Promotion: Der Weg zum Doktortitel

Über die Promotion erlangen Promovierende den Doktortitel. Er ist die Krönung aller akademischen Aktivitäten: Ein Zeichen für hohe Selbstdisziplin, wissenschaftliches Können und großes Fachwissen auf einem bestimmten Gebiet. Trotz mancher Skandale genießt er in Deutschland einen guten Ruf und kann zahlreiche Vorteile bieten. Doch zunächst wartet häufig ein jahrelanger Weg mit hohen Anforderungen auf angehende Doktoranden. So attraktiv der Doktortitel auch sein mag: Ob sich eine Promotion lohnt, hängt von den individuellen Zielen ab…

Promotion: Der Weg zum Doktortitel

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Verschiedene Wege führen zur Promotion

Einer Promotion geht ein anspruchsvoller und meist langwieriger Weg voraus. Durchschnittlich drei bis fünf Jahre investieren Doktoranden in ihre Promotion, bevor sie nach bestandener Prüfung den Doktortitel führen dürfen. Umfassende Forschungsarbeit und Arbeit für den Lebensunterhalt prägen diese Jahre. Wer eine Promotion angeht, benötigt hohe Selbstdisziplin, intrinsische Motivation und klare Ziele. Zwei klassische Wege zur Promotion stehen angehenden Doktoranden grundsätzlich offen:

  1. Individuelle Promotion

    Bei der häufigsten Promotionsform suchen sich Studenten einen Doktorvater oder eine Doktormutter, die sie auf dem Weg zur Doktorarbeit betreut und begleitet. Sie erstellen ihre Dissertation weitgehend eigenständig und arbeiten dabei – nach Bedarf – mit anderen Wissenschaftlern zusammen. Die Promotion kann sowohl an einer Universität als auch einer außeruniversitären Forschungseinrichtung oder in der Industrie stattfinden. Die Dauer richtet sich nach der individuellen Gestaltung, aber auch dem Studiengang.

  2. Strukturierte Promotion

    Der seltenere und weniger bekannte Weg ist die Teilnahme an einem strukturierten Doktorandenprogramm. Bundesweit gibt es aktuell über 700 solcher Programme, in denen angehende Doktoranden ihre Promotion absolvieren können. Im Rahmen dieser Programme werden Doktoranden von einem Betreuerteam begleitet. Die Programme sind oft international ausgerichtet, meist ist Englisch daher Arbeitssprache. Der Vorteil für Doktoranden: In einem promotionsbegleitenden Curriculum erlernen sie meist auch Soft Skills und wichtige Netzwerkfähigkeiten, die nach Abschluss der Promotion wichtig werden.

Die strukturierten Promotionsprogramme unterscheiden sich sowohl inhaltlich als auch organisatorisch deutlich. Manche sind auf bestimmte Forschungs- und Fachrichtungen ausgelegt während andere den Schwerpunkt auf die Zusammenarbeit mit bestimmten Wissenschaftlern oder Forschern legen. Eine einheitliche Datenbank für Promotionsprogramme und -möglichkeiten gibt es leider nicht. Eine gute Anlaufstelle stellt jedoch die Promotionssuche des Hochschulkompass dar, getragen durch die Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz.

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Häufige Fragen zum Promovieren

Was ist eine Promotion an der Uni?

In Deutschland besitzen nur Universitäten (und mit ihnen gleichgestellte Hochschulen) das sogenannte Promotionsrecht. Das heißt, sie dürfen dem Promovenden den Doktorgrad verleihen. Dieser Vorgang nennt sich Promotion. Eine Promotion ist dann möglich, wenn der Promovend zuvor mit seiner Dissertation einen eigenständigen Forschungsbeitrag verfasst hat.

Dieser sollte neue wissenschaftliche Ergebnisse präsentieren und somit einen entscheidenden Anteil zu gegenwärtigen Forschungsthemen beisteuern. Es handelt sich dabei um sogenannte „Forschungsdesiderate“, also Themen, von denen Forscher sich wünschen, dass sich ihrer jemand annimmt, um die Ergebnisse für eigene Forschungsvorhaben nutzen zu können.

Was ist der Unterschied zwischen Dissertation und Promotion?

