einen großen Unterschied. Ebenso variieren Studiengebühren und Reisekosten. Was Sie bei den Kosten nicht vergessen dürfen: Gibt es in Deutschland Ausgaben, die weiter laufen? Vielleicht müssen Sie Ihre Studentenbude für die Zeit untervermieten.

Generelle Aussagen über Kosten sind schwierig, da der größte Kostenfaktor häufig die Studiengebühren sind. Das können mehrere Tausend Euro sein – in anderen Ländern werden nur geringe oder keine Gebühren erhoben. Oder aber Sie sind als EU-Bürger davon befreit, weil nur ausländische Studierende aus Nicht-Mitgliedsstaaten Studiengebühren zahlen müssen. Trotzdem müssen Sie mit Kosten von mindestens 5.000 bis 10.000 Euro für ein Auslandsstudium rechnen. Bei längerem Aufenthalt und höheren Gebühren steigen auch die Kosten weiter an.

Auslandsstudium steuerlich absetzbar

Immerhin: Neben diversen Wegen zur Studienfinanzierung (siehe nächsten Abschnitt) haben Sie vielleicht die Möglichkeit, Ihre Ausgaben mit der Steuererklärung abzusetzen. Ob Sie Studiengebühren absetzen können, hängt allerdings von verschiedenen Voraussetzungen ab. Je nach Situation können Sie die Kosten als Sonderausgaben bis 6.000 Euro oder als Werbungskosten in unbegrenzter Höhe absetzen.

Anzeige

Auslandsstudium finanzieren: Tipps für mehr Geld

Nur wenige Studenten besitzen den Luxus, von ihren Eltern vollfinanziert zu werden – erst recht nicht bei einem deutlich teureren Auslandsstudium. Viele müssen sich durch Studentenjobs Geld hinzuverdienen. Fürs Studieren in Europa beziehungsweise innerhalb der EU meist kein Problem – dank diverser Abkommen.

Anders kann es im außereuropäischen Ausland aussehen. Studenten, die weniger solvent sind, können zum Glück noch die eine oder andere helfende Hand ergreifen. Diese Finanzierungsarten gibt es:

  1. Auslands-Bafög

    Ein Studium in einem EU-Land sowie der Schweiz ist von Beginn an bis zum Erwerb des ausländischen Ausbildungsabschlusses förderfähig. Für ein Studium außerhalb der Europäischen Union (EU) sind die Anforderungen höher – aber nicht gänzlich außer Reichweite. Für die Bafög-Auslandsförderung sind – je nach Zielland unterschiedliche – zentrale Auslandsämter in Deutschland zuständig.

    Wer schon in Deutschland Bafög erhält, sollte unbedingt Auslands-Bafög beantragen. Aber auch so können Sie für Auslands-Bafög infrage kommen, da die Förderbeträge höher sind. Tipp: Informieren Sie sich mindestens ein halbes Jahr vorher und stellen Sie den Antrag – Sie können nur gewinnen.

  2. Erasmus

    Das Erasmus Programm ist ein Förderprogramm der EU, das sich unter Studenten großer Beliebtheit erfreut. Erasmus ermöglicht Auslandsaufenthalte im EU-Ausland, meist von einem oder zwei Semestern. Mittlerweile ist aus Erasmus das erweiterte Programm Erasmus+ geworden.

    Als Erasmus-Stipendiat zahlen Sie im Ausland keine Studiengebühren. Dafür werden erworbene Leistungen anerkannt, die monatliche Förderung beträgt für Studenten bis zu 450 Euro plus weitere 105 Euro in Kombination mit einem Praktikum. Zudem richten sich die Fördersätze nach den Lebenshaltungskosten, die in einigen Ländern (beispielsweise in Skandinavien und Großbritannien) besonders hoch sind.

  3. Bildungskredit der KfW

    Das Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau richtet sich an Schü­ler und Stu­die­ren­de in fort­ge­schrit­te­nen Aus­bil­dungs­pha­sen. Der Bil­dungs­kre­dit wird un­ab­hän­gig vom ei­ge­nen Ein­kom­men so­wie dem Vermögen der El­tern oder des Ehepartner ge­währt. Für bis zu zwei Jahre können Sie im Bildungskredit jeden Monat 300 Euro erhalten – ein Gesamtbetrag von 7.200 Euro. Der aktuelle Zinssatz liegt bei 4,32 Prozent.

    Alternativ können Sie auch auf einen privaten Studienkredit anderer Banken, Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken zurückgreifen. Ein Vergleich kann sich in jedem Fall lohnen.

  4. Bildungsfonds

    Aus den USA stammt noch ein etwas anderes Finanzierungskonzept, der Bildungsfonds. Hierbei handelt es sich um ein rein privatwirtschaftliches Kreditangebot. Auch diesen müssen Sie mit Eintritt ins Berufsleben zurückzahlen. Wie hoch Ihre tatsächliche Rückzahlungssumme jedoch ist, richtet sich nach Ihrem (zu erwartenden) Einkommen.

    Finanzierungsgrundlage von Bildungsfonds sind meist Investmentfonds. Meist erhalten nur Studenten mit vielversprechenden Jobperspektiven die Zusage. Heißt: Sie brauchen nicht nur hervorragende Noten, sondern auch einen Studiengang, der Ihnen später ein lukratives Einkommen sichert.

  5. Auslandsstudium: Stipendien für den Aufenthalt

    Um die hohen Kosten zu decken, ohne sich verschulden zu müssen, können Stipendien eine Lösung sein. Der große Vorteil: Sie müssen ein Stipendium nicht zurückzahlen, sondern werden ohne eine Gegenleistung gefördert. Zusätzlich ist ein solches Stipendium eine Auszeichnung und ein Pluspunkt in späteren Bewerbungen – schließlich konnten Sie sich dafür qualifizieren und gegen meist viele andere Bewerber durchsetzen.