Beides hängt zusammen, das eine ist ohne das andere nicht möglich: Um eine Promotion zu erhalten, müssen Doktoranden zuvor ihre Dissertation verfassen. Dabei handelt es sich um eine anspruchsvolle Abschlussarbeit, welche die Ergebnisse ihrer (oft jahrelangen) Forschung zusammenträgt und präsentiert.

Erst wenn der Doktorand seine Dissertation abgegeben, verteidigt und publiziert hat, erhält er oder sie die Promotionsurkunde. Damit erhalten die frischgebackenen Doktoren das Recht, den Doktortitel zu tragen. Dissertation ist also der Beitrag des Promovierenden, um durch den Prüfungsausschuss schließlich die Promotion zu erhalten.

Wie kommt man zu einer Promotion?

Nicht jeder Hochschulabsolvent hat die Fähigkeit oder Erlaubnis, zu promovieren. Folgende Voraussetzungen sind erforderlich:

  • Vorliegen eines guten oder sehr guten vorherigen Studienabschlusses (heutzutage meist Master)
  • Erfüllen der formalen Voraussetzungen gemäß Promotionsordnung (zum Beispiel besondere Sprachkenntnisse)
  • Themenfindung und Planung der Doktorarbeit
  • Verfassen eines Exposés
  • Suche nach einem Doktorvater/einer Doktormutter (Abschluss einer Betreuungsvereinbarung)
  • Schriftlicher Antrag bei der zuständigen Fakultät auf Annahme als Doktorand (Nachweise, Lebenslauf, Erklärungen)
  • Annahme durch den Promotionsausschuss
  • Anfertigen der Dissertation
  • Begutachtung der Dissertation
  • Zulassung zur Promotionsprüfung (mündliche Prüfung in Form von Disputation oder Rigorosum)
  • Druckgenehmigung und Publikation der Doktorarbeit (inklusive Pflichtexemplaren)
Was bedeutet das Wort Promotion?

Wörtlich übersetzt bedeutet das Wort Promotion „Beförderung„. Es leitet sich vom lateinischen Begriff promotio ab. In dieser Bedeutung wird es übrigens auch im Englischen verwendet: „She got a promotion“ bedeutet, dass eine Mitarbeiterin (im Arbeitskontext) befördert wurde. Wollten Sie in einer Unterhaltung auf Englisch darauf hinweisen, dass Sie promoviert haben, würden Sie eher umschreibende Formulierungen benutzen. Zum Beispiel: „I did my doctorate in…“, „I graduated in…“ oder „My graduate degree is…“

In Deutschland bezeichnet Promotion die Verleihung eines Doktorgrades. Das geschieht, nachdem der Doktorand das gesamte Promotionsverfahren inklusive Antrag, Verfassen und Publikation durchlaufen hat. Erst danach sind Sie überhaupt erst berechtigt, offiziell den Doktorgrad zu führen. An manchen Universitäten ist übergangsweise die Bezeichnung Dr. des. (doctor designatus) möglich.

Wie nennt man einen Arzt ohne Doktortitel?

Viele Menschen verbinden den Beruf des Arztes mit dem Doktortitel. Das ist die umgangssprachliche Bezeichnung für den höchsten akademischen Grad, den Doktorgrad. Diesen erlangt man erst über den Prozess der Promotion, für den Sie eine Dissertation verfassen müssen.

Zwingend notwendig ist dieser in der Medizin allerdings nicht: Auch ohne Doktortitel ist ein Mediziner mit erfolgreichem Staatsexamen ein Arzt. Als Anrede können Sie einfach „Frau…“ oder „Herr…“ benutzen. Ein Arzt ohne Doktortitel ist durch das Gesetz berechtigt, als Angestellter oder mit eigener Praxis zu arbeiten.

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Voraussetzungen für die Promotion

Die Voraussetzungen für eine Promotion legen die jeweiligen Promotionsordnungen der verschiedenen Universitäten fest. Auch wenn es hier Überschneidungen gibt, existieren leider keine allgemein gültigen Richtlinien oder Maßstäbe. Angehende Doktoranden müssen sich daher bei den infrage kommenden Universitäten direkt über die Anforderungen informieren. Üblicherweise erhalten nur Hochschulabsolventen mit höherem Studienabschluss (Master, Staatsexamen, Diplom, Magister) Zugang zur Promotion.

Einige Promotionsordnungen lassen jedoch auch den Einstieg mit einem Bachelor zu: Fast-Track-Promotion nennt sich das dann. Der irreführende Begriff deutet allerdings keinen Doktortitel im Eilverfahren an. Vielmehr verkürzt sich lediglich die Studiendauer insgesamt, da die Bachelorabsolventen das Masterstudium überspringen dürfen. Einige Aspekte sind jedoch bei fast allen Promotionsordnungen zu finden. Angehende Doktoranden benötigen Folgendes:

  • Einen Doktorvater/eine Doktormutter

    Der Betreuer oder die Betreuerin ist – zumindest bei individuellen Promotionen – essentiell. Da es keine Verzeichnisse von Betreuern oder Betreuerinnen gibt, sind Studenten auf Recherche im akademischen Umfeld angewiesen. Bereits veröffentlichte Dissertationen, Erfahrungsberichte von Doktoranden, Literaturverzeichnisse wissenschaftlicher Arbeiten und Alumni Plattformen eignen sich allesamt als Recherchequellen. In vielen Fällen geben auch die Sekretariate oder Studierendenberatungen der Universitäten Auskunft über mögliche Doktorväter respektive Doktormütter.

  • Ein umfassendes Exposé

    Das Exposé der Dissertation ist nicht nur für das Gespräch mit dem Doktorvater oder der Doktormutter relevant. Es stellt auch die Grundlage für die Annahme durch den Promotionsausschuss dar. Der Promotionsausschuss besteht meist aus mehreren promotionserfahrenen Professoren der jeweiligen Universität. Er entscheidet schlussendlich darüber, ob ein angehender Doktorand zur Promotion zugelassen wird. Die Kriterien für die Zulassung hängen von der Promotionsordnung ab.

  • Überdurchschnittliche akademische Leistungen

    Die meisten Promotionsordnungen sehen vor, dass nur Studierende mit überdurchschnittlichen akademischen Leistungen eine Zulassung zur Promotion erhalten. Dieses Kriterium dient einerseits zur Qualitätssicherung und soll sicherstellen, dass nur wirklich fähige Studierende den Doktortitel anstreben können. Andererseits ist es jedoch auch ein Filter im Sinne der Studierenden. Nur wer leidenschaftlich an seinem Forschungsthema interessiert ist und Spaß an der wissenschaftlichen Arbeit findet, wird eine Promotion durchziehen.

Diese Voraussetzungen verdeutlichen, dass eine Promotion hohe Anforderungen an die Doktoranden stellt. Diese entstehen auch durch die wirtschaftlich oft prekäre Situation während der Promotion.

Klassische Doktoranden arbeiten während der Promotion in Teilzeit als wissenschaftliche Mitarbeiter an der jeweiligen Universität. Die Bezahlung ist meist überschaubar, die Arbeitszeit dafür hoch. Wer in der Industrie – on the job – promoviert, verdient meist besser, hat jedoch noch weniger (Frei)Zeit für seine Promotion.

Unterschiede bei Promotion in Medizin

Im Gegensatz zu vielen anderen Studiengängen ist der Doktor in Medizin mit deutlich weniger Aufwand verbunden und weist auch so einige Unterschiede auf. Beispielsweise dürfen angehende Doktoranden in Medizin noch vor Abschluss ihres Medizinstudiums mit der Dissertation anfangen:

Auch kann der Umfang einer medizinischen Doktorarbeit deutlich geringer (wie eine Hausarbeit in den Geisteswissenschaften) ausfallen. Dementsprechend kann sich die Dauer reduzieren. Abhängig ist das davon, ob jemand eine experimentelle, klinische, statistische oder theoretische Doktorarbeit verfasst. Am schnellsten fertig sind Promovierende, die sich für eine statistische Dissertation entscheiden: Sie greifen auf bereits vorliegende Daten von Studien zurück.


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Lohnt sich eine Promotion?

Angesichts der Hürden steht schnell die Frage im Raum: Lohnt sich eine Promotion? Ein Blick auf verschiedene Studien und Erhebungen legt eine positive Antwort nahe. Die allgemeine Erkenntnis dabei lautet: Eine Promotion wirkt sich zum Teil deutlich auf die spätere Bezahlung im Job aus. Manche Studien zeigen sogar Gehaltsunterschiede von bis zu 32 Prozent. Dieses finanziellen Vorteile relativieren sich jedoch bei genauer Betrachtung, da Absolventen ohne Promotion meist viel früher im Berufsleben stehen und entsprechend früher Geld verdienen.