    Vergeben werden Stipendien für ein Auslandsstudium von Vereinen, Stiftungen, Unternehmen, Hochschulen oder anderen Organisationen. Die Förderung ist dabei meist auf bestimmte Kriterien ausgerichtet.

  • Stipendien für bestimmte Fachbereiche
  • Stipendien für bestimmte Länder
  • Stipendien bei besonders guten Leistungen

Mit eigener Recherche können Sie verschiedene Stipendienangebote finden, die für Sie passen könnten. Leichter macht es die Stipendiendatenbank des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Hier können Sie zahlreiche Stipendien finden und sich gleich darauf bewerben.

Die beliebtesten Länder für ein Auslandsstudium

Es muss nicht immer eine Weltreise sein: Die meisten Studierenden bleiben im Auslandsstudium nah der Heimat. So führt Österreich die Liste der beliebtesten Destinationen deutscher Studierender an. In Österreich finden auch viele NC-Flüchtlinge Asyl, die ohne Verzögerung ein medizinisches Fach studieren möchten. In diese Kategorie fällt auch Ungarn, das mit über 3.000 deutschen Studenten immerhin Platz 12 im Ranking belegt.

Rund 21.500 Deutsche studieren in den Niederlanden, damit liegt Holland auf Platz zwei. Dahinter folgen Großbritannien, Schweiz, USA, Frankreich und Spanien. Doch tauchen auch vermehrt neue Namen in der Liste auf. So gibt es immerhin schon mehrere Hundert Studierende aus Deutschland, die in Ländern wie Südafrika, Bulgarien, Israel, Litauen, Brasilien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten studieren.

Vor- und Nachteile eines Auslandsstudiums

Zum Auslandsstudium hört man meist nur Gutes. So ein Studium in Amerika, Asien oder Auslandseuropa ist eine große Erfahrung und unvergessliches Erlebnis. Das hat viele Vorteile, doch gibt es auch einige Nachteile, die Sie nicht ignorieren sollten:

Vorteile

  • Persönlichkeitsentwicklung

    Ein Auslandsstudium formt den Charakter. Sie sind auf sich alleine gestellt, müssen Probleme lösen, neue Menschen kennenlernen und sich an einem fremden Ort zurechtfinden. Dabei entwickeln Sie sich weiter und lernen viel dazu – auch über sich selbst.

  • Fremdsprachenkenntnisse verbessern

    Sprachen lernen Sie am besten, wenn Sie dauerhaft davon umgehen sind. Sie müssen schon gewisse Kenntnisse mitbringen, doch der Aufenthalt wird Ihre Fremdsprachenkenntnisse auf ein neues Level heben. Vokabular, Aussprache und Grammatik – Sie werden vielleicht nicht gleich zum Muttersprachler, aber deutlich besser.

  • Lebenslauf pimpen

    Auslandserfahrung ist auf dem Arbeitsmarkt ein großer Pluspunkt. Oft arbeiten Unternehmen international. Das Auslandsstudium zeigt zudem ihre Eigenständigkeit und interkulturelle Kompetenz.

  • Netzwerk vergrößern

    Ein großes Netzwerk ist ein Erfolgsfaktor. In einem Auslandsstudium lernen Sie viele Menschen kennen – an Ihrer eigenen Universität, beim Austauschprogramm und natürlich an der neuen Hochschule. Kontakte schaden immer nur dem, der keine hat.

Nachteile

  • Hohe Kosten

    Ein Auslandsstudium kann große Summen verschlingen. Die USA mögen ein beliebtes Land sein, doch je nach Studiengebühren kann der Aufenthalt hier auch 20.000 bis 30.000 Euro kosten. Unterkunft, Verpflegung, Flug – das kann sich nicht jeder leisten. Wer kein Stipendium bekommt, kann aufgrund der Kosten vielleicht nicht im Ausland studieren.

  • Fehlende Anerkennung

    Die Anerkennung ausländischer Berufs- und Bildungsabschlüsse ist nicht immer leicht. Als Erasmus-Student mit einem Semester in Frankreich gibt es wohl kaum Probleme. Anders kann es aussehen, wenn Sie in einem exotischeren Land studieren oder Ihr gesamtes Studium im Ausland absolvieren. Informieren Sie sich genau, ob Ihr Abschluss später anerkannt wird.

  • Geringe Lernfortschritte

    Ein Studium ist schwierig – in einer fremden Sprache ist es noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Sie brauchen länger, können Zusammenhänge nicht so leicht erkennen oder machen Fehler durch Sprachprobleme. Auch ist es schwierig, das in einer Fremdsprache gelernte Wissen später in der Muttersprache wiederzugeben.

Auslandsstudium Checkliste: Daran sollten Sie denken!

Ein Auslandsstudium sollte gut geplant sein. Das sind die wichtigsten Punkte, die Sie nach und nach (hier bequem im Browser) abhaken sollten:

  • Zielland auswählen
  • Bewerbungen schreiben
  • Anerkennung in Deutschland prüfen
  • Einschreiben und Formalitäten klären
  • Unterkunft suchen
  • Eigene Wohnung kündigen oder vermieten
  • Visum beantragen (außerhalb der EU)
  • Förderung beantragen (z.B. Auslands-Bafög)
  • Schutzimpfungen vornehmen
  • Versicherungen abschließen (u.a. Private Auslandskrankenversicherung)
  • Kreditkarte besorgen (bzw. auf Zahlungsmodalitäten vor Ort einstellen)
  • Flugticket buchen

Was andere dazu gelesen haben

[Bildnachweis: Vector Goddess by Shutterstock.com]