Dennoch haben promovierte Mitarbeiter bessere Karriere- und Berufschancen und profitieren meist spürbar von ihrem Doktortitel. Auch die seit Jahren steigenden Promotionszahlen scheinen diese Vorteile zu unterstreichen. Da mutet es seltsam an, dass nach verschiedenen Schätzungen fast jede dritte Promotion abgebrochen wird. Wer hier nach handfesten Zahlen sucht, stößt auf ein Problem: Kaum eine Universität veröffentlicht die Zahl der Promotionsabbrüche.

Gründe für Abbruch der Promotion

Aber es gibt Umfragen und wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit den Motiven für einen Promotionsabbruch befassen. Das Institut für Hochschulforschung führt beispielsweise folgende Motive an:

Für viele Doktoranden steht früher oder später die Frage im Raum, ob der potenzielle Nutzen einer Promotion die enorme Belastung wirklich rechtfertigt. Dazu kommt, dass so mancher Doktorand während seiner Promotion lukrative Angebote aus Industrie und Wirtschaft erhält.

Ein Promotionsabbruch muss kein Karrierenachteil sein – wenn Doktoranden den Schritt nachvollziehbar begründen können. Steht beispielsweise ein hervorragendes Jobangebot im Raum oder merken Doktoranden, dass sie sich in der beruflichen Praxis schneller weiterentwickeln können, ist der Schritt auch für künftige Arbeitgeber nachvollziehbar.

Promovieren neben dem Job: Geht das?

Schon die Belastung und der Aufwand für eine Promotion sind enorm groß. Umso schwieriger, wenn Sie gleichzeitig auch noch für Ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen und so eine Doppelbelastung entsteht. Tatsächlich entscheiden sich aber immer mehr Arbeitnehmer für genau diesen Weg, etwa aus finanziellen Gründen, um während der Promotion Geld verdienen zu können.

Aber lohnt es sich, neben dem Job zu promovieren? Eine Promotion neben dem Job muss für Sie funktionieren und richtig sein. Deshalb sollten Sie sich Ihre Lage genau ansehen, wenn Sie mit dem Gedanken spielen. Folgende Tipps können Sie dabei unterstützen:

  1. Finden Sie ein geeignetes Thema

    Wer vielleicht bereits seit einigen Jahren berufstätig ist, hat es nicht immer ganz leicht, ein passendes Thema zu finden. Hier hilft eine gute Recherche und Rücksprache mit dem Betreuer. Vielleicht ist es sogar möglich, ein Thema zu finden, dass relevant für den eigenen Beruf ist. So werden Sie zum Experten auf Ihrem Gebiet. Am wichtigsten ist jedoch, dass Sie ein Thema finden, dass Sie interessiert.

  2. Holen Sie Ihren Chef ins Boot

    Um neben dem Job promovieren zu können, sollten Sie Ihr Vorhaben mit dem Arbeitgeber absprechen. Viele Unternehmen zeigen dafür Verständnis und Unterstützen den Wunsch des Mitarbeiters sogar. Schließlich profitiert auch der Arbeitgeber von der besseren Qualifikation des Mitarbeiters. Oft kann man sich für eine Zeit lang freistellen lassen oder die Arbeitszeit reduzieren, um mehr Zeit zu haben.

  3. Bleiben Sie diszipliniert

    Es ist wahrlich nicht leicht, sich neben dem Job immer wieder aufzuraffen, zu motivieren und die ohnehin meist knapp bemessene Freizeit zu nutzen, um wissenschaftliche Texte zu lesen, weiterführende Literatur zu suchen und zu durchstöbern und natürlich auch die eigene Doktorarbeit zu schreiben. Hier braucht es eine starke und anhaltende Motivation und die nötige Selbstdisziplin, um am Ball zu bleiben.

  4. Nehmen Sie sich genügend Zeit

    Sie sollten sich bereits im Vorfeld darüber im Klaren sein, dass es einige Zeit in Anspruch nehmen wird, um neben dem Beruf zu promovieren. Doktoranden brauchen nicht ohne Grund mehrere Jahre bis zum Doktortitel – auch wenn Sie nicht nebenbei noch einen Vollzeitjob haben. Planen Sie daher von Anfang an genügend Zeit ein und kommunizieren Sie dies deutlich gegenüber Ihrem Arbeitgeber. Neben dem Job zu promovieren ist ein langer Weg, der sich aber für beide Seiten lohnen kann.

Wann ist die Promotion ein Sprungbrett für die Karriere?

Damit sich die Promotion auszahlt und zum beruflichen Türöffner wird, sollten folgende Voraussetzungen gegeben sein:

1. Karriere mit Doktortitel: Die Branche

Nicht in jeder Branche führt eine Promotion zum Boost der Karriere. Bevor Sie sich für eine Promotion entscheiden, sollten Sie sich vorher genau überlegen, in welcher Branche Sie danach arbeiten möchten.

Promotion erforderlich

  • Chemiker, Biologen und andere Naturwissenschaftler
    Hier ist es oft eine Einstellungsvoraussetzung – vor allem für diejenigen, die in der Forschung arbeiten wollen. Sie beweisen damit, dass sie selbstständig Versuche durchführen, diese dokumentieren und publizieren können sowie über internationale Erfahrungen verfügen.
  • Lehrende an der Universität
    Wer eine universitäre Laufbahn anstrebt, wird um die Promotion nicht herumkommen. Es ist der Weg, um sich als Experte für ein bestimmtes Themengebiet auszuweisen, eine Forschungslücke zu schließen und sich einen Namen zu machen.

Promotion erwünscht

  • Unternehmensberatungen und Steuerprüfungen
  • Banken und Versicherungen
  • Ministerien und Behörden

Für Ingenieure und Betriebswirte ist die Promotion ein Plus, allerdings kein Muss. Hier zählt oft praktische Erfahrung. Eine Alternative, die ebenfalls großes Ansehen genießt und die viele Unternehmen gleichwertig behandeln, ist der Master of Business Administration (MBA).

2. Karriere mit Doktortitel: Der zukünftige Arbeitgeber

Wie groß ist das angestrebte Unternehmen? Familienbetriebe und Mittelständler sind oft abgeschreckt vom Doktortitel, vor allem wenn der Inhaber kein Akademiker ist. Bewerber mit dem Doktortitel werden kritisch beäugt und als überqualifiziert angesehen. Man unterstellt ihnen, realitätsferne Theoretiker zu sein und keinen Bezug zur Praxis zu haben. Hier hilft es, sich im Vorfeld zu überlegen, welche Unternehmen als potentielle Arbeitgeber in Betracht kämen.

Ein weiterer Aspekt ist die angestrebte Position. Für eine mittlere Position ist eine Promotion nicht unbedingt notwendig, hier zählen Praxiserfahrung in Form von Praktika und Auslandsaufenthalten deutlich mehr. Bedenken Sie, dass Ihnen diese fehlen wird, wenn Sie sich für eine Promotion entscheiden, da Sie in der Regel erst mit Ende 20 oder Anfang 30 ins Berufsleben starten.

3. Karriere mit Doktortitel: Das Thema der Dissertation

Das Thema Ihrer Doktorarbeit kann für Ihre späteren Jobchancen entscheidend sein. Praxisorientierte Dissertationen kommen in der freien Wirtschaft besser an, als sehr theoretische Arbeiten. Aus diesem Grund ist es wichtig, bereits im Vorfeld zu wissen, ob Sie lieber an der Universität bleiben oder planen für ein Unternehmen tätig zu sein.

Hier ist auch die Frage, wie Sie Ihre Dissertation verkaufen. Stellen Sie sich als praxisorientierten Experten mit spezifischem Fachwissen oder als versierter Theoretiker dar? Entscheidend ist es, dass Sie Ihre Schlüsselqualifikationen in den Vordergrund stellen. Diese sind der Grund Sie einzustellen.

Ist eine Promotion der richtige Weg für Sie?

Wenn Sie eine Promotion erwägen und die formalen Kriterien erfüllen, sollten Sie Ihre persönliche Situation betrachten. Folgende Reflexionsfragen können Ihnen bei der Entscheidung als Orientierungshilfe dienen:

1. Warum will ich promovieren?

Eine der wichtigsten Fragen, die Sie sich stellen sollten. Treten Sie die Promotion aus den falschen Gründen an, ist es wahrscheinlicher, dass Sie nicht bis zum Ende durchhalten und das Vorhaben vorzeitig abbrechen. Eine abgebrochene Promotion führt zu Lücken im Lebenslauf, für die Sie bei künftigen Bewerbungen eine plausible Erklärung haben müssen. Auch intrinsische Motive sollten hinter Ihrem Vorhaben stehen – oder anders gesagt: Sie sollten aus eigenem Antrieb heraus handeln und die Promotion wirklich wollen.

2. Können Sie sich über längere Zeit für Ihr Thema begeistern?

Als Doktorand müssen Sie sich dauerhaft für das Thema Ihrer Doktorarbeit begeistern können. Auch wenn Probleme und Hürden bei der Beantwortung der Forschungsfrage auftreten. Wer bereits nach Seite 30 der Masterarbeit keine Lust mehr auf das Thema hatte, sollte sich ernsthaft fragen, ob er eine Dissertation durchhält.

3. Sind Sie bereit, andere Dinge hintenanzustellen?

Die Promotion wird viel Zeit und einen großen Teil Ihrer Aufmerksamkeit einfordern. Andere Lebensbereiche kommen dabei vielleicht ein wenig zu kurz oder Sie müssen sich entscheiden, für welche Aspekte noch Zeit bleibt. Dies sollte Ihnen bereits im Vorfeld bewusst sein.

4. Haben Sie die nötige Unterstützung im Umfeld?

Am Ende schreiben Sie die Promotion zwar allein. Gleichzeitig ist es ungemein hilfreich und wichtig, wenn Familie und Freunde Ihnen den Rücken stärken. Dabei geht es nicht nur um die nötige Motivation und mehr Durchhaltevermögen, wenn es einmal schwer wird. Sondern es geht auch um Verständnis, wenn Sie sich zurückziehen und an der Dissertation arbeiten müssen.

5. Kommen Sie mit dem Stress und der Belastung klar?

Mit der Vorbereitung auf die Promotion kommen eine Menge Arbeit, Druck, Stress und eine riesige Herausforderung auf Sie zu. Mancher blüht bei solch einer enormen Arbeitsbelastung erst richtig auf, doch längst nicht jeder kann damit umgehen.

6. Wie selbstdiszipliniert arbeiten Sie?

Bei einem Forschungsvorhaben über mehrere Jahre kommt es darauf an, sich selbst die Arbeit einzuteilen. Sie bestimmen das Tempo, doch Sie müssen sich auch selbst antreiben. Gute Selbstorganisation beziehungsweise Selbstmanagement sind nötig, um eine Dissertation nicht unnötig in die Länge zu ziehen.

7. Wie sieht Ihre finanzielle Lage aus?

Eine Promotion ist auch eine Geldfrage: Haben Sie Chancen auf ein Stipendium? Planen Sie in Teilzeit zu promovieren und nebenher zu arbeiten? Solche Aspekte sollten vorab geklärt sein. Nur so können Sie sich auf das Vorhaben konzentrieren und laufen nicht Gefahr, aus finanziellen Gründen abbrechen zu müssen. Auch Studienschulden sollten Sie bei diesen Überlegungen in Betracht ziehen.

8. Wo möchten Sie promovieren?

Für die Promotion stehen drei Möglichkeiten zur Auswahl: die Universität, das Graduiertenkolleg oder in der Wirtschaft. Jede dieser Möglichkeiten bringt Vor- und Nachteile mit sich:

  • Universität
    Hier gilt es den richtigen Doktorvater zu finden. In der Regel unterstützen Doktoranden den Lehrstuhl neben der Promotion in der Lehre.
  • Graduiertenkolleg
    Dieses ermöglicht über ein Stipendium den Doktoranden, sich vollständig auf ihre Dissertation zu konzentrieren. Doch die Plätze sind rar und sehr begehrt.
  • Wirtschaft
    Diese Variante bedeutet eine Kombination aus Theorie und Praxis. Doch je nachdem wie spezifisch die Forschungsfrage ist, versperrt man sich zukünftige Jobchancen in anderen Unternehmen.

Können Sie diese Fragen positiv beantworten, sind die Voraussetzungen für eine Promotion gegeben. Wollen Sie Ihre Entscheidung weiter vorbereiten, kann der Promotionstest von academics.de Ihnen gute Dienst leisten.

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